Auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, einst Nebenresidenz der Landgrafen von Hessen, wird mit der Dachsanierung am Südflügel die Sanierung der Schlossdächer abgeschlossen. Der Museumsrundgang wird erweitert und ein Aufzug eingebaut. Zudem wird fast ein halber Kilometer der die Schlossanlage umgebenden Stützmauern instandgesetzt.
Südflügel mit Schlosskirche (Dachsanierung, Erweiterung des Museumsrundgangs)
Die Dachsanierung am Südflügel erfolgt in zwei Abschnitten, begonnen wird im östlichen Bereich. Unter dem Schutzdach werden Dachstuhl, Zwerchhäuser und Deckenbalken im Bestand behutsam saniert. Die original erhaltenen Renaissance-Wandmalereien im Dachgeschoss werden im Zuge der Arbeiten konserviert und bekommen dauerhafte Einhausungen zum Schutz vor Klimaschwankungen. Im Rahmen des Südflügel-Projektes werden zudem der Museumsrundgang erweitert und ein Aufzug zum Abbau von Barrieren eingebaut.
Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden mit eingerüstetem Südflügel, Foto: STSG, Thomas MüllerDachsanierung Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, Foto: STSG, Uta KolanoDachsanierung Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, Foto: STSG, Uta KolanoWandmalereifragment im Dachgeschoss des Südflügels, Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, Foto: STSG, Uta Kolano
Instandsetzung der Stützmauern
Weite Bereiche der bis zu 400 Jahre alten und bis zu 12 Meter hohen Umfassungsmauern um die Schlossanlage werden im Zuge des SIP-Projektes saniert. Dabei wird das Natursteinmauerwerk gereinigt, stabilisiert und fit für die nächsten Jahrzehnte gemacht. Wo nötig, werden Fehlstellen aufgefüllt und neu verfugt. Auch die Mauerkronen werden instandgesetzt.
Eingerüsteter Stützmauerabschnitt, Foto: STSG, Thomas MüllerGereinigtes Portalornament, Foto: STSG, Thomas MüllerStein und Fugenbild wurden zuvor dokumentiert, damit sie bei der Sanierung erhalten bleiben, Foto: STSG, Thomas Müller
Bauen im laufenden Betrieb
Gebaut wird an einem der schönsten Renaissanceschlösser Deutschlands, in dem noch heute zahlreiche Wandmalereien aus der Erbauungszeit erhalten sind, im laufenden Betrieb. Das Museum Schloss Wilhelmsburg freut sich über Ihren Besuch.
2020 fasste der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages einen Beschluss, der eine große Chance für die Thüringer Denkmallandschaft bedeutete: 200 Millionen Euro – jeweils zur Hälfte finanziert von Bund und Land – darf die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) für die Sanierung ausgewählter Monumente in ihren Liegenschaften bis 2032 investieren. Die Voraussetzungen dafür schufen Bund und Land 2021 mit einer gemeinsamen Verwaltungsvereinbarung. 13 Kulturdenkmale profitieren von dem Programm. Die STSG geht in 23 Einzelprojekten vor, die dringliche Sanierungsabschnitte ermöglichen und unabhängig voneinander vorangetrieben werden können.
Eine Sonderrolle nimmt Schloss Friedenstein in Gotha ein – 50 Millionen Euro aus dem SIP I kommen der Anlage zugute, für die nun zusammen mit dem bereits seit einigen Jahren laufenden 60-Millionen-Euro-Programm insgesamt 110 Millionen Euro bereitstehen. Gebaut wird im laufenden Betrieb, auch wenn es zu Einschränkungen kommen kann, bleiben die Museen geöffnet. Nicht nur große Residenzstädte, sondern auch der ländliche Raum profitiert vom Programm.
23 Projekte an 13 Orten
Broschüre
Kulturelles Erbe retten, nachhaltig handeln, Handwerk fördern – Informationen zum Bauen im Superlativ auch in unserer Broschüre zum SIP I. Hier zum Download.
Auf einem sanften Ausläufer des Thüringer Walds erhebt sich über der mittelalterlichen Fachwerkstadt Schmalkalden Schloss Wilhelmsburg. Ab 1585 als Nebenresidenz der Landgrafen von Hessen-Kassel entstanden, zählt es mit seinen herausragenden Innenraumdekorationen und der weitgehend erhaltenen Gesamtanlage zu den bedeutendsten Renaissanceschlössern in Deutschland. Seit dem hohen Mittelalter teilten sich die hessischen Landgrafen und die Henneberger Grafen das wirtschaftlich ertragreiche Amt Schmalkalden. Nach dem Aussterben der Henneberger 1583 fiel es den Landgrafen von Hessen-Kassel zu. Als Zeichen der neuen Machtverhältnisse errichtete Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (reg. 1567–1592) anstelle einer mittelalterlichen Burg das Renaissanceschloss.
