Von verarmten Burgherren wurde sie verpfändet, für die Stadt Erfurt war sie ein wichtiger Teil ihrer Burgenpolitik, für einen Raubritter sicheres Versteck und die Sachsen nutzten sie als Justiz- und Rentamt. Die Geschichte der Wasserburg Kapellendorf ist so spannend wie wechselhaft. Im 14. Jahrhundert erhielt die Burg ihre Gestalt mit Ringmauer, Wassergraben und mittelalterlichem Wohnturm. Heute zählt Kapellendorf zu den besterhaltenen Burgen Thüringens.
Förderverein
Wasserburg und Kapellendorf e.V. Website
Öffnungszeiten
Wasserburg Kapellendorf Öffnungszeiten des Burghofes
in der Wintersaison:
Montag bis Freitag
8 – 15 Uhr
Wochenende & Feiertage: geschlossen
Saison 18. April bis 5. Oktober
Die Burg einer Stadt
Bekanntheit erlangte er als „Brandstifter von Thüringen“. Immerhin soll Apel Vitztum der Ältere von Roßla maßgeblich am Ausbruch des Sächsischen Bruderkriegs beteiligt gewesen sein. Zunächst stand er im Dienst des Kurfürsten Friedrich II., wechselte dann zur Gegenseite und diente fortan dessen Bruder. Damit ist Apels Geschichte aber noch nicht zu Ende, denn aus dem herzoglichen Rat sollte ein berüchtigter Raubritter werden. 1446 hatte ihn die Stadt Erfurt mit dem Schutz ihrer Kaufleute beauftragt und ihm dazu die Wasserburg Kapellendorf übertragen. Doch anstatt Schutz zu gewähren, begann er mit Überfällen. So lauerte er einer herzoglichen Gesandtschaft auf, raubte diese aus und verschanzte sich mit seinen Geiseln in der Burg. Erst nach über acht Wochen gelang es, die Gefangenen zu befreien. Dieser Vorfall brachte Kapellendorf den Beinamen „Raubritterburg“ ein. Heute gehört die Wasserburg zu den besterhaltenen Burganlagen Thüringens. Ihren wehrhaften mittelalterlichen Charakter hat sie sich im Wesentlichen bis heute erhalten. Ihre durchaus imposanten Ausmaße verdankt die Burg der Stadt Erfurt.
Diese hatte die Anlage im Jahr 1348 mithilfe eines Strohmanns von den Grafen von Kirchberg erworben. Kapellendorf sollte ein wichtiger Teil der Erfurter Burgenpolitik des 13. und 14. Jahrhunderts werden. Damals erwarb die Stadt entlang der Handelsstraßen systematisch Land mit Burgen und Dörfern und kontrollierte zweitweise so ein rund 900 Quadratkilometer großes Gebiet. Bereits kurz nach dem Erwerb begann die Stadt mit weitreichenden Umbauarbeiten. Um den alten Burgkern herum entstand eine Neuanlage. Hatte die alte Burg noch einen Durchmesser von 32 Metern, waren es nach der Erweiterung rund 90 Meter. Damals erhielt die Anlage auch ihren Umriss mit der abschließenden Ringmauer, Wehrtürmen und dem bis zu 30 Meter breiten Burggraben. In der alten Kernburg wurde eine Küche sowie eine fünfgeschossige Kemenate errichtet, mit Waffenkammer, Wohnräumen und einem Saal. Ende des 15. Jahrhunderts begann der politische und wirtschaftliche Niedergang der Stadt Erfurt, die Burg musste an Sachsen verpfändet werden und verlor schnell an Bedeutung.
