Schloss Mildenfurth in der Nähe von Weida ist eine Kuriosität unter den Thüringer Baudenkmälern. Ursprünglich wurde es im Jahr 1193 von Heinrich II. Vogt von Weida als Prämonstratenserkloster gegründet. Doch im 16. Jahrhundert wurde die dreischiffige Basilika des Klosters in ein Renaissanceschloss verwandelt. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Kunstspeicher mit Werken des bekannten Bildhauers Volkmar Kühn. Wer aus Richtung Wünschendorf kommt, kann auf seinem Weg Richtung Schloss zudem eine historische Holzbrücke überqueren.
Auf einen Blick
Adresse
Kloster und Schloss Mildenfurth
Am Kloster Mildenfurth 2
07980 Berga-Wünschendorf
T: +49173 – 340 99 85 E-Mail
Öffnungszeiten
auf Anfrage zu besichtigen
Beginn als Kloster
Dass es sich beim heutigen Schloss Mildenfurth einstmals um eine romanische Klosterkirche handelte, lässt sich nur noch an einigen wenigen Resten erkennen. Gegründet wurde das Kloster im Jahr 1193 durch Heinrich II. Vogt von Weida und dessen Frau Berta. Mildenfurth sollte ihnen als Hauskloster und Grablege dienen, nebenbei war es eines der wenigen Prämonstratenserklöster in Thüringen. Die ersten Mönche stammten aus dem Magdeburger Mutterkloster Unser Lieben Frauen. Das Konvent entwickelte sich zu einem geistlich-kulturellen Zentrum der Region. Durch Flößerei, Silberbergbau und Landwirtschaft gewann es wirtschaftlichen Einfluss und Reichtum.
Die dreischiffige Basilika wurde vermutlich zwischen 1200 und 1230 über einem kreuzförmigen Grundriss errichtet. Ihre Architektur spiegelte den Übergang von der Romanik zur Gotik wider. Die Bauplastik der spätromanischen Kirche stand in Beziehung zu den rheinischen Bauhütten, die unter anderem auch auf der Wartburg oder in Naumburg tätig waren. Nachdem die Vögte von Weida im 15. Jahrhundert zusehend an Einfluss verloren und obendrein in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, mussten sie ihre Stammherrschaft samt dem Kloster Mildenfurth an die Wettiner abtreten. 1529 wurde das Konvent aufgegeben und wenig später an Matthes von Wallenrod verkauft. Dieser ließ die Klosterkirche daraufhin in ein Renaissanceschloss umbauen.
Umbau zum Schloss
Matthes von Wallenrod kann entweder als Zerstörer der alten Klosterkirche gesehen werden, oder als Bauherr von etwas ganz Neuem. Wallenrod stand in kursächsischen Diensten, war Berater von Kurfürst Johann Friedrich I. dem Großmütigen (1503–1554) und Hauptmann der Veste Coburg – und so weist auch sein Schloss bauliche Bezüge nach Sachsen auf. Der neue Schlossherr ließ den westlichen Teil des Mittelschiffs und alle Seitenschiffe abtragen. Das Kirchenportal wurde teilweise abgebrochenen, das frühere Westportal zum Schlosstor umfunktioniert. Es entstand ein von Türmen markierter Zentralbau, dessen vier Flügel um die einstige Vierung der Klosterkirche angeordnet sind. Das Schloss wurde zudem von einer sechs Meter hohen Mauer umgeben, mit Schlüsselscharten, Wehrgang und runden Ecktürmen. Dass sich die Reste des mittelalterlichen Klosters mit dem Renaissanceschloss perfekt zusammenfügen, macht den besonderen Reiz von Mildenfurth aus.
Plastiken von Volkmar Kühn
Kloster und Schloss Mildenfurth bilden heute ein Ensemble mit dem benachbarten Künstlerhaus. 1968 ließ sich der Künstler Volkmar Kühn in einem früheren Wirtschaftsgebäude neben der zum Schloss umgebauten Klosterkirche nieder. Auf den Freiflächen und im Kellergewölbe des Schlosses präsentierte Kühn rund 30 Jahre lang seine plastischen Arbeiten aus gebranntem Ton und Bronze. Seit 2022 ist ein wichtiger Teil seines Werks im östlich gelegenen Kunstspeicher, einer ehemaligen Landwirtschaftshalle, versammelt, zusammen mit Werken von Marita Kühn-Leihbecher. Vor dem Westportal nimmt Kühns Bronzeplastik „Mildenfurther Kreuzmensch“ Bezug auf die sakralen Ursprünge des Areals.
