Wer schon einmal durch die Thüringer Pforte fuhr, mag sie vielleicht entdeckt haben – die Obere und die Untere Sachsenburg. Zwei Wächtern gleich erheben sich die beiden Wehranlagen auf dem sogenannten Wächterberg. Erbaut wurden sie im 13. Jahrhundert, nur 500 Meter voneinander entfernt. Beide Burgen haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Markant sind vor allem die Bergfriede, die noch immer stolz aus den Baumkronen hervorragen.
Auf einen Blick
Adresse
Obere und Untere Sachsenburg
Burgstraße | Sachsenburg
06578 Oldisleben
Obere und Untere Sachsenburg
beide Burgruinen sind ganzjährig frei zugänglich
Zwei Burgen halten die Wacht
Bereits in der Jungsteinzeit war die Region besiedelt. Später, im Mittelalter verlief im Tal eine wichtige Handelsstraße. Hier durchbricht auch die Unstrut die Höhenzüge Hainleite und Schmücke – und öffnet damit den Weg vom Südharz ins Thüringer Becken. „Bewacht“ wurde diese von der Oberen und der Unteren Sachsenburg – den Wächtern der Thüringer Pforte. Die Burgruinen erheben sich auf einem strategisch wichtigen Punkt – dem sogenannten Wächterberg, einem Bergsporn der Hainleite. Die Burgen haben eine wechselvolle Geschichte mit ungewöhnlich vielen Besitzerwechseln hinter sich. Den Landgrafen von Thüringen gehörten die Burgen zunächst. Nachdem diese ausgestorben waren, übernahmen die Grafen von Anhalt und später die Wettiner. Erbaut wurden die beiden Anlagen vermutlich zwischen 1250 und 1350 – und das nur 500 Meter voneinander entfernt. Schon von weitem sieht man die beiden Bergfriede aus dem bewaldeten Gebiet herausragen. Ab der Mitte des 15. Jahrhundert trennte sich die Funktion der Burgen.
Untere Sachsenburg
Die Untere Sachsenburg wird auch Hakenburg genannt. Um das Jahr 1590 richteten die Wettiner auf der Burg einen Amtssitz ein und bauten diese dazu schlossähnlich zu einer Dreiflügelanlage aus. 1799 musste der Amtssitz allerdings wegen Baufälligkeit aufgegeben werden. Die Burg verfiel und wurde zum Abbruch freigegeben. 1945 wurden Teile der Anlage von der Wehrmacht gesprengt, um mit dem Material eine Panzersperre im Tal zu errichten und so den Vormarsch der alliierten Truppen zu verhindern. Das heutige Erscheinungsbild spiegelt daher also weniger die Geschichte der Anlage wider, sondern vielmehr das Ergebnis systematischer Zerstörung in der Vergangenheit. Erhalten hat sich in der gesicherten Ruine vor allem der 22 Meter hohe Bergfried.
Obere Sachsenburg
Auch die Obere Sachsenburg machte zahlreiche Besitzwechsel durch. Den Dreißigjährigen Krieg überstand die Anlage zwar unbeschadet, aber bereits um 1700 war die Obere Sachsenburg Ruine. Im Zuge der allgemeinen Burgenromantik des 19. Jahrhunderts wurde dort ein Ausflugslokal eröffnet. Von der einstigen Burg haben sich vor allem die Außenwände des dreigeschossigen Wohnbaus erhalten, sowie der noch etwa 20 Meter hohe quadratische Bergfried. Die Westseite des Turms war zugleich die Hauptangriffsseite der Burg, dennoch sind die Mauern des Bergfrieds bemerkenswert dünn und messen lediglich 1,40 Meter.
Es zählt zu den ältesten Klöstern Thüringens. Sein wichtigster Förderer wird heute noch in manchen Gegenden als Heiliger verehrt. Das Kloster St. Wigbert in Göllingen, nahe Bad Frankenhausen, kann nicht nur auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken, sondern vor allem auf eine sehr wechselvolle. Nach der Säkularisierung wurde es als staatliche Domäne genutzt und nach dem Zweiten Weltkrieg als Konservenfabrik. Vom einstigen Kloster hat sich vor allem der markante Westturm mit der romanischen Krypta erhalten.
Ausstellung "Sehen lernen – Zwischen Kloster und Konserve"
Im Kloster Göllingen hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) eine neue Dauerausstellung eröffnet. Die multimediale Ausstellung gibt Einblicke in rund 1.000 Jahre Klostergeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, deren Spuren bis heute am Denkmal ablesbar sind und den Schwerpunkt der Ausstellung bilden. Zudem wurde für die benötigte Infrastruktur ein Empfangspavillon in nachhaltiger Bauweise errichtet.