Amtssitz und Truppenlager
1684 wurde Kapellendorf in ein Justiz- und Rentamt des Herzogtums Sachsen-Weimar umgewandelt. Die neuen Besitzer verlegten das Burgtor an den Turm im Südwesten und ließen eine steinerne Brücke über den Wassergraben bauen. Im 18. Jahrhundert wurde schließlich der sogenannte Prinzessinnenbau errichtet, das zwar als Witwensitz gedacht war, aber nie als solcher genutzt wurde. Ein letztes Mal ins Blickfeld der Geschichte sollte Kapellendorf im Jahr 1806 rücken. Während der Schlachten bei Jena und Auerstedt diente die Burg als Hauptlager für die preußischen Truppen im Kampf gegen Napoleon. Heute können Besucherinnen und Besucher sich beim Rundgang im Burghof sowie in einem kleinen Ausstellungsraum über die Geschichte der Wasserburg Kapellendorf informieren. Zudem ist die Wasserburg regelmäßig Veranstaltungsort, etwa für Handwerker- und Töpfermärkte, Konzerte, Kleinkunst und Theater.
Wehrhaft erhebt es sich vor dem Weimarer Residenzschloss – das Ensemble Bastille. Es ist der älteste Teil des Schlosses, Überbleibsel des frühzeitlichen Schlosses Hornstein und sichtbares Zeichen dynastischer Altehrwürdigkeit. Alle Zerstörungen hat die Bastille weitgehend unbeschadet überstanden. Das Ensemble setzt sich aus dem Torhaus, dem Schlossturm sowie dem Hofdamenhaus zusammen. Zahlreiche Details veranschaulichen den Wandel von der Burg zum Schloss sowie die Nutzung des Torhauses als landesherrliches Gerichts- und Verwaltungsgebäude.
Trutziges Symbol der Macht
Im Bogen über dem Torhaus der Bastille lässt sie sich noch erkennen, die einstige Macht der Ernestiner. Die gekreuzten Schwerter waren das sichtbare Symbol ihrer Kurfürstenwürde. In der Reformation, im Schmalkaldischen Krieg, ging den Ernestinern jedoch ebendiese verloren, genauso wie ihr Stammschloss und ein großer Teil ihres Herrschaftsgebiets. Herzog Johann Friedrich I. von Sachsen machte Weimar ab 1547 daher zu seinem neuen Stammsitz und dauerhaften Residenz. Und auch wenn die Kurfürstenwürde verloren war, so beließen Johann Friedrich und seine Nachfolger das sächsische Kurwappen doch stets am Torhaus, wo es auch heute noch für Besucher sichtbar ist.
Unerschütterlich in Grau und Gelb
Die Bastille ist der älteste Teil des Weimarer Residenzschlosses, die Gebäude sind die Überbleibsel des Schlosses Hornstein. Dieses war in der Mitte des 16. Jahrhunderts von einer mittelalterlichen Burg zum Renaissanceschloss ausgebaut worden. Im Zuge der damaligen Umbauarbeiten erhielt das Torhaus seine markanten Ziergiebel sowie das repräsentative Westportal. Heute ist das Ensemble Bastille dem großen, klassizistisch geprägten Residenzschloss vorgelagert, und fällt vor allem durch seinen wehrhaften Charakter, die graue Fassade und die gelb umrandeten Fenster auf. Das Ensemble setzt sich aus dem Schlossturm und dem Hofdamenhaus zusammen, sowie dem bereits erwähnten Torhaus. Dieses fungierte in früheren Zeiten als zentraler Zugang zur Anlage. Anders als das Residenzschloss überstand die Bastille die verheerenden Brände von 1618 und 1774 weitgehend unbeschadet. Während das Residenzschloss nach den Zerstörungen wieder aufgebaut und umgestaltet wurde, blieb die Bastille unangetastet. Stattdessen wurde es in die neuen Anlagen integriert. Der Schlossturm wurde 1729 erhöht und mit einer eleganten Schweifkuppel und Laterne versehen. Aus dieser Zeit stammen die noch heute zu besonderen Anlässen geläuteten Turmglocken.
