Nicht weit von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt, erhebt sich der Henneberg mit seiner gleichnamigen Burgruine. Schon von weitem ist der freistehenden Bergkegel sichtbar. Einst stand auf seinem Plateau die namensgebende Stammburg der Grafen von Henneberg. Die Bedeutung der als Ruine erhaltenen Anlage kann man an dem mächtigen Bergfried mit seinen 14 Metern Durchmesser erahnen. Der sanierte Turm steht heute Besuchern offen und gibt den Blick frei ins Henneberger Land.
Auf einen Blick
Adresse
Burgruine Henneberg
Burgweg 1
98617 Meiningen OT Henneberg
„Ein Herr von edlem Geschlecht zog um in Deutschland, suchte Frieden und eine bequeme Stätte, zu bauen; da kam er nach Franken an einen Ort und fand einen Berg im Land, der ihm gefiel. Als er nun hinritt, ihn zu beschauen, flog vor ihm auf eine Birkhenne, die hatte Junge; die nahm er sich zum Wappen und nannte den Berg Hennenberg und baute ein schön Schloß drauf, wie das noch vor Augen ist.“ Glaubt man der Sage, dann kamen die Grafen von Henneberg auf diese Weise zu ihrem Stammsitz im fränkischen Grabfeld. Womöglich gab aber auch einfach die strategisch günstige Lage den Ausschlag. Denn der Henneberg erhebt sich als freistehender Berg rund 130 Meter über das Umland. Ganz in der Nähe verlief im Mittelalter die wichtige Handelsstraße von Würzburg nach Meiningen. Auf den ersten Blick mag die heutige Burgruine Henneberg wie eine Ruine von vielen erscheinen. Doch sie war namensgebender Stammsitz eines einstmals in Thüringen herrschenden Adelsgeschlechts.
Eine ganze Region wird geprägt
Die Anlage geht auf das 11. Jahrhundert zurück. Sie bildete einst den Mittelpunkt des heute noch fränkisch geprägten Henneberger Landes. Dieses Herrschaftsgebiet umfasste im Norden des damaligen Bistums Würzburg große Teile des heutigen Unterfrankens, Südthüringens und Osthessens – und war aufgrund seiner Lage politisch, kulturell und wirtschaftlich immer wieder stark umkämpft. Ihre Spuren haben die Grafen von Henneberg bis heute in der Region hinterlassen. Gut kann man das beispielsweise in den Wappen mehrere Städte und Landkreise ablesen. Dort prangt die schwarze Henne, das Wappentier der Henneberger.
Die Burganlage weist eine Fläche von rund 160 x 20 Metern auf und ist vollständig von einer Ringmauer umgeben. Seit jeher gilt sie als eine der umfangreichsten Wehranlagen Thüringens. Die erste urkundliche Erwähnung als „castrum“ geht auf das Jahr 1221 zurück. In dieser Zeit ließen die Grafen die Burg vermutlich weitgehend umbauen. Zum einen sollte sie den neuen Repräsentationsansprüchen Genüge leisten. Zum anderen war der Umbau wohl auch wegen eines Felsabbruchs nötig geworden, der den ursprünglichen Eingang zerstört hatte. Erhalten haben sich heute die Überreste eines Palas, der Kemenate und einer Kapelle.
Vom Steinbruch zum Grenzposten
Nachdem sich die Familie im Jahr 1274 ein weiteres Mal geteilt hatte, richteten sich die neu entstandenen Linien ihre jeweils eigenen Residenzen ein. Trotz familiärer und politischer Teilung fühlten sich die einzelnen Henneberger aber weiterhin ihrem Stammsitz verpflichtet und so kam es immer wieder zu aufwendigen Baumaßnahmen. Im Bauernkrieg wurde die Burg jedoch gebrandschatzt und verfiel in der Folgezeit nach und nach. 1784 erwachte die Burg kurzzeitig zu neuem Leben, als Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen (1761–1803) sich ihrer annahm. Sicherungs- und Sanierungsarbeiten konnten die Burg vor dem vollständigen Niedergang bewahren. Zu Zeiten der deutschen Teilung lag die Burg in militärischem Sperrgebiet, die innerdeutsche Grenze war nur etwa zwei Kilometer entfernt und auf dem mächtigen Bergfried befand sich ein Überwachungsturm der DDR- Grenztruppen. Heute ist die Ruine für Besucher frei zugänglich.
Verwaltung
Schlossverwaltung Schloss Bertholdsburg, Kloster Veßra und Burgruine Henneberg Burgstraße 6 98553 Schleusingen T: +49 173 576 98 71 E-Mail
Architekturgeschichtlich gehört das ehemalige Prämonstratenserkloster Veßra zu den bedeutendsten romanischen Baudenkmälern Thüringens. Gestiftet wurde es 1131 vom Grafen von Henneberg. Nach der Reformation wurde das Kloster in eine Domäne umgewandelt. Die markanten Türme der Klosterkirche sind nach wie vor weithin sichtbar, das Kirchenschiff ist als imposante Ruine erhalten. Heute wird die Anlage museal genutzt. Besucher können die Kloster- und Domänengebäude besichtigen und in einer Ausstellung tiefer in die Geschichte des Ortes eintauchen. Neben der Klostergeschichte gibt das Hennebergische Museum Kloster Veßra Einblicke in die Volkskunde und Kulturgeschichte des „Henneberger Landes“, zeigt spannende Exponate aus der Landtechnik und -wirtschaft und erörtert Themen der Nachhaltigkeit.
