Das Torhaus von Burg Ranis ist eine Fundgrube für Bauforscher und Restauratoren. Zum Erhalt der wertvollen Bausubstanz werden im SIP I Dach und Fassaden saniert und die Baukonstruktion statisch gesichert.
Torhaus der Burg Ranis vor Sanierungsbeginn, Foto: STSG, André Kranert
Sanierung Torhaus
Im Lauf der Jahrhunderte sind schwere Schäden an Dach und Statik des Torhauses entstanden. Statische Verbindungen sind geschwunden, Lasten werden nicht mehr richtig abgetragen. Im Rahmen der Sanierung wird abschnittweise das Dach abgedeckt und das Dachtragwerk saniert. Auch Deckenkonstruktionen und tragende Wände im Inneren werden wieder auf feste Füße gestellt. Die Giebel werden neu aufgebaut und restauriert und die Fassaden saniert.
Eingerüstetes Torhaus der Burg Ranis, Foto: STSG, André KranertBlick unter das Schutzdach des eingerüsteten Torhauses der Burg Ranis, Foto: STSG, André KranertGiebel am Torhaus der Burg Ranis, Foto: STSG, André KranertBlick über das Gerüst am Torhaus der Burg Ranis, Foto: STSG, André KranertGeschädigter Fachwerkerker im Torhaus, Foto: STSG, André Kranert
Bauen im laufenden Betrieb
Gebaut wird auf Burg Ranis im laufenden Betrieb. Das Museum Burg Ranis freut sich über Ihren Besuch und lädt zur Zeitreise durch die Erdgeschichte und die Ur- und Frühgeschichte ein.
Museum Burg Ranis, Foto: Stadt Ranis, Julia BauerMuseum Burg Ranis, Foto: Stadt Ranis, Christian Kars
2020 fasste der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages einen Beschluss, der eine große Chance für die Thüringer Denkmallandschaft bedeutete: 200 Millionen Euro – jeweils zur Hälfte finanziert von Bund und Land – darf die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) für die Sanierung ausgewählter Monumente in ihren Liegenschaften bis 2032 investieren. Die Voraussetzungen dafür schufen Bund und Land 2021 mit einer gemeinsamen Verwaltungsvereinbarung. 13 Kulturdenkmale profitieren von dem Programm. Die STSG geht in 23 Einzelprojekten vor, die dringliche Sanierungsabschnitte ermöglichen und unabhängig voneinander vorangetrieben werden können.
Eine Sonderrolle nimmt Schloss Friedenstein in Gotha ein – 50 Millionen Euro aus dem SIP I kommen der Anlage zugute, für die nun zusammen mit dem bereits seit einigen Jahren laufenden 60-Millionen-Euro-Programm insgesamt 110 Millionen Euro bereitstehen. Gebaut wird im laufenden Betrieb, auch wenn es zu Einschränkungen kommen kann, bleiben die Museen geöffnet. Nicht nur große Residenzstädte, sondern auch der ländliche Raum profitiert vom Programm.
23 Projekte an 13 Orten
Broschüre
Kulturelles Erbe retten, nachhaltig handeln, Handwerk fördern – Informationen zum Bauen im Superlativ auch in unserer Broschüre zum SIP I. Hier zum Download.
Auf einem zerklüfteten Felsmassiv über dem Orlatal erhebt sich die Burg Ranis. Schon von weitem kann man die Anlage über der gleichnamigen Stadt erblicken. Von Herzog Wilhelm III. von Sachsen erhielten die Brandensteiner, die Familie seiner zweiten Frau, Ranis als Lehen. Nach mehreren Besitzerwechseln verfiel die Anlage dann aber zusehends. Heute präsentiert sich Burg Ranis nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen wieder in altem Glanz und beherbergt unter anderem ein Museum. Zudem finden auf der Burg alljährlich die weit über die Region hinaus bekannten Thüringer Literatur- und Autorentage statt.
Seiner Gemalin zu Ehren
Für die eine endete die Geschichte tragisch, für die andere dagegen mit einem Happy End. Herzog Wilhelm III. von Sachsen war zunächst mit Anna von Österreich verheiratet, der Tochter des deutschen Königs. Doch die Ehe blieb ohne männlichen Erben und so setzte der unglücklich verheiratete Wilhelm seine Ehefrau gefangen. Nachdem Anna gestorben war, konnte er 1463 seine langjährige Mätresse Katharina von Brandenstein heiraten. Um diese nicht ganz standesgemäße Ehe zu stärken, schenkte Wilhelm der Familie seiner Braut 1465 das Lehen Burg Ranis. Wenn auch baulich tätig konnte die Familie Brandenstein die Burg aber nicht lange halten. Bereits 1571 musste sie die Anlage wegen Überschuldung an die Herren von Breitenbauch abtreten – und in deren Besitz sollte Burg Ranis bis 1942 dann auch bleiben. Die von Breitenbauchs, die ihren Namen später in Breitenbuch änderten, bauten die Burg weiter aus und modernisierten sie. Doch auch für die Breitenbuchs wurde die Anlage immer schwerer zu halten. Es kam zu einigen Abbrüchen und Rückbauten. Ab 1926 versuchten sie daher, ein Museum sowie eine Gastwirtschaft zu etablieren. Der Versuch scheiterte jedoch und so mussten sie die Burg 1942 schlussendlich verkaufen.
Aus allen Zeiten
Schon von weit her ist die Burg für Besucher sichtbar, stolz thront sie auf einem Felsrücken über der gleichnamigen Stadt. Das genaue Gründungsjahr der Burg ist nicht bekannt, 1199 wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Die ältesten heute noch erhaltenen Grundzüge der Burg, wie der südliche Turm des Torhauses und der untere Teil des Bergfriedes entstanden um 1200. Den Bergfried können Besucher selbständig erkunden und besteigen. Das heutige Erscheinungsbild der Burg geht jedoch auf das 17. Jahrhundert sowie auf die Rückbauten im 19. Jahrhundert zurück. Die Anlage setzt sich heute aus einer Kernburg, einem Schlosshof und einer weiträumigen Vorburg zusammen.
Museum und Ort für Literatur
In der Burganlage ist aktuell das Museum Burg Ranis untergebracht. Zu sehen sind die Dauerausstellung „Geologie des Orlatales“ sowie die Ausstellung „Blick in die Eiszeit“. Auf Burg Ranis finden jährlich die renommierten Thüringer Literatur- und Autorentage des Vereins Lese-Zeichen e.V. statt. Zu Gast waren unter anderem Katharina Thalbach, Sven Regener und Iris Berben.