Auf Schloss Molsdorf stehen zwei Projekte im Sonderinvestitionsprogramm I an. Mit der Sanierung des historischen Parkpavillons werden neue Nutzungsperspektiven geschaffen und ein architektonischer Parkschatz gerettet. Im Schloss werden Untersuchungen durchgeführt.
Pavillon mit Baugerüst und Schutzdach im Schlosspark Molsdorf, Foto: STSG, Philipp Hort
Parkpavillon (Gesamtsanierung und Umfeld)
Im 19. Jahrhundert wurde der Pavillon im Schlosspark Molsdorf am Teich neben dem Schloss errichtet. Er war als Ort geselliger Zusammenkunft gedacht. Im 20. Jahrhundert wurde der Pavillon durch die damalige Schlossherrin – die Gräfin von Gneisenau – zur Automobilgarage umgebaut. Später wurde er noch einmal umgenutzt, zum Café. Die Jahrzehnte, Umbauten und Feuchtigkeit haben an der Bausubstanz ihre Spuren hinterlassen. Im Sonderinvestitionsprogramm I wird das marode Kleinod saniert und damit neue Nutzungsmöglichkeiten für den Pavillon geschaffen.
Pavillon im Schlosspark Molsdorf, Foto: STSG, Philipp HortBlick in der Parkpavillon im Schlosspark Molsdorf, Foto: STSG, Philipp HortSanierte barocke Freitreppe im Pavillonumfeld im Schlosspark Molsdorf, Foto: STSG, Philipp HortBlick unter das Schutzdach am Parkpavillon Molsdorf, Foto: STSG, Philipp Hort
Untersuchungsmaßnahmen am Schloss
Am Schloss werden im Rahmen des SIP I Untersuchungen durchgeführt.
Schloss und Park Molsdorf, Foto: STSG, Philipp Hort
2020 fasste der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages einen Beschluss, der eine große Chance für die Thüringer Denkmallandschaft bedeutete: 200 Millionen Euro – jeweils zur Hälfte finanziert von Bund und Land – darf die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) für die Sanierung ausgewählter Monumente in ihren Liegenschaften bis 2032 investieren. Die Voraussetzungen dafür schufen Bund und Land 2021 mit einer gemeinsamen Verwaltungsvereinbarung. 13 Kulturdenkmale profitieren von dem Programm. Die STSG geht in 23 Einzelprojekten vor, die dringliche Sanierungsabschnitte ermöglichen und unabhängig voneinander vorangetrieben werden können.
Eine Sonderrolle nimmt Schloss Friedenstein in Gotha ein – 50 Millionen Euro aus dem SIP I kommen der Anlage zugute, für die nun zusammen mit dem bereits seit einigen Jahren laufenden 60-Millionen-Euro-Programm insgesamt 110 Millionen Euro bereitstehen. Gebaut wird im laufenden Betrieb, auch wenn es zu Einschränkungen kommen kann, bleiben die Museen geöffnet. Nicht nur große Residenzstädte, sondern auch der ländliche Raum profitiert vom Programm.
23 Projekte an 13 Orten
Broschüre
Kulturelles Erbe retten, nachhaltig handeln, Handwerk fördern – Informationen zum Bauen im Superlativ auch in unserer Broschüre zum SIP I. Hier zum Download.
14 Jahre lang nannte er Schloss Molsdorf sein Zuhause. Aus einer Wasserburg hatte Graf Gustav Adolf von Gotter ein malerisch gelegenes barockes Lustschloss erstehen lassen. Doch die Verschwendungssucht des diplomatischen Aufsteigers machte den Traum zunichte und Gotter musste das Schloss verkaufen. Besucher können das Museum im Schloss mit seinen historischen Räumen und Sonderausstellungen im Rahmen einer Führung besichtigen. Der symmetrische Barockgarten aus Gotters Zeiten wurde später zu einem Landschaftspark umgeformt. Einige Skulpturen der ursprünglichen Ausstattung haben sich erhalten.
