Wir, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG), wollen unsere wertvollen historischen Kulturgüter und Denkmäler nicht nur erhalten, sondern sie auch auf zeitgemäße Weise unseren Gästen näherbringen. Dank der Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur können wir seit 2022 unter dem Projekt-Titel „SchlösserWelt Digital&Original“ die Digitalisierung und Vermittlung vorantreiben. Bis Ende 2025 stehen dafür rund 3,97 Millionen Euro zur Verfügung.
Wir freuen uns darauf, unseren Gästen noch mehr spannende Einblicke in unsere historischen Anlagen und ihre Geschichte zu ermöglichen! Hier finden Sie eine Auswahl unserer aktuellen Teilprojekte:
Schloss und Park Altenstein
Am Schloss und Park Altenstein eröffneten wir im April 2022 ein neues Besucherzentrum. In dem modern gestalteten Innenraum können sich unsere Gäste umfangreich über die Anlage und ihre Umgebung informieren und beraten lassen. Für alle, die eine kleine Verschnaufpause brauchen, haben wir außerdem einladende Sitzgelegenheiten mit Blick auf den Park eingerichtet. Dank unseres Kooperationspartners, der Tourist Information Bad Liebenstein, erhalten Sie hier auch Tipps für Ausflüge in die Region.
Vermittlungsprojekt Oberschloss Kranichfeld
Im Oberschloss Kranichfeld entstehen unter dem Titel Sehen lernen – Auf Spurensuche im Oberschloss Vermittlungsangebote in den Innen- und Außenbereichen der verzweigten Anlage. Die Gäste werden Spuren vom 12. Jahrhundert bis in die Gegenwart entdecken, die das heutige Erscheinungsbild der Anlage prägen. Denn obwohl das Renaissanceschloss auf den ersten Blick vollkommen intakt aussieht, haben sich nach einem Großbrand 1934 teilweise nur die Außenmauern erhalten.
Vermittlungsprojekt Kloster St. Wigbert in Göllingen
Im ehemaligen Kloster St. Wigbert in Göllingen werden den Gästen unter dem Titel Sehen lernen – Zwischen Kloster und Konserve die vielfältigen Bauphasen und die wechselhafte Geschichte der Anlage erläutert. Neben der Vermittlung der Außenbereiche, die vom Bild des romanischen Klosterturms über frühneuzeitliche Wirtschaftsgebäude bis hin zur DDR-Konservenfabrik geprägt sind, entsteht eine neue Dauerausstellung. Hier werden die Umbrüche und die Initiativen zum Erhalt der knapp 1200-jährigen Anlage erklärt und machen ihr heutiges Aussehen nachvollziehbar.
Viele Menschen verbinden eine Vielzahl an Erinnerungen und Erlebnissen mit unseren geschichtsträchtigen Liegenschaften. Die Oral-History-Forschungsstelle der Universität Erfurt hilft uns dabei, diese Geschichten und Biografien in Interviews zu sammeln und für die Zukunft zu bewahren. Aktuell stehen bei uns die Erinnerungen rund um Kranichfeld, Göllingen und Wilhemsthal im Fokus.
Außerschulischer Lernort Schloss Schwarzburg
Für Schloss Schwarzburg wird gegenwärtig ein außerschulischer Lernort konzipiert, der bereits jetzt auf Nachfrage besucht werden kann. Im Fokus stehen dabei die Bau-, Nutzungs- und Dynastiegeschichte, die bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen.
Von besonderem Interesse ist die Zeit nach 1918, in die die Abdankung des letzten Fürstenpaares und – in Sichtweite zum Schloss – die Unterzeichnung der Weimarer Verfassung sowie der nicht abgeschlossene Umbau der Schlossanlage zum Reichsgästehaus durch die Nationalsozialisten fallen. In der Auseinandersetzung mit dem historischen Ort und mit dem Schloss als „gebauter Quelle“ können sich Schülerinnen und Schüler u.a. Themen zur Demokratie- und Diktaturgeschichte widmen.
Schwarzburg: Schloss Schwarzburg / Internationale Bauausstellung Thüringen IBA / Foto: Thomas Müller
In den Jahren 2019 bis 2021 konnten im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA) zwei Räume wieder nutzbar gemacht werden, in denen die Spuren der Zeit bewusst sichtbar geblieben sind. Sie unterstreichen das bauhistorische Denkmal Schloss Schwarzburg als besondere kulturhistorische Quelle für forschendes und partizipatives Lernen zusätzlich.