Johann Sebastian Bach: ein berühmter Gefangener
Im Torhaus lassen sich auf diese Weise noch die Spuren der frühneuzeitlichen Nutzung erkennen. So diente das Gebäude als landesherrlicher Gerichts- und Verwaltungssitz. Im Gerichtssaal wurden Reste von Wandmalereien des 16. Jahrhunderts freigelegt, die den Regenten als den obersten Wahrer des Rechts im Staat darstellen dürften. Im Rentamt hat sich, eingelassen in die Wand, einer der größten Tresore des 16. Jahrhunderts erhalten. Im Keller befinden sich die Arresträume, die zum Teil noch heute mit Sitzbänken und Anker-Ösen für die eisernen Fesseln ausgestattet sind.
Der wohl berühmteste Insasse war ein Mann namens Johann Sebastian Bach. Der Komponist war inhaftiert worden, nachdem er eine Stelle am Hof Fürst Leopolds von Köthen angenommen hatte, allerdings ohne die Zustimmung seines bisherigen Arbeitsgebers. Vier Wochen ließ ihn Herzog Wilhelm Ernst in der Landrichterstube festsetzen. Die Stiftung saniert das Ensemble Bastille mit dem Ziel, es als „sprechendes Denkmal“ und Geschichtserlebnis zugänglich zu machen. In den Ausstellungsräumen soll unter anderem die ältere Geschichte des Schlosses bis hin zur Klassik präsentiert werden. Aktuell ist dort die multimediale Ausstellung „Bach in Weimar“ eingerichtet.
Drei Schlösser, drei Charaktere – das einzigartige Ensemble der Dornburger Schlösser thront auf einem Felsen über dem Saaletal. Die Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach schätzten den „Balkon Thüringens“ als Sommerresidenz. Mehr als 800 Jahre Geschichte sind hier vereint. Das Alte Schloss birgt Reste einer mittelalterlichen Burg. Das Rokokoschloss ist ein galantes Lustschloss des 18. Jahrhunderts mit Porzellansammlung. Das Renaissanceschloss ist eng mit Johann Wolfang von Goethe verbunden. Der schwärmte für die liebevoll gepflegten Schlossgärten – sie sind ein Hochgenuss für Flaneure und Rosenliebhaber. Auch der Wein vom Dornburger Schlossberg ist damals wie heute beliebt.
Drei Schlösser – ein Ensemble
Die Ursprünge der Dornburger Schlösser liegen in einer Burganlage des Hochmittelalters am Nordende des Schlossfelsens. Im 16. Jahrhundert trat das Alte Schloss an dessen Stelle, hinzu kam fast zeitgleich das Renaissanceschloss im Süden. In deren Mitte wurde im 18. Jahrhundert das Rokokoschloss errichtet – die imposante Dreierkulisse war perfekt. Zunächst dienten die Schlösser aber ganz verschiedenen Zwecken und gehörten nicht einmal zusammen. Erst 1824 kaufte Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach das Renaissanceschloss zu den beiden anderen Schlösssern hinzu und ließ sie durch vielfältige terrassierte Gartenanlagen verbinden. Heute sind das Renaissance- und das Rokokoschloss sowie die Gärten zu besichtigen. Das Alte Schloss wird als Tagungszentrum genutzt.
Vergnügung, Jagd und Militär – Das Rokokoschloss
Um 1740 ließ Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach das Rokokoschloss selbstbewusst in die Mitte des Dornburger Ensembles setzen. Es war eines von vielen Bauprojekten des absolutistisch regierenden Fürsten. Dornburg schätzte er vor allem wegen seiner nahegelegenen Jagdgebiete. Außerdem wollte er Kurfürst August dem Starken nacheifern und eine Heerschau nach dem Vorbild von dessen berühmtem Zeithainer Feldlager veranstalten. Dazu kam es zwar nie, jedoch erinnern die bastionsartigen Terrassen am Steilhang an diese Idee. Das Lustschlösschen nutzt die Hanglage phantasievoll aus. Die Geschosse sind direkt von den Gartenterrassen aus zugänglich – das Obergeschoss über eine elegant geschwungene Freitreppe. Dort spiegelt der Festsaal mit seinem Stuckmarmor in kräftigen Farben die barocken Herrscherambitionen des Bauherrn wider. In den seitlich angeordneten Appartements fanden später die schlichteren Vorstellungen des Klassizismus ihren Niederschlag. Den letzten Schliff gab Großherzog Carl Alexander ab 1875 dem Schloss. Er orientierte sich konsequent am Stil der Erbauungszeit und stattete den Speisesaal in Rokokoformen aus, um die viele seiner Zeitgenossen einen Bogen machten. Dort versammelte er eine Sammlung von Porzellanen aus China, den Niederlanden und Thüringer Manufakturen.
