Die Burg Weißensee ist von Geschichte umringt. Im Sonderinvestitionsprogramm I wurden ein Abschnitt der historischen Umfassungsmauer und die historische Turmhaube saniert.
Burg Weißensee mit sanierter Turmhaube, Foto: STSG, Thomas Müller
Palasturm (Sanierung der Turmhaube)
Lange wurde die Haube des Palasturms der Burg Weißensee nur durch eine Noteindeckung aus Dachpappe und Latten geschützt. Im Sonderinvestitionsprogramm I konnte die Haubenkonstruktion aus dem 16. Jahrhundert im Bestand saniert werden. Eingedeckt wurde die Haube abschließend wieder mit Schiefer auf traditionelle Weise in Altdeutscher Deckung. Rund 20 Meter über dem Burghof spielte sich das Baugeschehen mit schwungvoller Fernwirkung dabei ab. Im Inneren des Palasturms wird die Haube durch eine neue Treppe erschlossen.
Sanierte Turmhaube mit Fernwirkung, Foto: STSG, Thomas MüllerSanierte Turmhaube der Burg Weißensee, Foto: STSG, Thomas MüllerSanierter Dachstuhl der Turmhaube der Burg Weißensee, Foto: STSG, Thomas MüllerTurmhaubenbaustelle 2024, Foto STSG, Thomas Müller
Ringmauer (Sanierung eines Teilabschnitts)
An der historischen Ringmauer, die die Burganlage seit Jahrhunderten umgibt, werden im Sonderinvestitionsprogramm I steinrestauratorische Maßnahmen durchgeführt. Die Zeit und die Witterung haben am Stein gezehrt. Der Druck des Burgplateaus hat auch an der Standfestigkeit der Ringmauer seine Spuren hinterlassen. Stabilisiert und neu verankert, hat ein großer Teil der Ringmauer seinen festen Stand zurückerhalten. Ausgewaschene Fugen, lose Mauerwerkspartien und verwitterte Mauerkronen sind in dem rund 50 Meter langen Mauerabschnitt jetzt passé.
Ringmauerbaustelle auf der Burg Weißensee 2025, Foto: STSG, Thomas MüllerRingmauerbaustelle auf der Burg Weißensee, Foto: STSG, Thomas MüllerSteinrestauratorische Maßnahmen auf der Burg Weißensee, Foto: STSG, Thomas Müller
2020 fasste der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages einen Beschluss, der eine große Chance für die Thüringer Denkmallandschaft bedeutete: 200 Millionen Euro – jeweils zur Hälfte finanziert von Bund und Land – darf die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) für die Sanierung ausgewählter Monumente in ihren Liegenschaften bis 2032 investieren. Die Voraussetzungen dafür schufen Bund und Land 2021 mit einer gemeinsamen Verwaltungsvereinbarung. 13 Kulturdenkmale profitieren von dem Programm. Die STSG geht in 23 Einzelprojekten vor, die dringliche Sanierungsabschnitte ermöglichen und unabhängig voneinander vorangetrieben werden können.
Eine Sonderrolle nimmt Schloss Friedenstein in Gotha ein – 50 Millionen Euro aus dem SIP I kommen der Anlage zugute, für die nun zusammen mit dem bereits seit einigen Jahren laufenden 60-Millionen-Euro-Programm insgesamt 110 Millionen Euro bereitstehen. Gebaut wird im laufenden Betrieb, auch wenn es zu Einschränkungen kommen kann, bleiben die Museen geöffnet. Nicht nur große Residenzstädte, sondern auch der ländliche Raum profitiert vom Programm.
23 Projekte an 13 Orten
Broschüre
Kulturelles Erbe retten, nachhaltig handeln, Handwerk fördern – Informationen zum Bauen im Superlativ auch in unserer Broschüre zum SIP I. Hier zum Download.
Über der kleinen Stadt Weißensee erhebt sich stolz die gleichnamige Burg Weißensee. Erbaut wurde die Wehranlage von der Landgräfin Jutta um das Jahr 1170. Heute gehört sie zu den bedeutendsten Zeugnissen romanischer Baukunst in Deutschland. In kaum einer Anlage hat sich so viel originale Bausubstanz des Hochmittelalters erhalten wie hier. Heute befindet sich in der Burg eine kleine Ausstellung.
