Herrliche Ausblicke in das Saaletal bietet das über dem Städtchen Rudolstadt thronende Schloss Heidecksburg, von 1571 bis 1918 Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Der heutigen Schlossanlage mit zwei östlich vorgelagerten Terrassen gingen eine Burganlage und ein dreiflügeliges Renaissanceschloss voraus. Die St. Andreaskirche östlich des Schlossbergs war Residenzkirche und Grablege der Schwarzburg-Rudolstädter.
Nachdem ein Brand 1735 den Nord- und Westflügel des Schlosses weitgehend zerstört hatte, wurde unter Fürst Friedrich Anton zunächst mit der Neuerrichtung des Westflügels nach Plänen von Johann Christoph Knöffel begonnen. Die Innenausstattung entwarf Gottfried Heinrich Krohne. Besonderer Blickfang ist der 44 Meter hohe Schlossturm über dem Haupttreppenhaus. Heute beherbergt Schloss Heidecksburg das Thüringer Landesmuseum, das Landesarchivs Thüringen – Staatsarchiv Rudolstadt und ist zudem Hauptsitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.
Hoch über Rudolstadt erhebt sich die Heidecksburg, die einstige Residenz der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Rokoko en miniature et en gros – so könnte das Motto für das imposante Schloss lauten. Rokoko im Großen ist unter anderem in den einzigartigen Prunkräumen zu bestaunen, Rokoko im Kleinen präsentiert dagegen die Ausstellung in der ehemaligen Hofküche. Dort lassen Miniaturbauten die Fantasiewelt der Königreiche Dyonien und Pelarien aufleben. Das Schloss beherbergt das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg und das Staatsarchiv Rudolstadt. Außerdem hat hier die Stiftung Thüringen Schlösser und Gärten ihren Sitz.
Schillers heimliche Geliebte / Kunst und Kultur
„Diese Gegend wird Ihnen lieb sein, mir brachte sie gestern einen Eindruck von Ruhe in der Seele, der mir innig wohltat.“ Mit diesen Worten versuchte Charlotte von Lengefeld einen gewissen Herrn Schiller nach Rudolstadt zu locken. Immerhin war „Lollo“, wie Friedrich Schiller seine spätere Ehefrau nannte, in Rudolstadt geboren und aufgewachsen. Der Dichter kam tatsächlich – und schwärmte schon wenig später in einem Brief von der reizenden Aussicht auf die Stadt, „die sich am Fuße eines Berges herumschlingt, und von weitem schon durch das fürstliche Schloss, das auf die Spitze des Felsens gepflanzt ist, sehr vorteilhaft angekündigt wird.“ Die Aussicht auf das malerische Schloss, das sich rund 60 Meter über der Stadt erhebt, ist bis heute unverstellt zu genießen. Aber nicht nur Schiller besuchte Rudolstadt. Auch andere berühmte Persönlichkeiten wie Goethe, die beiden Humboldts, „Teufelsgeiger“ Nicola Paganini oder der Komponist Franz Liszt weilten in der Residenzstadt Rudolstadt.
Dem Stand angemessen
Bereits ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entfaltete Rudolstadt eine bemerkenswerte Blüte. Vor allem der spätere Fürst Johann Friedrich (1721-1776) war ein großer Förderer der Wissenschaften, der Kunst und Musik. Das Schul- und Kirchenwesen erfuhren unter ihm wichtige Impulse, der Handel mit Wald- und Zierglas sowie die Fayence- und Porzellanmanufaktur erlebten ihren Höhepunkt. 1710 war das Haus Schwarzburg-Rudolstadt in den Reichsfürstenstand erhoben worden – ein standesgemäßes Residenzschloss war die Heidecksburg zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht. Das sollte sich ab 1735 ändern, nachdem ein verheerender Großbrand weite Teile der Anlage zerstört hatte. Der regierende Fürst nutzte die Gelegenheit und ließ die Heidecksburg zum Residenzschloss umbauen, wobei geschickt die alten Bauteile miteinbezogen wurden. Mit dem Schlossbau wurde zunächst der sächsische Oberbaumeister Christoph Knöffel (1686-1752) beauftragt. Doch Finanzprobleme und bereits während der Bauarbeiten auftretende Schäden, führten zu dessen Ablösung. An seine Stelle trat daraufhin der im benachbarten Weimar tätige Gottfried Heinrich Krohne (1703-1756). Auf sein Konto gehen der rund 40 Meter hohe barocke Schlossturm sowie der vielbewunderte, zwölf Meter hohe Rokokosaal – einer der bemerkenswertesten Rokokosäle Deutschlands. Die erlesene Ausstattung des Saales übernahmen namhafte Stuckateure, Bildhauer und Maler. Sie machten den Saal auf diese Weise zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk.
