Faszinierende Schlösserwelt Thüringen

Weimar

Residenzschloss Weimar, Ensemble Bastille, Stadt Weimar

 

Mittelalterliche und frühneuzeitliche Bestandteile der herrschaftlichen Vorgängerbauten des heutigen Stadtschlosses. Torbau und Bergfried wurden als sichtbares Zeichen dynastischer Altehrwürdigkeit über alle Zerstörungen hinweg erhalten. Zahlreiche Details veranschaulichen den Wandel von der Burg zum Schloss sowie die Nutzung des Torhauses als landesherrliches Gerichts- und Verwaltungsgebäude.

Das Ensemble Bastille, bestehend aus Torhaus, Schlossturm und Hofdamenhaus, hat als einziger Teil des Weimarer Schlosses alle Brände in Mittelalter und Neuzeit überdauert. Südwestlich vor der klassizistisch geprägten Vierflügelanlage des heutigen Stadtschlosses gelegen, spiegelt es die Entwicklung der Gesamtanlage von der mittelalterlichen Burg zum Schloss wider. Das Torhaus, einst der zentrale Zugang zur Anlage, birgt vielfältige Belege für seine frühneuzeitliche Nutzung als landesherrlicher Gerichts- und Verwaltungssitz und steht damit für die Geschichte des Schlosses als Stammsitz der ernestinischen Herzöge seit 1547.

Hoch- und spätmittelalterlichen Bauphasen des seit dem 10. Jahrhundert nachweisbaren Herrschaftssitzes sind noch heute am Bergfried, dem späteren Schlossturm, sowie am Torhaus ablesbar. Im 16. Jahrhundert wurde die mittlerweile Hornstein genannte Burg zum Renaissanceschloss für die ernestinische Linie der Wettiner ausgebaut. In diesem Zusammenhang erhielt das Torhaus 1531 Ziergiebel und das repräsentative, mit dem sächsischen Kurwappen geschmückte Westportal. Nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg 1547 und dem Verlust der Kurwürde einschließlich der kursächsischen Gebiete wählten die Ernestiner Weimar als Hauptresidenz. Das kurfürstliche Wappen am Torbau wurde als Zeichen historischer Größe wie auch ungebrochenen Machtanspruchs am Ort belassen.

Dem verheerenden Schlossbrand 1618 folgte der Neubau des Schlosses als symmetrische Dreiflügelanlage. Entgegen dem Entwurf Giovanni Bonalinos ließ man das vom Feuer verschonte Torhaus und den Turm stehen. 1729 erhöhte Gottfried Heinrich Krohne den Turm mit elegant abschließender Schweifkuppel und Laterne. Aus dieser Zeit stammen die noch heute zu besonderen Anlässen geläuteten Turmglocken.

Auch beim letzten Schlossbrand 1774 und dem anschließenden Wiederaufbau als Stadtschloss blieben Turm und Torhaus sowie das im 18. Jahrhundert errichtete Hofdamenhaus unversehrt. Von Modernisierungen weitgehend ausgenommen, gewährt das Torhaus mit Gerichts- und Ratssaal des Konsistoriums sowie Schreibstube und Arresträumen einen sehr anschaulichen Einblick in frühneuzeitliches Regierungshandeln. Im Gerichtssaal wurden Reste von Wandmalereien des 16. Jahrhunderts freigelegt, die den Regenten als den obersten Wahrer des Rechts im Staat darstellen dürften. Im Rentamt ist, eingelassen in die Wand, einer der größten Tresore des 16. Jahrhunderts erhalten. Die Arresträume sind zum Teil noch mit Sitzbänken und Anker-Ösen für eiserne Fesseln ausgestattet, die Wände mit Ritzzeichnungen der Delinquenten übersät. In einer der Zellen soll Johann Sebastian Bach 1717 festgesetzt worden sein.

Das Schloss zu Weimar ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Klassisches Weimar“. Das Ensemble Bastille gehört zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Die Stiftung saniert das Ensemble Bastille mit dem Ziel, es als „sprechendes Denkmal“ und Geschichtserlebnis zugänglich zu machen. In Ausstellungsräumen sollen zudem die ältere Geschichte des Schlosses bis zur Klassik sowie zwei kulturtouristische Bildungsinitiativen, die Schatzkammer Thüringen und die Burgenstraße Thüringen, präsentiert werden.

Kontakt

Schlossverwaltung Weimar
Museumsverwaltung Dornburger Schlösser
Frau Few
Max-Krehan-Str. 2
07774 Dornburg-Camburg

T: 03 64 27/21 51 31
F: 03 64 27/21 51 34
museum@dornburg-schloesser.de

Ensemble Bastille

Parkmöglichkeiten
in der Anlage kein Parkplatz, vor dem Schloss mehrere Parkplätze, Tiefgarage 500 Meter entfernt

Präsentation "Guckkasten Bastille"
im Torhaus

Öffnungszeiten
Di bis So 10-17 Uhr

Schlossmuseum im Residenzschloss
Ausstellung Gemäldegalerie und Festräume (ehemalige großherzogliche Kunstsammlung vom Mittelalter bis zur Moderne um 1900), Sammlung der Plastik bis 1919, Sammlung der Weimarer Malerschule, Wechselausstellungen

Öffnungszeiten
30.3.-25.10: Di-So 9.30-18 Uhr
26.10.-29.3.: Di-So 9.30-16 Uhr

Eintrittspreise
Erwachsene 7,50- Euro
ermäßigt 6,- Euro
Schüler 16 bis 20 Jahre 2,50 Euro,
Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren frei
Audioguide verfügbar
Führungen nach schriftlicher Anfrage ab 10 Personen
barrierefreier Zugang möglich

T: 0 36 43/54 54 00
F: 0 36 43/41 98 16
info@klassik-stiftung.de

www.klassik-stiftung.de

Die Glocken des Schlossturms werden zu folgenden Zeiten geläutet
- Zwiebelmarkt (Samstag), 9.00 Uhr
- Heiligabend, 16.00 Uhr
- Silvester, 24.00 Uhr
- Neujahr, 9.15 Uhr
- Ostersonntag, 9.15 Uhr
- Himmelfahrt, 9.15 Uhr
- Pfingstsonntag, 9.15 Uhr
- Tag der Einheit, 9.00 Uhr
- Goethegeburtstag, 12.00 Uhr (Schlag Zwölf)