Schloss Friedenstein ist eine der kunst- und kulturhistorisch bedeutendsten Schlossanlagen Thüringens. Nach Gründung des Herzogtums Sachsen-Gotha 1640 wurde es von 1643 bis 1656 unter Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha, genannt der Fromme, erbaut. Die weithin sichtbare schlichte Dreiflügelanlage von Schloss Friedenstein wurde immer wieder umgebaut und neu ausgestattet. Sie beherbergt Raumkunstwerke vom Barock bis zum Historismus.
Östlich, südlich und westlich des Schlosses erstreckt sich ein weitläufiger Park. Die beiden wichtigsten Bereiche der Anlage, der Orangeriegarten und der Englische Garten, gehen auf das 18. Jahrhundert zurück.
Im Schloss ist die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha mit dem Schlossmuseum, dem Museum der Natur, dem Historischen Museum und dem Ekhof-Theater untergebracht, hinzu kommt die Forschungsbibliothek Gotha.
Das barocke Schloss Friedenstein ist das eindrucksvolle Zeugnis der Kunst des neubegründeten Herzogtums Sachsen-Gotha. Herzog Ernst I. von Sachen-Gotha ließ es erbauen. Sein tief religiöses Verständnis spiegelt sich nicht nur in seinem Beinamen „der Fromme“ wider, sondern auch im Schlossnamen selbst. „Friede Ernehret, Unfriede Verzehret“, so kann man es am Hauptportal lesen. Das Schloss beherbergt heute Schlossmuseum mit Kunstkammer, Museum der Natur und Historisches Museum sowie das barocke Ekhof-Theater und die Schlosskirche.
Ein religiöser Herrscher mit Weitsicht
Das verwüstete Land wiederaufzubauen, darin sah Herzog Ernst I. seine Lebensaufgabe. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte verheerende Spuren hinterlassen, Städte und Dörfer zerstört und ganze Landstriche entvölkert. Unter diesen Voraussetzungen musste Ernst I. von Sachsen-Gotha (1601-1675) sein junges Herzogtum aufbauen. Allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es ihm, ein geradezu vorbildhaftes Staatswesen zu etablieren. Vor allem kirchliche und pädagogische Aufgaben lagen dem Regenten am Herzen. Hinter allem, was Ernst I. tat, stand eine tiefe religiöse Überzeugung, die nicht in der Theorie verharrte, sondern auf praktisches Handeln ausgerichtet war, was ihm den Beinamen „Ernst der Fromme“ einbrachte.
Friede Ernehret – Unfriede Verzehret
Ernst I. mit dem Beinamen „der Fromme“ war es auch, der den Bau von Schloss Friedenstein in Auftrag gab. Es sollte die damals bereits zerstörte Festung Grimmenstein ersetzten. Der Grundstein für das neue Schloss wurde im Herbst 1643 gelegt, kaum drei Jahre später konnten der Herzog und seine Familie bereits den Nordflügel beziehen. Bis 1656 war schließlich die komplette Anlage fertiggestellt, wobei sich die Erstausstattung noch weitere zehn Jahre hinziehen sollte. Bedeutende Künstler und gerühmte Handwerker hinterließen dabei in Gotha ihre Spuren. Sie sorgten dafür, dass Schloss Friedenstein zu den herausragenden Architekturen des 17. Jahrhunderts zählen sollte. Kaum ein anderer Fürst verfügte in jener Zeit über eine vergleichbare Residenz. Der symbolträchtige Schlossname wird dabei sowohl in der Widmungsinschrift über dem Hauptportal thematisiert als auch in der darüber angebrachten Reliefkartusche, die den „Friedenskuss“ zeigt. Der umlaufende Spruch spiegelt das Verständnis des Bauherrn wider – „Friede Ernehret – Unfriede Verzehret“.
Im Inneren des Schlosses haben sich Räume aus Barock, Rokoko, Klassizismus und Historismus erhalten. Heute befinden sich hier das Schlossmuseum, mit dem reich stuckierten Festsaal und den herzoglichen Appartements, sowie der Kunstkammer, das Museum der Natur und Historisches Museum. Die einmaligen Kunstsammlungen können im Herzoglichen Museum gegenüber besichtigt werden. Im Westturm befindet sich das Ekhof-Theater – ein Barocktheater, das den Namen Conrad Ekhofs (1720-1778) trägt. Er galt als „Vater der deutschen Schauspielkunst“ und Leiter eines der ersten durchgängig bespielten Theaters mit festangestellten Schauspielern. Aufgrund seiner originalen hölzernen Bühnentechnik gilt das Theater als eines der am vollständigsten erhaltenen des 17. Jahrhunderts und wird bis heute bespielt.