Am Übergang von der Romantik zur Gotik
An der Mündung der Schleuse in die Werra liegt das ehemalige Prämonstratenserkloster Veßra. Es gehört zu den wenigen mittelalterlichen Klosteranlagen Thüringens, bei denen sich sowohl Klosterkirche als auch Konvents- und Wirtschaftsgebäude erhalten haben. Gestiftet wurde das Kloster im Jahr 1131 von Graf Gotebold I. von Henneberg. Anfangs beherbergte es sowohl Chorherren und Laienbrüder als auch Nonnen. Letztere siedelten jedoch im Jahr 1175 in das Kloster im nahe gelegenen Trostadt um. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Kloster immer wieder baulich erweitert und verändert. Bis heute haben sich aber große Teile der mittelalterlichen Anlage erhalten – darunter die Klausur- und Wirtschaftsgebäude, das Klostertor, die rund 800 Meter lange Klostermauer sowie die Henneberger Kapelle, die dem gleichnamigen Grafengeschlecht einst als Grablege diente. Im Inneren sind Reste spätmittelalterlicher Fresken zu sehen. Sie zeigen Szenen des Jüngsten Gerichts – ein für Grabkapellen oft verwendetes Thema. Heute wird die Kapelle als Dorfkirche genutzt. Die Klosterkirche St. Marien wurde als kreuzförmige, dreischiffige Pfeilerbasilika errichtet und bereits 1138, nur wenige Jahre nach der Klosterstiftung geweiht. Ihre beiden Türme sind schon von weitem sichtbar. Architekturgeschichtlich sind sie besonders interessant, da an ihnen der Übergang von der Romanik zur Gotik deutlich wird. Auch farblich lässt sich dieser Wandel erkennen. Während die unteren Stockwerke aus grauem Muschelkalk gebaut wurden, nutzte man für die oberen Geschosse Buntsandstein.
Vom Kloster zur Domäne
Im 16. Jahrhundert ging die Zeit des Klosters Veßra schließlich zu Ende. Denn die Grafen von Henneberg, in deren Machtbereich das Kloster nach wie vor lag, traten zum lutherischen Glauben über. Getreu dem Leitspruch „cuius regio, eius religio“ taten es ihnen die Chorherren zwar nach, doch die Säkularisierung konnte damit nicht aufgehalten werden. 1573 wurde Veßra in eine Domäne umgewandelt. Die einstigen Klostergebäude wurden in der Folge umgestaltet oder niedergelegt, neben dem Klosterhof entsteht ein kleines Dorf und die einstmals prächtige Kirche wurde in ein Getreidelager umgewandelt. Dazu wurden der Chor und die Apsiden abgerissen. 1833 besucht der Architekt Friedrich Schinkel die Domäne und setzt sich für eine Restaurierung der Kirche ein – doch vergebens. Bei Drescharbeiten kommt es 1939 zu einem Brand, der die Kirche weitgehend zerstörte. Auch wenn sie heute nur noch Ruine erhalten ist, ist das einstige Gotteshaus nicht minder imposant. Bis 1990 wurde das Klostergelände sowohl landwirtschaftlich als auch museal genutzt, ab dann ausschließlich als Hennebergisches Museum. Heute können Besucher, neben der alten Klosteranlage, ein Freilichtmuseum mit historischen Fachwerkhäusern besichtigen. Diese wurden aus der Region hierher umgesetzt und veranschaulichen die landwirtschaftliche Wirtschafts- und Wohnkultur vergangener Jahrhunderte. Seit 2013 wird das Freilichtmuseum durch eine historische Landmaschinenausstellung ergänzt.
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Auf einem sanften Ausläufer des Thüringer Walds erhebt sich über der mittelalterlichen Fachwerkstadt Schmalkalden Schloss Wilhelmsburg. Ab 1585 als Nebenresidenz der Landgrafen von Hessen-Kassel entstanden, zählt es mit seinen herausragenden Innenraumdekorationen und der weitgehend erhaltenen Gesamtanlage zu den bedeutendsten Renaissanceschlössern in Deutschland. Seit dem hohen Mittelalter teilten sich die hessischen Landgrafen und die Henneberger Grafen das wirtschaftlich ertragreiche Amt Schmalkalden. Nach dem Aussterben der Henneberger 1583 fiel es den Landgrafen von Hessen-Kassel zu. Als Zeichen der neuen Machtverhältnisse errichtete Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (reg. 1567–1592) anstelle einer mittelalterlichen Burg das Renaissanceschloss.