Sollten Sie Interesse an weiterführenden Informationen und themenspezifischen Angeboten haben, kontaktieren Sie uns gerne unter: lernort@thueringeschloesser.de
Schauen Sie regelmäßig auf dieser Webseite und auf unseren Social-Media-Kanälen vorbei, um mehr über die Projektfortschritte und unsere neuen Vermittlungsformate zu erfahren!
Epochen und Meilensteine der Geschichte – von der Monarchie bis zu den Anfängen der Demokratie und dem Nationalsozialismus – prägen Schloss Schwarzburg bis heute. Dies macht die Schlossanlage zu einem Denkort der deutschen Geschichte. Sie war Stammsitz eines der ältesten Adelsgeschlechter in Thüringen, das sich neben den dominierenden Ernestinern behaupten konnte und bis 1918 zwei eigene Fürstentümer regierte. Spätestens in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als mittelalterliche Burg errichtet, wurde die Anlage im 17. Jahrhundert zur Festung ausgebaut.
Im Zusammenhang mit der Erhebung der Schwarzburger vom Grafen- in den Reichsfürstenstand 1710 wurde der als Jagdschloss und Sommersitz genutzte Stammsitz zum dynastischen Repräsentationsort.
Nach dem Ende der Monarchie erhielt das letzte Fürstenpaar Wohnrecht auf Schloss Schwarzburg, während der erste Reichspräsident Friedrich Ebert 1919 in Sichtweite zum Schloss mit der Weimarer Verfassung die erste deutsche demokratische Verfassung unterzeichnete. 1940 begannen die Nationalsozialisten mit einem Umbau der Schlossanlage zum Reichsgästehaus, der zwei Jahre später eingestellt wurde. Das Schloss-Hauptgebäude blieb über 70 Jahre Bauruine, bis 2021 die ersten beiden Räume wieder eröffnet werden konnten. Im Tor- und Zeughaus empfangen die Fürstlichen Erlebniswelten Besucherinnen und Besucher.
Schloss Schwarzburg
Auf einem Bergsporn über dem Schwarzatal erhebt sich Schloss Schwarzburg. Den gleichnamigen Grafen diente die Höhenburg über Jahrhunderte als Stammsitz. In den Blickpunkt des Weltinteresses rückte es 1919, als Friedrich Ebert in unmittelbrer Nachbarschaft die Weimarer Verfassung unterzeichnete. Das Schloss durchlebte wechselvolle Zeiten. Unter den Nationalsozialisten sollte es in ein „Reichsgästeheim“ umgewandelt werden. Dafür wurde es stark zerstört. Seit 2009 laufen umfangreiche Arbeiten, um das Schloss für Besucher wieder zugänglich zu machen. Ein wichtiger Meilenstein war die Wiedereröffnung des Zeughauses mit der einzigartigen Prunkwaffensammlung.
Der Legionär und sein Speer
Sie gehören zu den ältesten und mächtigsten Dynastien Thüringens – die Grafen und Fürsten von Schwarzburg. Warum sie ihren Stammsitz ausgerechnet im Tal der Schwarza errichteten, erfährt man in ihrer Gründungslegende. Diese ist in einem Deckengemälde im Kaisersaal von Schloss Schwarzburg festgehalten. Zu sehen ist ein römischer Legionär, der seinen hölzernen Speer in den Boden stößt. Aus dem scheinbar toten Stück Holz treiben jedoch Blätter und Zweige hervor. Für den Legionär ist klar, an dieser Stelle will er sich niederlassen. Und so soll sie ihren Anfang gefunden haben, die Geschichte der Schwarzburger. 1071 wurde die Höhenburg erstmals urkundlich erwähnt. 1453 berichten Quellen von einer aufwendigen Anlage, bestehend aus mehreren Kemenaten, einem Hospital, einer Kapelle und verschiedenen Türmen. Allerdings verlor sie bereits in jener Zeit an Bedeutung, da Arnstadt, Rudolstadt und Sondershausen zu Residenzstädten der Schwarzburger aufgestiegen waren. Dass diese ihren Stammsitz aber nie vollends aufgaben, hat auch mit der Erhebung der Schwarzburg-Rudolstädter Grafen in den Reichsfürstenstand im Jahr 1710 zu tun. Fürst Ludwig Friedrich hatte Schwarzburg zum Ort seiner Erhebungszeremonie gewählt – und so wurde das Schloss wieder zum Mittelpunkt höfischer Repräsentation und Selbstdarstellung. Das als Orangerie geplante Gartenhaus wurde fertiggestellt und in einen Ehrentempel der fürstlichen Abstammung verwandelt. Das Ergebnis ist das heutige Kaisersaalgebäude. Die aufgesetzte, quadratische Laterne des Gebäudes taucht den darunterliegenden Saal in ein geradezu mystisches Licht. Die Magie des Raumes wird durch die lebensgroßen Darstellungen mittelalterlicher Kaiser und Könige noch verstärkt.
