Die Gartenkultur besaß einen hohen Stellenwert und die Fürsten selbst widmeten sich dieser Kunst. So auch Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt, von dem sogar Entwurfszeichnungen des Terrassengartens von Schloss Heidecksburg überliefert sind. Der Schlosshof wird auch als Obere Terrasse bezeichnet und im Osten durch eine Balustrade begrenzt. Von hier können die beiden Gartenterrassen überblickt werden und zugleich eröffnet sich ein Panorama auf die umliegenden Höhenzüge. Die Mittlere Gartenterrasse mit Kanonenhaus und die Untere Gartenterrasse (ehemaliger Schlossgarten) mit Schallhaus sind jeweils über zweiläufige Rampen- und Treppenanlage zu erreichen.
Thüringer Landesmuseum Heidecksburg Rococo en Miniature, Schlossräume, Naturhistorisches Museum
Di – So 10 – 17 Uhr
Park/Garten
ganzjährig, bis Einbruch der Dunkelheit
Das Schallhaus auf der unteren Terrasse
Das Gebäude stellt in seiner Doppelfunktion als Gartenpavillon und Klangkörper eine Rarität dar. Ursprünglich war es im 17. Jahrhundert als Gartenhaus am Schnittpunkt der Wegeachsen der unteren Schlossterrasse errichtet worden, wodurch es eine zentrale Funktion in der Gartenanlage innehatte. Unter der Schieferkuppel des achteckigen Pavillons verbirgt sich ein Schallsaal, der letzte erhaltene seiner Art in Thüringen. Über eine Öffnung ist der gewölbte Raum mit dem ebenerdigen Gartensaal verbunden. Oben spielten die Musiker, unten lauschte einst die höfische Gesellschaft. Zur Zeit des Barock waren Schallsäle verbreitet. Sie boten dem Hofstaat Möglichkeit Musik zu hören, ohne die Musiker zu sehen. Der Schallsaal stammt aus der Zeit um 1730, als man das schon einige Jahrzehnte bestehende Gebäude umbaute. Um 1800 erfolgten dann im Zuge der Umgestaltung des Gartens zu einem Landschaftspark nochmals Veränderungen am Gebäude im Sinne einer klassizistischen Neugestaltung aus einem Guss.
Die ockrige Farbfassung der Außenfassaden geht auf Befunde des frühen 19. Jahrhunderts zurück. Seit Sommer 2020 und Vollendung der Sanierung als auch Restaurierung ist das Gebäude wieder vollständig erlebbar.
Auf der mittleren Terrasse befand sich ein ehemaliger Reitplatz.
Hoch über Rudolstadt erhebt sich die Heidecksburg, die einstige Residenz der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Rokoko en miniature et en gros – so könnte das Motto für das imposante Schloss lauten. Rokoko im Großen ist unter anderem in den einzigartigen Prunkräumen zu bestaunen, Rokoko im Kleinen präsentiert dagegen die Ausstellung in der ehemaligen Hofküche. Dort lassen Miniaturbauten die Fantasiewelt der Königreiche Dyonien und Pelarien aufleben. Das Schloss beherbergt das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg und das Staatsarchiv Rudolstadt. Außerdem hat hier die Stiftung Thüringen Schlösser und Gärten ihren Sitz.
Schillers heimliche Geliebte / Kunst und Kultur
„Diese Gegend wird Ihnen lieb sein, mir brachte sie gestern einen Eindruck von Ruhe in der Seele, der mir innig wohltat.“ Mit diesen Worten versuchte Charlotte von Lengefeld einen gewissen Herrn Schiller nach Rudolstadt zu locken. Immerhin war „Lollo“, wie Friedrich Schiller seine spätere Ehefrau nannte, in Rudolstadt geboren und aufgewachsen. Der Dichter kam tatsächlich – und schwärmte schon wenig später in einem Brief von der reizenden Aussicht auf die Stadt, „die sich am Fuße eines Berges herumschlingt, und von weitem schon durch das fürstliche Schloss, das auf die Spitze des Felsens gepflanzt ist, sehr vorteilhaft angekündigt wird.“ Die Aussicht auf das malerische Schloss, das sich rund 60 Meter über der Stadt erhebt, ist bis heute unverstellt zu genießen. Aber nicht nur Schiller besuchte Rudolstadt. Auch andere berühmte Persönlichkeiten wie Goethe, die beiden Humboldts, „Teufelsgeiger“ Nicola Paganini oder der Komponist Franz Liszt weilten in der Residenzstadt Rudolstadt.
