Spuren barocker Gartenkunst sind auch im Schlosspark Molsdorf zu erleben. Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts der heutige Landschaftspark gestaltet wurde, blieb vieles von der aufwendigen Anlage erhalten, die in den 1730er Jahren entstanden war. Damals hatte der im Ruf eines Lebemanns stehende Gustav Adolf Graf von Gotter die Molsdorfer Wasserburg erworben und zu einem Lustschloss umbauen lassen. Ähnlich aufwendig wie Fassade und Innenräume ließ Gotter auch den Garten anlegen. Eine langgestreckte Achse mit Gartenparterres war umgeben von Kanälen und geschmückt mit zahllosen Skulpturen. Die Grundformen des Barockparterres wurden als symmetrische Rasenflächen in den Landschaftspark integriert, auch einige der Skulpturen blieben an Ort und Stelle und begegnen dem Flaneur an den Parkwegen.
Auf einen Blick
Adresse
Schloss Molsdorf
Schlossplatz 6
99094 Erfurt E-Mail
Der bereits Anfang des 18. Jahrhunderts entstandene barocke Schlossgarten erreichte unter Reichsgraf Gustav Adolf von Gotter um 1748 seinen gestalterischen Höhepunkt. Historische Pläne belegen die klassische Abfolge von zentral vor dem Schloss angeordneten Broderieparterres, gefolgt von Bosketträumen, die jeweils symmetrisch an der vom Schloss in die Landschaft reichenden Hauptachse angeordnet waren. Der Garten war mit Wasseranlagen und zahlreichen Gartenskulpturen ausgestattet. Nach Übernahme durch das Herzoghaus Sachsen-Gotha-Altenburg folgte Ende des 18. Jahrhunderts die landschaftliche Überformung. In deren Folge wurden die Kanäle verfüllt, die Fontänen und die Kaskade zerstört, einige Alleen und Hecken entfernt und viele der Skulpturen verkauft. Dafür entstanden malerische Baumgruppen, Rasenflächen und ein Teich mit geschwungener Uferlinie. Die Umgestaltung lag in den Händen von Rudolph Eyserbeck, Sohn des bekannten Wörlitzer Gärtners Johann Friedrich Eyserbecks, und seinem Nachfolger, dem Hofgärtner Friedrich Emil Wehmeyer. Der Schlossgarten Molsdorf ist ein eindrucksvolles Beispiel für eine harmonische Verbindung von architektonischer und landschaftlicher Gartenkunst in Thüringen.
14 Jahre lang nannte er Schloss Molsdorf sein Zuhause. Aus einer Wasserburg hatte Graf Gustav Adolf von Gotter ein malerisch gelegenes barockes Lustschloss erstehen lassen. Doch die Verschwendungssucht des diplomatischen Aufsteigers machte den Traum zunichte und Gotter musste das Schloss verkaufen. Besucher können das Museum im Schloss mit seinen historischen Räumen und Sonderausstellungen im Rahmen einer Führung besichtigen. Der symmetrische Barockgarten aus Gotters Zeiten wurde später zu einem Landschaftspark umgeformt. Einige Skulpturen der ursprünglichen Ausstattung haben sich erhalten.
Von der Wasserburg zum Lustschloss
Rund zehn Kilometer südwestlich von Erfurt befindet sich Schloss Molsdorf. Es ist eine kleine Besonderheit unter den Thüringer Schlössern, was vor allem an seinem illustren Bauherrn liegt. Denn Gustav Adolf von Gotter (1692 – 1762) hatte eine aufsehenerregende Karriere hingelegt. In Gotha geboren als Sohn einer bürgerlichen Familie, trat er in den Dienst Herzog Friedrichs II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, wurde außerordentlicher Gesandter in Wien, Hofrat und Geheimer Staatsrat. 1724 erhob ihn der Kaiser in den Adelsstand und ernannte ihn zum Freiherrn und Reichsgrafen. Zehn Jahre später krönte Graf Gotter seinen gesellschaftlichen Aufstieg mit dem Kauf von Schloss Molsdorf. Er verwandelte die einstige Wasserburg in ein barockes Lustschloss. Durch seine Kontakte zu den führenden Höfen seiner Zeit konnte er zur Umsetzung der Bauaufgabe bedeutende Künstler gewinnen, darunter den Weimarer Hofarchitekten Gottfried Heinrich Krohne und den Stuckateur Johann Baptist Pedrozzi.
"Es lebe die Freude"
Den prächtigen Festsaal im Obergeschoss ließ der Graf mit Eichenholz täfeln und mit 33 Gemälden ausstatten. Sie zeigen unter anderem zwei seiner Förderer, Friedrich den Großen und Prinz Eugen von Savoyen. Im Festsaal ist auch die Devise des Eremitenordens der fröhlichen Einsiedler „Vive la joie“ (Es lebe die Freude), dem Gotter angehörte, gleich mehrfach zu lesen. Denn Gotter war nicht nur ein gewiefter und hoch dekorierter Diplomat, sondern auch ein Lebemann, der einen verschwenderischen Lebensstil pflegte. Berühmt waren die Tafeln, bei denen der Hausherr seinen Gästen seltene, teils wunderliche Speisen anbot. So soll er unter anderem Schüsseln voller Ringe, Ketten und Uhren herumgereicht haben – und jeder Gast konnte ein Erinnerungsstück auswählen. Der prächtige Marmorsaal diente dem Grafen als Empfangsraum und bildete den Auftakt zu dessen Paraderäumen. Ein dortiges Gemälde zeigt Gotter im Jagdgewand. Nach 14 Jahren musste der Graf das Anwesen schließlich verkaufen. Es ging an Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg, der das Schloss in ein Kammergut umwandelte und den Wassergraben um das Schloss zuschütten ließ. Aus dem Jahr 1910 stammt das mondäne Marmorbad des Schlosses. Es ist eines der wenigen erhaltenen privaten Luxusbäder des frühen 20. Jahrhunderts. Es wurde von der damaligen Besitzerin, der Gräfin von Gneisenau, in Auftrag gegeben und mit grün geädertem Marmor gestaltet.
