In Thüringen lassen sich herausragende Gartenkunstwerke entdecken. Bedeutende Gartenkünstler wie die Mitglieder der Familie Sckell, Hermann Fürst von Pückler-Muskau und Eduard Petzold hinterließen hier Spuren ihres künstlerischen Wirkens. Der zeitliche Bogen reicht von der Renaissance – etwa im Schlossgarten von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden – über barocke Gestaltungen – beispielsweise in der Orangerie von Schloss Friedenstein, im Orangerieparterre von Schloss Schwarzburg oder im Schlosspark Molsdorf – bis ins 19. Jahrhundert. In Molsdorf lässt sich anschaulich der Übergang zum Landschaftspark ablesen. Solche Parkanlagen sind in beeindruckender Weise im Herzoglichen Park Gotha, im Fürstlich Greizer Park und der größten Parkanlage Thüringens, dem Schlosspark Altenstein in Bad Liebenstein, erhalten geblieben.
Die Gärten und Parks gehören zum höfischen Erbe der Residenzkultur. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts wuchs das Interesse an Gartenkunst und Botanik auch bei den Bürgern. Der Garten am Kirms-Krackow-Haus veranschaulicht diese Entwicklung. Hier entstand ab 1750 ein privates Paradies mit reichem Blumenschmuck und vielfältigen Obstsorten.
Gartenparadiese –
Paradiesgärten
Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten bewahrt, pflegt und vermittelt diesen grünen Kulturschatz. Gärten sind lebende Kunstwerke – und deswegen wollen wir Ihnen einen möglichst lebendigen Eindruck vermitteln. Staunen Sie über die Höhepunkte der historischen Gartenkunst wie das Teppichbeet im Schlosspark Altenstein und seltene Baumgreise von 1810 wie Tulpenbaum, Bergahorn, Stieleiche im Fürstlich Greizer Park. Erfahren Sie, mit wie viel Können und Mühe Exoten wie Zitruspflanzen, Agaven, Kamelien oder Ananas in der Herzoglichen Orangerie Gotha gezogen und gepflegt werden – und welche Tradition sie dort haben. Sehen Sie pücklersche Säuleneichen im Schlosspark Wilhelmsthal oder begeben Sie sich während eines Rundgangs durch den Fürstlich Greizer Park auf eine Weltreise und sehen Sie Exoten wie die amerikanische Rot-Eiche, die orientalische Fichte, eine chinesische Zierquitte, eine amerikanische Sumpfzypresse oder japanische Nelken-Kirschen. Erfahren Sie, mit welcher Kompetenz unsere Gärtner Bäume und Sträucher kultivieren. Gartendenkmale zu pflegen und zu erhalten, ist eine besondere Herausforderung. Das gilt vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels. Eingriffe, Neupflanzungen und Verjüngungen sind erforderlich. Informieren Sie sich, wie unsere Gartendenkmalpfleger intensiv an Lösungen forschen.
Am besten erkunden lassen sich die Garten- und Parkanlagen zu Fuß! Wir freuen uns darauf, Sie bald im Schlosspark Altenstein, im Herzoglichen Park Gotha, in den Dornburger Schlossgärten oder einer unserer anderen Anlagen begrüßen zu dürfen!
Gartenarchitekturen und freistehende Felsformationen
Ein Landschaftspark der besonderen Art prägt die Umgebung von Schloss Altenstein in Bad Liebenstein. Am westlichen Ausläufer des Thüringer Waldes auf halber Höhe zum Rennsteig gelegen, bietet der außerordentlich weitläufige Bergpark weite Aussichten ins Werratal und bis in die Rhön. Die Wege folgen dem bergigen Gelände, sie führen durch naturnahe Waldareale und vorbei an schroffen Felsformationen. Immer wieder begegnen Inszenierungen mit kleinen Architekturen wie das Chinesische Häuschen, der Blumenkorbfelsen, die Ritterkapelle oder die Teufelsbrücke. Sie gehen auf die Zeit um 1800 zurück, als die Anlage nach der damals modernen Idee eines sentimentalen Landschaftsparks konzipiert wurde. Später gab der berühmte Gartenkünstler Hermann Fürst von Pückler-Muskau Anregungen für die Umgestaltung.
Schlosspark Altenstein
Der Landschaftspark Altenstein ist durch die kunstvolle Verschmelzung der gartenkünstlerischen Gestaltung mit den landschaftsprägenden Felsformationen charakterisiert. Um 1800 umgab Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen seine Sommerresidenz mit zahlreichen den Idealvorstellungen der Gartenkunst Ende des 18. Jahrhunderts folgenden sentimental-romantischen Landschaftsszenen, z. B. der Teufelsbrücke, der Sennhütte, dem Chinesischen Häuschen u. der Chinesischen Rotunde. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren mit Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Carl Eduard Petzold und Peter Joseph Lenné drei der bekanntesten deutschen Gartenkünstler auf dem Altenstein tätig und ergänzten den Park durch gezielte Pflanzungen und ein System von Sichtachsen. Die endgültige Gestaltung des Parks geht auf Georg II. ab 1866 zurück. Mit dem Umbau des Schlosses 1888-90 erfolgte die intensive gärtnerische Gestaltung der Schlossterrassen und des Innenparks mit Blumenbeeten und exotischen Gehölzen. Das große Teppichbeet wird jährlich nach historischen Vorbildern bepflanzt und gehört zu den Attraktionen im Schlosspark.