Das Museum Schloss Wilhelmsburg zeigt heute Dauerausstellungen zur Geschichte des Schlosses, zur Residenzkultur der Renaissance sowie zur Reformationsgeschichte.
Das Schloss Wilhelmsburg
In der Zeit der Reformation war Schmalkalden einer der politischen Brennpunkte schlechthin. Sowohl die Blicke des Kaisers als auch die des Papstes richteten sich auf die Stadt im Südwesten des Thüringer Walds. Denn in der letzten Dezemberwoche des Jahres 1530 schlossen sich dort protestantische Fürsten, Adelige und Städte zum Schmalkaldischen Bund zusammen, angeführt von Philipp I. von Hessen und Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen. Sie waren sich einig, dass nur ein gemeinsames Bündnis aller Protestanten Schutz gegen den Kaiser bieten könne. Acht Mal kam der Bund in Schmalkalden zusammen. Wenn die Teilnehmer hinauf in Richtung der Queste blickten, sahen sie damals noch die verfallene Wallrabsburg der Grafen von Henneberg. Nachdem dieses Adelsgeschlecht ausgestorben war, fielen deren Besitzungen um Schmalkalden an den Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel. Dieser ließ die Burg ab 1585 zu einer Nebenresidenz umbauen. Heute thront die Wilhelmsburg über der Schmalkaldener Altstadt. Aufgrund seiner originalen Raumstruktur, den prächtigen Wandmalereien und Stuckaturen sowie seiner Außenanlagen ist die Wilhelmsburg ein Juwel unter den Renaissance-Schlössern Deutschlands. Mit der Weihe der Schlosskirche am 23. Mai 1590 wurde das Schloss zur Nutzung freigegeben, wenngleich die Innenausstattung noch nicht vollständig abgeschlossen war.
Die Schlosskapelle
Der Sohn des Landgrafen baute das Schloss später weiter aus und vervollständigte die Inneneinrichtung, zudem ließ er Lustgärten und Terrassen anlegen und gab weitere Bauten rund um das Schloss in Auftrag. Bemerkenswert ist vor allem die Schlosskapelle, die ihr Vorbild in der Torgauer Schlosskirche fand und heute zu den ältesten und schönsten protestantischen Kirchen Deutschlands zählt. Erstmals wurden dort dem protestantischen Verständnis folgend Altar, Kanzel und Orgel in einer vertikalen Achse angeordnet. Ein besonderes Highlight bildet die Renaissance-Orgel. Sie ist die älteste Thüringens und gehört darüber hinaus zu den ältesten noch bespielbaren Holzorgeln in Europa. Ihren Klang können Zuhörer bei zahlreichen Konzerten genießen. Der Thronsaal der restaurierte Festsaal, auch Riesensaal des Schlosses genannt sowie die Herrenküche sind sehenswert. Der Festsaal gehört zu den repräsentativsten Festsälen des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Außerdem beherbergt das Schloss eine Kopie des Kellergewölbes aus dem „Hessenhof“. Das Haus am Neumarkt diente als Verwaltungssitz der hessischen Landgrafen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Keller romanische Wandermalereien mit Szenen aus dem Iwein-Epos des Hartmann von Aue entdeckt. Aus konservatorischen Gründen sind sie nicht öffentlich zugänglich. Um sie Besuchern zeigen zu können, wurde eine Kopie in der Wilhelmsburg angefertigt.
Terassengarten
Ab 1602 entstand unter Landgraf Moritz von Hessen-Kassel südlich von Schloss Wilhelmsburg ein eindrucksvoller Terrassengarten. Stilistisch ist die Anlage noch stark durch die Renaissance geprägt. Seitliche Begrenzungsmauern und die Stützmauern der Gartenterrassen sowie eine ab 1687 eingefügte Wasserkunst, die in Resten erhalten ist, lassen sie zur künstlerischen Einheit mit dem Schlossgebäude verschmelzen. Der trapezförmige Grundriss und die geneigten Terrassen bedingen eine besondere perspektivische Wirkung des Gartens. Nach der weitgehenden Aufgabe des Lustgartencharakters im 18. Jahrhundert wurden die Gärten der Wilhelmsburg als Pachtgärten genutzt. Zur Landesgartenschau 2015 in Schmalkalden wurde die Gartenanlage wiederhergestellt. Nach der Errichtung neuer Stützmauern gestaltete man die vier Gartenterrassen neu. Die Konzeption nimmt Bezug auf die Gartengeschichte: Ein Buchsbaumparterre präsentiert die Gestaltungsprinzipien der Entstehungszeit nach einem Entwurf von 1672. Auf weiteren Gartenterrassen wird beispielhaft das Zier- und Nutzpflanzenspektrum des 17. Jahrhunderts gezeigt. Die Anlage ist ein bedeutendes und frühes Beispiel für die in Deutschland eher seltenen Terrassengärten.