Das barocke Schloss Friedenstein ist das eindrucksvolle Zeugnis der Kunst des neubegründeten Herzogtums Sachsen-Gotha. Herzog Ernst I. von Sachen-Gotha ließ es erbauen. Sein tief religiöses Verständnis spiegelt sich nicht nur in seinem Beinamen „der Fromme“ wider, sondern auch im Schlossnamen selbst. „Friede Ernehret, Unfriede Verzehret“, so kann man es am Hauptportal lesen. Das Schloss beherbergt heute Schlossmuseum mit Kunstkammer, Museum der Natur und Historisches Museum sowie das barocke Ekhof-Theater und die Schlosskirche.
Auf einen Blick
Adresse
Schlossmuseum mit Kunstkammer, Museum der Natur und Historisches Museum, Herzogliches Museum
Schlossplatz 1 | Schloss Friedenstein
99867 Gotha Website
Fördervereine
Freundeskreis Kunstsammlungen Schloss Friedenstein Gotha e.V Website
Schlossmuseum mit Kunstkammer, Museum der Natur und Historisches Museum, Herzogliches Museum
Montag und Dienstag geschlossen (ausgenommen Feiertage)
Mittwoch bis Sonntag geöffnet
November bis März 10 – 16 Uhr
April bis Oktober 10 – 17 Uhr
24.12. und 31.12. geschlossen
Park/Garten
Parkanlagen frei zugänglich
Schlosskirche im Rahmen von Gottesdiensten und Veranstaltungen
Kasematten tägliche Führungen
Ein religiöser Herrscher mit Weitsicht
Das verwüstete Land wiederaufzubauen, darin sah Herzog Ernst I. seine Lebensaufgabe. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte verheerende Spuren hinterlassen, Städte und Dörfer zerstört und ganze Landstriche entvölkert. Unter diesen Voraussetzungen musste Ernst I. von Sachsen-Gotha (1601-1675) sein junges Herzogtum aufbauen. Allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es ihm, ein geradezu vorbildhaftes Staatswesen zu etablieren. Vor allem kirchliche und pädagogische Aufgaben lagen dem Regenten am Herzen. Hinter allem, was Ernst I. tat, stand eine tiefe religiöse Überzeugung, die nicht in der Theorie verharrte, sondern auf praktisches Handeln ausgerichtet war, was ihm den Beinamen „Ernst der Fromme“ einbrachte.
Friede Ernehret – Unfriede Verzehret
Ernst I. mit dem Beinamen „der Fromme“ war es auch, der den Bau von Schloss Friedenstein in Auftrag gab. Es sollte die damals bereits zerstörte Festung Grimmenstein ersetzten. Der Grundstein für das neue Schloss wurde im Herbst 1643 gelegt, kaum drei Jahre später konnten der Herzog und seine Familie bereits den Nordflügel beziehen. Bis 1656 war schließlich die komplette Anlage fertiggestellt, wobei sich die Erstausstattung noch weitere zehn Jahre hinziehen sollte. Bedeutende Künstler und gerühmte Handwerker hinterließen dabei in Gotha ihre Spuren. Sie sorgten dafür, dass Schloss Friedenstein zu den herausragenden Architekturen des 17. Jahrhunderts zählen sollte. Kaum ein anderer Fürst verfügte in jener Zeit über eine vergleichbare Residenz. Der symbolträchtige Schlossname wird dabei sowohl in der Widmungsinschrift über dem Hauptportal thematisiert als auch in der darüber angebrachten Reliefkartusche, die den „Friedenskuss“ zeigt. Der umlaufende Spruch spiegelt das Verständnis des Bauherrn wider – „Friede Ernehret – Unfriede Verzehret“.
Im Inneren des Schlosses haben sich Räume aus Barock, Rokoko, Klassizismus und Historismus erhalten. Heute befinden sich hier das Schlossmuseum, mit dem reich stuckierten Festsaal und den herzoglichen Appartements, sowie der Kunstkammer, das Museum der Natur und Historisches Museum. Die einmaligen Kunstsammlungen können im Herzoglichen Museum gegenüber besichtigt werden. Im Westturm befindet sich das Ekhof-Theater – ein Barocktheater, das den Namen Conrad Ekhofs (1720-1778) trägt. Er galt als „Vater der deutschen Schauspielkunst“ und Leiter eines der ersten durchgängig bespielten Theaters mit festangestellten Schauspielern. Aufgrund seiner originalen hölzernen Bühnentechnik gilt das Theater als eines der am vollständigsten erhaltenen des 17. Jahrhunderts und wird bis heute bespielt.
Englisches Flair in Gotha
Die bedeutendsten Gartenschöpfungen in Gotha sind der ab 1747 entstandene Orangeriegarten sowie der Englische Garten. Von einer Reise auf die britische Insel inspiriert, ließ Herzog Ernst II. einen Garten nach englischem Vorbild anlegen. Er gilt als der erste seiner Art auf dem Kontinent, der von einem englischen Hofgärtner angelegt wurde und nahezu unverändert geblieben ist. Im Zentrum des Parks befindet sich ein langgezogener See samt einer Insel, auf der Ernst II. Ludwig, Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg und seine Familie bestattet sind.
