Einen Steinwurf von der Herderkirche entfernt öffnet sich hinter einer schlichten Fassade ein lichter Innenhof, an den sich einer der reizvollsten Stadtgärten Weimars anschließt. Das Ensemble gehörte in der Goethezeit zu den bedeutenden Treffpunkten der Weimarer Gesellschaft. Die Brüder Franz und Carl Kirms standen in herzoglichen Diensten und pflegten rege Beziehungen zum Hof und zu Künstlern, Wissenschaftlern und Stadtbürgern. Schon im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde das Haus als privater Erinnerungsort an diese Glanzzeit kaum verändert. Der umfangreiche Originalbestand sorgt für eine einzigartige Atmosphäre. Seit 1917 Museum, ist das Kirms-Krackow-Haus heute beliebter Geheimtipp für Flaneure und Kulturgenießer sowie begehrter Veranstaltungsort.
Eine Wohnetage des in hohem Maß authentisch erhaltenen Anwesens ist als Museum zugänglich. Eine vollständige Wohnungseinrichtung macht die Wohnkultur des frühen 19. Jahrhunderts erlebbar. Wechselausstellungen widmen sich der Alltagskultur im bürgerlichen Umfeld des Weimarer Hofs.
Es ist eines der ältesten Häuser Weimars, war ab 1701 das Zuhause der Familie Kirms und ein wichtiger Treffpunkt für Künstler, Musiker und Gelehrte. Berühmte Persönlichkeiten wie Franz Liszt, Johann Nepomuk Hummel oder Hans Christian Andersen waren regelmäßig an der Jakobstraße zu Gast. Wer das Kirms-Krackow-Haus heute besucht, taucht ein in die Wohnkultur des gehobenen Bürgertums der Goethezeit – und darf obendrein einen intimen Blick in das Familienleben der Kirms werfen. Ein Kleinod mitten in der Weimarer Altstadt ist zudem der bürgerliche Blumengarten.
Blumisten
Besucher des Krims-Krackow-Hauses sollten unbedingt einen Blick in den Hausgarten werfen. Der Blumenliebhaber Franz Kirms zog dort seltene Apfel-, Mandel- und Maulbeerbäume heran, Rosen sowie seltene Pflanzen aus aller Welt. Unter seiner Hand bekam der Garten seine Gestaltung im Biedermeierstil, der maßgeblich für die heutige Gestalt ist – und erreichte damit seinen gestalterischen Höhepunkt.
Der Garten war Mitte des 18. Jahrhunderts erweitert und mit einem spätbarocken Pavillon ausgestattet worden. Die Entwürfe für den ursprünglich mit Dachterrasse errichteten Bau stammen vermutlich aus dem Umfeld der herzoglichen Baumeister Johann Adolph Richter und Gottfried Heinrich Krohne. Seinen gestalterischen Höhepunkt mit biedermeierlichen Blumenbeeten, Spalierobst und vielen botanischen Raritäten erreichte der Garten unter Franz Kirms (1750-1826), der dem Verein der Weimarer „Blumisten“ (Pflanzenliebhaber) angehörte.
Treffpunkt der Weimarer Gesellschaft im Umkreis des Hofes
Der Weimarer Hof war im Hinblick auf die Gartenkunst seit dem 18. Jahrhundert stets auf der Höhe der Zeit. Auch die in seinem Umfeld ansässigen Bürger entfalteten zum Teil großen gärtnerischen Ehrgeiz. Zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen gehört der Garten am Kirms-Krackow-Haus in Weimar. In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte die Familie Kirms das Anwesen so weit vergrößert, dass auf dem Grundstück ein Garten Platz fand. Im barocken Gartenpavillon konnten Feste gefeiert und empfindliche Pflanzen untergestellt werden. Zur Goethezeit avancierte das Kirms-Krackow-Haus zu einem wichtigen Treffpunkt der Weimarer Gesellschaft im Umkreis des Hofes. Man beschäftigte sich mit Literatur, Kunst und Musik – und mit Pflanzen. Hofrat Franz Kirms gehörte zu den weit über die Stadtgrenzen hinaus vernetzten Blumisten, die sich in Zeitschriften und persönlichen Gesprächen über ihre Erfolge in der Blumenzucht austauschten. Der liebevoll gepflegte Biedermeiergarten zeigt, wie anspruchsvolle bürgerliche Haushalte die Notwendigkeit des Obst- und Gemüseanbaus mit ästhetischen und repräsentativen Ambitionen verbanden.
