Über der kleinen Stadt Weißensee erhebt sich stolz die gleichnamige Burg Weißensee. Erbaut wurde die Wehranlage von der Landgräfin Jutta um das Jahr 1170. Heute gehört sie zu den bedeutendsten Zeugnissen romanischer Baukunst in Deutschland. In kaum einer Anlage hat sich so viel originale Bausubstanz des Hochmittelalters erhalten wie hier. Heute befindet sich in der Burg eine kleine Ausstellung.
Auf einen Blick
Burgführungen
Aktuell finden Burgführungen nur nach vorheriger Absprache mit der Schlossverwaltung statt. Wir bitten um Verständnis. Das Burggelände ist tagsüber für Besucher geöffnet.
Burg Weißensee Aktuell finden Burgführungen nur nach vorheriger Absprache mit der Schlossverwaltung statt. Wir bitten um Verständnis. Das Burggelände ist tagsüber für Besucher geöffnet.
Burggelände
Das Burggelände ist frei zugänglich.
Ausstellung im Innenraum
Das Innere der Burg führt den Besucher zurück in die Blütezeit der Anlage, Ende des 12. Jh. / Anfang des 13. Jh. Das weitgehend erhaltene Erscheinungsbild der mittelalterlichen Burg, mit seiner qualitätvoll gearbeiteten, romanischen Bauornamentik, zeugt noch heute von höchster handwerklicher Qualität. Kernstück des Rundgangs bildet dabei eine bauzeitliche Astsäule mit Weinrankenkapitell von hoher Güte.
Innenräume der Burg können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Die zugänglichen Räume geben unter anderem mit ihren Fenster- und Türgewänden, den Kapitellen oder der ausgesprochen seltenen Steinofen-Luftheizung bereits jetzt einen Eindruck von der wiederzugewinnenden Qualität dieses Bauwerkes.
Eine Burg der Landgräfin
Eine „Herberge“ sollte es werden, auf halber Strecke zwischen der Grenzfeste Wartburg und der Neuenburg bei Freyburg (im heutigen Sachsen-Anhalt), genau in der Mitte des landgräflichen Machtbereichs. So war es der Plan der Landgräfin Jutta (1133–1191). Doch ihre geplante Burg lag im Territorium der Grafen von Beichlingen, die sich deshalb bei Kaiser Friedrich I. Barbarossa beschwerten. Juttas Mann, der Thüringer Landgraf Ludwig, gab sich vermeintlich empört über die Eigenmächtigkeit seiner Frau und der Kaiser verbot öffentlich den Weiterbau. Doch Jutta war zugleich die Halbschwester Barbarossas – und so konnte die Anlage mit dessen stillem Einverständnis doch weitergebaut werden. Demnach entstand die Burg Weißensee um das Jahr 1170. Sie wurde schnell zu einem wichtigen Stützunkt der landgräflichen Territorialpolitik. In den Auseinandersetzungen zwischen Staufern und Welfen im Kampf um die Thronfolge im Heiligen Römischen Reich sollte die Wehranlage eine zentrale Rolle spielen. Die wichtigsten Schlachten und Belagerungen fanden vor der Burg Weißensee statt, so beispielsweise 1180. In der sogenannten Schlacht bei Weißensee gerieten Juttas Söhne, Ludwig und Hermann, in die Gefangenschaft Heinrichs des Löwen. Fortan regierte Jutta über die Landgrafschaft.
Jagdschloss, Kreisverwaltung und Schule
Im Laufe ihrer langen Geschichte wurde die Burg Weißensee nie zerstört, aber mehrmals modernisiert und den Bedürfnissen der jeweiligen Burgherren angepasst. Obwohl die Burg von 1554 bis 1581 schlossartig umgebaut wurde, hat sie das Bild einer trutzigen Wehranlage bewahrt. In späterer Zeit diente Weißensee den Herzögen von Sachsen-Weißenfels als Jagdschloss, dann wurde es als Sitz der Amts- bzw. Kreisverwaltung genutzt und später als Grundschule. Heute erhebt sich Burg Weißensee auf einem kleinen Plateau über der gleichnamigen Stadt – und zählt zu den größten romanischen Burganlagen Deutschlands. Umgeben ist die Anlage von einer ovalen, bis zu sieben Meter hohen Ringmauer.
