Zahlreiche Sagen und Legenden ranken sich um die Burgruine Liebenstein im Ilmkreis. Von einem eingemauerten Kind wird erzählt und von verwunschenen Mauern. Erbaut wurde die Anlage von den Grafen von Schwarzburg, die von dort aus die Handelsstraße hinauf zu den Pässen des Thüringer Waldes bewachten. Die Burgruine Liebenstein, oberhalb des gleichnamigen Ortes, zeichnet sich dabei durch ihre auffallend kompakte Form aus, sowie durch die abgerundeten Ecken. Heute ist die Burg frei zugänglich und wird unter anderem für verschiedene Veranstaltungen genutzt.
Auf einen Blick
Adresse
Gosseler Straße 8
999330 Landgemeinde Geratal OT Liebenstein
ganzjährig frei zugänglich
Führungen auf Anfrage möglich
Die Sage vom eingemauerten Kind
Glaubt man der Sage, dann wurde beim Bau der Burg Liebenstein ein Kind eingemauert. Der Schriftsteller Ludwig Bechstein hat die grausame Geschichte in seinem Thüringer Sagenbuch festgehalten. So kann man dort von einer Mutter lesen, die ihr Kind verkaufte – und von einem Burgherrn, der dem heidnischen Glauben folgte und meinte, das geopferte Kind brächte Schutz und Sicherheit. Als der letzte Stein gemauert war, packte die Mutter das Entsetzen. Sie begriff, was sie getan hatte und stürzte sich vom Felsen ins Tal. „Nun umwandelt sie als unseliger Geist das alte Gemäuer, und lauscht dem Gewimmer ihres Kindes, und will es mit den Nägeln aus der Mauer graben. Manche sagen, man höre das Kind nur alle sieben Jahre wimmern, und die Maurer, die es eingemauert, seien in Eulen verwandelt worden, die noch erbärmlicher schrien als das Kind, und die so lange um die Trümmer fliegen müssten, als noch ein Stein derselben auf dem andern stehe.“
Schutz der Handelsstraße
Die Erzählung vom eingemauerten Kind ist nur eine von vielen Sagen, die sich rund um die Burg Liebenstein ranken. Man mag die Geschichten glauben oder nicht, gesichert ist, erstmals ist die Burg 1282 urkundlich erwähnt. Besonders auffallend ist die Ähnlichkeit mit der rund 25 Kilometer entfernten Burgruine Ehrenstein. Beide Anlagen zeichnen sich durch ihre besonders kompakte Form aus sowie durch die abgerundeten Ecken. In beiden Fällen waren die Grafen von Schwarzburg am Werk, allen voran vermutlich Graf Günther XXI. (1304–1349). Die Burg sollte dem Schutz der wichtigen Handelsstraße dienen, die hinauf zu den Pässen des Thüringer Waldes führte. Sie spielte wohl aber auch im Thüringer Grafenkrieg (1342–1346) eine wichtige Rolle, als sich die Grafen von Schwarzburg mit den Grafen von Weimar-Orlamünde, den Grafen von Hohnstein sowie den Vögten von Gera und Plauen zusammengeschlossen, um die Hegemonie der Wettiner zu verhindern. Ihr Plan schlug jedoch fehl, und die Wettiner konnten daraufhin endgültig ihre Vormachtstellung in Thüringen festigen.
