Seit 2021 sind erste Bereiche des Hauptgebäudes von Schloss Schwarzburg wieder zugänglich, ein Meilenstein. Nach einem abgebrochenen Umbau zum Reichsgästehaus unter den Nationalsozialisten stand das Gebäude über Jahrzehnte als Bauruine. Im Sonderinvestitionsprogramm I wird jetzt wichtige Infrastruktur für die weitere Erschließung geschaffen.
Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg, Foto: STSG, André Kranert
Barrierearme Erschließung des Hauptgebäudes von Schloss Schwarzburg
Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes entsteht ein Servicebereich mit Toiletten. Zudem wird ein Aufzug im 2018 neu errichteten Treppenhaus eingebaut – um die Schlossgeschichte barrierearm für alle zu erschließen. Damit werden auch weitere Nutzungsperspektiven geschaffen, seit 2022 wird Schloss Schwarzburg durch die STSG zum außerschulischen Lernort entwickelt.
Treppenhaus bald barrierearm erschlossen, Foto: STSG, André KranertSanierungsbereich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes von Schloss Schwarzburg, Foto: STSG, André KranertSanierungsbereich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes, Foto: STSG, André KranertMaterialauswahl für den Möbelbau für den neuen Servicebereich im Hauptgebäude, Foto: STSG, André KranertPutzarbeiten auf der SIP-Baustelle im Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg, Foto: STSG, André KranertSIP-Baustelle für den neuen Servicebereich im Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg, Foto: STSG, André Kranert
2020 fasste der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages einen Beschluss, der eine große Chance für die Thüringer Denkmallandschaft bedeutete: 200 Millionen Euro – jeweils zur Hälfte finanziert von Bund und Land – darf die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) für die Sanierung ausgewählter Monumente in ihren Liegenschaften bis 2032 investieren. Die Voraussetzungen dafür schufen Bund und Land 2021 mit einer gemeinsamen Verwaltungsvereinbarung. 13 Kulturdenkmale profitieren von dem Programm. Die STSG geht in 23 Einzelprojekten vor, die dringliche Sanierungsabschnitte ermöglichen und unabhängig voneinander vorangetrieben werden können.
Eine Sonderrolle nimmt Schloss Friedenstein in Gotha ein – 50 Millionen Euro aus dem SIP I kommen der Anlage zugute, für die nun zusammen mit dem bereits seit einigen Jahren laufenden 60-Millionen-Euro-Programm insgesamt 110 Millionen Euro bereitstehen. Gebaut wird im laufenden Betrieb, auch wenn es zu Einschränkungen kommen kann, bleiben die Museen geöffnet. Nicht nur große Residenzstädte, sondern auch der ländliche Raum profitiert vom Programm.
23 Projekte an 13 Orten
Broschüre
Kulturelles Erbe retten, nachhaltig handeln, Handwerk fördern – Informationen zum Bauen im Superlativ auch in unserer Broschüre zum SIP I. Hier zum Download.
Epochen und Meilensteine der Geschichte – von der Monarchie bis zu den Anfängen der Demokratie und dem Nationalsozialismus – prägen Schloss Schwarzburg bis heute. Dies macht die Schlossanlage zu einem Denkort der deutschen Geschichte. Sie war Stammsitz eines der ältesten Adelsgeschlechter in Thüringen, das sich neben den dominierenden Ernestinern behaupten konnte und bis 1918 zwei eigene Fürstentümer regierte. Spätestens in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als mittelalterliche Burg errichtet, wurde die Anlage im 17. Jahrhundert zur Festung ausgebaut.
Im Zusammenhang mit der Erhebung der Schwarzburger vom Grafen- in den Reichsfürstenstand 1710 wurde der als Jagdschloss und Sommersitz genutzte Stammsitz zum dynastischen Repräsentationsort.
Nach dem Ende der Monarchie erhielt das letzte Fürstenpaar Wohnrecht auf Schloss Schwarzburg, während der erste Reichspräsident Friedrich Ebert 1919 in Sichtweite zum Schloss mit der Weimarer Verfassung die erste deutsche demokratische Verfassung unterzeichnete. 1940 begannen die Nationalsozialisten mit einem Umbau der Schlossanlage zum Reichsgästehaus, der zwei Jahre später eingestellt wurde. Das Schloss-Hauptgebäude blieb über 70 Jahre Bauruine, bis 2021 die ersten beiden Räume wieder eröffnet werden konnten. Im Tor- und Zeughaus empfangen die Fürstlichen Erlebniswelten Besucherinnen und Besucher.
Schloss Schwarzburg
Auf einem Bergsporn über dem Schwarzatal erhebt sich Schloss Schwarzburg. Den gleichnamigen Grafen diente die Höhenburg über Jahrhunderte als Stammsitz. In den Blickpunkt des Weltinteresses rückte es 1919, als Friedrich Ebert in unmittelbrer Nachbarschaft die Weimarer Verfassung unterzeichnete. Das Schloss durchlebte wechselvolle Zeiten. Unter den Nationalsozialisten sollte es in ein „Reichsgästeheim“ umgewandelt werden. Dafür wurde es stark zerstört. Seit 2009 laufen umfangreiche Arbeiten, um das Schloss für Besucher wieder zugänglich zu machen. Ein wichtiger Meilenstein war die Wiedereröffnung des Zeughauses mit der einzigartigen Prunkwaffensammlung.
