Auf einem sanften Ausläufer des Thüringer Walds erhebt sich über der mittelalterlichen Fachwerkstadt Schmalkalden Schloss Wilhelmsburg. Ab 1585 als Nebenresidenz der Landgrafen von Hessen-Kassel entstanden, zählt es mit seinen herausragenden Innenraumdekorationen und der weitgehend erhaltenen Gesamtanlage zu den bedeutendsten Renaissanceschlössern in Deutschland. Seit dem hohen Mittelalter teilten sich die hessischen Landgrafen und die Henneberger Grafen das wirtschaftlich ertragreiche Amt Schmalkalden. Nach dem Aussterben der Henneberger 1583 fiel es den Landgrafen von Hessen-Kassel zu. Als Zeichen der neuen Machtverhältnisse errichtete Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (reg. 1567–1592) anstelle einer mittelalterlichen Burg das Renaissanceschloss.
Das Museum Schloss Wilhelmsburg zeigt heute Dauerausstellungen zur Geschichte des Schlosses, zur Residenzkultur der Renaissance sowie zur Reformationsgeschichte.
Auf einen Blick
Adresse
Museum Schloss Wilhelmsburg
Schlossberg 9
98574 Schmalkalden E-Mail Website
Öffnungszeiten
Museum Schloss Wilhelmsburg
April bis Oktober: Mo – So 10– 18 Uhr
November bis März: Di – So 10 – 16 Uhr
an gesetzlichen Feiertagen geöffnet
24., 25., 31. Dezember geschlossen
Schlossgarten
April bis September: 7 – 20:30 Uhr
Oktober bis März: 7 – 19 Uhr
Das Schloss Wilhelmsburg
In der Zeit der Reformation war Schmalkalden einer der politischen Brennpunkte schlechthin. Sowohl die Blicke des Kaisers als auch die des Papstes richteten sich auf die Stadt im Südwesten des Thüringer Walds. Denn in der letzten Dezemberwoche des Jahres 1530 schlossen sich dort protestantische Fürsten, Adelige und Städte zum Schmalkaldischen Bund zusammen, angeführt von Philipp I. von Hessen und Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen. Sie waren sich einig, dass nur ein gemeinsames Bündnis aller Protestanten Schutz gegen den Kaiser bieten könne. Acht Mal kam der Bund in Schmalkalden zusammen. Wenn die Teilnehmer hinauf in Richtung der Queste blickten, sahen sie damals noch die verfallene Wallrabsburg der Grafen von Henneberg. Nachdem dieses Adelsgeschlecht ausgestorben war, fielen deren Besitzungen um Schmalkalden an den Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel. Dieser ließ die Burg ab 1585 zu einer Nebenresidenz umbauen. Heute thront die Wilhelmsburg über der Schmalkaldener Altstadt. Aufgrund seiner originalen Raumstruktur, den prächtigen Wandmalereien und Stuckaturen sowie seiner Außenanlagen ist die Wilhelmsburg ein Juwel unter den Renaissance-Schlössern Deutschlands. Mit der Weihe der Schlosskirche am 23. Mai 1590 wurde das Schloss zur Nutzung freigegeben, wenngleich die Innenausstattung noch nicht vollständig abgeschlossen war.
Die Schlosskapelle
Der Sohn des Landgrafen baute das Schloss später weiter aus und vervollständigte die Inneneinrichtung, zudem ließ er Lustgärten und Terrassen anlegen und gab weitere Bauten rund um das Schloss in Auftrag. Bemerkenswert ist vor allem die Schlosskapelle, die ihr Vorbild in der Torgauer Schlosskirche fand und heute zu den ältesten und schönsten protestantischen Kirchen Deutschlands zählt. Erstmals wurden dort dem protestantischen Verständnis folgend Altar, Kanzel und Orgel in einer vertikalen Achse angeordnet. Ein besonderes Highlight bildet die Renaissance-Orgel. Sie ist die älteste Thüringens und gehört darüber hinaus zu den ältesten noch bespielbaren Holzorgeln in Europa. Ihren Klang können Zuhörer bei zahlreichen Konzerten genießen. Der Thronsaal der restaurierte Festsaal, auch Riesensaal des Schlosses genannt sowie die Herrenküche sind sehenswert. Der Festsaal gehört zu den repräsentativsten Festsälen des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Außerdem beherbergt das Schloss eine Kopie des Kellergewölbes aus dem „Hessenhof“. Das Haus am Neumarkt diente als Verwaltungssitz der hessischen Landgrafen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Keller romanische Wandermalereien mit Szenen aus dem Iwein-Epos des Hartmann von Aue entdeckt. Aus konservatorischen Gründen sind sie nicht öffentlich zugänglich. Um sie Besuchern zeigen zu können, wurde eine Kopie in der Wilhelmsburg angefertigt.