Langsamer Verfall
Die Burg ist heute noch von einem 17 Meter breiten und 12 Meter tiefen Halsgraben umgeben. Dieser künstlich angelegte Graben sollte Schutz vor Angreifern bieten. Der erhaltene Kernbau der Burg setzt sich aus dem dreigeschossigen Wohnbau und dem rund 28 Meter hohen Turm zusammen. Der zur Burg gehörende Wirtschaftshof lag derweil unten im Tal. Daraus entwickelte sich der Ort Liebenstein. Ab 1434 war die Burg Liebenstein für 400 Jahre im Besitz der Herren von Witzleben. Die neuen Besitzer ließen die wehrhafte Burg Mitte des 16. Jahrhunderts in ein Wohnschloss umbauen. Doch bereits ab dem 17. Jahrhundert begann die Anlage zusehends zu verfallen. Die Herzöge von Sachsen-Gotha nutzten Liebenstein zwischenzeitlich als Justizamt. Dieses musste 1859 aber aufgrund drohender Einsturzgefahr hinunter ins Dorf verlegt werden. Rund zehn Jahre später wurde die Burg schließlich zum Abbruch verkauft. Erhalten haben sich nur fast nur jene Bauten, die Günther XXI. errichten ließ.Lesenswert zu Burgruinen
Schloss Bertholdsburg erhebt sich strategisch günstig am Ende eines Höhenzugs an der einst wichtigen Handelsstraße von Erfurt nach Nürnberg. Es ist das Älteste der erhaltenen ehemaligen Residenzschlösser in Thüringen. Begründer der Residenz waren die Grafen von Henneberg, eines der ältesten Grafengeschlechter Frankens. Im frühen 13. Jahrhundert verlegten die Henneberger ihren Hauptsitz nach Schleusingen. Berthold VII. erhielt 1310 die Fürstenwürde und baute die Burg umfangreich aus. Bis in das 16. Jahrhundert wurde die Burg ständig erweitert und modernisiert. Die einst stark befestigte Burganlage wurde zum Renaissanceschloss ausgebaut. So setzt sich die Vierflügelanlage aus Baukörpern unterschiedlicher Entstehungszeiten zusammen. Mit dem Aussterben der Henneberger 1583 fiel die Grafschaft an die Wettiner, 1815 an Preußen. Damit verlor Schloss Bertholdsburg seinen Status als Residenz. Heute befindet sich im Schloss das Naturhistorische Museum.
Von der Burg zum Renaissanceschloss
Aus welcher Richtung man sich auch immer Schleusingen nähert, ein Gebäude ist nicht zu übersehen – die markante Bertholdsburg. Begründet wurde die Residenz durch die Grafen von Henneberg, einem der ältesten Adelsgeschlechter Frankens. Ursprünglich hatten diese ihren Stammsitz auf dem Henneberg nahe der Stadt Meiningen. Doch um das Jahr 1230 verlegten sie ihren Sitz nach Schleusingen, das verkehrsgünstig an der wichtigen Handels- und Heerstraße von Nürnberg nach Erfurt lag. Der Schlossneubau konnte vermutlich dank einer reichen Mitgift realisiert werden. Diese kam durch die Heirat von Graf Poppo VII. mit der Tochter des Landgrafen von Hessen zustande. Ihren späteren Namen verdankte die Burg vermutlich Graf Berthold VII. (um 1272 – 1340). Er trug den huldvollen Beinamen „der Weise“, war eine wichtige politische Persönlichkeit seiner Zeit und fungierte für mehrere Könige und Kaiser als Berater sowie als Vormund für den Sohn Kaiser Ludwigs IV. des Bayern (um 1282–1347).
Von der Burg des 13. Jahrhunderts sind heute noch einzelne Bauelemente zu sehen. Um- und Erweiterungsbauten im 15. und 16. Jahrhundert sorgten dafür, dass sich das Aussehen der Anlage ständig veränderte. Obwohl sich das Adelsgeschlecht zu dieser Zeit bereits im Niedergang befand, wurde die mittelalterliche Wehranlage zu einem vierflügeligen Renaissanceschloss ausgebaut.
Die meist dreigeschossigen Gebäude wurden durch ein Obergeschoss aus Fachwerk aufgestockt und die Türme des Schlosses erhöht. Dieses Aussehen hat sich die Bertholdsburg bis heute weitgehend bewahrt. Von den ehemals neun Türmen sind heute jedoch nur noch sieben vorhanden. Ihre Namen wie Gerichtsturm, Jungfernturm, Hexenturm oder Kapellenturm verweisen auf ihre einstige bzw. zeitweilige Funktion. Der Hauptturm ist als Aussichtsturm in den Museumsbetrieb eingebunden. Nach dem Tod des letzten Henneberger Grafen im Jahr 1583 fielen fast alle Besitzungen an die Wettiner und später an Preußen, woraufhin Schleusingen seinen Residenzstatus verlor. Da die sächsischen und preußischen Schlossherren nun nicht mehr in Schleusingen residierten, zeigten sie auch kein Interesse daran, die Anlage umzugestalten. So blieb das Schloss im ursprünglichen Renaissancestil erhalten.
