Auf Schloss Bertholdsburg in Schleusingen werden im SIP I zwei Projekte zum Erhalt der Schlossanlage umgesetzt. Die seit einigen Jahren bereits notgesicherte Schlossbrücke wurde saniert und damit nicht nur die historische Bogenbrücke und wichtigste Verbindung in die Burg vor dem Verlust bewahrt. Auch die Voraussetzungen für das zweite Sanierungsprojekt wurden damit geschaffen – die Sanierung von Innenräumen im Süd- und Westflügel. Ein Teil des Museumsdepots musste vorher umziehen, und das ging nur über die sanierte Schlossbrücke. Durch die Maßnahmen im Innenbereich kann der Museumsrundgang erweitert werden. Und auch die Verbesserung der barrierearmen Erschließung wird mit in den Blick genommen.
Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, Foto: STSG, Jan Kobel
Sanierung der Schlossbrücke mit Umfeld
Mit der Schlossbrücke wurde auf Schloss Bertholdsburg ein jahrhundertealtes Nadelöhr instandgesetzt. Auch das Brückenumfeld gehört mit zum Sanierungsbereich – am Ostflügel wird die zum Burggraben gelegene marode Fachwerkfassade samt Fenster und Erker saniert. Im Burggraben werden angrenzende Stützmauerbereiche instandgesetzt.
Brückenbaustelle auf Schloss Bertholdsburg 2024, Foto: STSG, Jan KobelFachwerksanierung am Ostflügel von Schloss Bertholdsburg, Foto: STSG, Thomas MüllerSIP-Baustelle am Ostflügel von Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, Foto: STSG, Thomas Müller
Im Zuge der Brückensanierung wurde zunächst die stark geschädigte Brückenkonstruktion rückgebaut und durch den Einzug von Stahlbetonbalken stabilisiert. Anschließend wurde mit dem vorhandenen Material wieder aufgemauert, neu verfüllt und die Brückendecke wiederaufgebaut. 2025 folgte die abschließende neue Pflasterung .
Sanierte Schlossbrücke auf Schloss Bertholdsburg Schleusingen, Foto: STSG, Thomas MüllerAltantor mit sanierter Schlossbrücke auf Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, Foto: STSG, Thomas Müller
Sanierung von Innenräumen im Süd- und Westflügel, Verbesserung der Barrierefreiheit
Im Südflügel von Schloss Bertholdsburg werden Räume für das NaturHistorische Museum saniert und nutzbar gemacht. Der Trakt war im 16. Jahrhundert als wehrhafter Bau begonnen worden, beim Bauen hatte sich der Zweck allerdings immer mehr zugunsten des Wohnkomforts gewandelt. Im Erdgeschoss werden der große und der kleine Rittersaal saniert. Eine zeitweise Nutzung als Lagerraum und die raumklimatischen Bedingungen haben dem Sandstein in den geschichtsträchtigen Sälen stark zugesetzt.
Rittersaal im Sanierungsbereich, Foto: STSG, Jan Kobel
2020 fasste der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages einen Beschluss, der eine große Chance für die Thüringer Denkmallandschaft bedeutete: 200 Millionen Euro – jeweils zur Hälfte finanziert von Bund und Land – darf die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) für die Sanierung ausgewählter Monumente in ihren Liegenschaften bis 2032 investieren. Die Voraussetzungen dafür schufen Bund und Land 2021 mit einer gemeinsamen Verwaltungsvereinbarung. 13 Kulturdenkmale profitieren von dem Programm. Die STSG geht in 23 Einzelprojekten vor, die dringliche Sanierungsabschnitte ermöglichen und unabhängig voneinander vorangetrieben werden können.
Eine Sonderrolle nimmt Schloss Friedenstein in Gotha ein – 50 Millionen Euro aus dem SIP I kommen der Anlage zugute, für die nun zusammen mit dem bereits seit einigen Jahren laufenden 60-Millionen-Euro-Programm insgesamt 110 Millionen Euro bereitstehen. Gebaut wird im laufenden Betrieb, auch wenn es zu Einschränkungen kommen kann, bleiben die Museen geöffnet. Nicht nur große Residenzstädte, sondern auch der ländliche Raum profitiert vom Programm.
23 Projekte an 13 Orten
Broschüre
Kulturelles Erbe retten, nachhaltig handeln, Handwerk fördern – Informationen zum Bauen im Superlativ auch in unserer Broschüre zum SIP I. Hier zum Download.