Dem Stand angemessen
Bereits ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entfaltete Rudolstadt eine bemerkenswerte Blüte. Vor allem der spätere Fürst Johann Friedrich (1721-1776) war ein großer Förderer der Wissenschaften, der Kunst und Musik. Das Schul- und Kirchenwesen erfuhren unter ihm wichtige Impulse, der Handel mit Wald- und Zierglas sowie die Fayence- und Porzellanmanufaktur erlebten ihren Höhepunkt. 1710 war das Haus Schwarzburg-Rudolstadt in den Reichsfürstenstand erhoben worden – ein standesgemäßes Residenzschloss war die Heidecksburg zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht. Das sollte sich ab 1735 ändern, nachdem ein verheerender Großbrand weite Teile der Anlage zerstört hatte. Der regierende Fürst nutzte die Gelegenheit und ließ die Heidecksburg zum Residenzschloss umbauen, wobei geschickt die alten Bauteile miteinbezogen wurden. Mit dem Schlossbau wurde zunächst der sächsische Oberbaumeister Christoph Knöffel (1686-1752) beauftragt. Doch Finanzprobleme und bereits während der Bauarbeiten auftretende Schäden, führten zu dessen Ablösung. An seine Stelle trat daraufhin der im benachbarten Weimar tätige Gottfried Heinrich Krohne (1703-1756). Auf sein Konto gehen der rund 40 Meter hohe barocke Schlossturm sowie der vielbewunderte, zwölf Meter hohe Rokokosaal – einer der bemerkenswertesten Rokokosäle Deutschlands. Die erlesene Ausstattung des Saales übernahmen namhafte Stuckateure, Bildhauer und Maler. Sie machten den Saal auf diese Weise zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk.
Raritäten im Schlossgarten
Östlich des Schlosshofs befinden sich zwei Gartenterrassen, die durch doppelläufige Treppen mit Aufgängen für die Pferde verbunden sind. Das ab 1610 errichtete Reithaus wurde in den vergangenen Jahren saniert und ist heute beliebter Veranstaltungsort. Der Schlossgarten auf der untersten Terrasse war einst im barocken Stil angelegt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde er in einen sentimental-romantischen Landschaftsgarten umgewandelt. Eine besondere Rarität ist das barocke und später ebenfalls umgestaltete Schallhaus mit einem der wenigen erhaltenen Schallsäle.
Epochen und Meilensteine der Geschichte – von der Monarchie bis zu den Anfängen der Demokratie und dem Nationalsozialismus – prägen Schloss Schwarzburg bis heute. Dies macht die Schlossanlage zu einem Denkort der deutschen Geschichte. Sie war Stammsitz eines der ältesten Adelsgeschlechter in Thüringen, das sich neben den dominierenden Ernestinern behaupten konnte und bis 1918 zwei eigene Fürstentümer regierte. Spätestens in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als mittelalterliche Burg errichtet, wurde die Anlage im 17. Jahrhundert zur Festung ausgebaut.
Im Zusammenhang mit der Erhebung der Schwarzburger vom Grafen- in den Reichsfürstenstand 1710 wurde der als Jagdschloss und Sommersitz genutzte Stammsitz zum dynastischen Repräsentationsort.
Nach dem Ende der Monarchie erhielt das letzte Fürstenpaar Wohnrecht auf Schloss Schwarzburg, während der erste Reichspräsident Friedrich Ebert 1919 in Sichtweite zum Schloss mit der Weimarer Verfassung die erste deutsche demokratische Verfassung unterzeichnete. 1940 begannen die Nationalsozialisten mit einem Umbau der Schlossanlage zum Reichsgästehaus, der zwei Jahre später eingestellt wurde. Das Schloss-Hauptgebäude blieb über 70 Jahre Bauruine, bis 2021 die ersten beiden Räume wieder eröffnet werden konnten. Im Tor- und Zeughaus empfangen die Fürstlichen Erlebniswelten Besucherinnen und Besucher.
Schloss Schwarzburg
Auf einem Bergsporn über dem Schwarzatal erhebt sich Schloss Schwarzburg. Den gleichnamigen Grafen diente die Höhenburg über Jahrhunderte als Stammsitz. In den Blickpunkt des Weltinteresses rückte es 1919, als Friedrich Ebert in unmittelbrer Nachbarschaft die Weimarer Verfassung unterzeichnete. Das Schloss durchlebte wechselvolle Zeiten. Unter den Nationalsozialisten sollte es in ein „Reichsgästeheim“ umgewandelt werden. Dafür wurde es stark zerstört. Seit 2009 laufen umfangreiche Arbeiten, um das Schloss für Besucher wieder zugänglich zu machen. Ein wichtiger Meilenstein war die Wiedereröffnung des Zeughauses mit der einzigartigen Prunkwaffensammlung.
