Ehemaliges Zisterzienserkloster im Landkreis Gotha
Am nördlichen Rand des Thüringer Waldes, rund 16 Kilometer südlich von Gotha, finden sich die Überreste des Klosters Georgenthal. Gegründet wurde es um das Jahr 1140 als Zisterzienserkloster. Seine Blütezeit erlebte der Konvent zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als dort der Gelehrte Georg Spalatin unterrichtete. Von der einst dreischiffigen Säulenbasilika haben sich nur Säulenstümpfe und Mauerreste erhalten. Dennoch ist Kloster Georgenthal ein wichtiges Architekturzeugnis. Von der früheren Pracht und Größe zeugt unter anderem das sogenannte Kornhaus mit seinem spätromanischen Rosettenfenster.
Auf einen Blick
Adresse
Finkenberg
99887 Georgenthal
Gemeinde Georgenthal Tambacher Straße 2
99887 Georgenthal Website
Öffnungszeiten
Ausstellung im Kornhaus
Besichtigung auf Anfrage, Eintritt frei, Spende erwünscht
Machtpolitik und Religion
Er selbst sei mit „mit weltlichen Dingen beschäftigt“ und könne Gott daher nicht so dienen, wie er gerne wolle. Deshalb sollten die Mönche „den Herrn statt seiner ohne Unterlaß bitten.“ Als Graf Sizzo III. von Käfernburg das Kloster Georgenthal vermutlich im Jahr 1140 gründete, spielte wohl nicht nur dieser fromme Wunsch eine Rolle. Vielmehr ging es dabei auch um machtpolitische Erwägungen. Das neu gegründete Kloster lag an einem strategisch bedeutsamen Punkt, denn es war nur wenige Kilometer vom Benediktinerkloster Reinhardsbrunn entfernt. Dieses war von den Thüringer Landgrafen nur wenige Jahre zuvor geründet worden und diente ihnen später sogar als Hauskloster.
Mit seiner eigenen Klostergründung in Georgenthal wollte Graf Sizzo den zunehmenden Einfluss der Landgrafen auf sein Herrschaftsgebiet verhindern. Ab 1143 wurde das Zisterzienserkloster mit dem ersten Abt besetzt und Mönche aus dem französischen Mutterkloster Morimond zogen in die Konventsgebäude ein.
Ab 1152 wurde mit dem Bau der Klosterkirche begonnen. Das Gotteshaus wurde nach dem Vorbild des Klosters Paulinzella errichtet, als dreischiffige Säulenbasilika mit einem kreuzförmigen Grundriss. Von der einst prachtvollen Kirche haben sich nur Fundamentreste und Säulenstümpfe erhalten. Eine Gedenkplatte markiert heute die Stelle, an der die Gruft mit den Gebeinen des Klostergründers vermutet wird.
Georg Spalatin als Novizenlehrer
Seine Blütezeit erfuhr das Kloster Georgenthal zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als Georg Spalatin dort lehrte. Der Philosoph und Humanist war ein Mitstreiter Martin Luthers, daneben Wittenberger Kanzler und Geheimsekretär Friedrichs des Weisen. Während sich Luther auf der Wartburg bei Eisenach versteckt hielt, lieh ihm Spalatin seine Bibel. Diese soll Luther für seine berühmte Bibelübersetzung genutzt haben. Nur wenige Jahre später leitete der Bauernkrieg den Untergang des Klosters ein. Es wurde geplündert und größtenteils zerstört, die Mönche flohen und das Kloster wurde schlussendlich aufgelöst. In der Folgezeit wurden die Klosterbauten fast vollständig abgetragen, nur wenige Nebengebäude blieben erhalten. Im 19. Jahrhundert spülte ein verheerendes Hochwasser die Säulenreste und Grundmauern der Klosterkirche frei, woraufhin weitere Grabungen veranlasst wurden.
Spuren des Klosterlebens
Von den Gebäuden der einstigen Klosteranlage hat sich vor allem das sogenannte Kornhaus erhalten. Ursprünglich war in dem stattlichen Gebäude wohl das Klosterhospital untergebracht. Nach der Säkularisierung wurde es in einen Kornspeicher umgewandelt. Heute wird es als Ausstellungsraum genutzt. Bemerkenswert ist vor allem das mehrfach restaurierte, spätromanische Steinrosettenfenster im Nordgiebel des Gebäudes. Erhalten hat sich ebenfalls die Elisabethkirche, die in der ehemaligen Mauerumfriedung des Konvents steht. Sie diente vermutlich vor ihrem Umbau zur Kirche als Abtshaus.
