Ende des 19. Jahrhunderts ließ Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen seine Sommerresidenz auf dem Altenstein zum Neorenaissanceschloss umbauen. Der Herzog empfing nahe dem traditionsreichen Kurort Bad Liebenstein einst Künstler und Kulturschaffende in seinem Sommerschloss. 1982 brannte Schloss Altenstein aus. Während die Fassaden bereits saniert sind, wird im Sonderinvestitionsprogramm I der Innenausbau abgeschlossen. Auch das Umfeld mit dem historischen Küchenbau hinter dem Schloss wird saniert.
Abschluss der Gesamtsanierung (Innenausbau, Küchenbau, Terrassen, Ruine Bergfried)
Bisher noch im Rohbau, wird im Sonderinvestitionsprogramm I die Innensanierung von Schloss Altenstein abgeschlossen. Im Schloss wird unter anderem der historische Festsaal wiederhergestellt, zudem entsteht im Sinne der einstigen Künstlerresidenz Georgs II. ein moderner Konzertsaal neu. Auch moderne Haustechnik wird installiert. Auf der Terrasse hinter dem Schloss wird der historische Küchenbau saniert. Durch die Sanierung werden auch für den maroden Fachwerkbau aus dem 19. Jahrhundert neue Nutzungsmöglichkeiten geschaffen.
Treppenhaus von Schloss Altenstein, Foto: STSG, Constantin BeyerZukünftiger Konzertsaal im Schloss Altenstein, Foto: STSG, Constantin BeyerSanierung des historischen Küchenbaus von Schloss Altenstein, Foto: STSG, Constantin BeyerSaniertes Fachwerk am histroischen Küchenbau von Schloss Altenstein, Foto: STSG, Constantin Beyer
Baureportage
Schloss Altenstein
Achtung Baustelle
SIP-Baustellen-Ausstellung Schloss Altenstein
Informationsausstellung zum Sonderinvestitionsprogramm I
Hofmarschallamt geöffnet April bis Oktober Dienstag bis Freitag 11 – 15 Uhr Samstag, Sonntag, Feiertage 11 – 16 Uhr Montags geschlossen
2020 fasste der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages einen Beschluss, der eine große Chance für die Thüringer Denkmallandschaft bedeutete: 200 Millionen Euro – jeweils zur Hälfte finanziert von Bund und Land – darf die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) für die Sanierung ausgewählter Monumente in ihren Liegenschaften bis 2032 investieren. Die Voraussetzungen dafür schufen Bund und Land 2021 mit einer gemeinsamen Verwaltungsvereinbarung. 13 Kulturdenkmale profitieren von dem Programm. Die STSG geht in 23 Einzelprojekten vor, die dringliche Sanierungsabschnitte ermöglichen und unabhängig voneinander vorangetrieben werden können.
Eine Sonderrolle nimmt Schloss Friedenstein in Gotha ein – 50 Millionen Euro aus dem SIP I kommen der Anlage zugute, für die nun zusammen mit dem bereits seit einigen Jahren laufenden 60-Millionen-Euro-Programm insgesamt 110 Millionen Euro bereitstehen. Gebaut wird im laufenden Betrieb, auch wenn es zu Einschränkungen kommen kann, bleiben die Museen geöffnet. Nicht nur große Residenzstädte, sondern auch der ländliche Raum profitiert vom Programm.
23 Projekte an 13 Orten
Broschüre
Kulturelles Erbe retten, nachhaltig handeln, Handwerk fördern – Informationen zum Bauen im Superlativ auch in unserer Broschüre zum SIP I. Hier zum Download.
Wenige Kilometer von Thüringens ältestem Kurort Bad Liebenstein entfernt befindet sich das Schloss Altenstein. Erbaut im Stil der Neorenaissance, diente es einst den Herzögen von Sachsen-Meiningen als Sommerresidenz. Umgeben ist das Schloss von einem malerischen Landschaftspark mit Chinesischem Häuschen, kunstvollen Teppichbeeten und Aussichtspunkten ins Werratal. An der Gestaltung des Parks war kein geringerer als Fürst Hermann von Pückler-Muskau beteiligt. Seit 2017 beherbergt das Schloss eine Gedenkstätte für Johannes Brahms, der mehrmals dort zu Besuch war.
