Es zählt zu den ältesten Klöstern Thüringens. Sein wichtigster Förderer wird heute noch in manchen Gegenden als Heiliger verehrt. Das Kloster St. Wigbert in Göllingen, nahe Bad Frankenhausen, kann nicht nur auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken, sondern vor allem auf eine sehr wechselvolle. Nach der Säkularisierung wurde es als staatliche Domäne genutzt und nach dem Zweiten Weltkrieg als Konservenfabrik. Vom einstigen Kloster hat sich vor allem der markante Westturm mit der romanischen Krypta erhalten.
Ausstellung "Sehen lernen – Zwischen Kloster und Konserve"
Im Kloster Göllingen hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) eine neue Dauerausstellung eröffnet. Die multimediale Ausstellung gibt Einblicke in rund 1.000 Jahre Klostergeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, deren Spuren bis heute am Denkmal ablesbar sind und den Schwerpunkt der Ausstellung bilden. Zudem wurde für die benötigte Infrastruktur ein Empfangspavillon in nachhaltiger Bauweise errichtet.
Wo einst die Edelkonserven lagerten, ist heute die neue Dauerausstellung in der Klosteranlage untergebracht. Vom interaktiven Zeitstrahl bis zum „Lager der Legenden“ werden Besucherinnen und Besucher durch die epochenübergreifende Klostergeschichte geleitet. Immer wieder wird der Blick auch auf die noch am Gebäude ablesbaren Spuren der Zeit gelenkt. Im Außenbereich wird der Rundgang durch Info-Tafeln und Hinweise weitergeführt.
Ein Multimediaguide bietet zudem interaktive Elemente und weitere Vertiefungsebenen mit Videos und Interviews. Kinderstationen halten auch die Kleinen auf Trab und führen spielerisch durch die Anlage.
Am Weihnachtstag 1005 soll es gewesen sein. Da entsagte ein Adeliger dem weltlichen Leben, trat dem Benediktinerorden bei und stiftete seinen Besitz dem Kloster Göllingen. In der Schenkungsurkunde heißt es: „Kund getan sei allen Christgläubigen, dass ein gewisser Adliger mit Namen Gunther kraft seines eigenen Erbrechts (…) die Güter Thürungen, Günserode, Ichtershausen, Eschenbergen mit Hörigen und allem, was dazu gehört, dem heiligen Wigbert am Altar in dem Ort, der Göllingen genannt wird, zum Unterhalt der Brüder jenes Ortes …“ übergeben habe. Göllingen gehörte damals zur Abtei Hersfeld und war, wie das Mutterkloster, dem heiligen Wigbert geweiht. Ein Jahr lang leitete Gunther – der vormalige Graf von Käfernburg-Schwarzburg – die Geschicke des Konvents, dann zog er sich in die Einsamkeit der Wälder zurück und lebte als Eremit im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet. Dort wird er heute noch als Heiliger verehrt, als Gunther von Thüringen sollte er in die Geschichtsbücher eingehen. Die Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1005 ist die älteste urkundliche Erwähnung des Klosters Göllingen. Damit gehört es zu den ältesten Klöstern Thüringens. Bereits um das Jahr 775 wird der Ort als Besitz des Klosters Hersfeld aufgeführt, ob es damals allerdings bereits ein Kloster gab, ist unklar.
Spuren des Klosterlebens
Von der einstmals weitläufigen Klosteranlage haben sich heute nur noch Reste erhalten. Von der Klosterkirche sind vor allem die Apsis im Osten sowie der Westturm erhalten. Da schriftliche Zeugnisse weitgehend fehlen, musste ihre Baugeschichte anhand der Gebäudereste rekonstruiert werden. Ende des 10. Jahrhunderts wurde vermutlich eine erste Steinkirche errichtet. Um etwa 1170 erfolgte der erste große Umbau. Dabei entstand ein sogenanntes Chorpodium, die beiden unteren Geschosse des erhaltenen Westturms. Einige Jahre später wurde das Chorpodium turmartig ausgebaut und um zwei achteckige Geschosse ergänzt. Der Westturm beherbergt auch die bedeutende Krypta der einstigen Klosterkirche. Sie wurde raffiniert in das ansteigende Gelände hineingebaut und war von Westen nicht sichtbar. Die anspruchsvolle Architektur des Raumes und die aufwendige Ausgestaltung und zeugen vom Reichtum des Klosters.
Erst Domäne, dann Konservernfabrik
Während des Bauernkriegs wurde die Klosteranlage 1525 geplündert und teilweise zerstört. Die Reformation überstand Göllingen weitgehend unbeschadet, doch 1606 erfolgte die Säkularisierung und Umwandlung in eine Domäne. Die Krypta diente fortan als Lagerraum, das Kirchenschiff verschwand größtenteils und das Brauhaus des Klosters wurde zum Pferdestall. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal als Konservenfabrik genutzt. Ein Großteil der Gebäude wurde abgerissen oder verändert, es entstanden Werkstätten, Lager und Wirtschaftsgebäude. Nach dem Ende der Konservenproduktion 1990 wurde die Baugeschichte der Klosterkirche wissenschaftlich erforscht.
