Auf einem zerklüfteten Felsmassiv über dem Orlatal erhebt sich die Burg Ranis. Schon von weitem kann man die Anlage über der gleichnamigen Stadt erblicken. Von Herzog Wilhelm III. von Sachsen erhielten die Brandensteiner, die Familie seiner zweiten Frau, Ranis als Lehen. Nach mehreren Besitzerwechseln verfiel die Anlage dann aber zusehends. Heute präsentiert sich Burg Ranis nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen wieder in altem Glanz und beherbergt unter anderem ein Museum. Zudem finden auf der Burg alljährlich die weit über die Region hinaus bekannten Thüringer Literatur- und Autorentage statt.
Für die eine endete die Geschichte tragisch, für die andere dagegen mit einem Happy End. Herzog Wilhelm III. von Sachsen war zunächst mit Anna von Österreich verheiratet, der Tochter des deutschen Königs. Doch die Ehe blieb ohne männlichen Erben und so setzte der unglücklich verheiratete Wilhelm seine Ehefrau gefangen. Nachdem Anna gestorben war, konnte er 1463 seine langjährige Mätresse Katharina von Brandenstein heiraten. Um diese nicht ganz standesgemäße Ehe zu stärken, schenkte Wilhelm der Familie seiner Braut 1465 das Lehen Burg Ranis. Wenn auch baulich tätig konnte die Familie Brandenstein die Burg aber nicht lange halten. Bereits 1571 musste sie die Anlage wegen Überschuldung an die Herren von Breitenbauch abtreten – und in deren Besitz sollte Burg Ranis bis 1942 dann auch bleiben. Die von Breitenbauchs, die ihren Namen später in Breitenbuch änderten, bauten die Burg weiter aus und modernisierten sie. Doch auch für die Breitenbuchs wurde die Anlage immer schwerer zu halten. Es kam zu einigen Abbrüchen und Rückbauten. Ab 1926 versuchten sie daher, ein Museum sowie eine Gastwirtschaft zu etablieren. Der Versuch scheiterte jedoch und so mussten sie die Burg 1942 schlussendlich verkaufen.
Aus allen Zeiten
Schon von weit her ist die Burg für Besucher sichtbar, stolz thront sie auf einem Felsrücken über der gleichnamigen Stadt. Das genaue Gründungsjahr der Burg ist nicht bekannt, 1199 wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Die ältesten heute noch erhaltenen Grundzüge der Burg, wie der südliche Turm des Torhauses und der untere Teil des Bergfriedes entstanden um 1200. Den Bergfried können Besucher selbständig erkunden und besteigen. Das heutige Erscheinungsbild der Burg geht jedoch auf das 17. Jahrhundert sowie auf die Rückbauten im 19. Jahrhundert zurück. Die Anlage setzt sich heute aus einer Kernburg, einem Schlosshof und einer weiträumigen Vorburg zusammen.
Museum und Ort für Literatur
In der Burganlage ist aktuell das Museum Burg Ranis untergebracht. Zu sehen sind die Dauerausstellung „Geologie des Orlatales“ sowie die Ausstellung „Blick in die Eiszeit“. Auf Burg Ranis finden jährlich die renommierten Thüringer Literatur- und Autorentage des Vereins Lese-Zeichen e.V. statt. Zu Gast waren unter anderem Katharina Thalbach, Sven Regener und Iris Berben.
Herrliche Ausblicke in das Saaletal bietet das über dem Städtchen Rudolstadt thronende Schloss Heidecksburg, von 1571 bis 1918 Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Der heutigen Schlossanlage mit zwei östlich vorgelagerten Terrassen gingen eine Burganlage und ein dreiflügeliges Renaissanceschloss voraus. Die St. Andreaskirche östlich des Schlossbergs war Residenzkirche und Grablege der Schwarzburg-Rudolstädter.
Nachdem ein Brand 1735 den Nord- und Westflügel des Schlosses weitgehend zerstört hatte, wurde unter Fürst Friedrich Anton zunächst mit der Neuerrichtung des Westflügels nach Plänen von Johann Christoph Knöffel begonnen. Die Innenausstattung entwarf Gottfried Heinrich Krohne. Besonderer Blickfang ist der 44 Meter hohe Schlossturm über dem Haupttreppenhaus. Heute beherbergt Schloss Heidecksburg das Thüringer Landesmuseum, das Landesarchivs Thüringen – Staatsarchiv Rudolstadt und ist zudem Hauptsitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.
Epochen und Meilensteine der Geschichte – von der Monarchie bis zu den Anfängen der Demokratie und dem Nationalsozialismus – prägen Schloss Schwarzburg bis heute. Dies macht die Schlossanlage zu einem Denkort der deutschen Geschichte. Sie war Stammsitz eines der ältesten Adelsgeschlechter in Thüringen, das sich neben den dominierenden Ernestinern behaupten konnte und bis 1918 zwei eigene Fürstentümer regierte. Spätestens in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als mittelalterliche Burg errichtet, wurde die Anlage im 17. Jahrhundert zur Festung ausgebaut.
Im Zusammenhang mit der Erhebung der Schwarzburger vom Grafen- in den Reichsfürstenstand 1710 wurde der als Jagdschloss und Sommersitz genutzte Stammsitz zum dynastischen Repräsentationsort.
Nach dem Ende der Monarchie erhielt das letzte Fürstenpaar Wohnrecht auf Schloss Schwarzburg, während der erste Reichspräsident Friedrich Ebert 1919 in Sichtweite zum Schloss mit der Weimarer Verfassung die erste deutsche demokratische Verfassung unterzeichnete. 1940 begannen die Nationalsozialisten mit einem Umbau der Schlossanlage zum Reichsgästehaus, der zwei Jahre später eingestellt wurde. Das Schloss-Hauptgebäude blieb über 70 Jahre Bauruine, bis 2021 die ersten beiden Räume wieder eröffnet werden konnten. Im Tor- und Zeughaus empfangen die Fürstlichen Erlebniswelten Besucherinnen und Besucher.
