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Thüringer Schlösser und Gärten : Home

Molsdorf

Schloss Molsdorf mit Park, Stadt Erfurt

 

Adelssitz des Reichsgrafen Gustav Adolf von Gotter, repräsentatives Wohnschloss aus dem 18. Jahrhundert. Umbau einer ehemaligen Wasserburg zu einem barocken Landsitz und Lustschloss. Vierflügelige Schlossanlage mit reichem plastischen Fassadenschmuck an der Südseite und barocken Raumfassungen von bedeutenden Künstlern. Landschaftsgarten mit Orangerie, Lapidarium und Kanalsystem

Ungefähr zehn Kilometer südwestlich der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt, nahe dem Autobahnkreuz Erfurt (A 4/A 71), erhebt sich aus einer Talsenke in einem etwa acht Hektar großen Landschaftspark Schloss Molsdorf. Hervorgegangen aus einer Wasserburg des 16. Jahrhunderts – woran vor allem die von Türmen gesäumte, noch immer wehrhaft erscheinende Nordfassade erinnert – verdankt es seine heutige Erscheinung im Wesentlichen Reichsgraf Gustav Adolf von Gotter (1692 - 1762).

Dieser weltgewandte Adlige, Diplomat und Lebemann erfreute sich der besonderen Gunst Herzogs Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, in dessen Dienst er stand. Hohes, mit diversen Orden und Titeln verbundenes Ansehen erwarb er sich beim deutschen Kaiser, beim König von Preußen, beim russischen Zaren und vielen Fürsten. Mit Anfang 40, Gotter war auf dem Höhepunkt seiner Karriere und seines Ruhmes angelangt, fand er, wie es eine Inschrift am Nordportal verheißt, mit dem damaligen Rittergut Molsdorf den Winkel der Erde, der ihn von allen am besten gefällt („Hicce terrarum praeter omnes angelus ridet“).

Für den Umbau von einer Burg zum Lustschloss gewann er den am weimarischen Hof angestellten Landbaumeister Gottfried Heinrich Krohne (1703 - 1756). Auch im Hinblick auf die Ausstattung entschied sich Gotter für anerkannte Meister – so etwa den damals bekannten Stuckateur Johann Baptist Pedrozzi (1710-1778). Für den Erhalt der bereits existierenden Lustgärten nebst Orangerien sowie für die Anlage neuer Gartenbereiche in seinem Sinne, schloss Gotter einen „Contract“ mit dem Gärtner Johann Jacob Hartmann.

Insgesamt 15 Jahre befanden sich Schloss und Park Molsdorf in Gotters Besitz. Dass er die heitere Festlichkeit ausstrahlende Gesamtanlage trotz guten Verdienstes, trotz mancher privater Zuwendung aus fürstlicher Schatulle und trotz erfolgreichen Glücksspiels verkaufen musste, dürfte mit dem ausschweifenden Lebensstil Gotters zu erklären sein. War das Schloss da bereits in einem mangelhaften baulichen Zustand, verschlimmerte sich das über Generationen. Nutzungen, wie vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg als Unterkunft für Umsiedler und als Domizil für ein Kinderheim, taten ein Übriges. Noch zu Beginn der 1950er Jahre wurde darum auch ernsthaft ein Abriss erwogen.

„Ich habe viele Lustschlösser deutscher Fürsten gesehen, aber nicht eins, worin ein so verfeinerter Geschmack alles ausgeschmückt hätte, als in diesem, vielleicht dem kleinsten unter allen.“ Über 200 Jahre ist es her, dass der Dichter der Aufklärung, Leopold Friedrich Günther Goeckingk (1748 - 1828) dieses Loblied auf Schloss Molsdorf sang. Tatsächlich beeindruckt das Ensemble bis in die Gegenwart, und da vor allem der von Krohne in Richtung Park als attraktive Schauseite konzipierte, geradezu kulissenartig wirkende zweigeschossige Südflügel mit dem vorgeblendeten Mittelrisalit.