Terassengarten
Ab 1602 entstand unter Landgraf Moritz von Hessen-Kassel südlich von Schloss Wilhelmsburg ein eindrucksvoller Terrassengarten. Stilistisch ist die Anlage noch stark durch die Renaissance geprägt. Seitliche Begrenzungsmauern und die Stützmauern der Gartenterrassen sowie eine ab 1687 eingefügte Wasserkunst, die in Resten erhalten ist, lassen sie zur künstlerischen Einheit mit dem Schlossgebäude verschmelzen. Der trapezförmige Grundriss und die geneigten Terrassen bedingen eine besondere perspektivische Wirkung des Gartens. Nach der weitgehenden Aufgabe des Lustgartencharakters im 18. Jahrhundert wurden die Gärten der Wilhelmsburg als Pachtgärten genutzt. Zur Landesgartenschau 2015 in Schmalkalden wurde die Gartenanlage wiederhergestellt. Nach der Errichtung neuer Stützmauern gestaltete man die vier Gartenterrassen neu. Die Konzeption nimmt Bezug auf die Gartengeschichte: Ein Buchsbaumparterre präsentiert die Gestaltungsprinzipien der Entstehungszeit nach einem Entwurf von 1672. Auf weiteren Gartenterrassen wird beispielhaft das Zier- und Nutzpflanzenspektrum des 17. Jahrhunderts gezeigt. Die Anlage ist ein bedeutendes und frühes Beispiel für die in Deutschland eher seltenen Terrassengärten.
Schloss Altenstein mit dem 160 Hektar großen Landschaftspark gehört zu Bad Liebenstein, einem traditionsreichen Kurort in Thüringen. Der Park wurde ab 1798 um den barocken Vorgängerbau des heutigen Schlosses angelegt. Unter dem als Theaterherzog bekannten Georg II. von Sachsen-Meiningen wurde das Schloss von 1888 bis 1890 nach dem Vorbild englischer Landhäuser umgestaltet. Trotz erheblicher Verluste durch einen Brand 1982 im Inneren des Gebäudes ist das Schloss Altenstein ein architektonisches Glanzstück.
Im Park haben drei wesentliche Entwicklungsabschnitte landschaftlicher Gartengestaltung sichtbaren Niederschlag gefunden. Die Gartenarchitekturen des frühen, sentimentalen Landschaftsparks sind mit den großen, raumfassenden Bezügen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie der detailreichen Ausgestaltung mit Blumenbeeten und Skulpturen im Historismus zu einem Gesamtkunstwerk zusammengewachsen. An der Gestaltung des Parks waren die Gartenkünstler Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Eduard Petzold und Peter Joseph Lenné beteiligt.
Verwaltung
Schlossverwaltung Schloss Altenstein Altenstein 4 | Kavaliershaus 36448 Bad Liebenstein T: 03 69 61 - 7 02 22 E-Mail
Abenteuer im Park Altenstein mit dem Entdeckerrucksack und Drache Bruno
Der Drache Bruno sucht in einem der schönsten Landschaftsparks Deutschlands seine Schwester. Schnappt Euch euren Entdeckerrucksack im Besucherzentrum und begleitet ihn bei seiner Suche! Es geht vorbei an beeindruckenden Felsen, alten Ruinen und einem majestätischen Schloss. Kompass, Fernglas, Musikinstrumente und mehr kommen bei diesem Abenteuer zum Einsatz.
Für wen? Kinder zwischen 6 und 10 Jahren, in Begleitung Erwachsener
Wo? Rund um das Schloss Altenstein, Bad Liebenstein
Wie? Entdeckerrucksack im Besucherzentrum ausleihen und loslegen
Hör mal im Garten - Audioguide von Kindern für Kinder
Ein Streifzug mit der Schlossparkkatze durch den Altensteiner Schlosspark – dazu lädt der neue Kinder-Audioguide „Hör mal im Garten Altenstein“ ein. Die Schlossparkkatze nimmt alle Interessierten mit auf einen ca. einstündigen Rundgang durch den Innen- und Außenpark. Bereits seit 49 Katzenjahren herrscht sie über dieses große Gartenreich. An 12 Stationen haben aber auch Drachen, Gespenster und ein kleines freches Reh so einiges Wissenswertes über die historische Parkanlage zu erzählen.
Der Audioguide wurde im Rahmen eines Ferienkurses erarbeitet. Zehn Teilnehmer im Alter zwischen 10 und 17 Jahren leihen Schlossparkkatze und Co. ihre Stimmen. Sie führen Jung und Alt durch den größten Landschaftspark in Thüringen mit seinen imposanten Felsformationen, kleinen Parkgebäuden und vielen tollen Aussichtspunkten. Die spannendsten Stationen im Park wählten die Kinder und Jugendlichen selbst aus und setzten das Projekt im Rahmen eines einwöchigen Workshops um. Dazu gehörten das Schreiben der Dialoge, das Einsprechen der Texte, das Aufnehmen der Geräusche sowie die Regie beim Tonschnitt.
Das Projekt ist eine Gemeinschaftsproduktion der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Wartburg-Sparkasse, der Thüringer Landesmedienanstalt, des Wartburg-Radios 96,5, der Jugendkunstschule Wartburgkreis e. V. und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.