Der Park – Geschwungene Formen statt Geometrie
Umgeben ist Schloss Molsdorf von einem acht Hektar großen Landschaftspark. Ursprünglich war der Garten im barocken Sinne streng geometrisch gegliedert und mit zahlreichen Skulpturen ausgestattet. Zwischen 1822 und 1826 wurde die Anlage vom Gothaer Hofgärtner Johann Rudolph Eyserbeck umgestaltet und durch Elemente eines Landschaftsparks ergänzt. Eyserbeck behielt die Hauptachse des Gartens, ließ aber geschwungene Wege und einen unregelmäßigen Teich anlegen und einen Großteil der Figuren entfernen. Heute sind einige davon im Lapidarium ausgestellt. Vor dem Schloss trat eine als Pleasureground angelegte große Rasenfläche mit Blumenbeeten an die Stelle der ursprünglichen Parterrebeete.
Sie wurde zerstört, zweckentfremdet und ihrer Würde beraubt – die Klosterkirche St. Peter und Paul. Nach der Säkularisation wandelten sie preußische Truppen 1820 in ein Proviantlager um. In jüngster Zeit erhielt das ehemalige Gotteshaus etwas von seiner einstigen Würde zurück, indem die Lagerböden teilweise entfernt wurden. Erbaut wurde die Kirche vor rund 900 Jahren auf der damals höchsten Erhebung innerhalb der Erfurter Stadtmauern, dem Petersberg. Die Pfeilerbasilika des einstigen Benediktinerklosters folgte dem Vorbild der Hirsauer Schule. Im Inneren haben sich einige der ältesten Wandmalereien in Thüringen erhalten.
Gärten in der Klosterkirche
Wo einst Mönche wandelten, hat die Thüringer Gartenkunst Einzug gehalten. Die Ausstellung "Paradiesgärten - Gartenparadiese" bietet einen Streifzug durch die historischen Parks und Gärten der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Auch Einblicke in das Peterskloster selbst und die klösterliche Gartenkultur bietet die stimmungsvolle Schau.
Ein „das innerste Gefühl erschütternder Anblick“. So beschrieb es Constantin Beyer in seiner 1821 erschienen Stadtchronik. Was den Schreiber so aus der Fassung brachte, war die ausgebrannte Klosterkirche St. Peter und Paul. Ende 1813, inmitten der Befreiungskriege, war sie zwischen die Fronten geraten. Französische Truppen hatten sich in der Zitadelle auf dem Petersberg verschanzt. Die Festungsanlage war rund 150 Jahre zuvor errichtet worden und schloss das Kloster komplett ein. Eine verhängnisvolle Lage, wie sich zeigen sollte. Denn die Preußen eröffneten das Feuer. Sie konnten die Franzosen schlussendlich zwar vertreiben, fügten der Kirche aber schwere Schäden zu. Ein Wiederaufbau kam für die neuen Landesherren nicht in Frage, stattdessen machten sie aus dem Gotteshaus ab 1820 ein Proviantlager für das preußische Militär. Dazu wurden die Reste der Türme abgebrochen, der Obergaden mit den Fenstern abgetragen, drei Lagerebenen eingezogen und ein Satteldach aufgesetzt.
Auf den Spuren zwischen Hirsau und Barbarossa
Um das Jahr 1060 war das Benediktinerkloster vom Mainzer Erzbischof gegründet worden. Ab 1127 folgte der Neubau der Klosterkirche nach Hirsauer Vorbild. Dieser monastischen Reformbewegung folgend wurde die Kirche als flach gedeckte Pfeilerbasilika errichtet – mit einer abgetrennten Laienkirche, einem „chorus minor“ für die Ordensbrüder mit niederen Weihen und einem separaten Bereich für die Patres, die Priestermönche. Der Hirsauer Tradition entsprechend verzichtete man auf eine Krypta. Mit einer Länge von 75 Metern gilt die Klosterkirche als erster Großbau der Hirsauer Schule auf thüringischem Boden. Das Peterskloster nahm im Früh- und Hochmittelalter eine führende Rolle unter den Thüringer Klöstern ein. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts fanden dort mehrere Synoden sowie Reichs- und Hoftage der deutschen Kaiser und Könige statt. Im Jahr 1181 kam es hier auch zum Showdown zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen. Der aufständische Herzog musste sich auf dem Hoftag in Erfurt dem staufischen Kaiser unterwerfen.
Versteckte Kostbarkeiten
Trotz ihrer Zerstörung und Zweckentfremdung ist die Kirche noch immer ein bemerkenswertes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. So besteht das Mauerwerk aus ungewöhnlich großformatigen Quadern, die zum Teil eine Länge von zwei Metern erreichen. An der südlichen Außenwand des Querhauses ist zudem eine Ritzzeichnung erhalten. Sie entstand wohl um das 1360 und zeigt einen sogenannten Schmerzensmann. Unter den Farbschichten der Frühen Neuzeit haben im Kircheninneren Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts überdauert, darunter eine Kreuzigungsszene sowie zwei überlebensgroße Heiligenfiguren. Indizien lassen darauf schließen, dass es sich um die Apostel Andreas und Johannes handelt. Die Darstellungen zählen zu den ältesten erhaltenen Wandmalereien in Thüringen.