Umgeben malerischen Bergen und Wäldern im Weimarer Land, weithin sichtbar – liegt das Oberschloss Kranichfeld. Es thront auf einem Bergsporn über der Zwei-Burgen-Stadt Kranichfeld. Auf den ersten Blick sieht das Renaissanceschloss vollkommen intakt aus. Doch von der Hauptburg haben sich nur die Außenmauern erhalten. Das Innere wurde 1934 bei einem Brand zerstört. Der Ausstellungsrundgang führt Besucher von der Vorburg u.a. zum Palas, den „Dicken Turm“, der Kapelle und den Keller. Eine Kuriosität des Schlosses ist der sogenannte „Leckarsch“ an einem Erker.
Auf dem Oberschloss Kranichfeld hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) eine neue Dauerausstellung eröffnet. Die multimediale Ausstellung gibt Einblicke in rund 900 Jahre Burg- und Schlossgeschichte, deren Spuren bis heute am Denkmal ablesbar sind und den Schwerpunkt der Ausstellung bilden. Die Ausstellung im Innen- und Außenbereich der Anlage beleuchtet die Schlossgeschichte mit all ihren Facetten von der Errichtung als mittelalterliche Burg bis in die jüngste Vergangenheit.
Alle waren sie hier – die Herren des Hauses Reuß, die Grafen von Schwarzburg, genauso wie die Wettiner. All jene Adelsgeschlechter, die in der frühen Neuzeit eine entscheidende Rolle in der Geschichte Thüringens spielten, haben das Oberschloss Kranichfeld einmal besessen. Den Namen „Oberschloss“ trägt die Anlage deshalb, um sie vom später errichteten, tiefer gelegenen Unterschloss zu unterscheiden. In den 1560er Jahren wurde das Schloss zum Schauplatz eines „Nachbarschaftsstreits“. Damals teilten sich zwei Linien der Reußen die Anlage. Im östlichen Teil residierte der „ältere Herr“, im westlichen der „jüngere Herr“. Zum Streit kam es, nachdem der „ältere Herr“ einen neuen Trakt (heute Teil der Ruine) hatte errichten lassen. Woraufhin sich der Jüngere beschwerte, der Bau habe ihm das Licht genommen. Über das Dach könne man nun gar bequem in die „besten Stuben“ steigen und die Gespräche belauschen. Zudem sei ein Seitenfenster zu einem Gewölbe verbaut, „darinne die heimlichsten Sachen verwehrt liegen“.
In dieser Phase erhielt das Schloss sein heutiges, noch weitgehend erhaltenes Aussehen. Architekturhistorisch zeigt der Bau die Entwicklung von einer Burg hin zum Schloss. Der Großteil des Mauerwerks geht noch auf das 12. Jahrhundert zurück. Aus dieser Epoche stammen die Kapelle und der Palas, die im heutigen Ausstellungsbereich liegen. Der sogenannte „Dicke Turm“ geht ebenfalls auf das 12. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1999 startete die „Aktion 101 Stufen“. Mithilfe der Spendenaktion konnte später im mächtigen Bergfried eine Treppenanlage installiert werden, 2011 bekam der Turm eine Kuppel und eine begehbare Aussichtplattform. Heute kann man vom Turm den Ausblick über das Ilmtal genießen.
An einem Erker an der Südwestecke der Anlage befindet sich die besondere Kuriosität des Schlosses – der sogenannte „Leckarsch“. Die steinerne Figur streckt dem Betrachter das entblößte Hinterteil entgegen, hinzu kommt die Umschrift „Leck mich im Mars“. Dem kommt die Figur wörtlich nach, sie leckt ihr eignes Geschlechtsteil. Was heute kurios oder obszön wirkt, war im 16. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches. Nachdem die Reußen das Schloss 1577 verpfänden mussten, wechselte Kranichfeld mehrmals die Besitzer. Unter den Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt wurde vor allem die Vorburg ausgebaut.
Wechselvolle Geschichte
1934 brannte die Anlage schließlich komplett aus. Kurz darauf erwarb die von Heinrich Himmler gegründete „Gesellschaft zur Förderung und Pflege deutscher Kulturdenkmale e.V.“ die Ruine. Man plante, dort eine SS-Führerschule einzurichten. Für den Wiederaufbau des Schlosses zog man Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Buchenwald heran. Ab 1981 nahmen sich engagierte Bürger der Anlage an und gründeten einen Förderverein. Neben einer Ausstellung und Informationstafeln im Gelände zur Geschichte der Anlage hat sich das Oberschloss zu einer festen Größe im kulturellen Leben der Stadt und der Region entwickelt.