Wo einst die Edelkonserven lagerten, ist heute die neue Dauerausstellung in der Klosteranlage untergebracht. Vom interaktiven Zeitstrahl bis zum „Lager der Legenden“ werden Besucherinnen und Besucher durch die epochenübergreifende Klostergeschichte geleitet. Immer wieder wird der Blick auch auf die noch am Gebäude ablesbaren Spuren der Zeit gelenkt. Im Außenbereich wird der Rundgang durch Info-Tafeln und Hinweise weitergeführt.
Ein Multimediaguide bietet zudem interaktive Elemente und weitere Vertiefungsebenen mit Videos und Interviews. Kinderstationen halten auch die Kleinen auf Trab und führen spielerisch durch die Anlage.
Am Weihnachtstag 1005 soll es gewesen sein. Da entsagte ein Adeliger dem weltlichen Leben, trat dem Benediktinerorden bei und stiftete seinen Besitz dem Kloster Göllingen. In der Schenkungsurkunde heißt es: „Kund getan sei allen Christgläubigen, dass ein gewisser Adliger mit Namen Gunther kraft seines eigenen Erbrechts (…) die Güter Thürungen, Günserode, Ichtershausen, Eschenbergen mit Hörigen und allem, was dazu gehört, dem heiligen Wigbert am Altar in dem Ort, der Göllingen genannt wird, zum Unterhalt der Brüder jenes Ortes …“ übergeben habe. Göllingen gehörte damals zur Abtei Hersfeld und war, wie das Mutterkloster, dem heiligen Wigbert geweiht. Ein Jahr lang leitete Gunther – der vormalige Graf von Käfernburg-Schwarzburg – die Geschicke des Konvents, dann zog er sich in die Einsamkeit der Wälder zurück und lebte als Eremit im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet. Dort wird er heute noch als Heiliger verehrt, als Gunther von Thüringen sollte er in die Geschichtsbücher eingehen. Die Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1005 ist die älteste urkundliche Erwähnung des Klosters Göllingen. Damit gehört es zu den ältesten Klöstern Thüringens. Bereits um das Jahr 775 wird der Ort als Besitz des Klosters Hersfeld aufgeführt, ob es damals allerdings bereits ein Kloster gab, ist unklar.
Spuren des Klosterlebens
Von der einstmals weitläufigen Klosteranlage haben sich heute nur noch Reste erhalten. Von der Klosterkirche sind vor allem die Apsis im Osten sowie der Westturm erhalten. Da schriftliche Zeugnisse weitgehend fehlen, musste ihre Baugeschichte anhand der Gebäudereste rekonstruiert werden. Ende des 10. Jahrhunderts wurde vermutlich eine erste Steinkirche errichtet. Um etwa 1170 erfolgte der erste große Umbau. Dabei entstand ein sogenanntes Chorpodium, die beiden unteren Geschosse des erhaltenen Westturms. Einige Jahre später wurde das Chorpodium turmartig ausgebaut und um zwei achteckige Geschosse ergänzt. Der Westturm beherbergt auch die bedeutende Krypta der einstigen Klosterkirche. Sie wurde raffiniert in das ansteigende Gelände hineingebaut und war von Westen nicht sichtbar. Die anspruchsvolle Architektur des Raumes und die aufwendige Ausgestaltung und zeugen vom Reichtum des Klosters.
Erst Domäne, dann Konservernfabrik
Während des Bauernkriegs wurde die Klosteranlage 1525 geplündert und teilweise zerstört. Die Reformation überstand Göllingen weitgehend unbeschadet, doch 1606 erfolgte die Säkularisierung und Umwandlung in eine Domäne. Die Krypta diente fortan als Lagerraum, das Kirchenschiff verschwand größtenteils und das Brauhaus des Klosters wurde zum Pferdestall. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal als Konservenfabrik genutzt. Ein Großteil der Gebäude wurde abgerissen oder verändert, es entstanden Werkstätten, Lager und Wirtschaftsgebäude. Nach dem Ende der Konservenproduktion 1990 wurde die Baugeschichte der Klosterkirche wissenschaftlich erforscht.
