Epochen und Meilensteine der Geschichte – von der Monarchie bis zu den Anfängen der Demokratie und dem Nationalsozialismus – prägen Schloss Schwarzburg bis heute. Dies macht die Schlossanlage zu einem Denkort der deutschen Geschichte. Sie war Stammsitz eines der ältesten Adelsgeschlechter in Thüringen, das sich neben den dominierenden Ernestinern behaupten konnte und bis 1918 zwei eigene Fürstentümer regierte. Spätestens in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als mittelalterliche Burg errichtet, wurde die Anlage im 17. Jahrhundert zur Festung ausgebaut.
Im Zusammenhang mit der Erhebung der Schwarzburger vom Grafen- in den Reichsfürstenstand 1710 wurde der als Jagdschloss und Sommersitz genutzte Stammsitz zum dynastischen Repräsentationsort.
Nach dem Ende der Monarchie erhielt das letzte Fürstenpaar Wohnrecht auf Schloss Schwarzburg, während der erste Reichspräsident Friedrich Ebert 1919 in Sichtweite zum Schloss mit der Weimarer Verfassung die erste deutsche demokratische Verfassung unterzeichnete. 1940 begannen die Nationalsozialisten mit einem Umbau der Schlossanlage zum Reichsgästehaus, der zwei Jahre später eingestellt wurde. Das Schloss-Hauptgebäude blieb über 70 Jahre Bauruine, bis 2021 die ersten beiden Räume wieder eröffnet werden konnten. Im Tor- und Zeughaus empfangen die Fürstlichen Erlebniswelten Besucherinnen und Besucher.
Auf einen Blick
Adresse
Fürstliche Erlebniswelten Schloss Schwarzburg Zeughaus mit Waffensammlung und Kaisersaal Schloßstraße 1a
07427 Schwarzburg
T: 03 67 30 – 39 96 30 E-Mail Website
Förderverein
Förderverein Schloss Schwarzburg Denkort der Demokratie e.V. Website
Öffnungszeiten
Fürstliche Erlebniswelten Schloss Schwarzburg Zeughaus mit Waffensammlung und Kaisersaal April bis Oktober
Di – So 10 – 17 Uhr
November bis März
Di – So 11 – 17 Uhr
montags geschlossen, außer an Feiertagen
Park/Garten ganzjährig geöffnet
Schloss Schwarzburg
Auf einem Bergsporn über dem Schwarzatal erhebt sich Schloss Schwarzburg. Den gleichnamigen Grafen diente die Höhenburg über Jahrhunderte als Stammsitz. In den Blickpunkt des Weltinteresses rückte es 1919, als Friedrich Ebert in unmittelbrer Nachbarschaft die Weimarer Verfassung unterzeichnete. Das Schloss durchlebte wechselvolle Zeiten. Unter den Nationalsozialisten sollte es in ein „Reichsgästeheim“ umgewandelt werden. Dafür wurde es stark zerstört. Seit 2009 laufen umfangreiche Arbeiten, um das Schloss für Besucher wieder zugänglich zu machen. Ein wichtiger Meilenstein war die Wiedereröffnung des Zeughauses mit der einzigartigen Prunkwaffensammlung.
Der Legionär und sein Speer
Sie gehören zu den ältesten und mächtigsten Dynastien Thüringens – die Grafen und Fürsten von Schwarzburg. Warum sie ihren Stammsitz ausgerechnet im Tal der Schwarza errichteten, erfährt man in ihrer Gründungslegende. Diese ist in einem Deckengemälde im Kaisersaal von Schloss Schwarzburg festgehalten. Zu sehen ist ein römischer Legionär, der seinen hölzernen Speer in den Boden stößt. Aus dem scheinbar toten Stück Holz treiben jedoch Blätter und Zweige hervor. Für den Legionär ist klar, an dieser Stelle will er sich niederlassen. Und so soll sie ihren Anfang gefunden haben, die Geschichte der Schwarzburger. 1071 wurde die Höhenburg erstmals urkundlich erwähnt. 1453 berichten Quellen von einer aufwendigen Anlage, bestehend aus mehreren Kemenaten, einem Hospital, einer Kapelle und verschiedenen Türmen. Allerdings verlor sie bereits in jener Zeit an Bedeutung, da Arnstadt, Rudolstadt und Sondershausen zu Residenzstädten der Schwarzburger aufgestiegen waren. Dass diese ihren Stammsitz aber nie vollends aufgaben, hat auch mit der Erhebung der Schwarzburg-Rudolstädter Grafen in den Reichsfürstenstand im Jahr 1710 zu tun. Fürst Ludwig Friedrich hatte Schwarzburg zum Ort seiner Erhebungszeremonie gewählt – und so wurde das Schloss wieder zum Mittelpunkt höfischer Repräsentation und Selbstdarstellung. Das als Orangerie geplante Gartenhaus wurde fertiggestellt und in einen Ehrentempel der fürstlichen Abstammung verwandelt. Das Ergebnis ist das heutige Kaisersaalgebäude. Die aufgesetzte, quadratische Laterne des Gebäudes taucht den darunterliegenden Saal in ein geradezu mystisches Licht. Die Magie des Raumes wird durch die lebensgroßen Darstellungen mittelalterlicher Kaiser und Könige noch verstärkt.