Raritäten im Schlossgarten
Östlich des Schlosshofs befinden sich zwei Gartenterrassen, die durch doppelläufige Treppen mit Aufgängen für die Pferde verbunden sind. Das ab 1610 errichtete Reithaus wurde in den vergangenen Jahren saniert und ist heute beliebter Veranstaltungsort. Der Schlossgarten auf der untersten Terrasse war einst im barocken Stil angelegt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde er in einen sentimental-romantischen Landschaftsgarten umgewandelt. Eine besondere Rarität ist das barocke und später ebenfalls umgestaltete Schallhaus mit einem der wenigen erhaltenen Schallsäle.
Die Gartenkultur besaß einen hohen Stellenwert und die Fürsten selbst widmeten sich dieser Kunst. So auch Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt, von dem sogar Entwurfszeichnungen des Terrassengartens von Schloss Heidecksburg überliefert sind. Der Schlosshof wird auch als Obere Terrasse bezeichnet und im Osten durch eine Balustrade begrenzt. Von hier können die beiden Gartenterrassen überblickt werden und zugleich eröffnet sich ein Panorama auf die umliegenden Höhenzüge. Die Mittlere Gartenterrasse mit Kanonenhaus und die Untere Gartenterrasse (ehemaliger Schlossgarten) mit Schallhaus sind jeweils über zweiläufige Rampen- und Treppenanlage zu erreichen.
Das Schallhaus auf der unteren Terrasse
Das Gebäude stellt in seiner Doppelfunktion als Gartenpavillon und Klangkörper eine Rarität dar. Ursprünglich war es im 17. Jahrhundert als Gartenhaus am Schnittpunkt der Wegeachsen der unteren Schlossterrasse errichtet worden, wodurch es eine zentrale Funktion in der Gartenanlage innehatte. Unter der Schieferkuppel des achteckigen Pavillons verbirgt sich ein Schallsaal, der letzte erhaltene seiner Art in Thüringen. Über eine Öffnung ist der gewölbte Raum mit dem ebenerdigen Gartensaal verbunden. Oben spielten die Musiker, unten lauschte einst die höfische Gesellschaft. Zur Zeit des Barock waren Schallsäle verbreitet. Sie boten dem Hofstaat Möglichkeit Musik zu hören, ohne die Musiker zu sehen. Der Schallsaal stammt aus der Zeit um 1730, als man das schon einige Jahrzehnte bestehende Gebäude umbaute. Um 1800 erfolgten dann im Zuge der Umgestaltung des Gartens zu einem Landschaftspark nochmals Veränderungen am Gebäude im Sinne einer klassizistischen Neugestaltung aus einem Guss.
Die ockrige Farbfassung der Außenfassaden geht auf Befunde des frühen 19. Jahrhunderts zurück. Seit Sommer 2020 und Vollendung der Sanierung als auch Restaurierung ist das Gebäude wieder vollständig erlebbar.
Auf der mittleren Terrasse befand sich ein ehemaliger Reitplatz.