Der Legionär und sein Speer
Sie gehören zu den ältesten und mächtigsten Dynastien Thüringens – die Grafen und Fürsten von Schwarzburg. Warum sie ihren Stammsitz ausgerechnet im Tal der Schwarza errichteten, erfährt man in ihrer Gründungslegende. Diese ist in einem Deckengemälde im Kaisersaal von Schloss Schwarzburg festgehalten. Zu sehen ist ein römischer Legionär, der seinen hölzernen Speer in den Boden stößt. Aus dem scheinbar toten Stück Holz treiben jedoch Blätter und Zweige hervor. Für den Legionär ist klar, an dieser Stelle will er sich niederlassen. Und so soll sie ihren Anfang gefunden haben, die Geschichte der Schwarzburger. 1071 wurde die Höhenburg erstmals urkundlich erwähnt. 1453 berichten Quellen von einer aufwendigen Anlage, bestehend aus mehreren Kemenaten, einem Hospital, einer Kapelle und verschiedenen Türmen. Allerdings verlor sie bereits in jener Zeit an Bedeutung, da Arnstadt, Rudolstadt und Sondershausen zu Residenzstädten der Schwarzburger aufgestiegen waren. Dass diese ihren Stammsitz aber nie vollends aufgaben, hat auch mit der Erhebung der Schwarzburg-Rudolstädter Grafen in den Reichsfürstenstand im Jahr 1710 zu tun. Fürst Ludwig Friedrich hatte Schwarzburg zum Ort seiner Erhebungszeremonie gewählt – und so wurde das Schloss wieder zum Mittelpunkt höfischer Repräsentation und Selbstdarstellung. Das als Orangerie geplante Gartenhaus wurde fertiggestellt und in einen Ehrentempel der fürstlichen Abstammung verwandelt. Das Ergebnis ist das heutige Kaisersaalgebäude. Die aufgesetzte, quadratische Laterne des Gebäudes taucht den darunterliegenden Saal in ein geradezu mystisches Licht. Die Magie des Raumes wird durch die lebensgroßen Darstellungen mittelalterlicher Kaiser und Könige noch verstärkt.
Ein Schloss mit bewegter Geschichte
1726 brach auf dem Schloss ein verheerendes Feuer aus. Das Kaisersaalgebäude blieb von den Flammen verschont, das Hauptgebäude wurde jedoch zerstört. Die Schwarzburger bauten ihren Stammsitz als Jagd- und Sommerschloss wieder auf – und bis zum Juni 1940 sollte es der Familie dienen. An den Tag des Auszugs erinnerte sich Anna Luise von Schwarzburg-Rudolstadt als „bösen Traum“. Nach den Plänen der Nationalsozialisten sollte das Barockschloss nun in ein „Reichsgästeheim“ umgebaut werden. Das Torhaus und die Kirche fielen dem Umbau zum Opfer, im Hauptgebäude wurden Decken, Wände, Stuckaturen und Malereien entfernt. 1942 kamen die Bauarbeiten kriegsbedingt zum Erliegen und das Schloss blieb stark zerstört zurück. Seit 2009 laufen umfangreiche Maßnahmen, um den Bestand zu sichern. Heute befinden sich im teilsanierten Schloss-Hauptgebäude zwei Veranstaltungsräume, die zum Lernen, Diskutieren und Nachdenken über Demokratie und Gesellschaft anregen sollen – als außerschulischer Lernort Schloss Schwarzburg und als Denkort der Demokratie für die demokratische Zivilgesellschaft. Im Rahmen der baulichen und restauratorischen Maßnahmen innerhalb der beiden Räume soll die wechselvolle Geschichte mit den Spuren der fürstlichen Schlossausstattung und den Zeugnissen der brachialen Zerstörungen der 1940er Jahre ablesbar und sichtbar bleiben.
Ein um 1744 entstandener Gartenplan wurde bei der vor Jahren unumgänglichen Neugestaltung des etwa 5000 Quadratmeter großen Gartens vor dem Kaisersaalgebäude berücksichtigt. Rasen und eine Fontäne, eine als Reminiszenz an die einstige Funktion angelegte Mini-Orangerie und ein „Baumsaal“ laden zum Verweilen und Flanieren ein.
Zeughaus
Das Zeughaus ist der älteste Bau der Anlage. Über die Jahrhunderte entstand hier eine der größten zeitlich zusammenhängenden höfischen Waffensammlungen Europas. Zeitweise wurde die Sammlung nach Schloss Heidecksburg ausgelagert. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten kann sie seit März 2018 wieder in ihrer Gesamtheit im Zeughaus besichtigt werden.