Mittelalterliche Baukunst
Die Höhepunkte der mittelalterlichen Baukunst sind der Palas und der dazugehörige fünfgeschossige Palas-Turm. Beide Bauten bildeten seit jeher eine Einheit, sie wurden gemeinsam konzipiert und im ausgehenden 12. Jahrhundert fertiggestellt. Im Palas finden sich bemerkenswerte Zeugnisse mittelalterlicher Steinmetzkunst, darunter eine sogenannten Astsäule mit einem Kapitell, bestehend aus Weinranken. Seit 1996 wird die Anlage von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten aufwendig gesichert und saniert. Vor allem die Sanierung des Palas-Turms stellte eine besondere Herausforderung dar, da der Turm äußerst instabil war und ein großer Teil des maroden Mauerwerks im unteren Turmschaft ausgetauscht werden musste.
Wer schon einmal durch die Thüringer Pforte fuhr, mag sie vielleicht entdeckt haben – die Obere und die Untere Sachsenburg. Zwei Wächtern gleich erheben sich die beiden Wehranlagen auf dem sogenannten Wächterberg. Erbaut wurden sie im 13. Jahrhundert, nur 500 Meter voneinander entfernt. Beide Burgen haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Markant sind vor allem die Bergfriede, die noch immer stolz aus den Baumkronen hervorragen.
Zwei Burgen halten die Wacht
Bereits in der Jungsteinzeit war die Region besiedelt. Später, im Mittelalter verlief im Tal eine wichtige Handelsstraße. Hier durchbricht auch die Unstrut die Höhenzüge Hainleite und Schmücke – und öffnet damit den Weg vom Südharz ins Thüringer Becken. „Bewacht“ wurde diese von der Oberen und der Unteren Sachsenburg – den Wächtern der Thüringer Pforte. Die Burgruinen erheben sich auf einem strategisch wichtigen Punkt – dem sogenannten Wächterberg, einem Bergsporn der Hainleite. Die Burgen haben eine wechselvolle Geschichte mit ungewöhnlich vielen Besitzerwechseln hinter sich. Den Landgrafen von Thüringen gehörten die Burgen zunächst. Nachdem diese ausgestorben waren, übernahmen die Grafen von Anhalt und später die Wettiner. Erbaut wurden die beiden Anlagen vermutlich zwischen 1250 und 1350 – und das nur 500 Meter voneinander entfernt. Schon von weitem sieht man die beiden Bergfriede aus dem bewaldeten Gebiet herausragen. Ab der Mitte des 15. Jahrhundert trennte sich die Funktion der Burgen.
Untere Sachsenburg
Die Untere Sachsenburg wird auch Hakenburg genannt. Um das Jahr 1590 richteten die Wettiner auf der Burg einen Amtssitz ein und bauten diese dazu schlossähnlich zu einer Dreiflügelanlage aus. 1799 musste der Amtssitz allerdings wegen Baufälligkeit aufgegeben werden. Die Burg verfiel und wurde zum Abbruch freigegeben. 1945 wurden Teile der Anlage von der Wehrmacht gesprengt, um mit dem Material eine Panzersperre im Tal zu errichten und so den Vormarsch der alliierten Truppen zu verhindern. Das heutige Erscheinungsbild spiegelt daher also weniger die Geschichte der Anlage wider, sondern vielmehr das Ergebnis systematischer Zerstörung in der Vergangenheit. Erhalten hat sich in der gesicherten Ruine vor allem der 22 Meter hohe Bergfried.
Obere Sachsenburg
Auch die Obere Sachsenburg machte zahlreiche Besitzwechsel durch. Den Dreißigjährigen Krieg überstand die Anlage zwar unbeschadet, aber bereits um 1700 war die Obere Sachsenburg Ruine. Im Zuge der allgemeinen Burgenromantik des 19. Jahrhunderts wurde dort ein Ausflugslokal eröffnet. Von der einstigen Burg haben sich vor allem die Außenwände des dreigeschossigen Wohnbaus erhalten, sowie der noch etwa 20 Meter hohe quadratische Bergfried. Die Westseite des Turms war zugleich die Hauptangriffsseite der Burg, dennoch sind die Mauern des Bergfrieds bemerkenswert dünn und messen lediglich 1,40 Meter.