Umgeben malerischen Bergen und Wäldern im Weimarer Land, weithin sichtbar – liegt das Oberschloss Kranichfeld. Es thront auf einem Bergsporn über der Zwei-Burgen-Stadt Kranichfeld. Auf den ersten Blick sieht das Renaissanceschloss vollkommen intakt aus. Doch von der Hauptburg haben sich nur die Außenmauern erhalten. Das Innere wurde 1934 bei einem Brand zerstört. Der Ausstellungsrundgang führt Besucher von der Vorburg u.a. zum Palas, den „Dicken Turm“, der Kapelle und den Keller. Eine Kuriosität des Schlosses ist der sogenannte „Leckarsch“ an einem Erker.
Ausstellung zur Geschichte des Oberschlosses
Auf dem Oberschloss Kranichfeld hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) eine neue Dauerausstellung eröffnet. Die multimediale Ausstellung gibt Einblicke in rund 900 Jahre Burg- und Schlossgeschichte, deren Spuren bis heute am Denkmal ablesbar sind und den Schwerpunkt der Ausstellung bilden. Die Ausstellung im Innen- und Außenbereich der Anlage beleuchtet die Schlossgeschichte mit all ihren Facetten von der Errichtung als mittelalterliche Burg bis in die jüngste Vergangenheit.
Alle waren sie hier – die Herren des Hauses Reuß, die Grafen von Schwarzburg, genauso wie die Wettiner. All jene Adelsgeschlechter, die in der frühen Neuzeit eine entscheidende Rolle in der Geschichte Thüringens spielten, haben das Oberschloss Kranichfeld einmal besessen. Den Namen „Oberschloss“ trägt die Anlage deshalb, um sie vom später errichteten, tiefer gelegenen Unterschloss zu unterscheiden. In den 1560er Jahren wurde das Schloss zum Schauplatz eines „Nachbarschaftsstreits“. Damals teilten sich zwei Linien der Reußen die Anlage. Im östlichen Teil residierte der „ältere Herr“, im westlichen der „jüngere Herr“. Zum Streit kam es, nachdem der „ältere Herr“ einen neuen Trakt (heute Teil der Ruine) hatte errichten lassen. Woraufhin sich der Jüngere beschwerte, der Bau habe ihm das Licht genommen. Über das Dach könne man nun gar bequem in die „besten Stuben“ steigen und die Gespräche belauschen. Zudem sei ein Seitenfenster zu einem Gewölbe verbaut, „darinne die heimlichsten Sachen verwehrt liegen“.
In dieser Phase erhielt das Schloss sein heutiges, noch weitgehend erhaltenes Aussehen. Architekturhistorisch zeigt der Bau die Entwicklung von einer Burg hin zum Schloss. Der Großteil des Mauerwerks geht noch auf das 12. Jahrhundert zurück. Aus dieser Epoche stammen die Kapelle und der Palas, die im heutigen Ausstellungsbereich liegen. Der sogenannte „Dicke Turm“ geht ebenfalls auf das 12. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1999 startete die „Aktion 101 Stufen“. Mithilfe der Spendenaktion konnte später im mächtigen Bergfried eine Treppenanlage installiert werden, 2011 bekam der Turm eine Kuppel und eine begehbare Aussichtplattform. Heute kann man vom Turm den Ausblick über das Ilmtal genießen.
An einem Erker an der Südwestecke der Anlage befindet sich die besondere Kuriosität des Schlosses – der sogenannte „Leckarsch“. Die steinerne Figur streckt dem Betrachter das entblößte Hinterteil entgegen, hinzu kommt die Umschrift „Leck mich im Mars“. Dem kommt die Figur wörtlich nach, sie leckt ihr eignes Geschlechtsteil. Was heute kurios oder obszön wirkt, war im 16. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches. Nachdem die Reußen das Schloss 1577 verpfänden mussten, wechselte Kranichfeld mehrmals die Besitzer. Unter den Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt wurde vor allem die Vorburg ausgebaut.