Zwischen Weimar und Rudolstadt, oberhalb der kleinen Gemeinde Ehrenstein, erhebt sich die eindrucksvolle gleichnamige Burgruine. Einst residierten auf dem Berg die Grafen von Schwarzburg. Nach diversen Besitzerwechseln wurde die Burg Ende des 17. Jahrhunderts aufgegeben. Bemerkenswert sind die kompakte Bauform der Anlage sowie die abgerundeten Ecken. Schon von weitem kann man den 25 Meter hohen, viereckigen Bergfried erblicken.
Mit königlichen Ehren
Als „hus zcu dem erinstein“ – so wird die Burg Ehrenstein in ihrer ältesten Nennung aus dem Jahr 1346 bezeichnet. Die Burg gehörte damals den Grafen von Schwarzburg, erbaut wurde sie vermutlich von Günther XXI. (1301–1349). Dieser ging in die Geschichtsbücher ein, als er sich als Kandidat der Wittelsbacher für die Nachfolge Ludwigs des Bayern aufstellen ließ.
Am 30. Januar 1349 wurde Günther in der Reichsstadt Frankfurt tatsächlich zum deutschen König gewählt. Damit wurde er zum Gegenspieler Karls IV., dessen Wahl von den Wittelsbachern nicht anerkannt worden war. Am Ende konnte Karl IV. den Machtkampf für sich entscheiden. Diplomatisches Geschick, militärische Überlegenheit und eine tödliche Erkrankung führten schlussendlich zu Günthers Verzicht auf die Krone.
Obwohl sie Gegner waren, veranlasste Karl, dass der Verstorbene im Frankfurter Dom beigesetzt wird, mit allen königlichen Ehren.
Die Burg mit den runden Ecken
Als Bauherr hat Günther vermutlich nicht nur auf dem Ehrenstein seine Handschrift hinterlassen, sondern unter anderem wohl auch auf der Burg Liebenstein im Ilmkreis. Die beiden Anlagen entstanden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sie zeichnen sich durch ihre Schlichtheit in der Form sowie durch ihre Reduktion auf die wesentlichen Funktionsaspekte aus. Auffällig sind die kompakte Bauform sowie die abgerundeten Ecken, für die eigens Steine zugehauen wurden.
Die runden Ecken waren aber wohl weniger der Wehrhaftigkeit geschuldet, als vielmehr der Optik. Der älteste Teil der Burg Ehrenstein ist der Kernbereich. Er erhebt sich auf dem höchsten Punkt des Bergsporns und setzt sich aus einem Turm sowie dem dreigeschossigen, fast 30 Meter langen Wohnbau zusammen.
Dem Kernbereich gegenüber steht der Bergfried. Mit einer Höhe von etwa 25 Metern ist der markant viereckige Turm schon von weither sichtbar. Umgeben ist die Anlage von einem zwölf Meter breiten Halsgraben. Dieser künstlich angelegte Graben sollte die Burg vor Angreifern schützen.
Der Kreis schließt sich
Über mehrere Jahrhunderte befand sich der Ehrenstein im Besitz der Familie von Schwarzburg. Auf sie folgten die Grafen von Gleichen, die die Burg aber aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht dauerhaft halten konnten. Es folgten weitere Besitzerwechsel, bevor die Anlage 1610 schließlich wieder an die Schwarzburger ging. Damit schloss sich zwar der Kreis, doch die Burg befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits in einem desolaten Zustand.
Zeitweise wurde sie noch als Sitz für den Amtmann genutzt, doch der Niedergang konnte nicht aufgehalten werden, und so wurde die Anlage Ende des 17. Jahrhunderts schließlich aufgegeben und der Dachstuhl abgenommen. Damit war die Burg Ehrenstein offiziell zur Ruine geworden.
Herrliche Ausblicke in das Saaletal bietet das über dem Städtchen Rudolstadt thronende Schloss Heidecksburg, von 1571 bis 1918 Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Der heutigen Schlossanlage mit zwei östlich vorgelagerten Terrassen gingen eine Burganlage und ein dreiflügeliges Renaissanceschloss voraus. Die St. Andreaskirche östlich des Schlossbergs war Residenzkirche und Grablege der Schwarzburg-Rudolstädter.
Nachdem ein Brand 1735 den Nord- und Westflügel des Schlosses weitgehend zerstört hatte, wurde unter Fürst Friedrich Anton zunächst mit der Neuerrichtung des Westflügels nach Plänen von Johann Christoph Knöffel begonnen. Die Innenausstattung entwarf Gottfried Heinrich Krohne. Besonderer Blickfang ist der 44 Meter hohe Schlossturm über dem Haupttreppenhaus. Heute beherbergt Schloss Heidecksburg das Thüringer Landesmuseum, das Landesarchivs Thüringen – Staatsarchiv Rudolstadt und ist zudem Hauptsitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.