Von der Wasserburg zum Lustschloss
Rund zehn Kilometer südwestlich von Erfurt befindet sich Schloss Molsdorf. Es ist eine kleine Besonderheit unter den Thüringer Schlössern, was vor allem an seinem illustren Bauherrn liegt. Denn Gustav Adolf von Gotter (1692 – 1762) hatte eine aufsehenerregende Karriere hingelegt. In Gotha geboren als Sohn einer bürgerlichen Familie, trat er in den Dienst Herzog Friedrichs II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, wurde außerordentlicher Gesandter in Wien, Hofrat und Geheimer Staatsrat. 1724 erhob ihn der Kaiser in den Adelsstand und ernannte ihn zum Freiherrn und Reichsgrafen. Zehn Jahre später krönte Graf Gotter seinen gesellschaftlichen Aufstieg mit dem Kauf von Schloss Molsdorf. Er verwandelte die einstige Wasserburg in ein barockes Lustschloss. Durch seine Kontakte zu den führenden Höfen seiner Zeit konnte er zur Umsetzung der Bauaufgabe bedeutende Künstler gewinnen, darunter den Weimarer Hofarchitekten Gottfried Heinrich Krohne und den Stuckateur Johann Baptist Pedrozzi.
"Es lebe die Freude"
Den prächtigen Festsaal im Obergeschoss ließ der Graf mit Eichenholz täfeln und mit 33 Gemälden ausstatten. Sie zeigen unter anderem zwei seiner Förderer, Friedrich den Großen und Prinz Eugen von Savoyen. Im Festsaal ist auch die Devise des Eremitenordens der fröhlichen Einsiedler „Vive la joie“ (Es lebe die Freude), dem Gotter angehörte, gleich mehrfach zu lesen. Denn Gotter war nicht nur ein gewiefter und hoch dekorierter Diplomat, sondern auch ein Lebemann, der einen verschwenderischen Lebensstil pflegte. Berühmt waren die Tafeln, bei denen der Hausherr seinen Gästen seltene, teils wunderliche Speisen anbot. So soll er unter anderem Schüsseln voller Ringe, Ketten und Uhren herumgereicht haben – und jeder Gast konnte ein Erinnerungsstück auswählen. Der prächtige Marmorsaal diente dem Grafen als Empfangsraum und bildete den Auftakt zu dessen Paraderäumen. Ein dortiges Gemälde zeigt Gotter im Jagdgewand. Nach 14 Jahren musste der Graf das Anwesen schließlich verkaufen. Es ging an Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg, der das Schloss in ein Kammergut umwandelte und den Wassergraben um das Schloss zuschütten ließ. Aus dem Jahr 1910 stammt das mondäne Marmorbad des Schlosses. Es ist eines der wenigen erhaltenen privaten Luxusbäder des frühen 20. Jahrhunderts. Es wurde von der damaligen Besitzerin, der Gräfin von Gneisenau, in Auftrag gegeben und mit grün geädertem Marmor gestaltet.
Der Park – Geschwungene Formen statt Geometrie
Umgeben ist Schloss Molsdorf von einem acht Hektar großen Landschaftspark. Ursprünglich war der Garten im barocken Sinne streng geometrisch gegliedert und mit zahlreichen Skulpturen ausgestattet. Zwischen 1822 und 1826 wurde die Anlage vom Gothaer Hofgärtner Johann Rudolph Eyserbeck umgestaltet und durch Elemente eines Landschaftsparks ergänzt. Eyserbeck behielt die Hauptachse des Gartens, ließ aber geschwungene Wege und einen unregelmäßigen Teich anlegen und einen Großteil der Figuren entfernen. Heute sind einige davon im Lapidarium ausgestellt. Vor dem Schloss trat eine als Pleasureground angelegte große Rasenfläche mit Blumenbeeten an die Stelle der ursprünglichen Parterrebeete.