Der Orangeriegarten dagegen wurde meisterhaft in den Boden vertieft und bekam auf diese Weise die Anmutung eines Amphitheaters mit Blick zum Schloss Friedrichsthal. Flankiert wird der Garten von zwei Orangeriegebäuden sowie im Norden von einem Treibhaus. Das südliche Pendant wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Die Park- und Gartenanlagen rund um Schloss Friedenstein sind ein Zeugnis verschiedener Epochen der Gartenkunst und in dieser Komplexität einmalig in Thüringen. Gleich zwei Besonderheiten birgt der Herzogliche Park in Gotha – einen späten Barockgarten und einen der frühesten Landschaftsparks nach englischem Vorbild.
Der Englische Garten
Eine neue Qualität erlangten die zum Schloss gehörenden Gärten unter der Regierung von Fürst Ernst II., der sein Amt 1772 antrat. Nur 20 Jahre nach der kostspieligen Anlage noch ganz vom Gartenverständnis des Barock geprägten Gartenareals hielt in Gotha bereits eine neue Epoche Einzug. Der Englische Garten südlich des Schlossbergs gilt neben Wörlitz als frühester Landschaftspark auf dem europäischen Festland. Diese Sensation ist der fortschrittlichen Gesinnung Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg zu verdanken, der mit John Haverfield aus Kew Gardens einen Gartenkünstler direkt aus dem Mutterland der Landschaftsgartenkunst nach Gotha holte. Nach dessen Plänen entstand ein Park mit geschwungenen Wegen, wechselnden lebendigen Landschaftsbildern und einem See, der sich nie ganz überschauen lässt.
Im 19. Jahrhundert wurde das ganze Schlossareal weiträumig gestaltet, die einzelnen Anlagen wuchsen zum Herzoglichen Park zusammen. Auf der Fläche des einstigen Küchengartens wurde 1864 das Naturkundemuseum erbaut. Die erst im 20. Jahrhundert angelegten Flächen nördlich und südlich vor den Auffahrten zum Schloss wurden mehrfach umgestaltet.
Orangerieparterre mit Orangenhaus und Lorbeerhaus
Eine der ältesten noch erhaltenen Gartenanlagen von Schloss Friedenstein ist der ab 1747 östlich vom Schloss entstandene Orangeriegarten. Das Orangerieparterre am östlichen Schlossberg von Schloss Friedenstein wurde 1749 angelegt, streng symmetrisch und in regelmäßigen Formen, flankiert von Treibhäusern und repräsentativen Bauten zur Überwinterung der exotischen Pflanzen. Im Sommer standen die unzähligen wertvollen Kübelpflanzen, darunter verschiedene Zitrussorten und die in Gotha mit besonderer Hingabe gezüchtete Ananas, im Gartenparterre aufgereiht wie in einem Amphitheater.
Garten
Die Festungsanlagen wurden ab 1772 zum großen Teil abgetragen, was auch Platzgewinn für das Anlegen von Gartenanlagen bedeutete. Der erste verbürgte Garten war der sogenannte Schlosswallgarten vor der Ostseite des Schlosses. Er verschwand vermutlich mit der Entfestigung im Jahr 1772. Eine der ältesten noch erhaltenen Gartenanlagen von Schloss Friedenstein ist der ab 1747 östlich vom Schloss entstandene Orangeriegarten. Eine neue Qualität erlangten die zum Schloss gehörenden Gärten unter der Regierung von Fürst Ernst II., der sein Amt 1772 antrat. Von einer Englandreise reichlich mit Anregungen ausgestattet, ließ er einen Englischen Garten anlegen, dessen Zentrum ein langgezogener Teich ist. Auf der Fläche des einstigen Küchengartens wurde 1864 das Naturkundemuseum erbaut. Die erst im 20. Jahrhundert angelegten Flächen nördlich und südlich vor den Auffahrten zum Schloss wurden mehrfach umgestaltet. Die Park- und Gartenanlagen rund um Schloss Friedenstein sind ein Zeugnis verschiedener Epochen der Gartenkunst und in dieser Komplexität einmalig in Thüringen.
In einer Senke der Gera südwestlich von Erfurt liegt Schloss Molsdorf. Hier gab es spätestens im 16. Jahrhundert eine der wenigen Wasserburgen Thüringens als Vorgängerbau des heutigen Schlosses. Der aus bürgerlichem Stand zum Reichsgrafen aufgestiegene Diplomat Gustav Adolf von Gotter (1692 – 1762) kaufte Schloss Molsdorf 1734 als repräsentativen Landsitz. Er ließ die alte Schlossanlage in einen rechteckigen Vierflügelbau mit repräsentativer Südfassade umbauen.
Abgesehen von geringen Umgestaltungen unter der Gräfin von Gneisenau Anfang des 20. Jahrhunderts blieb es nahezu unverändert erhalten. Der barocke Garten hingegen wurde von 1789 bis 1825 nach den Prinzipien des frühen Landschaftsgartens umgestaltet. Heute beherbergt Schloss Molsdorf das Schlossmuseum sowie den Nachlass des Thüringer Malers und Grafikers Otto Knöpfer (1911 – 1993) und eine umfangreiche Erotika- Sammlung.