Schloss Bertholdsburg erhebt sich strategisch günstig am Ende eines Höhenzugs an der einst wichtigen Handelsstraße von Erfurt nach Nürnberg. Es ist das Älteste der erhaltenen ehemaligen Residenzschlösser in Thüringen. Begründer der Residenz waren die Grafen von Henneberg, eines der ältesten Grafengeschlechter Frankens. Im frühen 13. Jahrhundert verlegten die Henneberger ihren Hauptsitz nach Schleusingen. Berthold VII. erhielt 1310 die Fürstenwürde und baute die Burg umfangreich aus. Bis in das 16. Jahrhundert wurde die Burg ständig erweitert und modernisiert. Die einst stark befestigte Burganlage wurde zum Renaissanceschloss ausgebaut. So setzt sich die Vierflügelanlage aus Baukörpern unterschiedlicher Entstehungszeiten zusammen. Mit dem Aussterben der Henneberger 1583 fiel die Grafschaft an die Wettiner, 1815 an Preußen. Damit verlor Schloss Bertholdsburg seinen Status als Residenz. Heute befindet sich im Schloss das Naturhistorische Museum.
Von der Burg zum Renaissanceschloss
Aus welcher Richtung man sich auch immer Schleusingen nähert, ein Gebäude ist nicht zu übersehen – die markante Bertholdsburg. Begründet wurde die Residenz durch die Grafen von Henneberg, einem der ältesten Adelsgeschlechter Frankens. Ursprünglich hatten diese ihren Stammsitz auf dem Henneberg nahe der Stadt Meiningen. Doch um das Jahr 1230 verlegten sie ihren Sitz nach Schleusingen, das verkehrsgünstig an der wichtigen Handels- und Heerstraße von Nürnberg nach Erfurt lag. Der Schlossneubau konnte vermutlich dank einer reichen Mitgift realisiert werden. Diese kam durch die Heirat von Graf Poppo VII. mit der Tochter des Landgrafen von Hessen zustande. Ihren späteren Namen verdankte die Burg vermutlich Graf Berthold VII. (um 1272 – 1340). Er trug den huldvollen Beinamen „der Weise“, war eine wichtige politische Persönlichkeit seiner Zeit und fungierte für mehrere Könige und Kaiser als Berater sowie als Vormund für den Sohn Kaiser Ludwigs IV. des Bayern (um 1282–1347).
Von der Burg des 13. Jahrhunderts sind heute noch einzelne Bauelemente zu sehen. Um- und Erweiterungsbauten im 15. und 16. Jahrhundert sorgten dafür, dass sich das Aussehen der Anlage ständig veränderte. Obwohl sich das Adelsgeschlecht zu dieser Zeit bereits im Niedergang befand, wurde die mittelalterliche Wehranlage zu einem vierflügeligen Renaissanceschloss ausgebaut.
Die meist dreigeschossigen Gebäude wurden durch ein Obergeschoss aus Fachwerk aufgestockt und die Türme des Schlosses erhöht. Dieses Aussehen hat sich die Bertholdsburg bis heute weitgehend bewahrt. Von den ehemals neun Türmen sind heute jedoch nur noch sieben vorhanden. Ihre Namen wie Gerichtsturm, Jungfernturm, Hexenturm oder Kapellenturm verweisen auf ihre einstige bzw. zeitweilige Funktion. Der Hauptturm ist als Aussichtsturm in den Museumsbetrieb eingebunden. Nach dem Tod des letzten Henneberger Grafen im Jahr 1583 fielen fast alle Besitzungen an die Wettiner und später an Preußen, woraufhin Schleusingen seinen Residenzstatus verlor. Da die sächsischen und preußischen Schlossherren nun nicht mehr in Schleusingen residierten, zeigten sie auch kein Interesse daran, die Anlage umzugestalten. So blieb das Schloss im ursprünglichen Renaissancestil erhalten.
Herkules in Großformat
Die bedeutendsten erhaltenen Innenräume befinden sich im ersten Obergeschoss des Nordflügels. Dort erwarten Besucher unter anderem ein Saal mit floral stuckierter Decke und ein gewölbter Raum mit gelben und schwarzen Seccomalereien aus der Zeit um 1600. Großformatige Szenen zeigen die Heldentaten des antiken Helden Herkules. Es handelt sich um einen der größten profanen Bilderzyklen in Mitteldeutschland. Heute beherbergt das Schloss das Naturhistorische Museum, das seinen Besuchern drei Dauerausstellungen präsentiert – zur Regionalgeschichte, Geologie sowie zur Naturkunde, darunter bedeutende Fossilien- und Mineraliensammlungen.