Das barocke Schloss Friedenstein ist das eindrucksvolle Zeugnis der Kunst des neubegründeten Herzogtums Sachsen-Gotha. Herzog Ernst I. von Sachen-Gotha ließ es erbauen. Sein tief religiöses Verständnis spiegelt sich nicht nur in seinem Beinamen „der Fromme“ wider, sondern auch im Schlossnamen selbst. „Friede Ernehret, Unfriede Verzehret“, so kann man es am Hauptportal lesen. Das Schloss beherbergt heute Schlossmuseum mit Kunstkammer, Museum der Natur und Historisches Museum sowie das barocke Ekhof-Theater und die Schlosskirche.
Ein religiöser Herrscher mit Weitsicht
Das verwüstete Land wiederaufzubauen, darin sah Herzog Ernst I. seine Lebensaufgabe. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte verheerende Spuren hinterlassen, Städte und Dörfer zerstört und ganze Landstriche entvölkert. Unter diesen Voraussetzungen musste Ernst I. von Sachsen-Gotha (1601-1675) sein junges Herzogtum aufbauen. Allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es ihm, ein geradezu vorbildhaftes Staatswesen zu etablieren. Vor allem kirchliche und pädagogische Aufgaben lagen dem Regenten am Herzen. Hinter allem, was Ernst I. tat, stand eine tiefe religiöse Überzeugung, die nicht in der Theorie verharrte, sondern auf praktisches Handeln ausgerichtet war, was ihm den Beinamen „Ernst der Fromme“ einbrachte.
Friede Ernehret – Unfriede Verzehret
Ernst I. mit dem Beinamen „der Fromme“ war es auch, der den Bau von Schloss Friedenstein in Auftrag gab. Es sollte die damals bereits zerstörte Festung Grimmenstein ersetzten. Der Grundstein für das neue Schloss wurde im Herbst 1643 gelegt, kaum drei Jahre später konnten der Herzog und seine Familie bereits den Nordflügel beziehen. Bis 1656 war schließlich die komplette Anlage fertiggestellt, wobei sich die Erstausstattung noch weitere zehn Jahre hinziehen sollte. Bedeutende Künstler und gerühmte Handwerker hinterließen dabei in Gotha ihre Spuren. Sie sorgten dafür, dass Schloss Friedenstein zu den herausragenden Architekturen des 17. Jahrhunderts zählen sollte. Kaum ein anderer Fürst verfügte in jener Zeit über eine vergleichbare Residenz. Der symbolträchtige Schlossname wird dabei sowohl in der Widmungsinschrift über dem Hauptportal thematisiert als auch in der darüber angebrachten Reliefkartusche, die den „Friedenskuss“ zeigt. Der umlaufende Spruch spiegelt das Verständnis des Bauherrn wider – „Friede Ernehret – Unfriede Verzehret“.
Im Inneren des Schlosses haben sich Räume aus Barock, Rokoko, Klassizismus und Historismus erhalten. Heute befinden sich hier das Schlossmuseum, mit dem reich stuckierten Festsaal und den herzoglichen Appartements, sowie der Kunstkammer, das Museum der Natur und Historisches Museum. Die einmaligen Kunstsammlungen können im Herzoglichen Museum gegenüber besichtigt werden. Im Westturm befindet sich das Ekhof-Theater – ein Barocktheater, das den Namen Conrad Ekhofs (1720-1778) trägt. Er galt als „Vater der deutschen Schauspielkunst“ und Leiter eines der ersten durchgängig bespielten Theaters mit festangestellten Schauspielern. Aufgrund seiner originalen hölzernen Bühnentechnik gilt das Theater als eines der am vollständigsten erhaltenen des 17. Jahrhunderts und wird bis heute bespielt.
Englisches Flair in Gotha
Die bedeutendsten Gartenschöpfungen in Gotha sind der ab 1747 entstandene Orangeriegarten sowie der Englische Garten. Von einer Reise auf die britische Insel inspiriert, ließ Herzog Ernst II. einen Garten nach englischem Vorbild anlegen. Er gilt als der erste seiner Art auf dem Kontinent, der von einem englischen Hofgärtner angelegt wurde und nahezu unverändert geblieben ist. Im Zentrum des Parks befindet sich ein langgezogener See samt einer Insel, auf der Ernst II. Ludwig, Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg und seine Familie bestattet sind.
