Neuer Servicebereich im Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg eingeweiht

Im Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) einen neuen Empfangs- und Servicebereich im Erdgeschoss eingeweiht. Erstmals seit 1942 ist das Schloss-Hauptgebäude nun auch wieder durch den früheren Haupteingang, den Säulenportikus der Hauptfassade, begehbar. Das neue Foyer und die barrierefreie Erschließung des Hauptgebäudes wurden im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms I (SIP I) der STSG umgesetzt, gemeinsam finanziert durch Bund und Land. Auf Schloss Schwarzburg werden im SIP I rund 2 Millionen Euro investiert.

Das neue Foyer im Erdgeschoss bietet die notwendige Infrastruktur für den Betrieb des Hauptgebäudes als Veranstaltungsort und außerschulischer Lernort. Im Erdgeschoss wurde in den historischen, durch Umbauten in den 1940er Jahren schwer beschädigten Schlossräumen ein moderner Empfangsbereich mit Cateringküche und Sanitäranlagen geschaffen, der dem Gebäude bisher fehlte. Durch den Einbau eines Aufzugs im nördlichen Treppenhaus wird das Hauptgebäude jetzt zudem über vier Etagen barrierefrei erschlossen.

Christian Tischner, Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, drückt seine Freude über den Abschluss der baulichen Maßnahmen aus: „Schloss Schwarzburg ist ein Ort, an dem auf besondere Weise deutsche Geschichte mitten im ländlichen Raum Thüringens greifbar wird. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten bietet ihren Gästen hier nicht nur einen atemberaubenden Blick in das romantische Schwarzatal, sondern auch einen außerschulischen Lernort, an dem Demokratiegeschichte erlebbar wird. Mit dem neuen Servicebereich hat die Stiftung mit denkmalpflegerischer Sensibilität und dem geübten Blick für betriebliche Abläufe eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um die Schwarzburg und ihre wechselvolle Geschichte anregend zu präsentieren – ein weiterer Erfolg im Sonderinvestitionsprogramm I, das Bund und Land gemeinsam ermöglichen.“

Dr. Doris Fischer, Direktorin der STSG, freut sich über den Sanierungserfolg für Schloss Schwarzburg: „Mit dem neuen Servicebereich ist es uns gelungen, wichtige Voraussetzungen für die Nutzung des Hauptgebäudes nach modernen Standards zu schaffen, dabei aber auch das Denkmal mit seinen Zeitspuren nicht aus den Augen zu verlieren. An den Wänden wurden die Spuren der Zeit bewahrt, Fensteröffnungen in die noch unsanierten Bereiche geben zudem Einblicke in die seit den 1940er Jahren entkernten Bereiche des Hauptgebäudes. Sie lassen die noch vor uns stehenden Aufgaben erahnen. Denn wir freuen uns über den Meilenstein, aber man sieht zugleich: es muss auch weitergehen.“

Architektin Carola Niklas, SIP-I-Referatsleiterin der STSG, blickt auf die Baumaßnahmen zurück: „Gut eineinhalb Jahre haben wir im SIP-Projekt saniert. Zu Beginn befand sich der Projektbereich im Rohbau, den die Umbauarbeiten in den 1940er Jahren hinterlassen haben. Ein Planungsteam mit Experten verschiedener Fachdisziplinen und 18 Gewerke waren über die Bauzeit vor Ort und haben am Gelingen des Projekts mitgewirkt. Bei der Handwerksarbeit haben die Firmen besonderes Fingerspitzengefühl bewiesen, ohne das an diesem geschichtsträchtigen Ort nichts geht. In Maßarbeit wurde auch der neue Thekenbereich in die vorhandene Raumstruktur integriert. Wie das Hauptgebäude selbst und seine Räume haben übrigens auch neue Details eine Vorgeschichte: so kam zum Beispiel bei der Verkleidung der Theke auch Recyclingholz zum Einsatz.“

Nachhaltigkeit spielt im SIP-Projekt auf Schloss Schwarzburg eine wichtige Rolle. Im Außenbereich wurde eine vollbiologische Kläranlage geschaffen, mit Strom wird das Hauptgebäude zukünftig über eine Photovoltaikanlage versorgt, die bis zum Herbst dieses Jahres installiert wird. Unter den Solarpanelen im Ruinenbereich entsteht zudem ein „Outdoor-Klassenzimmer“.

Bis 2021 hatte die STSG im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen erste Innenräume des Hauptgebäudes nutzbar ausgebaut, den Ahnensaal und den Emporensaal. Vorausgegangen waren ab 2009 umfangreiche statische Sicherungen, die Wiederherstellung des Dachs und die Errichtung eines neuen nördlichen Gebäudeabschlusses mit Treppenhaus, in dem bereits ein Aufzugsschacht vorgerichtet wurde. Dank SIP I konnten nun als nächster Schritt der Empfangsbereich im Erdgeschoss und ein Aufzug eingebaut werden. Auch Zwischenwände und eine neue Decke wurden montiert, ein maßgeschneiderter Thekenbereich errichtet und ein Estrichboden geschaffen. Fenstergewände wurden saniert und neue Fenster eingebaut. Zudem wurden Fassadenbereiche verputzt, Sandsteinelemente restauriert und der Zugang durch den Portikus wieder ermöglicht.

Schloss Schwarzburg war der Stammsitz der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Dort lebte nach der Abdankung 1918 der letzte Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt, in unmittelbarer Nachbarschaft wurde 1919 die Verfassung der Weimarer Republik unterzeichnet. In den 1940er Jahren begann unter den Nationalsozialisten ein Umbau zum Reichsgästehaus. 1942 blieb das Schloss als Bauruine zurück. Das Kaisersaalgebäude wurde bis 1971 wiederhergestellt, das Zeughaus mit Torhaus konnte 2018 wieder eröffnet werden. Seit 2021 sind erste Bereiche des Hauptgebäudes nach rund 80 Jahren wieder zugänglich.

Das Hauptgebäude ist heute Veranstaltungsort und außerschulischer Lernort. Im Rahmen von Führungen von Mai bis Oktober sind die sanierten Bereiche samstags und sonntags zu besichtigen. Es wird um Voranmeldungen über die Museumkasse im Torhaus gebeten (T: 036730/39 96 30).

Abbildung:
Eröffnung des neuen Empfangsbereichs mit Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Christian Tischner, Baureferentin Dipl.-Ing. Architektin Carola Niklas (STSG), STSG-Direktorin Dr. Doris Fischer und Landrat Marko Wolfram (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt), Foto: STSG, Franz Nagel

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