Englisches Flair in Gotha
Die bedeutendsten Gartenschöpfungen in Gotha sind der ab 1747 entstandene Orangeriegarten sowie der Englische Garten. Von einer Reise auf die britische Insel inspiriert, ließ Herzog Ernst II. einen Garten nach englischem Vorbild anlegen. Er gilt als der erste seiner Art auf dem Kontinent, der von einem englischen Hofgärtner angelegt wurde und nahezu unverändert geblieben ist. Im Zentrum des Parks befindet sich ein langgezogener See samt einer Insel, auf der Ernst II. Ludwig, Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg und seine Familie bestattet sind.
Der Orangeriegarten dagegen wurde meisterhaft in den Boden vertieft und bekam auf diese Weise die Anmutung eines Amphitheaters mit Blick zum Schloss Friedrichsthal. Flankiert wird der Garten von zwei Orangeriegebäuden sowie im Norden von einem Treibhaus. Das südliche Pendant wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Die Park- und Gartenanlagen rund um Schloss Friedenstein sind ein Zeugnis verschiedener Epochen der Gartenkunst und in dieser Komplexität einmalig in Thüringen. Gleich zwei Besonderheiten birgt der Herzogliche Park in Gotha – einen späten Barockgarten und einen der frühesten Landschaftsparks nach englischem Vorbild.
Der Englische Garten
Eine neue Qualität erlangten die zum Schloss gehörenden Gärten unter der Regierung von Fürst Ernst II., der sein Amt 1772 antrat. Nur 20 Jahre nach der kostspieligen Anlage noch ganz vom Gartenverständnis des Barock geprägten Gartenareals hielt in Gotha bereits eine neue Epoche Einzug. Der Englische Garten südlich des Schlossbergs gilt neben Wörlitz als frühester Landschaftspark auf dem europäischen Festland. Diese Sensation ist der fortschrittlichen Gesinnung Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg zu verdanken, der mit John Haverfield aus Kew Gardens einen Gartenkünstler direkt aus dem Mutterland der Landschaftsgartenkunst nach Gotha holte. Nach dessen Plänen entstand ein Park mit geschwungenen Wegen, wechselnden lebendigen Landschaftsbildern und einem See, der sich nie ganz überschauen lässt.
Im 19. Jahrhundert wurde das ganze Schlossareal weiträumig gestaltet, die einzelnen Anlagen wuchsen zum Herzoglichen Park zusammen. Auf der Fläche des einstigen Küchengartens wurde 1864 das Naturkundemuseum erbaut. Die erst im 20. Jahrhundert angelegten Flächen nördlich und südlich vor den Auffahrten zum Schloss wurden mehrfach umgestaltet.
Orangerieparterre mit Orangenhaus und Lorbeerhaus
Eine der ältesten noch erhaltenen Gartenanlagen von Schloss Friedenstein ist der ab 1747 östlich vom Schloss entstandene Orangeriegarten. Das Orangerieparterre am östlichen Schlossberg von Schloss Friedenstein wurde 1749 angelegt, streng symmetrisch und in regelmäßigen Formen, flankiert von Treibhäusern und repräsentativen Bauten zur Überwinterung der exotischen Pflanzen. Im Sommer standen die unzähligen wertvollen Kübelpflanzen, darunter verschiedene Zitrussorten und die in Gotha mit besonderer Hingabe gezüchtete Ananas, im Gartenparterre aufgereiht wie in einem Amphitheater.