Der Orangeriegarten dagegen wurde meisterhaft in den Boden vertieft und bekam auf diese Weise die Anmutung eines Amphitheaters mit Blick zum Schloss Friedrichsthal. Flankiert wird der Garten von zwei Orangeriegebäuden sowie im Norden von einem Treibhaus. Das südliche Pendant wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Inmitten des nationalen Geoparks Thüringen Inselsberg, nicht weit von Gotha und Erfurt entfernt, erheben sie sich – die „Drei Gleichen“. Das Burgenensemble ist weit über die Thüringer Grenzen hinaus bekannt. Über malerische Wanderwege lassen sich die Mühlburg, die Veste Wachsenburg und die Burg Gleichen erkunden. Letztere stammt aus dem 11. Jahrhundert und diente den Grafen von Gleichen als namensgeber Stammsitz. Ein romanischer Wohnbau, das Herrenhaus sowie der Bergfried haben sich erhalten. Im Wehrturm befindet sich eine Ausstellung zu Burggeschichte und Naturraum des Drei-Gleichen-Gebietes.
Der "zwiebeweibte" Graf
In manchen Geschichten heißt er Ernst, in anderen dagegen Ludwig. So oder so, ein Graf von Gleichen soll er gewesen sein. Im Gefolge des Kaisers machte er sich auf ins Heilige Land, um dieses für die Christenheit zurückzuerobern. Doch der Graf geriet in Gefangenschaft. Dort, so erzählt die Sage, verliebte sich die Tochter des Sultans in den Fremden. Sie verhalf ihm zur Flucht und brannte mit ihm nach Thüringen durch – wo allerdings schon die Ehefrau des Grafen wartete.
Für den Papst soll das kein Hinderungsgrund gewesen sein und so erteilte er der ungewöhnlichen Dreierbeziehung seinen Segen. Die Geschichte vom „zwiebeweibten“ Grafen mag märchenhaft klingen, doch sie trägt einen Funken Wahrheit in sich. Denn eine Grabplatte im Erfurter Dom zeigt genau jenen Grafen – flankiert von zwei Frauen. Goethe inspirierte diese Geschichte zu seinem Schauspiel „Stella“.
Stammsitz der Grafen von Gleichen
Die Burg Gleichen erlangte durch die Sage vom „zwiebeweibten“ Grafen bis heute Berühmtheit. Um das Jahr 1089 wurde die Anlage erstmals urkundlich erwähnt. Etliche Male sollte die Burg den Besitzer wechseln, ehe sie 1139 an die Grafen von Tonna gegeben wurde, die mit einem Neubau begannen. Für sie war die Burg Gleichen nicht einfach nur ein Herrschaftssitz, sie sollte für das Adelsgeschlecht namensgebend werden. So wurden aus den Grafen von Tonna bereits nach wenigen Jahren die Grafen von Gleichen.
Diese standen im Dienst des Erzbischofs von Mainz und fungierten als Vögte der Stadt Erfurt. Ursprünglich stand die Burg Gleichen auf einem steilen Bergkegel.
Diese wurde jedoch künstlich abgeflacht und erweitert, um so Platz für die 105 x 60 Meter umfassende Burganlage zu schaffen. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage in der Nähe der mittelalterlichen Handelsstraße „via regia“ wurde die Burg immer wieder angegriffen und belagert. Während einer Fehde wurde sie zerstört, im Jahr 1231 bei einem Großbrand vermutlich schwer beschädigt. Die Grafen bauten die Burg jedoch immer wieder auf, modernisierten und erweiterten sie. So zeichnet sich die Ringburg heute vor allem durch das Nebeneinander von Bauten aus verschiedenen Zeiten aus, vornehmlich aus dem 12. und 16. Jahrhundert. Dazu zählen der dreigeschossige romanische Wohnbau, Teile der Ringmauer, der annähernd quadratisch Bergfried, das Torgewölbe mit Kapelle, der Kanzleibau sowie das Herrenhaus.
"Diese curieuse Antiquität"
Bis zum Jahr 1537 sollte die Burg ständige Residenz der Grafen von Gleichen bleiben. Erst dann verlegten diese ihren Herrschaftssitz ins nahe gelegene Ohrdruf. 1599 gaben sie die Anlage endgültig auf, ein Großteil der Ausstattung wurde in andere Bauten verbracht und Burg Gleichen diente lediglich noch als Amtssitz. In der Folgezeit wechselte sie noch mehrmals die Besitzer, dennoch begann der langsame Verfall. Der herzogliche Sekretär und Hofadvokat Johann Zacherias Gleichmann nannte die Burg im Jahr 1725 „diese curieuse Antiquität“. Der Bergfried wird teils museal genutzt und bietet eine Aussichtsplattform. Von dort haben Besucher einen herrlichen Blick auf die Nachbarburgen, mit denen die Burg Gleichen zusammen das einmalige Ensemble der „Drei Gleichen“ bilden.