14 Jahre lang nannte er Schloss Molsdorf sein Zuhause. Aus einer Wasserburg hatte Graf Gustav Adolf von Gotter ein malerisch gelegenes barockes Lustschloss erstehen lassen. Doch die Verschwendungssucht des diplomatischen Aufsteigers machte den Traum zunichte und Gotter musste das Schloss verkaufen. Besucher können das Museum im Schloss mit seinen historischen Räumen und Sonderausstellungen im Rahmen einer Führung besichtigen. Der symmetrische Barockgarten aus Gotters Zeiten wurde später zu einem Landschaftspark umgeformt. Einige Skulpturen der ursprünglichen Ausstattung haben sich erhalten.
Auf einen Blick
Adresse
Schloss Molsdorf
Schlossplatz 6
99094 Erfurt E-Mail
Rund zehn Kilometer südwestlich von Erfurt befindet sich Schloss Molsdorf. Es ist eine kleine Besonderheit unter den Thüringer Schlössern, was vor allem an seinem illustren Bauherrn liegt. Denn Gustav Adolf von Gotter (1692 – 1762) hatte eine aufsehenerregende Karriere hingelegt. In Gotha geboren als Sohn einer bürgerlichen Familie, trat er in den Dienst Herzog Friedrichs II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, wurde außerordentlicher Gesandter in Wien, Hofrat und Geheimer Staatsrat. 1724 erhob ihn der Kaiser in den Adelsstand und ernannte ihn zum Freiherrn und Reichsgrafen. Zehn Jahre später krönte Graf Gotter seinen gesellschaftlichen Aufstieg mit dem Kauf von Schloss Molsdorf. Er verwandelte die einstige Wasserburg in ein barockes Lustschloss. Durch seine Kontakte zu den führenden Höfen seiner Zeit konnte er zur Umsetzung der Bauaufgabe bedeutende Künstler gewinnen, darunter den Weimarer Hofarchitekten Gottfried Heinrich Krohne und den Stuckateur Johann Baptist Pedrozzi.
„Es lebe die Freude“
Den prächtigen Festsaal im Obergeschoss ließ der Graf mit Eichenholz täfeln und mit 33 Gemälden ausstatten. Sie zeigen unter anderem zwei seiner Förderer, Friedrich den Großen und Prinz Eugen von Savoyen. Im Festsaal ist auch die Devise des Eremitenordens der fröhlichen Einsiedler „Vive la joie“ (Es lebe die Freude), dem Gotter angehörte, gleich mehrfach zu lesen. Denn Gotter war nicht nur ein gewiefter und hoch dekorierter Diplomat, sondern auch ein Lebemann, der einen verschwenderischen Lebensstil pflegte. Berühmt waren die Tafeln, bei denen der Hausherr seinen Gästen seltene, teils wunderliche Speisen anbot. So soll er unter anderem Schüsseln voller Ringe, Ketten und Uhren herumgereicht haben – und jeder Gast konnte ein Erinnerungsstück auswählen. Der prächtige Marmorsaal diente dem Grafen als Empfangsraum und bildete den Auftakt zu dessen Paraderäumen. Ein dortiges Gemälde zeigt Gotter im Jagdgewand. Nach 14 Jahren musste der Graf das Anwesen schließlich verkaufen. Es ging an Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg, der das Schloss in ein Kammergut umwandelte und den Wassergraben um das Schloss zuschütten ließ. Aus dem Jahr 1910 stammt das mondäne Marmorbad des Schlosses. Es ist eines der wenigen erhaltenen privaten Luxusbäder des frühen 20. Jahrhunderts. Es wurde von der damaligen Besitzerin, der Gräfin von Gneisenau, in Auftrag gegeben und mit grün geädertem Marmor gestaltet.
Der Park – Geschwungene Formen statt Geometrie
Umgeben ist Schloss Molsdorf von einem acht Hektar großen Landschaftspark. Ursprünglich war der Garten im barocken Sinne streng geometrisch gegliedert und mit zahlreichen Skulpturen ausgestattet. Zwischen 1822 und 1826 wurde die Anlage vom Gothaer Hofgärtner Johann Rudolph Eyserbeck umgestaltet und durch Elemente eines Landschaftsparks ergänzt. Eyserbeck behielt die Hauptachse des Gartens, ließ aber geschwungene Wege und einen unregelmäßigen Teich anlegen und einen Großteil der Figuren entfernen. Heute sind einige davon im Lapidarium ausgestellt. Vor dem Schloss trat eine als Pleasureground angelegte große Rasenfläche mit Blumenbeeten an die Stelle der ursprünglichen Parterrebeete.