Ein Schloss mit bewegter Geschichte
1726 brach auf dem Schloss ein verheerendes Feuer aus. Das Kaisersaalgebäude blieb von den Flammen verschont, das Hauptgebäude wurde jedoch zerstört. Die Schwarzburger bauten ihren Stammsitz als Jagd- und Sommerschloss wieder auf – und bis zum Juni 1940 sollte es der Familie dienen. An den Tag des Auszugs erinnerte sich Anna Luise von Schwarzburg-Rudolstadt als „bösen Traum“. Nach den Plänen der Nationalsozialisten sollte das Barockschloss nun in ein „Reichsgästeheim“ umgebaut werden. Das Torhaus und die Kirche fielen dem Umbau zum Opfer, im Hauptgebäude wurden Decken, Wände, Stuckaturen und Malereien entfernt. 1942 kamen die Bauarbeiten kriegsbedingt zum Erliegen und das Schloss blieb stark zerstört zurück. Seit 2009 laufen umfangreiche Maßnahmen, um den Bestand zu sichern. Heute befinden sich im teilsanierten Schloss-Hauptgebäude zwei Veranstaltungsräume, die zum Lernen, Diskutieren und Nachdenken über Demokratie und Gesellschaft anregen sollen – als außerschulischer Lernort Schloss Schwarzburg und als Denkort der Demokratie für die demokratische Zivilgesellschaft. Im Rahmen der baulichen und restauratorischen Maßnahmen innerhalb der beiden Räume soll die wechselvolle Geschichte mit den Spuren der fürstlichen Schlossausstattung und den Zeugnissen der brachialen Zerstörungen der 1940er Jahre ablesbar und sichtbar bleiben.
Ein um 1744 entstandener Gartenplan wurde bei der vor Jahren unumgänglichen Neugestaltung des etwa 5000 Quadratmeter großen Gartens vor dem Kaisersaalgebäude berücksichtigt. Rasen und eine Fontäne, eine als Reminiszenz an die einstige Funktion angelegte Mini-Orangerie und ein „Baumsaal“ laden zum Verweilen und Flanieren ein.
Zeughaus
Das Zeughaus ist der älteste Bau der Anlage. Über die Jahrhunderte entstand hier eine der größten zeitlich zusammenhängenden höfischen Waffensammlungen Europas. Zeitweise wurde die Sammlung nach Schloss Heidecksburg ausgelagert. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten kann sie seit März 2018 wieder in ihrer Gesamtheit im Zeughaus besichtigt werden.
Es zählt zu den ältesten Klöstern Thüringens. Sein wichtigster Förderer wird heute noch in manchen Gegenden als Heiliger verehrt. Das Kloster St. Wigbert in Göllingen, nahe Bad Frankenhausen, kann nicht nur auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken, sondern vor allem auf eine sehr wechselvolle. Nach der Säkularisierung wurde es als staatliche Domäne genutzt und nach dem Zweiten Weltkrieg als Konservenfabrik. Vom einstigen Kloster hat sich vor allem der markante Westturm mit der romanischen Krypta erhalten.
Ausstellung "Sehen lernen – Zwischen Kloster und Konserve"
Im Kloster Göllingen hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) eine neue Dauerausstellung eröffnet. Die multimediale Ausstellung gibt Einblicke in rund 1.000 Jahre Klostergeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, deren Spuren bis heute am Denkmal ablesbar sind und den Schwerpunkt der Ausstellung bilden. Zudem wurde für die benötigte Infrastruktur ein Empfangspavillon in nachhaltiger Bauweise errichtet.
