Wappen 28 | Grafschaft an der schmalen Gera

Grafschaft an der schmalen Gera

© Alexander Kühn

Grafschaft an der schmalen Gera

© Forschungsbibliothek Gotha

Der Wappenstein

Die Grafschaft an der schmalen Gera hat nie ein eigenes Wappen besessen. In Ermangelung dessen wurde für den Wappenstein im Schlosshof des Friedensteins einfach das Wappen der Herrschaft Vargula übernommen. Nach deren 1385 durch die Stadt Erfurt erfolgten Erwerb tauchte dieses Wappen wenige Jahre später in dem bis 1664 gültigen Großen Erfurter Wappen auf. Der Wappenschild zeigt eigentlich ein achtspeichiges schwarzes Rad (hier echsspeichig) auf silbernem Grund. Der normalerweise metallgraue Helm trägt als Helmzier einen geteilten offenen Flug, oben silbern, unten schwarz. Die Helmdecke ist schwarz-silbern. Das Wappen vereinigt offensichtlich das Erfurter Rad, die Farben des deutschen Ritterordens und den offenen Flug der Schenken von Vargula.

Krieg mit Erfurt

Die Grafschaft an der schmalen Gera war als kleine Grafschaft (minor cominica) vor 1154 als Bestandteil der Landgrafschaft Thüringen entstanden. Sie umfasste lediglich die Gemarkungen der Orte Mittelhausen und Riethnordhausen nördlich der Stadt Erfurt. Während Mittelhausen heute zu Erfurt gehört, liegt Riethnordhausen im Landkreis Sömmerda. Die Grafschaft war weniger als Landgebiet von Bedeutung, sondern als zentraler Ort der Rechtsprechung in der Landgrafschaft Thüringen. Das Landfriedensgericht Mittelhausen (Landding) löste 1154 den zentralen Dingstuhl der Landgrafschaft auf der Trettenburg an der Unstrut ab. Der Landgraf selbst oder ein Vertreter hielt dort zu unterschiedlichen Zeiten Gericht und stellte Urkunden aus. Neben Mittelhausen gab es Landdinge in Siebleben bei Gotha, Thamsbrück, Weißensee und Buttelstedt.

Mit der Übernahme der Landgrafschaft durch die Wettiner fiel auch der zentrale Ort der Rechtsprechung an diese und wurde weiterhin genutzt. Unter anderem zwang Heinrich der Erlauchte den Thüringer Landadel 1250 und 1252 in Mittelhausen den Landfrieden zu schwören. Allerdings verpfändete Albrecht der Entartete die Grafschaft an der schmalen Gera 1270 an die Stadt Erfurt. Nach dem Verkauf der gesamten Landgrafschaft Thüringen durch Albrecht, bemühte sich König Adolf von Nassau 1294 in Mittelhausen vergeblich als neuer Landesherr anerkannt zu werden. Friedrich der Freidige verlangte 1308 von der Stadt Erfurt die Rückgabe der von seinem Vater Albrecht verpfändeten Güter. Es folgte ein Krieg, bei dem die Erfurter die wettinischen Burgen Andisleben und Udestedt eroberten. Dafür belagerte Friedrich mehrere Wochen die Stadt Erfurt, griff sie mehrfach an und zerstörte das gesamte Umland. Nach dem Einschreiten Königs Heinrich VII. kam es am 17. Juli 1310 in Gotha zum Friedensvertrag. Erfurt behielt die Grafschaft an der schmalen Gera als Pfand. Letztendlich erkaufte die Stadt 1315 die Grafschaft für weitere 10 000 Mark Silber. Mit dem Thüringer Grafenkrieg 1342-46 kam es zur Auflösung des Landding zu Mittelhausen. Erst 1485 konnte die Grafschaft von den Wettinern wieder eingelöst werden. Zum ernestischen Teil Sachsens geschlagen, kam sie später zu Sachsen-Weimar-Eisenach, wo sie bis 1918 verblieb. An der Stelle des Landding errichtete man 1853 einen Gedenkstein.

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