Spuren barocker Gartenkunst sind auch im Schlosspark Molsdorf zu erleben. Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts der heutige Landschaftspark gestaltet wurde, blieb vieles von der aufwendigen Anlage erhalten, die in den 1730er Jahren entstanden war. Damals hatte der im Ruf eines Lebemanns stehende Gustav Adolf Graf von Gotter die Molsdorfer Wasserburg erworben und zu einem Lustschloss umbauen lassen. Ähnlich aufwendig wie Fassade und Innenräume ließ Gotter auch den Garten anlegen. Eine langgestreckte Achse mit Gartenparterres war umgeben von Kanälen und geschmückt mit zahllosen Skulpturen. Die Grundformen des Barockparterres wurden als symmetrische Rasenflächen in den Landschaftspark integriert, auch einige der Skulpturen blieben an Ort und Stelle und begegnen dem Flaneur an den Parkwegen.
Schlosspark Molsdorf
Der bereits Anfang des 18. Jahrhunderts entstandene barocke Schlossgarten erreichte unter Reichsgraf Gustav Adolf von Gotter um 1748 seinen gestalterischen Höhepunkt. Historische Pläne belegen die klassische Abfolge von zentral vor dem Schloss angeordneten Broderieparterres, gefolgt von Bosketträumen, die jeweils symmetrisch an der vom Schloss in die Landschaft reichenden Hauptachse angeordnet waren. Der Garten war mit Wasseranlagen und zahlreichen Gartenskulpturen ausgestattet. Nach Übernahme durch das Herzoghaus Sachsen-Gotha-Altenburg folgte Ende des 18. Jahrhunderts die landschaftliche Überformung. In deren Folge wurden die Kanäle verfüllt, die Fontänen und die Kaskade zerstört, einige Alleen und Hecken entfernt und viele der Skulpturen verkauft. Dafür entstanden malerische Baumgruppen, Rasenflächen und ein Teich mit geschwungener Uferlinie. Die Umgestaltung lag in den Händen von Rudolph Eyserbeck, Sohn des bekannten Wörlitzer Gärtners Johann Friedrich Eyserbecks, und seinem Nachfolger, dem Hofgärtner Friedrich Emil Wehmeyer. Der Schlossgarten Molsdorf ist ein eindrucksvolles Beispiel für eine harmonische Verbindung von architektonischer und landschaftlicher Gartenkunst in Thüringen.
Schloss Friedenstein ist eine der kunst- und kulturhistorisch bedeutendsten Schlossanlagen Thüringens. Nach Gründung des Herzogtums Sachsen-Gotha 1640 wurde es von 1643 bis 1656 unter Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha, genannt der Fromme, erbaut. Die weithin sichtbare schlichte Dreiflügelanlage von Schloss Friedenstein wurde immer wieder umgebaut und neu ausgestattet. Sie beherbergt Raumkunstwerke vom Barock bis zum Historismus.
Östlich, südlich und westlich des Schlosses erstreckt sich ein weitläufiger Park. Die beiden wichtigsten Bereiche der Anlage, der Orangeriegarten und der Englische Garten, gehen auf das 18. Jahrhundert zurück.
Im Schloss ist die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha mit dem Schlossmuseum, dem Museum der Natur, dem Historischen Museum und dem Ekhof-Theater untergebracht, hinzu kommt die Forschungsbibliothek Gotha.
Hör mal im Garten - Audioguide von Kindern für Kinder
Kinderaugen sehen anders – auch den Herzoglichen Park Gotha. Nun kann man sich den Garten aus ihrer Perspektive erklären lassen. Im Projekt „Hör mal im Garten“ erstellt eine Schülergruppe der Arnoldischule Gotha einen Audioguide für Kinder. Förderer und Projektpartner der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sind die Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Thüringer Landesmedienanstalt. Der Audioguide vermittelt die großen und kleinen Pflanzen, die Geschichten und Besonderheiten des Herzoglichen Parks und der Herzoglichen Orangerie kindgerecht.
Mit Unterstützung der Kooperationspartner planten die Schüler den Produktionsprozess und setzten ihn um. Von der Themenauswahl und der Textproduktion über die Anlage des Konzepts bis hin zur Aufnahme der Tonspuren und Geräusche waren die Schüler tonangebend und verantwortlich.
Das Projekt »Hör mal« ist eine Kooperation zwischen Thüringer Museen, Schulen, der Sparkassen- Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM). In vielen Orten Thüringens produzieren Kinder und Jugendliche in einem Museum ihrer Stadt Audioguides für Kinder. Dabei sollen im Unterricht erlernte Themen vertieft und das erworbene Wissen bei den Schülern gefestigt werden.
Der Lernort Schule wird erweitert und das Museum als Ort der Wissensvermittlung etabliert. Die Bindung der Schüler an ihren Heimatort wird durch dieses Projekt intensiviert.