Über der kleinen Stadt Weißensee erhebt sich stolz die gleichnamige Burg Weißensee. Erbaut wurde die Wehranlage von der Landgräfin Jutta um das Jahr 1170. Heute gehört sie zu den bedeutendsten Zeugnissen romanischer Baukunst in Deutschland. In kaum einer Anlage hat sich so viel originale Bausubstanz des Hochmittelalters erhalten wie hier. Heute befindet sich in der Burg eine kleine Ausstellung.
Ausstellung im Innenraum
Das Innere der Burg führt den Besucher zurück in die Blütezeit der Anlage, Ende des 12. Jh. / Anfang des 13. Jh. Das weitgehend erhaltene Erscheinungsbild der mittelalterlichen Burg, mit seiner qualitätvoll gearbeiteten, romanischen Bauornamentik, zeugt noch heute von höchster handwerklicher Qualität. Kernstück des Rundgangs bildet dabei eine bauzeitliche Astsäule mit Weinrankenkapitell von hoher Güte.
Innenräume der Burg können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Die zugänglichen Räume geben unter anderem mit ihren Fenster- und Türgewänden, den Kapitellen oder der ausgesprochen seltenen Steinofen-Luftheizung bereits jetzt einen Eindruck von der wiederzugewinnenden Qualität dieses Bauwerkes.
Eine Burg der Landgräfin
Eine „Herberge“ sollte es werden, auf halber Strecke zwischen der Grenzfeste Wartburg und der Neuenburg bei Freyburg (im heutigen Sachsen-Anhalt), genau in der Mitte des landgräflichen Machtbereichs. So war es der Plan der Landgräfin Jutta (1133–1191). Doch ihre geplante Burg lag im Territorium der Grafen von Beichlingen, die sich deshalb bei Kaiser Friedrich I. Barbarossa beschwerten. Juttas Mann, der Thüringer Landgraf Ludwig, gab sich vermeintlich empört über die Eigenmächtigkeit seiner Frau und der Kaiser verbot öffentlich den Weiterbau. Doch Jutta war zugleich die Halbschwester Barbarossas – und so konnte die Anlage mit dessen stillem Einverständnis doch weitergebaut werden. Demnach entstand die Burg Weißensee um das Jahr 1170. Sie wurde schnell zu einem wichtigen Stützunkt der landgräflichen Territorialpolitik. In den Auseinandersetzungen zwischen Staufern und Welfen im Kampf um die Thronfolge im Heiligen Römischen Reich sollte die Wehranlage eine zentrale Rolle spielen. Die wichtigsten Schlachten und Belagerungen fanden vor der Burg Weißensee statt, so beispielsweise 1180. In der sogenannten Schlacht bei Weißensee gerieten Juttas Söhne, Ludwig und Hermann, in die Gefangenschaft Heinrichs des Löwen. Fortan regierte Jutta über die Landgrafschaft.
Jagdschloss, Kreisverwaltung und Schule
Im Laufe ihrer langen Geschichte wurde die Burg Weißensee nie zerstört, aber mehrmals modernisiert und den Bedürfnissen der jeweiligen Burgherren angepasst. Obwohl die Burg von 1554 bis 1581 schlossartig umgebaut wurde, hat sie das Bild einer trutzigen Wehranlage bewahrt. In späterer Zeit diente Weißensee den Herzögen von Sachsen-Weißenfels als Jagdschloss, dann wurde es als Sitz der Amts- bzw. Kreisverwaltung genutzt und später als Grundschule. Heute erhebt sich Burg Weißensee auf einem kleinen Plateau über der gleichnamigen Stadt – und zählt zu den größten romanischen Burganlagen Deutschlands. Umgeben ist die Anlage von einer ovalen, bis zu sieben Meter hohen Ringmauer.
Mittelalterliche Baukunst
Die Höhepunkte der mittelalterlichen Baukunst sind der Palas und der dazugehörige fünfgeschossige Palas-Turm. Beide Bauten bildeten seit jeher eine Einheit, sie wurden gemeinsam konzipiert und im ausgehenden 12. Jahrhundert fertiggestellt. Im Palas finden sich bemerkenswerte Zeugnisse mittelalterlicher Steinmetzkunst, darunter eine sogenannten Astsäule mit einem Kapitell, bestehend aus Weinranken. Seit 1996 wird die Anlage von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten aufwendig gesichert und saniert. Vor allem die Sanierung des Palas-Turms stellte eine besondere Herausforderung dar, da der Turm äußerst instabil war und ein großer Teil des maroden Mauerwerks im unteren Turmschaft ausgetauscht werden musste.