Wo einst die Edelkonserven lagerten, ist heute die neue Dauerausstellung in der Klosteranlage untergebracht. Vom interaktiven Zeitstrahl bis zum „Lager der Legenden“ werden Besucherinnen und Besucher durch die epochenübergreifende Klostergeschichte geleitet. Immer wieder wird der Blick auch auf die noch am Gebäude ablesbaren Spuren der Zeit gelenkt. Im Außenbereich wird der Rundgang durch Info-Tafeln und Hinweise weitergeführt.
Ein Multimediaguide bietet zudem interaktive Elemente und weitere Vertiefungsebenen mit Videos und Interviews. Kinderstationen halten auch die Kleinen auf Trab und führen spielerisch durch die Anlage.
Am Weihnachtstag 1005 soll es gewesen sein. Da entsagte ein Adeliger dem weltlichen Leben, trat dem Benediktinerorden bei und stiftete seinen Besitz dem Kloster Göllingen. In der Schenkungsurkunde heißt es: „Kund getan sei allen Christgläubigen, dass ein gewisser Adliger mit Namen Gunther kraft seines eigenen Erbrechts (…) die Güter Thürungen, Günserode, Ichtershausen, Eschenbergen mit Hörigen und allem, was dazu gehört, dem heiligen Wigbert am Altar in dem Ort, der Göllingen genannt wird, zum Unterhalt der Brüder jenes Ortes …“ übergeben habe. Göllingen gehörte damals zur Abtei Hersfeld und war, wie das Mutterkloster, dem heiligen Wigbert geweiht. Ein Jahr lang leitete Gunther – der vormalige Graf von Käfernburg-Schwarzburg – die Geschicke des Konvents, dann zog er sich in die Einsamkeit der Wälder zurück und lebte als Eremit im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet. Dort wird er heute noch als Heiliger verehrt, als Gunther von Thüringen sollte er in die Geschichtsbücher eingehen. Die Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1005 ist die älteste urkundliche Erwähnung des Klosters Göllingen. Damit gehört es zu den ältesten Klöstern Thüringens. Bereits um das Jahr 775 wird der Ort als Besitz des Klosters Hersfeld aufgeführt, ob es damals allerdings bereits ein Kloster gab, ist unklar.
Spuren des Klosterlebens
Von der einstmals weitläufigen Klosteranlage haben sich heute nur noch Reste erhalten. Von der Klosterkirche sind vor allem die Apsis im Osten sowie der Westturm erhalten. Da schriftliche Zeugnisse weitgehend fehlen, musste ihre Baugeschichte anhand der Gebäudereste rekonstruiert werden. Ende des 10. Jahrhunderts wurde vermutlich eine erste Steinkirche errichtet. Um etwa 1170 erfolgte der erste große Umbau. Dabei entstand ein sogenanntes Chorpodium, die beiden unteren Geschosse des erhaltenen Westturms. Einige Jahre später wurde das Chorpodium turmartig ausgebaut und um zwei achteckige Geschosse ergänzt. Der Westturm beherbergt auch die bedeutende Krypta der einstigen Klosterkirche. Sie wurde raffiniert in das ansteigende Gelände hineingebaut und war von Westen nicht sichtbar. Die anspruchsvolle Architektur des Raumes und die aufwendige Ausgestaltung und zeugen vom Reichtum des Klosters.
Erst Domäne, dann Konservernfabrik
Während des Bauernkriegs wurde die Klosteranlage 1525 geplündert und teilweise zerstört. Die Reformation überstand Göllingen weitgehend unbeschadet, doch 1606 erfolgte die Säkularisierung und Umwandlung in eine Domäne. Die Krypta diente fortan als Lagerraum, das Kirchenschiff verschwand größtenteils und das Brauhaus des Klosters wurde zum Pferdestall. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal als Konservenfabrik genutzt. Ein Großteil der Gebäude wurde abgerissen oder verändert, es entstanden Werkstätten, Lager und Wirtschaftsgebäude. Nach dem Ende der Konservenproduktion 1990 wurde die Baugeschichte der Klosterkirche wissenschaftlich erforscht.