Künstlerhaus: Am Kloster Mildenfurth 3 | 07570 Wünschendorf/Elster | T: 03 66 03 – 8 82 76
Auf einem zerklüfteten Felsmassiv über dem Orlatal erhebt sich die Burg Ranis. Schon von weitem kann man die Anlage über der gleichnamigen Stadt erblicken. Von Herzog Wilhelm III. von Sachsen erhielten die Brandensteiner, die Familie seiner zweiten Frau, Ranis als Lehen. Nach mehreren Besitzerwechseln verfiel die Anlage dann aber zusehends. Heute präsentiert sich Burg Ranis nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen wieder in altem Glanz und beherbergt unter anderem ein Museum. Zudem finden auf der Burg alljährlich die weit über die Region hinaus bekannten Thüringer Literatur- und Autorentage statt.
Seiner Gemalin zu Ehren
Für die eine endete die Geschichte tragisch, für die andere dagegen mit einem Happy End. Herzog Wilhelm III. von Sachsen war zunächst mit Anna von Österreich verheiratet, der Tochter des deutschen Königs. Doch die Ehe blieb ohne männlichen Erben und so setzte der unglücklich verheiratete Wilhelm seine Ehefrau gefangen. Nachdem Anna gestorben war, konnte er 1463 seine langjährige Mätresse Katharina von Brandenstein heiraten. Um diese nicht ganz standesgemäße Ehe zu stärken, schenkte Wilhelm der Familie seiner Braut 1465 das Lehen Burg Ranis. Wenn auch baulich tätig konnte die Familie Brandenstein die Burg aber nicht lange halten. Bereits 1571 musste sie die Anlage wegen Überschuldung an die Herren von Breitenbauch abtreten – und in deren Besitz sollte Burg Ranis bis 1942 dann auch bleiben. Die von Breitenbauchs, die ihren Namen später in Breitenbuch änderten, bauten die Burg weiter aus und modernisierten sie. Doch auch für die Breitenbuchs wurde die Anlage immer schwerer zu halten. Es kam zu einigen Abbrüchen und Rückbauten. Ab 1926 versuchten sie daher, ein Museum sowie eine Gastwirtschaft zu etablieren. Der Versuch scheiterte jedoch und so mussten sie die Burg 1942 schlussendlich verkaufen.
Aus allen Zeiten
Schon von weit her ist die Burg für Besucher sichtbar, stolz thront sie auf einem Felsrücken über der gleichnamigen Stadt. Das genaue Gründungsjahr der Burg ist nicht bekannt, 1199 wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Die ältesten heute noch erhaltenen Grundzüge der Burg, wie der südliche Turm des Torhauses und der untere Teil des Bergfriedes entstanden um 1200. Den Bergfried können Besucher selbständig erkunden und besteigen. Das heutige Erscheinungsbild der Burg geht jedoch auf das 17. Jahrhundert sowie auf die Rückbauten im 19. Jahrhundert zurück. Die Anlage setzt sich heute aus einer Kernburg, einem Schlosshof und einer weiträumigen Vorburg zusammen.
Museum und Ort für Literatur
In der Burganlage ist aktuell das Museum Burg Ranis untergebracht. Zu sehen sind die Dauerausstellung „Geologie des Orlatales“ sowie die Ausstellung „Blick in die Eiszeit“. Auf Burg Ranis finden jährlich die renommierten Thüringer Literatur- und Autorentage des Vereins Lese-Zeichen e.V. statt. Zu Gast waren unter anderem Katharina Thalbach, Sven Regener und Iris Berben.
An den Ufern der Weißen Elster findet sich die „Perle des Vogtlands“. Vor allem die Ältere Linie der Grafen von Reuß hinterließ ihre Spuren, 1778 wurden sie in den Fürstenstand erhoben. Ihr frühklassizistisches Sommerpalais bildet mit dem weitläufigen Landschaftsgarten ein einmaliges Gesamtkunstwerk. Die Giebelinschrift „maison de belle retraite“ verrät das Palais als fürstlichen Rückzugsort. Heute beherbergt es die Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz mit dem „Satiricum“.