Wehrhaft erhebt es sich vor dem Weimarer Residenzschloss – das Ensemble Bastille. Es ist der älteste Teil des Schlosses, Überbleibsel des frühzeitlichen Schlosses Hornstein und sichtbares Zeichen dynastischer Altehrwürdigkeit. Alle Zerstörungen hat die Bastille weitgehend unbeschadet überstanden. Das Ensemble setzt sich aus dem Torhaus, dem Schlossturm sowie dem Hofdamenhaus zusammen. Zahlreiche Details veranschaulichen den Wandel von der Burg zum Schloss sowie die Nutzung des Torhauses als landesherrliches Gerichts- und Verwaltungsgebäude.
Trutziges Symbol der Macht
Im Bogen über dem Torhaus der Bastille lässt sie sich noch erkennen, die einstige Macht der Ernestiner. Die gekreuzten Schwerter waren das sichtbare Symbol ihrer Kurfürstenwürde. In der Reformation, im Schmalkaldischen Krieg, ging den Ernestinern jedoch ebendiese verloren, genauso wie ihr Stammschloss und ein großer Teil ihres Herrschaftsgebiets. Herzog Johann Friedrich I. von Sachsen machte Weimar ab 1547 daher zu seinem neuen Stammsitz und dauerhaften Residenz. Und auch wenn die Kurfürstenwürde verloren war, so beließen Johann Friedrich und seine Nachfolger das sächsische Kurwappen doch stets am Torhaus, wo es auch heute noch für Besucher sichtbar ist.
Unerschütterlich in Grau und Gelb
Die Bastille ist der älteste Teil des Weimarer Residenzschlosses, die Gebäude sind die Überbleibsel des Schlosses Hornstein. Dieses war in der Mitte des 16. Jahrhunderts von einer mittelalterlichen Burg zum Renaissanceschloss ausgebaut worden. Im Zuge der damaligen Umbauarbeiten erhielt das Torhaus seine markanten Ziergiebel sowie das repräsentative Westportal. Heute ist das Ensemble Bastille dem großen, klassizistisch geprägten Residenzschloss vorgelagert, und fällt vor allem durch seinen wehrhaften Charakter, die graue Fassade und die gelb umrandeten Fenster auf. Das Ensemble setzt sich aus dem Schlossturm und dem Hofdamenhaus zusammen, sowie dem bereits erwähnten Torhaus. Dieses fungierte in früheren Zeiten als zentraler Zugang zur Anlage. Anders als das Residenzschloss überstand die Bastille die verheerenden Brände von 1618 und 1774 weitgehend unbeschadet. Während das Residenzschloss nach den Zerstörungen wieder aufgebaut und umgestaltet wurde, blieb die Bastille unangetastet. Stattdessen wurde es in die neuen Anlagen integriert. Der Schlossturm wurde 1729 erhöht und mit einer eleganten Schweifkuppel und Laterne versehen. Aus dieser Zeit stammen die noch heute zu besonderen Anlässen geläuteten Turmglocken.
Johann Sebastian Bach: ein berühmter Gefangener
Im Torhaus lassen sich auf diese Weise noch die Spuren der frühneuzeitlichen Nutzung erkennen. So diente das Gebäude als landesherrlicher Gerichts- und Verwaltungssitz. Im Gerichtssaal wurden Reste von Wandmalereien des 16. Jahrhunderts freigelegt, die den Regenten als den obersten Wahrer des Rechts im Staat darstellen dürften. Im Rentamt hat sich, eingelassen in die Wand, einer der größten Tresore des 16. Jahrhunderts erhalten. Im Keller befinden sich die Arresträume, die zum Teil noch heute mit Sitzbänken und Anker-Ösen für die eisernen Fesseln ausgestattet sind.
Der wohl berühmteste Insasse war ein Mann namens Johann Sebastian Bach. Der Komponist war inhaftiert worden, nachdem er eine Stelle am Hof Fürst Leopolds von Köthen angenommen hatte, allerdings ohne die Zustimmung seines bisherigen Arbeitsgebers. Vier Wochen ließ ihn Herzog Wilhelm Ernst in der Landrichterstube festsetzen. Die Stiftung saniert das Ensemble Bastille mit dem Ziel, es als „sprechendes Denkmal“ und Geschichtserlebnis zugänglich zu machen. In den Ausstellungsräumen soll unter anderem die ältere Geschichte des Schlosses bis hin zur Klassik präsentiert werden. Aktuell ist dort die multimediale Ausstellung „Bach in Weimar“ eingerichtet.
