Es zählt zu den ältesten Klöstern Thüringens. Sein wichtigster Förderer wird heute noch in manchen Gegenden als Heiliger verehrt. Das Kloster St. Wigbert in Göllingen, nahe Bad Frankenhausen, kann nicht nur auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken, sondern vor allem auf eine sehr wechselvolle. Nach der Säkularisierung wurde es als staatliche Domäne genutzt und nach dem Zweiten Weltkrieg als Konservenfabrik. Vom einstigen Kloster hat sich vor allem der markante Westturm mit der romanischen Krypta erhalten.
Auf einen Blick
Adresse
Klosteranlage mit Ausstellung Besucherzentrum
Klosterstraße 4
99707 Kyffhäuserland, OT Göllingen
T: 03 46 71 – 55 46 90
Förderverein Gesellschaft der Freunde der Klosterruine St. Wigbert Göllingen e.V. Website
Öffnungszeiten
Klosteranlage mit Ausstellung Besucherzentrum
April bis Oktober 10 – 17 Uhr
November bis März nur Außenanlage zugänglich
Ausstellung „Sehen lernen – Zwischen Kloster und Konserve“
Im Kloster Göllingen hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) eine neue Dauerausstellung eröffnet. Die multimediale Ausstellung gibt Einblicke in rund 1.000 Jahre Klostergeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, deren Spuren bis heute am Denkmal ablesbar sind und den Schwerpunkt der Ausstellung bilden. Zudem wurde für die benötigte Infrastruktur ein Empfangspavillon in nachhaltiger Bauweise errichtet.
Wo einst die Edelkonserven lagerten, ist heute die neue Dauerausstellung in der Klosteranlage untergebracht. Vom interaktiven Zeitstrahl bis zum „Lager der Legenden“ werden Besucherinnen und Besucher durch die epochenübergreifende Klostergeschichte geleitet. Immer wieder wird der Blick auch auf die noch am Gebäude ablesbaren Spuren der Zeit gelenkt. Im Außenbereich wird der Rundgang durch Info-Tafeln und Hinweise weitergeführt.
Ein Multimediaguide bietet zudem interaktive Elemente und weitere Vertiefungsebenen mit Videos und Interviews. Kinderstationen halten auch die Kleinen auf Trab und führen spielerisch durch die Anlage.
Am Weihnachtstag 1005 soll es gewesen sein. Da entsagte ein Adeliger dem weltlichen Leben, trat dem Benediktinerorden bei und stiftete seinen Besitz dem Kloster Göllingen. In der Schenkungsurkunde heißt es: „Kund getan sei allen Christgläubigen, dass ein gewisser Adliger mit Namen Gunther kraft seines eigenen Erbrechts (…) die Güter Thürungen, Günserode, Ichtershausen, Eschenbergen mit Hörigen und allem, was dazu gehört, dem heiligen Wigbert am Altar in dem Ort, der Göllingen genannt wird, zum Unterhalt der Brüder jenes Ortes …“ übergeben habe. Göllingen gehörte damals zur Abtei Hersfeld und war, wie das Mutterkloster, dem heiligen Wigbert geweiht. Ein Jahr lang leitete Gunther – der vormalige Graf von Käfernburg-Schwarzburg – die Geschicke des Konvents, dann zog er sich in die Einsamkeit der Wälder zurück und lebte als Eremit im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet. Dort wird er heute noch als Heiliger verehrt, als Gunther von Thüringen sollte er in die Geschichtsbücher eingehen. Die Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1005 ist die älteste urkundliche Erwähnung des Klosters Göllingen. Damit gehört es zu den ältesten Klöstern Thüringens. Bereits um das Jahr 775 wird der Ort als Besitz des Klosters Hersfeld aufgeführt, ob es damals allerdings bereits ein Kloster gab, ist unklar.
Spuren des Klosterlebens
Von der einstmals weitläufigen Klosteranlage haben sich heute nur noch Reste erhalten. Von der Klosterkirche sind vor allem die Apsis im Osten sowie der Westturm erhalten. Da schriftliche Zeugnisse weitgehend fehlen, musste ihre Baugeschichte anhand der Gebäudereste rekonstruiert werden. Ende des 10. Jahrhunderts wurde vermutlich eine erste Steinkirche errichtet. Um etwa 1170 erfolgte der erste große Umbau. Dabei entstand ein sogenanntes Chorpodium, die beiden unteren Geschosse des erhaltenen Westturms. Einige Jahre später wurde das Chorpodium turmartig ausgebaut und um zwei achteckige Geschosse ergänzt. Der Westturm beherbergt auch die bedeutende Krypta der einstigen Klosterkirche. Sie wurde raffiniert in das ansteigende Gelände hineingebaut und war von Westen nicht sichtbar. Die anspruchsvolle Architektur des Raumes und die aufwendige Ausgestaltung und zeugen vom Reichtum des Klosters.