Schlossanlage
Sein heutiges Aussehen verdankt Schloss Altenstein Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826–1914). Politisch gesehen, spielte sein Herzogtum eine eher untergeordnete Rolle im Reigen der europäischen Großmächte. Trotzdem erlangte das kleine Sachsen-Meiningen europaweite Berühmtheit, denn sein kunstsinniger Regent sollte als „Theaterherzog“ in die Geschichte eingehen. Georg II. führte Regie, entwarf Kostüme und Bühnenbilder, schrieb Abhandlungen über das Regietheater und verhalf der Meininger Hofkapelle zu neuem Ruhm. Innerhalb von zwei Jahren ließ er das Schloss auf dem Altenstein grundlegend umgestalten, was seinem Hofbaumeister einiges Kopfzerbrechen bereitete. Denn der Herzog, dessen Kunstverständnis vom Historismus geprägt wurde, hatte klare Vorstellungen und strenge Vorgaben. Es entstand ein Bau im Stil englischer Herrenhäuser – mit geschweiften Knickgiebeln, gebogenen Fenstern, halbrunden Erkern, zahlreichen Schornsteinen und Obelisk-Aufsätzen. Im Sommer diente der Altenstein der herzoglichen Familie oft als Wohnsitz und entwickelte sich zu einem Ort der Muse. Der Herzog lud Intellektuelle, Künstler und Musiker dorthin ein. Darunter den Komponisten Johannes Brahms, der mehrmals auf dem Altenstein zu Besuch war. An Clara Schumann schrieb er im November 1894: „Ich wünschte (…), Du mögest hier an meinem Fenster sitzen, auf meinen Balkon hinausgehen können und dann hinaus in den herrlichen Park und Wald. Die schönsten Fasane, Hirsche und Rehe dutzendweis spazieren mit.“
Brahms-Gedenkstätte und Snuff-Bottles
Schloss Altenstein gehört heute zu den wenigen Orten, die noch einen direkten Bezug zu Brahms' Leben aufweisen. Daher werden in der Brahms-Gedenkstätte unter anderem kostbare Autografen, Erstdrucke und Originalbilder ausgestellt. Nachdem ein Brand im Jahr 1982 die baugebundene historische Innenausstattung des Altensteins zerstörte, ist die Eröffnung der Gedenkstätte ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur vollständigen Wiederherstellung des Schlosses.
Altenstein, Schloss Altenstein, Chinesisches Kabinett, Snuf Bottles, 1. OGAltenstein, Schloss Altenstein, Chinesisches Kabinett, Snuf Bottles, 1. OGUntertitel Galerie
Der Park: Ein „Edelstein“ der Landschaftsarchitektur
Die Anfänge des heute weitläufigen Parks gehen auf Georg I. von Sachsen-Meiningen zurück (1771–1803). Der Herzog machte Altenstein, zu seiner Sommerresidenz und begann mit dem Aufbau eines Landschaftsgartens. Damit legte er den Grundstein für eine der größten historischen Parkanlagen Thüringens. 1853 schrieb der Landeskundler Georg Brückner vom „Edelstein der Thüringer Waldnatur“. Kein Wunder, berühmte Landschaftsarchitekten wie Fürst Hermann von Pückler-Muskau und Peter Joseph Lenné hatten wichtige Ideen zur Gestaltung der Parkanlage beigesteuert. Pückler-Muskau war bei seinen Besuchen über die „wundervolle Lage, üppige Grasflächen, (…) jäh abstürzende Felsen mit Terrassengärten“ begeistert, dennoch kam er nicht umhin „Rat über die Parkanlage“ zu geben – und so wurden unter anderem große Sichtachsen angelegt, die den Blick ins Werratal freigeben. Der weitläufige Park lockt zudem mit Aussichtpunkten und Parkarchitekturen wie dem Morgenplateau, der Ritterkapelle oder dem Chinesischen Häuschen. Rund um das Schloss finden sich das Altensteiner Teppichbeet und das Knotenbeet.
Unterhalb der Parkanlage befindet sich die 1799 bei Straßenbauarbeiten entdeckte Altensteiner Höhle. Hier ließ Herzog Georg I. 1800 einen unterirdischen Landschaftspark einrichten. Dieser Park ist seit Dezember 2023 im Rahmen von Führungen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.