Der Legionär und sein Speer
Sie gehören zu den ältesten und mächtigsten Dynastien Thüringens – die Grafen und Fürsten von Schwarzburg. Warum sie ihren Stammsitz ausgerechnet im Tal der Schwarza errichteten, erfährt man in ihrer Gründungslegende. Diese ist in einem Deckengemälde im Kaisersaal von Schloss Schwarzburg festgehalten. Zu sehen ist ein römischer Legionär, der seinen hölzernen Speer in den Boden stößt. Aus dem scheinbar toten Stück Holz treiben jedoch Blätter und Zweige hervor. Für den Legionär ist klar, an dieser Stelle will er sich niederlassen. Und so soll sie ihren Anfang gefunden haben, die Geschichte der Schwarzburger. 1071 wurde die Höhenburg erstmals urkundlich erwähnt. 1453 berichten Quellen von einer aufwendigen Anlage, bestehend aus mehreren Kemenaten, einem Hospital, einer Kapelle und verschiedenen Türmen. Allerdings verlor sie bereits in jener Zeit an Bedeutung, da Arnstadt, Rudolstadt und Sondershausen zu Residenzstädten der Schwarzburger aufgestiegen waren. Dass diese ihren Stammsitz aber nie vollends aufgaben, hat auch mit der Erhebung der Schwarzburg-Rudolstädter Grafen in den Reichsfürstenstand im Jahr 1710 zu tun. Fürst Ludwig Friedrich hatte Schwarzburg zum Ort seiner Erhebungszeremonie gewählt – und so wurde das Schloss wieder zum Mittelpunkt höfischer Repräsentation und Selbstdarstellung. Das als Orangerie geplante Gartenhaus wurde fertiggestellt und in einen Ehrentempel der fürstlichen Abstammung verwandelt. Das Ergebnis ist das heutige Kaisersaalgebäude. Die aufgesetzte, quadratische Laterne des Gebäudes taucht den darunterliegenden Saal in ein geradezu mystisches Licht. Die Magie des Raumes wird durch die lebensgroßen Darstellungen mittelalterlicher Kaiser und Könige noch verstärkt.
Ein Schloss mit bewegter Geschichte
1726 brach auf dem Schloss ein verheerendes Feuer aus. Das Kaisersaalgebäude blieb von den Flammen verschont, das Hauptgebäude wurde jedoch zerstört. Die Schwarzburger bauten ihren Stammsitz als Jagd- und Sommerschloss wieder auf – und bis zum Juni 1940 sollte es der Familie dienen. An den Tag des Auszugs erinnerte sich Anna Luise von Schwarzburg-Rudolstadt als „bösen Traum“. Nach den Plänen der Nationalsozialisten sollte das Barockschloss nun in ein „Reichsgästeheim“ umgebaut werden. Das Torhaus und die Kirche fielen dem Umbau zum Opfer, im Hauptgebäude wurden Decken, Wände, Stuckaturen und Malereien entfernt. 1942 kamen die Bauarbeiten kriegsbedingt zum Erliegen und das Schloss blieb stark zerstört zurück. Seit 2009 laufen umfangreiche Maßnahmen, um den Bestand zu sichern. Heute befinden sich im teilsanierten Schloss-Hauptgebäude zwei Veranstaltungsräume, die zum Lernen, Diskutieren und Nachdenken über Demokratie und Gesellschaft anregen sollen – als außerschulischer Lernort Schloss Schwarzburg und als Denkort der Demokratie für die demokratische Zivilgesellschaft. Im Rahmen der baulichen und restauratorischen Maßnahmen innerhalb der beiden Räume soll die wechselvolle Geschichte mit den Spuren der fürstlichen Schlossausstattung und den Zeugnissen der brachialen Zerstörungen der 1940er Jahre ablesbar und sichtbar bleiben.
Ein um 1744 entstandener Gartenplan wurde bei der vor Jahren unumgänglichen Neugestaltung des etwa 5000 Quadratmeter großen Gartens vor dem Kaisersaalgebäude berücksichtigt. Rasen und eine Fontäne, eine als Reminiszenz an die einstige Funktion angelegte Mini-Orangerie und ein „Baumsaal“ laden zum Verweilen und Flanieren ein.
Zeughaus
Das Zeughaus ist der älteste Bau der Anlage. Über die Jahrhunderte entstand hier eine der größten zeitlich zusammenhängenden höfischen Waffensammlungen Europas. Zeitweise wurde die Sammlung nach Schloss Heidecksburg ausgelagert. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten kann sie seit März 2018 wieder in ihrer Gesamtheit im Zeughaus besichtigt werden.