Herkules in Großformat
Die bedeutendsten erhaltenen Innenräume befinden sich im ersten Obergeschoss des Nordflügels. Dort erwarten Besucher unter anderem ein Saal mit floral stuckierter Decke und ein gewölbter Raum mit gelben und schwarzen Seccomalereien aus der Zeit um 1600. Großformatige Szenen zeigen die Heldentaten des antiken Helden Herkules. Es handelt sich um einen der größten profanen Bilderzyklen in Mitteldeutschland. Heute beherbergt das Schloss das Naturhistorische Museum, das seinen Besuchern drei Dauerausstellungen präsentiert – zur Regionalgeschichte, Geologie sowie zur Naturkunde, darunter bedeutende Fossilien- und Mineraliensammlungen.
Zwischen Weimar und Rudolstadt, oberhalb der kleinen Gemeinde Ehrenstein, erhebt sich die eindrucksvolle gleichnamige Burgruine. Einst residierten auf dem Berg die Grafen von Schwarzburg. Nach diversen Besitzerwechseln wurde die Burg Ende des 17. Jahrhunderts aufgegeben. Bemerkenswert sind die kompakte Bauform der Anlage sowie die abgerundeten Ecken. Schon von weitem kann man den 25 Meter hohen, viereckigen Bergfried erblicken.
Mit königlichen Ehren
Als „hus zcu dem erinstein“ – so wird die Burg Ehrenstein in ihrer ältesten Nennung aus dem Jahr 1346 bezeichnet. Die Burg gehörte damals den Grafen von Schwarzburg, erbaut wurde sie vermutlich von Günther XXI. (1301–1349). Dieser ging in die Geschichtsbücher ein, als er sich als Kandidat der Wittelsbacher für die Nachfolge Ludwigs des Bayern aufstellen ließ.
Am 30. Januar 1349 wurde Günther in der Reichsstadt Frankfurt tatsächlich zum deutschen König gewählt. Damit wurde er zum Gegenspieler Karls IV., dessen Wahl von den Wittelsbachern nicht anerkannt worden war. Am Ende konnte Karl IV. den Machtkampf für sich entscheiden. Diplomatisches Geschick, militärische Überlegenheit und eine tödliche Erkrankung führten schlussendlich zu Günthers Verzicht auf die Krone.
Obwohl sie Gegner waren, veranlasste Karl, dass der Verstorbene im Frankfurter Dom beigesetzt wird, mit allen königlichen Ehren.
Die Burg mit den runden Ecken
Als Bauherr hat Günther vermutlich nicht nur auf dem Ehrenstein seine Handschrift hinterlassen, sondern unter anderem wohl auch auf der Burg Liebenstein im Ilmkreis. Die beiden Anlagen entstanden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sie zeichnen sich durch ihre Schlichtheit in der Form sowie durch ihre Reduktion auf die wesentlichen Funktionsaspekte aus. Auffällig sind die kompakte Bauform sowie die abgerundeten Ecken, für die eigens Steine zugehauen wurden.
Die runden Ecken waren aber wohl weniger der Wehrhaftigkeit geschuldet, als vielmehr der Optik. Der älteste Teil der Burg Ehrenstein ist der Kernbereich. Er erhebt sich auf dem höchsten Punkt des Bergsporns und setzt sich aus einem Turm sowie dem dreigeschossigen, fast 30 Meter langen Wohnbau zusammen.
Dem Kernbereich gegenüber steht der Bergfried. Mit einer Höhe von etwa 25 Metern ist der markant viereckige Turm schon von weither sichtbar. Umgeben ist die Anlage von einem zwölf Meter breiten Halsgraben. Dieser künstlich angelegte Graben sollte die Burg vor Angreifern schützen.
Der Kreis schließt sich
Über mehrere Jahrhunderte befand sich der Ehrenstein im Besitz der Familie von Schwarzburg. Auf sie folgten die Grafen von Gleichen, die die Burg aber aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht dauerhaft halten konnten. Es folgten weitere Besitzerwechsel, bevor die Anlage 1610 schließlich wieder an die Schwarzburger ging. Damit schloss sich zwar der Kreis, doch die Burg befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits in einem desolaten Zustand.
Zeitweise wurde sie noch als Sitz für den Amtmann genutzt, doch der Niedergang konnte nicht aufgehalten werden, und so wurde die Anlage Ende des 17. Jahrhunderts schließlich aufgegeben und der Dachstuhl abgenommen. Damit war die Burg Ehrenstein offiziell zur Ruine geworden.