Garten
Die Festungsanlagen wurden ab 1772 zum großen Teil abgetragen, was auch Platzgewinn für das Anlegen von Gartenanlagen bedeutete. Der erste verbürgte Garten war der sogenannte Schlosswallgarten vor der Ostseite des Schlosses. Er verschwand vermutlich mit der Entfestigung im Jahr 1772. Eine der ältesten noch erhaltenen Gartenanlagen von Schloss Friedenstein ist der ab 1747 östlich vom Schloss entstandene Orangeriegarten. Eine neue Qualität erlangten die zum Schloss gehörenden Gärten unter der Regierung von Fürst Ernst II., der sein Amt 1772 antrat. Von einer Englandreise reichlich mit Anregungen ausgestattet, ließ er einen Englischen Garten anlegen, dessen Zentrum ein langgezogener Teich ist. Auf der Fläche des einstigen Küchengartens wurde 1864 das Naturkundemuseum erbaut. Die erst im 20. Jahrhundert angelegten Flächen nördlich und südlich vor den Auffahrten zum Schloss wurden mehrfach umgestaltet. Die Park- und Gartenanlagen rund um Schloss Friedenstein sind ein Zeugnis verschiedener Epochen der Gartenkunst und in dieser Komplexität einmalig in Thüringen.
Schlossmuseum mit Kunstkammer, Museum der Natur und Historisches Museum, Herzogliches Museum
Mo, Di geschlossen (ausgenommen Feiertage)
November bis März 10 – 16 Uhr
April bis Oktober 10 – 17 Uhr
24.12. und 31.12. geschlossen
Park/Garten
Parkanlagen frei zugänglich
Schlosskirche im Rahmen von Gottesdiensten und Veranstaltungen
Hör mal im Garten – Audioguide von Kindern für Kinder
Kinderaugen sehen anders – auch den Herzoglichen Park Gotha. Nun kann man sich den Garten aus ihrer Perspektive erklären lassen. Im Projekt „Hör mal im Garten“ erstellt eine Schülergruppe der Arnoldischule Gotha einen Audioguide für Kinder. Förderer und Projektpartner der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sind die Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Thüringer Landesmedienanstalt. Der Audioguide vermittelt die großen und kleinen Pflanzen, die Geschichten und Besonderheiten des Herzoglichen Parks und der Herzoglichen Orangerie kindgerecht.
Mit Unterstützung der Kooperationspartner planten die Schüler den Produktionsprozess und setzten ihn um. Von der Themenauswahl und der Textproduktion über die Anlage des Konzepts bis hin zur Aufnahme der Tonspuren und Geräusche waren die Schüler tonangebend und verantwortlich.
Das Projekt »Hör mal« ist eine Kooperation zwischen Thüringer Museen, Schulen, der Sparkassen- Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM). In vielen Orten Thüringens produzieren Kinder und Jugendliche in einem Museum ihrer Stadt Audioguides für Kinder. Dabei sollen im Unterricht erlernte Themen vertieft und das erworbene Wissen bei den Schülern gefestigt werden.
Der Lernort Schule wird erweitert und das Museum als Ort der Wissensvermittlung etabliert. Die Bindung der Schüler an ihren Heimatort wird durch dieses Projekt intensiviert.
In einer Senke der Gera südwestlich von Erfurt liegt Schloss Molsdorf. Hier gab es spätestens im 16. Jahrhundert eine der wenigen Wasserburgen Thüringens als Vorgängerbau des heutigen Schlosses. Der aus bürgerlichem Stand zum Reichsgrafen aufgestiegene Diplomat Gustav Adolf von Gotter (1692 – 1762) kaufte Schloss Molsdorf 1734 als repräsentativen Landsitz. Er ließ die alte Schlossanlage in einen rechteckigen Vierflügelbau mit repräsentativer Südfassade umbauen.
Abgesehen von geringen Umgestaltungen unter der Gräfin von Gneisenau Anfang des 20. Jahrhunderts blieb es nahezu unverändert erhalten. Der barocke Garten hingegen wurde von 1789 bis 1825 nach den Prinzipien des frühen Landschaftsgartens umgestaltet. Heute beherbergt Schloss Molsdorf das Schlossmuseum sowie den Nachlass des Thüringer Malers und Grafikers Otto Knöpfer (1911 – 1993) und eine umfangreiche Erotika- Sammlung.