Schloss Schwarzburg
Auf einem Bergsporn über dem Schwarzatal erhebt sich Schloss Schwarzburg. Den gleichnamigen Grafen diente die Höhenburg über Jahrhunderte als Stammsitz. In den Blickpunkt des Weltinteresses rückte es 1919, als Friedrich Ebert in unmittelbrer Nachbarschaft die Weimarer Verfassung unterzeichnete. Das Schloss durchlebte wechselvolle Zeiten. Unter den Nationalsozialisten sollte es in ein „Reichsgästeheim“ umgewandelt werden. Dafür wurde es stark zerstört. Seit 2009 laufen umfangreiche Arbeiten, um das Schloss für Besucher wieder zugänglich zu machen. Ein wichtiger Meilenstein war die Wiedereröffnung des Zeughauses mit der einzigartigen Prunkwaffensammlung.
Der Legionär und sein Speer
Sie gehören zu den ältesten und mächtigsten Dynastien Thüringens – die Grafen und Fürsten von Schwarzburg. Warum sie ihren Stammsitz ausgerechnet im Tal der Schwarza errichteten, erfährt man in ihrer Gründungslegende. Diese ist in einem Deckengemälde im Kaisersaal von Schloss Schwarzburg festgehalten. Zu sehen ist ein römischer Legionär, der seinen hölzernen Speer in den Boden stößt. Aus dem scheinbar toten Stück Holz treiben jedoch Blätter und Zweige hervor. Für den Legionär ist klar, an dieser Stelle will er sich niederlassen. Und so soll sie ihren Anfang gefunden haben, die Geschichte der Schwarzburger. 1071 wurde die Höhenburg erstmals urkundlich erwähnt. 1453 berichten Quellen von einer aufwendigen Anlage, bestehend aus mehreren Kemenaten, einem Hospital, einer Kapelle und verschiedenen Türmen. Allerdings verlor sie bereits in jener Zeit an Bedeutung, da Arnstadt, Rudolstadt und Sondershausen zu Residenzstädten der Schwarzburger aufgestiegen waren. Dass diese ihren Stammsitz aber nie vollends aufgaben, hat auch mit der Erhebung der Schwarzburg-Rudolstädter Grafen in den Reichsfürstenstand im Jahr 1710 zu tun. Fürst Ludwig Friedrich hatte Schwarzburg zum Ort seiner Erhebungszeremonie gewählt – und so wurde das Schloss wieder zum Mittelpunkt höfischer Repräsentation und Selbstdarstellung. Das als Orangerie geplante Gartenhaus wurde fertiggestellt und in einen Ehrentempel der fürstlichen Abstammung verwandelt. Das Ergebnis ist das heutige Kaisersaalgebäude. Die aufgesetzte, quadratische Laterne des Gebäudes taucht den darunterliegenden Saal in ein geradezu mystisches Licht. Die Magie des Raumes wird durch die lebensgroßen Darstellungen mittelalterlicher Kaiser und Könige noch verstärkt.
Ein Schloss mit bewegter Geschichte
1726 brach auf dem Schloss ein verheerendes Feuer aus. Das Kaisersaalgebäude blieb von den Flammen verschont, das Hauptgebäude wurde jedoch zerstört. Die Schwarzburger bauten ihren Stammsitz als Jagd- und Sommerschloss wieder auf – und bis zum Juni 1940 sollte es der Familie dienen. An den Tag des Auszugs erinnerte sich Anna Luise von Schwarzburg-Rudolstadt als „bösen Traum“. Nach den Plänen der Nationalsozialisten sollte das Barockschloss nun in ein „Reichsgästeheim“ umgebaut werden. Das Torhaus und die Kirche fielen dem Umbau zum Opfer, im Hauptgebäude wurden Decken, Wände, Stuckaturen und Malereien entfernt. 1942 kamen die Bauarbeiten kriegsbedingt zum Erliegen und das Schloss blieb stark zerstört zurück. Seit 2009 laufen umfangreiche Maßnahmen, um den Bestand zu sichern. Heute befinden sich im teilsanierten Schloss-Hauptgebäude zwei Veranstaltungsräume, die zum Lernen, Diskutieren und Nachdenken über Demokratie und Gesellschaft anregen sollen – als außerschulischer Lernort Schloss Schwarzburg und als Denkort der Demokratie für die demokratische Zivilgesellschaft. Im Rahmen der baulichen und restauratorischen Maßnahmen innerhalb der beiden Räume soll die wechselvolle Geschichte mit den Spuren der fürstlichen Schlossausstattung und den Zeugnissen der brachialen Zerstörungen der 1940er Jahre ablesbar und sichtbar bleiben.
Ein um 1744 entstandener Gartenplan wurde bei der vor Jahren unumgänglichen Neugestaltung des etwa 5000 Quadratmeter großen Gartens vor dem Kaisersaalgebäude berücksichtigt. Rasen und eine Fontäne, eine als Reminiszenz an die einstige Funktion angelegte Mini-Orangerie und ein „Baumsaal“ laden zum Verweilen und Flanieren ein.
Zeughaus
Das Zeughaus ist der älteste Bau der Anlage. Über die Jahrhunderte entstand hier eine der größten zeitlich zusammenhängenden höfischen Waffensammlungen Europas. Zeitweise wurde die Sammlung nach Schloss Heidecksburg ausgelagert. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten kann sie seit März 2018 wieder in ihrer Gesamtheit im Zeughaus besichtigt werden.