Blumenkorbfelsen
Der Blumenkorbfelsen entstand in den Jahren 1802/03. Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen ließ das Ensemble zu Ehren seiner verstorbenen Mutter Charlotte Amalie errichten. Dazu nutzte er eine 18 Meter hohe Felsnadel, deren Spitze eine kleine begehbare Plattform mit großem steinernem Blumenkorb erhielt. Am Fuß des Felsens entstand unter einer grottenartigen Wölbung die Greifenbank mit einer Büste Charlotte Amalies auf der Rückenlehne. Etwa zeitgleich wurden im Park auch andere Kleinarchitekturen errichtet, etwa die Ritterkapelle, das Chinesische Häuschen und die Teufelsbrücke.
Vorbild für die Altensteiner Greifenbank waren antike Bänke in Pompeji, um 1800 ein beliebtes Reiseziel europäischer Adeliger. So wurden halbrunde Steinbänke mit Greifen an den Wangen zu beliebten Ausstattungsstücken in Landschaftsgärten nördlich der Alpen. Herzog Georg I. nutzte das Motiv im antiken Sinn als Erinnerungsort.
Als Material für Blumenkorb und Greifenbank kam Sandstein zum Einsatz.
Die Dornburger Schlossgärten umfassen auf circa 4 Hektar mehrere Gärten: den Landschaftsgarten am Renaissanceschloss, den geometrisch gestaltete Garten vor dem Rokokoschloss sowie den Obst- und Grasegarten am Alten Schloss. Die Steilhänge zur Saale unterhalb der Schlösser wurden ab 1736 in Weinberge verwandelt.
Erste Entwürfe für den Garten am Rokokoschloss stammen aus dem Jahr 1735/36. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen der Eschengang, der Teeplatz mit den „Acacien“, der Rosenlaubengang und zahlreiche Rosenspaliere hinzu. Ab 1824 wurde von Carl August Christian Sckell der kleine Landschaftsgarten am Renaissanceschloss mit geschlängelten Wegen, Gehölzgruppen und Blumenbeeten für Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach angelegt.
Nach ersten Wiederherstellungsmaßnahmen der Goethe-Gesellschaft von 1926-28, folgten ab den 1950er Jahren Erneuerungs- und Rekonstruktionsarbeiten in großem Umfang. Das Gartenparterre nordöstlich des Rokokoschlosses wurde nach dem barockisierenden Entwurf des Gartenarchitekten Hermann Schüttauf 1966 neu angelegt.
Gärten als verbindendes Element
Mit dem Erwerb des Renaissanceschlosses wurde die Zusammenführung der drei Schlösser zu einer Aufgabe für die Gartenkunst. Damit beauftragte Carl August den aus einer deutschlandweit tätigen Gartenkünstlerfamilie stammenden Carl August Christian Sckell. Er schuf auf dem Gelände des früheren Ritterguts einen kleinen Landschaftspark und verwob diesen mit den intimen Gartenräumen um das Rokokoschloss und das Alte Schloss.
Verbunden sind die Gärten durch Terrassenwege am Steilhang mit weiter Aussicht in das Saaletal. Die Parterres am Rokokoschloss erhielten eine detailreiche Gestaltung mit Blumenbeeten und Laubengängen. Das nördliche Parterre zeigt heute eine Neuschöpfung der 1960er Jahre im Rückgriff auf barocke Formen.
Am Alten Schloss greift die moderne Gestaltung die Gartenideen der Renaissance auf. Berühmt sind die Dornburger Schlossgärten für ihre zahllosen Rosen in historischen und neueren Sorten, aber auch für die unterhalb der Terrassen gepflegten Weinberge.
Goethe und die Schlossgärten
Kurz nach seiner Ankunft schrieb Goethe an den Freund Carl Friedrich Zelter: „Die Aussicht ist herrlich und fröhlich, die Blumen blühen in den wohlunterhaltenen Gärten, die Traubengeländer sind reichlich behangen, und unter meinem Fenster seh ich einen wohlgediehenen Weinberg, den der Verblichene auf dem ödesten Abhang noch vor drei Jahren anlegen ließ und an dessen Ergrünung er sich die letzten Pfingsttage noch zu erfreuen die Lust hatte. Von den andern Seiten sind die Rosenlauben bis zum Feenhaften geschmückt und die Malven und was nicht alles blühend und bunt, und mir erscheint das alles in erhöhteren Farben wie der Regenbogen auf schwarzgrauem Grunde.“
Barrierefreie Wege durch die Dornburger Gärten
Für Ihre Planung finden Sie hier eine Karte mit Wegen, die für Rollstuhlfahrer oder auch Besucher mit Kinderwagen gut geeignet sind.