Wechselvolle Geschichte
1934 brannte die Anlage schließlich komplett aus. Kurz darauf erwarb die von Heinrich Himmler gegründete „Gesellschaft zur Förderung und Pflege deutscher Kulturdenkmale e.V.“ die Ruine. Man plante, dort eine SS-Führerschule einzurichten. Für den Wiederaufbau des Schlosses zog man Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Buchenwald heran. Ab 1981 nahmen sich engagierte Bürger der Anlage an und gründeten einen Förderverein. Neben einer Ausstellung und Informationstafeln im Gelände zur Geschichte der Anlage hat sich das Oberschloss zu einer festen Größe im kulturellen Leben der Stadt und der Region entwickelt.
Auf einem zerklüfteten Felsmassiv über dem Orlatal erhebt sich die Burg Ranis. Schon von weitem kann man die Anlage über der gleichnamigen Stadt erblicken. Von Herzog Wilhelm III. von Sachsen erhielten die Brandensteiner, die Familie seiner zweiten Frau, Ranis als Lehen. Nach mehreren Besitzerwechseln verfiel die Anlage dann aber zusehends. Heute präsentiert sich Burg Ranis nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen wieder in altem Glanz und beherbergt unter anderem ein Museum. Zudem finden auf der Burg alljährlich die weit über die Region hinaus bekannten Thüringer Literatur- und Autorentage statt.
Seiner Gemalin zu Ehren
Für die eine endete die Geschichte tragisch, für die andere dagegen mit einem Happy End. Herzog Wilhelm III. von Sachsen war zunächst mit Anna von Österreich verheiratet, der Tochter des deutschen Königs. Doch die Ehe blieb ohne männlichen Erben und so setzte der unglücklich verheiratete Wilhelm seine Ehefrau gefangen. Nachdem Anna gestorben war, konnte er 1463 seine langjährige Mätresse Katharina von Brandenstein heiraten. Um diese nicht ganz standesgemäße Ehe zu stärken, schenkte Wilhelm der Familie seiner Braut 1465 das Lehen Burg Ranis. Wenn auch baulich tätig konnte die Familie Brandenstein die Burg aber nicht lange halten. Bereits 1571 musste sie die Anlage wegen Überschuldung an die Herren von Breitenbauch abtreten – und in deren Besitz sollte Burg Ranis bis 1942 dann auch bleiben. Die von Breitenbauchs, die ihren Namen später in Breitenbuch änderten, bauten die Burg weiter aus und modernisierten sie. Doch auch für die Breitenbuchs wurde die Anlage immer schwerer zu halten. Es kam zu einigen Abbrüchen und Rückbauten. Ab 1926 versuchten sie daher, ein Museum sowie eine Gastwirtschaft zu etablieren. Der Versuch scheiterte jedoch und so mussten sie die Burg 1942 schlussendlich verkaufen.
Aus allen Zeiten
Schon von weit her ist die Burg für Besucher sichtbar, stolz thront sie auf einem Felsrücken über der gleichnamigen Stadt. Das genaue Gründungsjahr der Burg ist nicht bekannt, 1199 wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Die ältesten heute noch erhaltenen Grundzüge der Burg, wie der südliche Turm des Torhauses und der untere Teil des Bergfriedes entstanden um 1200. Den Bergfried können Besucher selbständig erkunden und besteigen. Das heutige Erscheinungsbild der Burg geht jedoch auf das 17. Jahrhundert sowie auf die Rückbauten im 19. Jahrhundert zurück. Die Anlage setzt sich heute aus einer Kernburg, einem Schlosshof und einer weiträumigen Vorburg zusammen.
Museum und Ort für Literatur
In der Burganlage ist aktuell das Museum Burg Ranis untergebracht. Zu sehen sind die Dauerausstellung „Geologie des Orlatales“ sowie die Ausstellung „Blick in die Eiszeit“. Auf Burg Ranis finden jährlich die renommierten Thüringer Literatur- und Autorentage des Vereins Lese-Zeichen e.V. statt. Zu Gast waren unter anderem Katharina Thalbach, Sven Regener und Iris Berben.