Ein Schloss mit bewegter Geschichte
1726 brach auf dem Schloss ein verheerendes Feuer aus. Das Kaisersaalgebäude blieb von den Flammen verschont, das Hauptgebäude wurde jedoch zerstört. Die Schwarzburger bauten ihren Stammsitz als Jagd- und Sommerschloss wieder auf – und bis zum Juni 1940 sollte es der Familie dienen. An den Tag des Auszugs erinnerte sich Anna Luise von Schwarzburg-Rudolstadt als „bösen Traum“. Nach den Plänen der Nationalsozialisten sollte das Barockschloss nun in ein „Reichsgästeheim“ umgebaut werden. Das Torhaus und die Kirche fielen dem Umbau zum Opfer, im Hauptgebäude wurden Decken, Wände, Stuckaturen und Malereien entfernt. 1942 kamen die Bauarbeiten kriegsbedingt zum Erliegen und das Schloss blieb stark zerstört zurück. Seit 2009 laufen umfangreiche Maßnahmen, um den Bestand zu sichern. Heute befinden sich im teilsanierten Schloss-Hauptgebäude zwei Veranstaltungsräume, die zum Lernen, Diskutieren und Nachdenken über Demokratie und Gesellschaft anregen sollen – als außerschulischer Lernort Schloss Schwarzburg und als Denkort der Demokratie für die demokratische Zivilgesellschaft. Im Rahmen der baulichen und restauratorischen Maßnahmen innerhalb der beiden Räume soll die wechselvolle Geschichte mit den Spuren der fürstlichen Schlossausstattung und den Zeugnissen der brachialen Zerstörungen der 1940er Jahre ablesbar und sichtbar bleiben.
Ein um 1744 entstandener Gartenplan wurde bei der vor Jahren unumgänglichen Neugestaltung des etwa 5000 Quadratmeter großen Gartens vor dem Kaisersaalgebäude berücksichtigt. Rasen und eine Fontäne, eine als Reminiszenz an die einstige Funktion angelegte Mini-Orangerie und ein „Baumsaal“ laden zum Verweilen und Flanieren ein.
Zeughaus
Das Zeughaus ist der älteste Bau der Anlage. Über die Jahrhunderte entstand hier eine der größten zeitlich zusammenhängenden höfischen Waffensammlungen Europas. Zeitweise wurde die Sammlung nach Schloss Heidecksburg ausgelagert. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten kann sie seit März 2018 wieder in ihrer Gesamtheit im Zeughaus besichtigt werden.
Herrliche Ausblicke in das Saaletal bietet das über dem Städtchen Rudolstadt thronende Schloss Heidecksburg, von 1571 bis 1918 Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Der heutigen Schlossanlage mit zwei östlich vorgelagerten Terrassen gingen eine Burganlage und ein dreiflügeliges Renaissanceschloss voraus. Die St. Andreaskirche östlich des Schlossbergs war Residenzkirche und Grablege der Schwarzburg-Rudolstädter.
Nachdem ein Brand 1735 den Nord- und Westflügel des Schlosses weitgehend zerstört hatte, wurde unter Fürst Friedrich Anton zunächst mit der Neuerrichtung des Westflügels nach Plänen von Johann Christoph Knöffel begonnen. Die Innenausstattung entwarf Gottfried Heinrich Krohne. Besonderer Blickfang ist der 44 Meter hohe Schlossturm über dem Haupttreppenhaus. Heute beherbergt Schloss Heidecksburg das Thüringer Landesmuseum, das Landesarchivs Thüringen – Staatsarchiv Rudolstadt und ist zudem Hauptsitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.