Sie wurde zerstört, zweckentfremdet und ihrer Würde beraubt – die Klosterkirche St. Peter und Paul. Nach der Säkularisation wandelten sie preußische Truppen 1820 in ein Proviantlager um. In jüngster Zeit erhielt das ehemalige Gotteshaus etwas von seiner einstigen Würde zurück, indem die Lagerböden teilweise entfernt wurden. Erbaut wurde die Kirche vor rund 900 Jahren auf der damals höchsten Erhebung innerhalb der Erfurter Stadtmauern, dem Petersberg. Die Pfeilerbasilika des einstigen Benediktinerklosters folgte dem Vorbild der Hirsauer Schule. Im Inneren haben sich einige der ältesten Wandmalereien in Thüringen erhalten.
Gärten in der Klosterkirche
Wo einst Mönche wandelten, hat die Thüringer Gartenkunst Einzug gehalten. Die Ausstellung "Paradiesgärten - Gartenparadiese" bietet einen Streifzug durch die historischen Parks und Gärten der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Auch Einblicke in das Peterskloster selbst und die klösterliche Gartenkultur bietet die stimmungsvolle Schau.
Ein „das innerste Gefühl erschütternder Anblick“. So beschrieb es Constantin Beyer in seiner 1821 erschienen Stadtchronik. Was den Schreiber so aus der Fassung brachte, war die ausgebrannte Klosterkirche St. Peter und Paul. Ende 1813, inmitten der Befreiungskriege, war sie zwischen die Fronten geraten. Französische Truppen hatten sich in der Zitadelle auf dem Petersberg verschanzt. Die Festungsanlage war rund 150 Jahre zuvor errichtet worden und schloss das Kloster komplett ein. Eine verhängnisvolle Lage, wie sich zeigen sollte. Denn die Preußen eröffneten das Feuer. Sie konnten die Franzosen schlussendlich zwar vertreiben, fügten der Kirche aber schwere Schäden zu. Ein Wiederaufbau kam für die neuen Landesherren nicht in Frage, stattdessen machten sie aus dem Gotteshaus ab 1820 ein Proviantlager für das preußische Militär. Dazu wurden die Reste der Türme abgebrochen, der Obergaden mit den Fenstern abgetragen, drei Lagerebenen eingezogen und ein Satteldach aufgesetzt.
Auf den Spuren zwischen Hirsau und Barbarossa
Um das Jahr 1060 war das Benediktinerkloster vom Mainzer Erzbischof gegründet worden. Ab 1127 folgte der Neubau der Klosterkirche nach Hirsauer Vorbild. Dieser monastischen Reformbewegung folgend wurde die Kirche als flach gedeckte Pfeilerbasilika errichtet – mit einer abgetrennten Laienkirche, einem „chorus minor“ für die Ordensbrüder mit niederen Weihen und einem separaten Bereich für die Patres, die Priestermönche. Der Hirsauer Tradition entsprechend verzichtete man auf eine Krypta. Mit einer Länge von 75 Metern gilt die Klosterkirche als erster Großbau der Hirsauer Schule auf thüringischem Boden. Das Peterskloster nahm im Früh- und Hochmittelalter eine führende Rolle unter den Thüringer Klöstern ein. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts fanden dort mehrere Synoden sowie Reichs- und Hoftage der deutschen Kaiser und Könige statt. Im Jahr 1181 kam es hier auch zum Showdown zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen. Der aufständische Herzog musste sich auf dem Hoftag in Erfurt dem staufischen Kaiser unterwerfen.
Versteckte Kostbarkeiten
Trotz ihrer Zerstörung und Zweckentfremdung ist die Kirche noch immer ein bemerkenswertes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. So besteht das Mauerwerk aus ungewöhnlich großformatigen Quadern, die zum Teil eine Länge von zwei Metern erreichen. An der südlichen Außenwand des Querhauses ist zudem eine Ritzzeichnung erhalten. Sie entstand wohl um das 1360 und zeigt einen sogenannten Schmerzensmann. Unter den Farbschichten der Frühen Neuzeit haben im Kircheninneren Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts überdauert, darunter eine Kreuzigungsszene sowie zwei überlebensgroße Heiligenfiguren. Indizien lassen darauf schließen, dass es sich um die Apostel Andreas und Johannes handelt. Die Darstellungen zählen zu den ältesten erhaltenen Wandmalereien in Thüringen.