Inmitten des nationalen Geoparks Thüringen Inselsberg, nicht weit von Gotha und Erfurt entfernt, erheben sie sich – die „Drei Gleichen“. Das Burgenensemble ist weit über die Thüringer Grenzen hinaus bekannt. Über malerische Wanderwege lassen sich die Mühlburg, die Veste Wachsenburg und die Burg Gleichen erkunden. Letztere stammt aus dem 11. Jahrhundert und diente den Grafen von Gleichen als namensgeber Stammsitz. Ein romanischer Wohnbau, das Herrenhaus sowie der Bergfried haben sich erhalten. Im Wehrturm befindet sich eine Ausstellung zu Burggeschichte und Naturraum des Drei-Gleichen-Gebietes.
Der "zwiebeweibte" Graf
In manchen Geschichten heißt er Ernst, in anderen dagegen Ludwig. So oder so, ein Graf von Gleichen soll er gewesen sein. Im Gefolge des Kaisers machte er sich auf ins Heilige Land, um dieses für die Christenheit zurückzuerobern. Doch der Graf geriet in Gefangenschaft. Dort, so erzählt die Sage, verliebte sich die Tochter des Sultans in den Fremden. Sie verhalf ihm zur Flucht und brannte mit ihm nach Thüringen durch – wo allerdings schon die Ehefrau des Grafen wartete.
Für den Papst soll das kein Hinderungsgrund gewesen sein und so erteilte er der ungewöhnlichen Dreierbeziehung seinen Segen. Die Geschichte vom „zwiebeweibten“ Grafen mag märchenhaft klingen, doch sie trägt einen Funken Wahrheit in sich. Denn eine Grabplatte im Erfurter Dom zeigt genau jenen Grafen – flankiert von zwei Frauen. Goethe inspirierte diese Geschichte zu seinem Schauspiel „Stella“.
Stammsitz der Grafen von Gleichen
Die Burg Gleichen erlangte durch die Sage vom „zwiebeweibten“ Grafen bis heute Berühmtheit. Um das Jahr 1089 wurde die Anlage erstmals urkundlich erwähnt. Etliche Male sollte die Burg den Besitzer wechseln, ehe sie 1139 an die Grafen von Tonna gegeben wurde, die mit einem Neubau begannen. Für sie war die Burg Gleichen nicht einfach nur ein Herrschaftssitz, sie sollte für das Adelsgeschlecht namensgebend werden. So wurden aus den Grafen von Tonna bereits nach wenigen Jahren die Grafen von Gleichen.
Diese standen im Dienst des Erzbischofs von Mainz und fungierten als Vögte der Stadt Erfurt. Ursprünglich stand die Burg Gleichen auf einem steilen Bergkegel.
Diese wurde jedoch künstlich abgeflacht und erweitert, um so Platz für die 105 x 60 Meter umfassende Burganlage zu schaffen. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage in der Nähe der mittelalterlichen Handelsstraße „via regia“ wurde die Burg immer wieder angegriffen und belagert. Während einer Fehde wurde sie zerstört, im Jahr 1231 bei einem Großbrand vermutlich schwer beschädigt. Die Grafen bauten die Burg jedoch immer wieder auf, modernisierten und erweiterten sie. So zeichnet sich die Ringburg heute vor allem durch das Nebeneinander von Bauten aus verschiedenen Zeiten aus, vornehmlich aus dem 12. und 16. Jahrhundert. Dazu zählen der dreigeschossige romanische Wohnbau, Teile der Ringmauer, der annähernd quadratisch Bergfried, das Torgewölbe mit Kapelle, der Kanzleibau sowie das Herrenhaus.
"Diese curieuse Antiquität"
Bis zum Jahr 1537 sollte die Burg ständige Residenz der Grafen von Gleichen bleiben. Erst dann verlegten diese ihren Herrschaftssitz ins nahe gelegene Ohrdruf. 1599 gaben sie die Anlage endgültig auf, ein Großteil der Ausstattung wurde in andere Bauten verbracht und Burg Gleichen diente lediglich noch als Amtssitz. In der Folgezeit wechselte sie noch mehrmals die Besitzer, dennoch begann der langsame Verfall. Der herzogliche Sekretär und Hofadvokat Johann Zacherias Gleichmann nannte die Burg im Jahr 1725 „diese curieuse Antiquität“. Der Bergfried wird teils museal genutzt und bietet eine Aussichtsplattform. Von dort haben Besucher einen herrlichen Blick auf die Nachbarburgen, mit denen die Burg Gleichen zusammen das einmalige Ensemble der „Drei Gleichen“ bilden.