Über das Projekt „Hör mal!“
Das Projekt »Hör mal« ist eine Kooperation zwischen Schulen, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) und verschiedenen Institutionen als Träger historischer Gärten. In vielen Orten Thüringens produzieren Kinder und Jugendliche in einem Garten ihrer Stadt Audioguides für Kinder. Dabei sollen im Unterricht erlernte Themen vertieft und das erworbene Wissen bei den Schülern gefestigt werden. Der Lernort Schule wird erweitert und der Garten als Ort der Wissensvermittlung etabliert. Die Bindung der Schüler an ihren Heimatort wird durch dieses Projekt intensiviert.
Ehemaliges Zisterzienserkloster im Landkreis Gotha
Am nördlichen Rand des Thüringer Waldes, rund 16 Kilometer südlich von Gotha, finden sich die Überreste des Klosters Georgenthal. Gegründet wurde es um das Jahr 1140 als Zisterzienserkloster. Seine Blütezeit erlebte der Konvent zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als dort der Gelehrte Georg Spalatin unterrichtete. Von der einst dreischiffigen Säulenbasilika haben sich nur Säulenstümpfe und Mauerreste erhalten. Dennoch ist Kloster Georgenthal ein wichtiges Architekturzeugnis. Von der früheren Pracht und Größe zeugt unter anderem das sogenannte Kornhaus mit seinem spätromanischen Rosettenfenster.
Machtpolitik und Religion
Er selbst sei mit „mit weltlichen Dingen beschäftigt“ und könne Gott daher nicht so dienen, wie er gerne wolle. Deshalb sollten die Mönche „den Herrn statt seiner ohne Unterlaß bitten.“ Als Graf Sizzo III. von Käfernburg das Kloster Georgenthal vermutlich im Jahr 1140 gründete, spielte wohl nicht nur dieser fromme Wunsch eine Rolle. Vielmehr ging es dabei auch um machtpolitische Erwägungen. Das neu gegründete Kloster lag an einem strategisch bedeutsamen Punkt, denn es war nur wenige Kilometer vom Benediktinerkloster Reinhardsbrunn entfernt. Dieses war von den Thüringer Landgrafen nur wenige Jahre zuvor geründet worden und diente ihnen später sogar als Hauskloster.
Mit seiner eigenen Klostergründung in Georgenthal wollte Graf Sizzo den zunehmenden Einfluss der Landgrafen auf sein Herrschaftsgebiet verhindern. Ab 1143 wurde das Zisterzienserkloster mit dem ersten Abt besetzt und Mönche aus dem französischen Mutterkloster Morimond zogen in die Konventsgebäude ein.
Ab 1152 wurde mit dem Bau der Klosterkirche begonnen. Das Gotteshaus wurde nach dem Vorbild des Klosters Paulinzella errichtet, als dreischiffige Säulenbasilika mit einem kreuzförmigen Grundriss. Von der einst prachtvollen Kirche haben sich nur Fundamentreste und Säulenstümpfe erhalten. Eine Gedenkplatte markiert heute die Stelle, an der die Gruft mit den Gebeinen des Klostergründers vermutet wird.
Georg Spalatin als Novizenlehrer
Seine Blütezeit erfuhr das Kloster Georgenthal zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als Georg Spalatin dort lehrte. Der Philosoph und Humanist war ein Mitstreiter Martin Luthers, daneben Wittenberger Kanzler und Geheimsekretär Friedrichs des Weisen. Während sich Luther auf der Wartburg bei Eisenach versteckt hielt, lieh ihm Spalatin seine Bibel. Diese soll Luther für seine berühmte Bibelübersetzung genutzt haben. Nur wenige Jahre später leitete der Bauernkrieg den Untergang des Klosters ein. Es wurde geplündert und größtenteils zerstört, die Mönche flohen und das Kloster wurde schlussendlich aufgelöst. In der Folgezeit wurden die Klosterbauten fast vollständig abgetragen, nur wenige Nebengebäude blieben erhalten. Im 19. Jahrhundert spülte ein verheerendes Hochwasser die Säulenreste und Grundmauern der Klosterkirche frei, woraufhin weitere Grabungen veranlasst wurden.
Spuren des Klosterlebens
Von den Gebäuden der einstigen Klosteranlage hat sich vor allem das sogenannte Kornhaus erhalten. Ursprünglich war in dem stattlichen Gebäude wohl das Klosterhospital untergebracht. Nach der Säkularisierung wurde es in einen Kornspeicher umgewandelt. Heute wird es als Ausstellungsraum genutzt. Bemerkenswert ist vor allem das mehrfach restaurierte, spätromanische Steinrosettenfenster im Nordgiebel des Gebäudes. Erhalten hat sich ebenfalls die Elisabethkirche, die in der ehemaligen Mauerumfriedung des Konvents steht. Sie diente vermutlich vor ihrem Umbau zur Kirche als Abtshaus.