Nur unterbrochen von plastischem Schmuck reihen sich über alle Achsen der Fassade Fenstertüren. Diese symbolisieren gleichsam, was das Haus seit Gotters Auftreten prägte und bis in die Gegenwart so anziehend macht: der bewusst arrangierte Zusammenklang von Drinnen und Draußen, von Mensch und Natur. Getreu Gotters Wahlspruch „Vive la joie“ (Es lebe die Freude), wie er in dem bis an die Decke mit Eiche getäfeltem Fest- und Speisesaal des Hauses vierfach zu lesen ist, strahlt das Innere des Schlosses von Raum zu Raum Heiterkeit aus.

Wie es sich für ein Lustschloss geziemt, ist auch dieses mit manchen Überraschungen ausgestattet. Zum Beispiel mit einer verborgenen Wendeltreppe, die vom Schlafgemach des Grafen direkt in den Weinkeller, aber auch nach draußen führt. Berühmt war die Gottersche Tafel. Sie bot neben den seltensten oft die wunderlichsten Speisen. Oft, so heißt es in Überlieferungen, wurden Schüsseln gereicht, die mit Uhren, Ringen, Ketten und anderen Schmucksachen gefüllt waren, aus denen sich jeder Gast ein Andenken fischen durfte.

Jüngste Attraktion in der barocken, im Obergeschoss museal und im Parterre als Cafe genutzten unregelmäßigen Vierflügelanlage, ist das um 1910 entstandene Marmorbad. In Auftrag gegeben von der damaligen Schlossbesitzerin Gräfin von Gneisenau, verdankt das Bad seinen Namen der Wandausstattung mit grün geädertem Marmor aus Jurakalk. An der Wand gegenüber der Badewanne ist ein Sofa mit goldenem, floralem Holzrahmen aufgestellt. Zu dessen Seiten sind in die Wand zwei goldene Gittertüren mit Jugendstilelementen eingebaut, während der Raum ansonsten dem Neoklassizismus verpflichtet ist.

Die Sanierung des in den Museumsrundgang einbezogenen kleinen Raumkunstwerkes fällt bereits in die Zeit nach 1998, dem Zeitpunkt der Übernahme der Liegenschaft durch die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Bald nach diesem Wechsel wurde an der Ostseite des Schlosses ein Lapidarium eingerichtet. Die darin aufgestellten, aus der barocken Epoche des Schlossgartens stammenden Gartenskulpturen, beflügeln die Vorstellung vom ehemals reichen Bestand an allegorischen Figuren und Ziervasen in dem Park, der um 1825 landschaftlich umgestaltet wurde. Die den Park umgebende Bruchsteinmauer, zum Flanieren einladende Alleen, ein Kanalsystem, schmiedeeiserne Tore, Kübelpflanzen sowie auch außerhalb des Lapidariums grüßende Skulpturen machen den Besuch von Schloss und Park Molsdorf zu einem beeindruckenden Erlebnis.

Kontakt

Schlossverwaltung
Schloss Molsdorf

Frau Amarell
Molsdorf
Schlossplatz 6
99094 Erfurt

T: 03 62 02/2 20 85
F: 03 62 02/2 20 84
schlossverwaltung.molsdorf
@erfurt.de

Schloss und Park

Parkmöglichkeiten
Parkplatz mit ca. 100 Plätzen

Schlossmuseum
Ausstellung zu Raumfassungen und Raumausstattungen, Erotica-Sammlung, Sonderaus-
stellungen, Ausstellung: Otto Knöpfer. Aus dem Nachlass

Öffnungszeiten
ganzjährig geöffnet
Di-So 10-18 Uhr

Eintrittspreise
Erwachsene 6,- Euro
ermäßigt 4,- Euro

Führungen
jeweils zu jeder vollen Stunde und nach Vereinbarung
T: 03 62 02/9 05 05
F: 03 62 02/2 20 84
schlossmuseum.molsdorf@erfurt.de

Restaurant im Schloß Molsdorf

Mi–So 12–19 Uhr

T: 03 61/73 18 73 36
F: 03 62 02/9 02 05
info@restaurant-schloss-molsdorf.de

www.restaurant-schloss-molsdorf.de


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