Wir, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG), wollen unsere wertvollen historischen Kulturgüter und Denkmäler nicht nur erhalten, sondern sie auch auf zeitgemäße Weise unseren Gästen näherbringen. Dank der Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur können wir seit 2022 unter dem Projekt-Titel „SchlösserWelt Digital&Original“ die Digitalisierung und Vermittlung vorantreiben. Bis Ende 2025 stehen dafür rund 3,97 Millionen Euro zur Verfügung.
Wir freuen uns darauf, unseren Gästen noch mehr spannende Einblicke in unsere historischen Anlagen und ihre Geschichte zu ermöglichen! Hier finden Sie eine Auswahl unserer aktuellen Teilprojekte:
Schloss und Park Altenstein
Am Schloss und Park Altenstein eröffneten wir im April 2022 ein neues Besucherzentrum. In dem modern gestalteten Innenraum können sich unsere Gäste umfangreich über die Anlage und ihre Umgebung informieren und beraten lassen. Für alle, die eine kleine Verschnaufpause brauchen, haben wir außerdem einladende Sitzgelegenheiten mit Blick auf den Park eingerichtet. Dank unseres Kooperationspartners, der Tourist Information Bad Liebenstein, erhalten Sie hier auch Tipps für Ausflüge in die Region.
Vermittlungsprojekt Oberschloss Kranichfeld
Im Oberschloss Kranichfeld entstehen unter dem Titel Sehen lernen – Auf Spurensuche im Oberschloss Vermittlungsangebote in den Innen- und Außenbereichen der verzweigten Anlage. Die Gäste werden Spuren vom 12. Jahrhundert bis in die Gegenwart entdecken, die das heutige Erscheinungsbild der Anlage prägen. Denn obwohl das Renaissanceschloss auf den ersten Blick vollkommen intakt aussieht, haben sich nach einem Großbrand 1934 teilweise nur die Außenmauern erhalten.
Vermittlungsprojekt Kloster St. Wigbert in Göllingen
Im ehemaligen Kloster St. Wigbert in Göllingen werden den Gästen unter dem Titel Sehen lernen – Zwischen Kloster und Konserve die vielfältigen Bauphasen und die wechselhafte Geschichte der Anlage erläutert. Neben der Vermittlung der Außenbereiche, die vom Bild des romanischen Klosterturms über frühneuzeitliche Wirtschaftsgebäude bis hin zur DDR-Konservenfabrik geprägt sind, entsteht eine neue Dauerausstellung. Hier werden die Umbrüche und die Initiativen zum Erhalt der knapp 1200-jährigen Anlage erklärt und machen ihr heutiges Aussehen nachvollziehbar.
Viele Menschen verbinden eine Vielzahl an Erinnerungen und Erlebnissen mit unseren geschichtsträchtigen Liegenschaften. Die Oral-History-Forschungsstelle der Universität Erfurt hilft uns dabei, diese Geschichten und Biografien in Interviews zu sammeln und für die Zukunft zu bewahren. Aktuell stehen bei uns die Erinnerungen rund um Kranichfeld, Göllingen und Wilhemsthal im Fokus.
Außerschulischer Lernort Schloss Schwarzburg
Für Schloss Schwarzburg wird gegenwärtig ein außerschulischer Lernort konzipiert, der bereits jetzt auf Nachfrage besucht werden kann. Im Fokus stehen dabei die Bau-, Nutzungs- und Dynastiegeschichte, die bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen.
Von besonderem Interesse ist die Zeit nach 1918, in die die Abdankung des letzten Fürstenpaares und – in Sichtweite zum Schloss – die Unterzeichnung der Weimarer Verfassung sowie der nicht abgeschlossene Umbau der Schlossanlage zum Reichsgästehaus durch die Nationalsozialisten fallen. In der Auseinandersetzung mit dem historischen Ort und mit dem Schloss als „gebauter Quelle“ können sich Schülerinnen und Schüler u.a. Themen zur Demokratie- und Diktaturgeschichte widmen.
Schwarzburg: Schloss Schwarzburg / Internationale Bauausstellung Thüringen IBA / Foto: Thomas Müller
In den Jahren 2019 bis 2021 konnten im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA) zwei Räume wieder nutzbar gemacht werden, in denen die Spuren der Zeit bewusst sichtbar geblieben sind. Sie unterstreichen das bauhistorische Denkmal Schloss Schwarzburg als besondere kulturhistorische Quelle für forschendes und partizipatives Lernen zusätzlich.
Sollten Sie Interesse an weiterführenden Informationen und themenspezifischen Angeboten haben, kontaktieren Sie uns gerne unter: lernort@thueringeschloesser.de
Schauen Sie regelmäßig auf dieser Webseite und auf unseren Social-Media-Kanälen vorbei, um mehr über die Projektfortschritte und unsere neuen Vermittlungsformate zu erfahren!