Von verarmten Burgherren wurde sie verpfändet, für die Stadt Erfurt war sie ein wichtiger Teil ihrer Burgenpolitik, für einen Raubritter sicheres Versteck und die Sachsen nutzten sie als Justiz- und Rentamt. Die Geschichte der Wasserburg Kapellendorf ist so spannend wie wechselhaft. Im 14. Jahrhundert erhielt die Burg ihre Gestalt mit Ringmauer, Wassergraben und mittelalterlichem Wohnturm. Heute zählt Kapellendorf zu den besterhaltenen Burgen Thüringens.
Die Burg einer Stadt
Bekanntheit erlangte er als „Brandstifter von Thüringen“. Immerhin soll Apel Vitztum der Ältere von Roßla maßgeblich am Ausbruch des Sächsischen Bruderkriegs beteiligt gewesen sein. Zunächst stand er im Dienst des Kurfürsten Friedrich II., wechselte dann zur Gegenseite und diente fortan dessen Bruder. Damit ist Apels Geschichte aber noch nicht zu Ende, denn aus dem herzoglichen Rat sollte ein berüchtigter Raubritter werden. 1446 hatte ihn die Stadt Erfurt mit dem Schutz ihrer Kaufleute beauftragt und ihm dazu die Wasserburg Kapellendorf übertragen. Doch anstatt Schutz zu gewähren, begann er mit Überfällen. So lauerte er einer herzoglichen Gesandtschaft auf, raubte diese aus und verschanzte sich mit seinen Geiseln in der Burg. Erst nach über acht Wochen gelang es, die Gefangenen zu befreien. Dieser Vorfall brachte Kapellendorf den Beinamen „Raubritterburg“ ein. Heute gehört die Wasserburg zu den besterhaltenen Burganlagen Thüringens. Ihren wehrhaften mittelalterlichen Charakter hat sie sich im Wesentlichen bis heute erhalten. Ihre durchaus imposanten Ausmaße verdankt die Burg der Stadt Erfurt.
Diese hatte die Anlage im Jahr 1348 mithilfe eines Strohmanns von den Grafen von Kirchberg erworben. Kapellendorf sollte ein wichtiger Teil der Erfurter Burgenpolitik des 13. und 14. Jahrhunderts werden. Damals erwarb die Stadt entlang der Handelsstraßen systematisch Land mit Burgen und Dörfern und kontrollierte zweitweise so ein rund 900 Quadratkilometer großes Gebiet. Bereits kurz nach dem Erwerb begann die Stadt mit weitreichenden Umbauarbeiten. Um den alten Burgkern herum entstand eine Neuanlage. Hatte die alte Burg noch einen Durchmesser von 32 Metern, waren es nach der Erweiterung rund 90 Meter. Damals erhielt die Anlage auch ihren Umriss mit der abschließenden Ringmauer, Wehrtürmen und dem bis zu 30 Meter breiten Burggraben. In der alten Kernburg wurde eine Küche sowie eine fünfgeschossige Kemenate errichtet, mit Waffenkammer, Wohnräumen und einem Saal. Ende des 15. Jahrhunderts begann der politische und wirtschaftliche Niedergang der Stadt Erfurt, die Burg musste an Sachsen verpfändet werden und verlor schnell an Bedeutung.
Amtssitz und Truppenlager
1684 wurde Kapellendorf in ein Justiz- und Rentamt des Herzogtums Sachsen-Weimar umgewandelt. Die neuen Besitzer verlegten das Burgtor an den Turm im Südwesten und ließen eine steinerne Brücke über den Wassergraben bauen. Im 18. Jahrhundert wurde schließlich der sogenannte Prinzessinnenbau errichtet, das zwar als Witwensitz gedacht war, aber nie als solcher genutzt wurde. Ein letztes Mal ins Blickfeld der Geschichte sollte Kapellendorf im Jahr 1806 rücken. Während der Schlachten bei Jena und Auerstedt diente die Burg als Hauptlager für die preußischen Truppen im Kampf gegen Napoleon. Heute können Besucherinnen und Besucher sich beim Rundgang im Burghof sowie in einem kleinen Ausstellungsraum über die Geschichte der Wasserburg Kapellendorf informieren. Zudem ist die Wasserburg regelmäßig Veranstaltungsort, etwa für Handwerker- und Töpfermärkte, Konzerte, Kleinkunst und Theater.