Erst Domäne, dann Konservernfabrik
Während des Bauernkriegs wurde die Klosteranlage 1525 geplündert und teilweise zerstört. Die Reformation überstand Göllingen weitgehend unbeschadet, doch 1606 erfolgte die Säkularisierung und Umwandlung in eine Domäne. Die Krypta diente fortan als Lagerraum, das Kirchenschiff verschwand größtenteils und das Brauhaus des Klosters wurde zum Pferdestall. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal als Konservenfabrik genutzt. Ein Großteil der Gebäude wurde abgerissen oder verändert, es entstanden Werkstätten, Lager und Wirtschaftsgebäude. Nach dem Ende der Konservenproduktion 1990 wurde die Baugeschichte der Klosterkirche wissenschaftlich erforscht.
Wer schon einmal durch die Thüringer Pforte fuhr, mag sie vielleicht entdeckt haben – die Obere und die Untere Sachsenburg. Zwei Wächtern gleich erheben sich die beiden Wehranlagen auf dem sogenannten Wächterberg. Erbaut wurden sie im 13. Jahrhundert, nur 500 Meter voneinander entfernt. Beide Burgen haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Markant sind vor allem die Bergfriede, die noch immer stolz aus den Baumkronen hervorragen.
Zwei Burgen halten die Wacht
Bereits in der Jungsteinzeit war die Region besiedelt. Später, im Mittelalter verlief im Tal eine wichtige Handelsstraße. Hier durchbricht auch die Unstrut die Höhenzüge Hainleite und Schmücke – und öffnet damit den Weg vom Südharz ins Thüringer Becken. „Bewacht“ wurde diese von der Oberen und der Unteren Sachsenburg – den Wächtern der Thüringer Pforte. Die Burgruinen erheben sich auf einem strategisch wichtigen Punkt – dem sogenannten Wächterberg, einem Bergsporn der Hainleite. Die Burgen haben eine wechselvolle Geschichte mit ungewöhnlich vielen Besitzerwechseln hinter sich. Den Landgrafen von Thüringen gehörten die Burgen zunächst. Nachdem diese ausgestorben waren, übernahmen die Grafen von Anhalt und später die Wettiner. Erbaut wurden die beiden Anlagen vermutlich zwischen 1250 und 1350 – und das nur 500 Meter voneinander entfernt. Schon von weitem sieht man die beiden Bergfriede aus dem bewaldeten Gebiet herausragen. Ab der Mitte des 15. Jahrhundert trennte sich die Funktion der Burgen.
Untere Sachsenburg
Die Untere Sachsenburg wird auch Hakenburg genannt. Um das Jahr 1590 richteten die Wettiner auf der Burg einen Amtssitz ein und bauten diese dazu schlossähnlich zu einer Dreiflügelanlage aus. 1799 musste der Amtssitz allerdings wegen Baufälligkeit aufgegeben werden. Die Burg verfiel und wurde zum Abbruch freigegeben. 1945 wurden Teile der Anlage von der Wehrmacht gesprengt, um mit dem Material eine Panzersperre im Tal zu errichten und so den Vormarsch der alliierten Truppen zu verhindern. Das heutige Erscheinungsbild spiegelt daher also weniger die Geschichte der Anlage wider, sondern vielmehr das Ergebnis systematischer Zerstörung in der Vergangenheit. Erhalten hat sich in der gesicherten Ruine vor allem der 22 Meter hohe Bergfried.
Obere Sachsenburg
Auch die Obere Sachsenburg machte zahlreiche Besitzwechsel durch. Den Dreißigjährigen Krieg überstand die Anlage zwar unbeschadet, aber bereits um 1700 war die Obere Sachsenburg Ruine. Im Zuge der allgemeinen Burgenromantik des 19. Jahrhunderts wurde dort ein Ausflugslokal eröffnet. Von der einstigen Burg haben sich vor allem die Außenwände des dreigeschossigen Wohnbaus erhalten, sowie der noch etwa 20 Meter hohe quadratische Bergfried. Die Westseite des Turms war zugleich die Hauptangriffsseite der Burg, dennoch sind die Mauern des Bergfrieds bemerkenswert dünn und messen lediglich 1,40 Meter.
Schloss Sondershausen gehört bau- und kunstgeschichtlich zu den bedeutendsten Residenzanlagen Thüringens. Über 600 Jahre war es Regierungssitz der Grafen und Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen. Der aus dem 13. Jahrhundert erhaltene Burgturm wurde in das ab 1534 errichtete Renaissanceschloss integriert. Bis ins 17. Jahrhundert entstand eine dreiflügelige, barock überformte Schlossanlage.
Westlich des Schlossgebäudes entstand im Lustgarten bis 1710 das Achteckhaus. Unter Fürst Christian Günther III. (reg. 1758–1794) begann ab 1764 der Neubau des Westflügels und des Neuen Nordflügels. Damit erhielt das Residenzschloss seine endgültige architektonische Prägung als unregelmäßige Vierflügelanlage.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Teile der Schlossanlage, wie der Westflügel oder der Marstall klassizistisch überformt. Zeitgleich erfolgten auch die Umgestaltung des Lustgartens, des Lohplatzes und des Lohparkbereichs nördlich des Schlossbergs. In den Jahren 1914/15 entstand eine zweigeschossige Galerie, die Turm, Ost- und Südflügel sowie den neuen Treppenturm miteinander verbindet.