Das Museum Schloss Wilhelmsburg zeigt heute Dauerausstellungen zur Geschichte des Schlosses, zur Residenzkultur der Renaissance sowie zur Reformationsgeschichte.
Das Schloss Wilhelmsburg
In der Zeit der Reformation war Schmalkalden einer der politischen Brennpunkte schlechthin. Sowohl die Blicke des Kaisers als auch die des Papstes richteten sich auf die Stadt im Südwesten des Thüringer Walds. Denn in der letzten Dezemberwoche des Jahres 1530 schlossen sich dort protestantische Fürsten, Adelige und Städte zum Schmalkaldischen Bund zusammen, angeführt von Philipp I. von Hessen und Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen. Sie waren sich einig, dass nur ein gemeinsames Bündnis aller Protestanten Schutz gegen den Kaiser bieten könne. Acht Mal kam der Bund in Schmalkalden zusammen. Wenn die Teilnehmer hinauf in Richtung der Queste blickten, sahen sie damals noch die verfallene Wallrabsburg der Grafen von Henneberg. Nachdem dieses Adelsgeschlecht ausgestorben war, fielen deren Besitzungen um Schmalkalden an den Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel. Dieser ließ die Burg ab 1585 zu einer Nebenresidenz umbauen. Heute thront die Wilhelmsburg über der Schmalkaldener Altstadt. Aufgrund seiner originalen Raumstruktur, den prächtigen Wandmalereien und Stuckaturen sowie seiner Außenanlagen ist die Wilhelmsburg ein Juwel unter den Renaissance-Schlössern Deutschlands. Mit der Weihe der Schlosskirche am 23. Mai 1590 wurde das Schloss zur Nutzung freigegeben, wenngleich die Innenausstattung noch nicht vollständig abgeschlossen war.
Die Schlosskapelle
Der Sohn des Landgrafen baute das Schloss später weiter aus und vervollständigte die Inneneinrichtung, zudem ließ er Lustgärten und Terrassen anlegen und gab weitere Bauten rund um das Schloss in Auftrag. Bemerkenswert ist vor allem die Schlosskapelle, die ihr Vorbild in der Torgauer Schlosskirche fand und heute zu den ältesten und schönsten protestantischen Kirchen Deutschlands zählt. Erstmals wurden dort dem protestantischen Verständnis folgend Altar, Kanzel und Orgel in einer vertikalen Achse angeordnet. Ein besonderes Highlight bildet die Renaissance-Orgel. Sie ist die älteste Thüringens und gehört darüber hinaus zu den ältesten noch bespielbaren Holzorgeln in Europa. Ihren Klang können Zuhörer bei zahlreichen Konzerten genießen. Der Thronsaal der restaurierte Festsaal, auch Riesensaal des Schlosses genannt sowie die Herrenküche sind sehenswert. Der Festsaal gehört zu den repräsentativsten Festsälen des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Außerdem beherbergt das Schloss eine Kopie des Kellergewölbes aus dem „Hessenhof“. Das Haus am Neumarkt diente als Verwaltungssitz der hessischen Landgrafen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Keller romanische Wandermalereien mit Szenen aus dem Iwein-Epos des Hartmann von Aue entdeckt. Aus konservatorischen Gründen sind sie nicht öffentlich zugänglich. Um sie Besuchern zeigen zu können, wurde eine Kopie in der Wilhelmsburg angefertigt.
Terassengarten
Ab 1602 entstand unter Landgraf Moritz von Hessen-Kassel südlich von Schloss Wilhelmsburg ein eindrucksvoller Terrassengarten. Stilistisch ist die Anlage noch stark durch die Renaissance geprägt. Seitliche Begrenzungsmauern und die Stützmauern der Gartenterrassen sowie eine ab 1687 eingefügte Wasserkunst, die in Resten erhalten ist, lassen sie zur künstlerischen Einheit mit dem Schlossgebäude verschmelzen. Der trapezförmige Grundriss und die geneigten Terrassen bedingen eine besondere perspektivische Wirkung des Gartens. Nach der weitgehenden Aufgabe des Lustgartencharakters im 18. Jahrhundert wurden die Gärten der Wilhelmsburg als Pachtgärten genutzt. Zur Landesgartenschau 2015 in Schmalkalden wurde die Gartenanlage wiederhergestellt. Nach der Errichtung neuer Stützmauern gestaltete man die vier Gartenterrassen neu. Die Konzeption nimmt Bezug auf die Gartengeschichte: Ein Buchsbaumparterre präsentiert die Gestaltungsprinzipien der Entstehungszeit nach einem Entwurf von 1672. Auf weiteren Gartenterrassen wird beispielhaft das Zier- und Nutzpflanzenspektrum des 17. Jahrhunderts gezeigt. Die Anlage ist ein bedeutendes und frühes Beispiel für die in Deutschland eher seltenen Terrassengärten.