Die Reußen - eine Dynastie mit drei Linien
Als Stammvater des Hauses Reuß gilt Erkenbert I. (um 1090–1163/1169), Herr von Weida. Dessen Nachkommen fungierten als Vögte des Reiches. Von Kaiser Heinrich VI. (1050–1106) waren sie mit dem Vogtland belehnt worden – und um den Kaiser zu ehren, nannten sie von da an ihre männlichen Nachkommen Heinrich. Irgendwann schienen die „Heinrichinger“ aber selbst etwas den Überblick zu verlieren und so beschloss der Familienkonvent im Jahr 1664, dass der Namen durch Ziffern genauer zu bezeichnen sei. Dabei zählten die beiden Hauptlinien jeweils für sich selbst und genauso die Nebenlinien. Eine der herausragenden Persönlichkeiten im Geschlecht der Reußen ist Heinrich XI., Fürst Reuß Älterer Linie. Er liebte die Wissenschaften und Kunst, gründete eine Hofbibliothek, begeisterte sich für Gartenkunst und ließ in Greiz das Sommerpalais errichten. 1778 wurde er in den Reichsfürstenstand erhoben.
Klassizismus vom Feinsten
Nachdem die Untergreizer Linie des Hauses Reuß ausgestorben war, fielen deren Besitztümer an die Grafschaft Reuß-Obergreiz und damit an Heinrich XI. Ältere Linie. Dieser ließ im Lustgarten in der Elsteraue, unterhalb des Schlossbergs, ein Sommerpalais errichten. Es sollte das repräsentative architektonische Symbol der nun wiedervereinigten Herrschaft sein. Heute zählt das Sommerpalais zu den frühesten klassizistischen Bauten Mitteldeutschlands. An der Stelle des Palais hatte zuvor ein Vorgängerbau gestanden, dessen einzelne Funktionen mit Orangerie, Repräsentationsräumen und Wohnräumen aufgegriffen wurden. Nach 14 Jahren fanden die Arbeiten mit der Vollendung des Gartensaals im Erdgeschoss ihr Ende. Durch seine imposanten Proportionen und seine vornehme klassizistische Stuckausstattung gehört der Raum zu den anspruchsvollsten Raumkunstwerken Thüringens. Heute beherbergt das Sommerpalais die Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz mit mehr als etwa 1.000 Druckgrafiken, mehreren tausend historischen Landkarten sowie Karikaturen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die zeitgenössischen Karikaturensammlung „SATIRICUM“ wurde 1975 als nationale Karikaturensammlung der DDR und eigenständige Abteilung des Museums eingerichtet. Planmäßig wurden künstlerisch anspruchsvolle Arbeiten von Karikaturisten und Pressezeichnern der DDR erworben. Heute stellt die Spezialsammlung mit ca. 10000 Blatt einen hervorragenden satirischen Bilderfundus zur DDR-Zeitgeschichte dar.
Fürstlich Greizer Park
Mit dem Bau des Sommerpalais wurde auch der Garten umgestaltet – unter anderem entstand das Pinetum, eine einzigartige Sammlung heimischer und exotischer Nadelgehölze. Die 1873 geplante Eisenbahntrasse hätte den Park zerstört, aber die Familie Reuß protestierte. Man verhandelt und die Trasse wurde verlegt. 1799 zerstörte ein Hochwasser den Lustgarten, der zwischen 1827 und 1830 umgestaltet und erweitert wurde. Engagiert wurde der Muskauer Gartendirektor Carl Eduard Petzold. Nach dessen Ideen sollte der Park neu gestaltet werden. Die konkrete Umsetzung übernahm Rudolph Reinecken, der zwar viele Ideen Petzolds verwirklichte, aber bei der Wegeführung oder der Baum- und Strauchbepflanzung eigene Akzente setzte. Heute gilt die Anlage als unvergleichbares Beispiel spätklassizistischer Gartenkunst. Höhepunkte sind neben dem Pinetum der etwa acht Hektar große Binsenteich, die Lindenallee sowie die Rotunde. Der nach einem Hochwasser 2013 wieder hergestellte Pleasureground und der Blumengarten sind im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts ausgestattet, mit reichen Schmuckbeeten und Kübelpflanzen. Zudem bietet der Garten herrliche Aussichten, beispielsweise hinüber zum Weißen Kreuz.