Das Schloss beherbergt das Schlossmuseum Sondershausen sowie das Carl Schroeder Konservatorium. Der Museumsrundgang umfasst einen Teil der Innenräume. Das Marstallgebäude wird durch die Thüringer Landesmusikakademie Sondershausen genutzt.
Ein Schloss, viele Stilepochen
Rund 560 Jahre lang herrschten die Grafen und Fürsten von Schwarzburg über die kleine Stadt am Kyffhäuser – und so verwundert es nicht, dass das Schloss ein Abbild ihrer langen Geschichte ist. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Sondershausen im Jahr 1125, fiel später an die Grafen von Hohnstein und anschließend an die Grafen von Schwarzburg – das älteste edelfreie Geschlecht Thüringens. Diese ließen die mittelalterliche Burg zu einem repräsentativen Residenzschloss ausbauen, im Laufe der Jahrhunderte erweitern und den jeweiligen Bedürfnissen des Herrschers anpassen. Einer der wichtigsten Einschnitte in der Geschichte des Adelsgeschlechts erfolgte im Jahr 1697. Damals wurden die Grafen in den Reichsfürstenstand erhoben – und das Residenzschloss dem neuen Herrschaftsverständnis angepasst. Heute präsentiert sich Schloss Sondershausen als unregelmäßige Vierflügelanlage, in der sich verschiedene Epochen herrschaftlichen Bauens auf besondere Weise verbinden. Daher zählt Sondershausen zu den bau- und kunstgeschichtlich bedeutendsten Schlosskomplexen Thüringens. Auch wenn sich im Laufe der Jahrhunderte vieles veränderte, einer blieb stets erhalten – der Schlossturm. Er geht auf einen mittelalterlichen Wohnturm zurück und wurde in die späteren Bauten miteinbezogen, als Zeichen von Tradition und Herrschaft.
Kostbarkeiten höfischer Präsentation
Seine Bedeutung erlangt Schloss Sondershausen vor allem durch seine einzigartigen Raumkunstwerke. Das sogenannte „Gewölbe am Wendelstein“ gehört hierbei zu den frühesten. Die üppigen Stuckdekorationen wurden 1616 gefertigt, in den wuchernden Ornamentformen sind unter anderem Szenen aus Ovids „Metamorphosen“ dargestellt. Der imposante Riesensaal entstand 1695 im Zuge der Erhebung in den Reichsfürstenstand und zählt zu den Höhepunkten der barocken Ausstattung. Seinen Namen verdankt der Saal den 16 überlebensgroßen Figuren antiker Gottheiten. Obwohl rund 100 Jahre später mit dem „Blauen Saal“ ein weiterer Festsaal entstand, blieb der „Riesensaal“ in Form und Ausstattung unverändert. Mit dem Titel „thüringisches Bernsteinzimmer“ wurde das sogenannte Steinzimmer geadelt, verziert mit Kalksteinplättchen aus der Region, die von Hand geschliffen und poliert wurden und eine nobel-glänzende Oberfläche erzeugen. Die Idee dazu soll von Fürst Christian Günther gestammt haben, der selbst als Steinschleifer tätig war.
Musiktradition im Marstall und Achteckhaus
Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden am Schloss erste Gartenanlagen, die um 1700 erweitert und umgestaltet wurden. Von den erhaltenen Gebäuden ist vor allem das Ensemble aus Achteckhaus und Marstall bemerkenswert. Das Achteckhaus wird vielfach für Veranstaltungen genutzt. Unter anderem wird dort die lange Sondershäuser Musiktradition gepflegt, von der Franz Liszt einmal sagte, sie ein „große[s] Wunder, eingesperrt in einer kleinen Stadt“. Im Marstall hat heute die Thüringer Landesmusikakademie ihren Sitz, ein Thüringer Musikzentrum mit landesweitem und internationalem Renommee.
Schlosspark
Schon seit 1533 ist ein Garten nachgewiesen. Ende des 17. Jahrhunderts begann die barocke Gestaltung des Lustgartens, zu der die große Orangerie und das Achteckhaus gehörten, ein Gebäude zum Karussell fahren. Der heutige, etwa 30 ha große Park wurde maßgeblich durch die Gartenkünstler Ekart und Petzold geprägt. Die Umsetzung eines weitläufigen Landschaftsgartens entlang der Wipper mit zwei Parkseen, dem Blumengarten am Prinzenpalais und geschwungenen Wegen wurde ab 1836 unter dem Hofgärtner Ekart begonnen. Dessen Sohn Tobias Ekart führte die Arbeiten mit der Vorstellung von einem Volksgarten als Teil einer übergreifenden Landesverschönerung fort. 1850 erhielt Carl Eduard Petzold den Auftrag, die nähere Umgebung des Schlosses neu zu gestalten. Um den Lustgarten großzügiger gestalten zu können, wurden alle Treib- und Gewächshäuser aus dem Orangeriegarten abgebrochen und als Ersatz eine neue Hofgärtnerei am Jägerhaus errichtet. Der Park wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Derzeit wird der Schlosspark in Anlehnung an das Werk Ekarts und Petzolds wieder instand gesetzt.