Vor 40 Jahren, so vermerkte es Johann Wolfgang von Goethe 1817 in seinem Tagebuch, habe er „zu Wagen, Pferd und Fuß Thüringen kreuz und quer durchwandert“ und sei doch niemals zuvor in Paulinzella gewesen. Dabei war die Klosterruine im Rottenbachtal schon zu Goethes Zeiten ein lohnendes Ziel. Immerhin gehört Kloster Paulinzella zu den bedeutendsten romanischen Sakralbauten Mitteldeutschlands. Die Klosterkirche stammt aus dem 12. Jahrhundert ist aber nur noch als Ruine erhalten. Das frühere Amtshaus sowie das Jagdschloss der Grafen von Schwarzburg beherbergen ein Museum zur Kloster- und Forstgeschichte.
Geheimnisvolle Klostergründerin
Paulina war ihr Name und eine sächsische Adelige soll sie gewesen sein. Ansonsten ist über die Klostergründerin nicht allzu viel bekannt. Was man noch weiß, ist, dass sie als Witwe etwa 1102 mit mehreren Frauen in den Thüringer Wald zog, dort als Einsiedlerin lebte und wenig später das Doppelkloster Marienzelle gründete. Der männliche Teil des Konvents wurde mit Benediktinermönchen aus dem Kloster Hirsau besetzt, im weiblichen Teil lebte unter anderem die Adelige. 1106 bekam Paulina die päpstliche Genehmigung zur Klostergründung. Noch zu Paulinas Lebzeiten wurde mit dem Bau der Klosterkirche begonnen. Deren Fertigstellung erlebte sie jedoch nicht mehr, sie starb bereits 1107. Einige Jahre später sollten ihre Gebeine in der Klosterkirche beigesetzt werden. Ab diesem Zeitpunkt verdrängte der Name „Paulinzella“ den ursprünglichen Klosternamen Marienzelle. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Anlage schließlich nur noch als Mönchskloster betrieben.
In der Tradition der Hirsauer Schule
In ihrer Architektur folgte die einst imposante Klosterkirche den Vorgaben der Hirsauer Schule. So wurde die dreischiffige Säulenbasilika ohne Krypta errichtet, dafür aber mit einem „chorus maior“ für die Mönche mit den höheren Weihen und einem „chorus minor“ für die Laienbrüder. Von dem Gotteshaus ist heute zwar nur eine Ruine geblieben, diese ist aber nicht minder beeindruckend. Bemerkenswert ist insbesondere die Säulenreihe im früheren Langhaus mit den charakteristischen Würfelkapitellen. Nach einem Blitzeinschlag im Jahr 1600 brannte das Kloster komplett aus, die Kirche blieb als Ruine zurück, wurde teilweise eingerissen und sollte 1718 schließlich komplett niedergelegt werden. Soweit kam es glücklicherweise aber nicht. Stattdessen begann man sich Ende des 18. Jahrhunderts – im Zuge der aufkommenden Romantik – wieder für das mittelalterliche Baudenkmal zu interessieren. „Sie ist wahrlich schön und die schönste christliche Ruine von Architektur, die mir je vorgekommen ist. (…) Es fehlt einem (…) wirklich etwas Wesentliches, wenn man sie nicht gesehen hat“, schrieb Wilhelm von Humboldt im September 1810, nachdem er Kloster Paulinzella besucht hatte.
Vom Kloster zum Jagdschloss
Nach der Reformation wurde das Kloster aufgehoben und gelangte in den Besitz der Grafen von Schwarzburg. Diese wandelten die Anlage in eine Domäne um, richteten ein große Amtshaus ein und bauten eines der alten Klostergebäude in ein Jagdschloss um. Der zweigeschossige Renaissancebau ist das jüngste Gebäude auf dem früheren Klostergelände und zeichnet sich durch die zwei großen Zwerchhäuser mit Schweifgiebeln aus. Das älteste heute noch erhaltene Gebäude ist hingegen der sogenannte Zinsboden. Seine Ursprünge gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. In der Domänenzeit diente das Gebäude als Speicher für die namensgebenden Zinsabgaben. Im Jagdschloss finden Besucher heute ein Museum zur Kloster-, Jagd- und Forstgeschichte und im Amtshaus zum Thema „544 Jahre – erlebtes Holz“. Die Klosteranlage selbst ist das ganze Jahr über zu besichtigen. Zudem entsteht ein Lapidarium, in dem unter anderem Säulenfragmente und weitere originale Bauplastiken zu sehen sein werden.
Verwaltung
Schlossverwaltung Schloss Heidecksburg | Schloss Schwarzburg | Kloster Paulinzella Schloßbezirk 1 07407 Rudolstadt T: 0 36 72 - 44 72 10 Website