Ausstellung im Innenraum
Das Innere der Burg führt den Besucher zurück in die Blütezeit der Anlage, Ende des 12. Jh. / Anfang des 13. Jh. Das weitgehend erhaltene Erscheinungsbild der mittelalterlichen Burg, mit seiner qualitätvoll gearbeiteten, romanischen Bauornamentik, zeugt noch heute von höchster handwerklicher Qualität. Kernstück des Rundgangs bildet dabei eine bauzeitliche Astsäule mit Weinrankenkapitell von hoher Güte.
Innenräume der Burg können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Die zugänglichen Räume geben unter anderem mit ihren Fenster- und Türgewänden, den Kapitellen oder der ausgesprochen seltenen Steinofen-Luftheizung bereits jetzt einen Eindruck von der wiederzugewinnenden Qualität dieses Bauwerkes.
Eine Burg der Landgräfin
Eine „Herberge“ sollte es werden, auf halber Strecke zwischen der Grenzfeste Wartburg und der Neuenburg bei Freyburg (im heutigen Sachsen-Anhalt), genau in der Mitte des landgräflichen Machtbereichs. So war es der Plan der Landgräfin Jutta (1133–1191). Doch ihre geplante Burg lag im Territorium der Grafen von Beichlingen, die sich deshalb bei Kaiser Friedrich I. Barbarossa beschwerten. Juttas Mann, der Thüringer Landgraf Ludwig, gab sich vermeintlich empört über die Eigenmächtigkeit seiner Frau und der Kaiser verbot öffentlich den Weiterbau. Doch Jutta war zugleich die Halbschwester Barbarossas – und so konnte die Anlage mit dessen stillem Einverständnis doch weitergebaut werden. Demnach entstand die Burg Weißensee um das Jahr 1170. Sie wurde schnell zu einem wichtigen Stützunkt der landgräflichen Territorialpolitik. In den Auseinandersetzungen zwischen Staufern und Welfen im Kampf um die Thronfolge im Heiligen Römischen Reich sollte die Wehranlage eine zentrale Rolle spielen. Die wichtigsten Schlachten und Belagerungen fanden vor der Burg Weißensee statt, so beispielsweise 1180. In der sogenannten Schlacht bei Weißensee gerieten Juttas Söhne, Ludwig und Hermann, in die Gefangenschaft Heinrichs des Löwen. Fortan regierte Jutta über die Landgrafschaft.
Jagdschloss, Kreisverwaltung und Schule
Im Laufe ihrer langen Geschichte wurde die Burg Weißensee nie zerstört, aber mehrmals modernisiert und den Bedürfnissen der jeweiligen Burgherren angepasst. Obwohl die Burg von 1554 bis 1581 schlossartig umgebaut wurde, hat sie das Bild einer trutzigen Wehranlage bewahrt. In späterer Zeit diente Weißensee den Herzögen von Sachsen-Weißenfels als Jagdschloss, dann wurde es als Sitz der Amts- bzw. Kreisverwaltung genutzt und später als Grundschule. Heute erhebt sich Burg Weißensee auf einem kleinen Plateau über der gleichnamigen Stadt – und zählt zu den größten romanischen Burganlagen Deutschlands. Umgeben ist die Anlage von einer ovalen, bis zu sieben Meter hohen Ringmauer.
Mittelalterliche Baukunst
Die Höhepunkte der mittelalterlichen Baukunst sind der Palas und der dazugehörige fünfgeschossige Palas-Turm. Beide Bauten bildeten seit jeher eine Einheit, sie wurden gemeinsam konzipiert und im ausgehenden 12. Jahrhundert fertiggestellt. Im Palas finden sich bemerkenswerte Zeugnisse mittelalterlicher Steinmetzkunst, darunter eine sogenannten Astsäule mit einem Kapitell, bestehend aus Weinranken. Seit 1996 wird die Anlage von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten aufwendig gesichert und saniert. Vor allem die Sanierung des Palas-Turms stellte eine besondere Herausforderung dar, da der Turm äußerst instabil war und ein großer Teil des maroden Mauerwerks im unteren Turmschaft ausgetauscht werden musste.