Von der Burg zum Tagungszentrum – Das Alte Schloss
In der Mitte des 16. Jahrhunderts bekam das Alte Schloss sein heutiges Aussehen. Es vereint vier Bauten unterschiedlichen Alters, die aber durch Fassadenfarbe und Fensterformen ein einheitliches Gesicht bekamen. Der Bergfried beispielsweise stammt aus dem 12. Jahrhundert. Auch eine spätmittelalterliche Kemenate wurde in den Schlossbau einbezogen. Der Südflügel wurde dagegen im Renaissancestil neu erbaut und beherbergt zwei große Säle. Neben den imposanten Holzdecken haben sich gemalte Ornamente der Renaissance erhalten. Unterschiedliche Nutzungen prägten das Gebäude bis ins 20. Jahrhundert. Seit 2004 dient das umfassend sanierte Schloss als modernes Tagungszentrum.
Goethe war hier – das Renaissanceschloss
Streng genommen war es zunächst gar kein Schloss – erbaut wurde das Renaissanceschloss in der Mitte des 16. Jahrhunderts als Gutsherrenhaus. Sein heutiges markantes Aussehen mit Zwerchhäusern und Nischenportal erhielt es einige Jahrzehnte später. 1824 kaufte Großherzog Carl August das Gebäude und bezog es in das Ensemble seiner Dornburger Sommerresidenz ein. Umbauten machten es bequemer, hier bezog der Regent im Sommer selbst Quartier. Berühmtheit erlangte das Schloss vor allem durch seinen Freund und Geheimen Rat Johann Wolfgang von Goethe. Nach dem Tod des Carl Augusts zog sich der sich im Sommer 1828 nach Dornburg zurück und lebte für mehrere Wochen in der Bergstube. Neben vielen Briefen und Forschungsaufzeichnungen entstanden hier stimmungsvolle Gedichte.
Museum Dornburger Schlösser
Zwei der Dornburger Schlösser sind als Museum zu besichtigen. Im Rokokoschloss führt der Rundgang durch Raumkunstwerke des 18. und 19. Jahrhunderts. Im Renaissanceschloss (derzeit wegen Bauarbeiten geschlossen) steht der Aufenthalt Johann Wolfgang von Goethes 1828 im Mittelpunkt. Im benachbarten Marstall befindet sich das Bauhaus-Werkstatt-Museum.
„Die Aussicht ist herrlich und fröhlich, die Blumen blühen in den wohlunterhaltenen Gärten, die Traubengeländer sind reichlich behangen, und unter meinem Fenster seh ich einen wohlgediehenen Weinberg (…)“, beschrieb Johann Wolfgang von Goethe 1828 die Schlossgärten. Wenige Jahre zuvor hatte Carl August seinen Hofgärtner Carl August Christian Sckell beauftragt, durch die Gestaltung der Gärten die drei Schlösser unterschiedlichen Charakters zu einem Ensemble zu verbinden. Der Gartenkünstler schuf intime Gartenräume unterschiedlicher Stile, darunter der Landschaftspark, der Eschengang und der Teeplatz. Berühmt wurden die Gärten für ihren Reichtum an Rosen, die einen Laubengang üppig umranken und in großer Zahl und Sortenvielfalt die Terrassenwege begleiten. Die von Goethe bewunderten Weinberge werden nach wie vor bewirtschaftet, den Wein gibt es im Museumsshop.