Das Sonderinvestitionsprogramm I (SIP I) der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) schreitet mit großen Schritten voran. Fünf von 23 Einzelprojekten sind bereits abgeschlossen, drei davon 2025. Insgesamt wurde in diesem Jahr auf dreizehn Baustellen parallel gebaut. Das aktuelle Auftragsvolumen für Planungs- und Bauleistungen beläuft sich auf rund 44 Millionen Euro und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Ende des nächsten Jahres sollen dann auch die letzten Großbaustellen an den Start gehen. Das SIP I hat ein Volumen von 200 Millionen Euro. Finanziert wird es jeweils zur Hälfte vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Mit den Sicherungen auf den Burgruinen Ehrenstein und Bad Liebenstein und der sanierten Turmhaube auf der Burg Weißensee konnten 2025 drei Einzelprojekte abgeschlossen werden. Mit der Fenstersanierung am Westflügel und der Sanierung des maroden Entwässerungsnetzes samt neuer Löschwasserzisterne auf Schloss Sondershausen sind nun insgesamt fünf SIP-Projekte fertig.
Planmäßig weitergeführt werden konnten 2025 die Stützmauersanierung auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden und der Innenausbau im Schloss Altenstein samt der Sanierung des historischen Küchenbaus. Das Torhaus der Burg Ranis und das Renaissanceschloss Dornburg gehörten 2025 zu den neu begonnenen Baustellen. Auch die barrierearme Erschließung und der Einbau eines neuen Servicebereichs im Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg sowie die Sanierung des Pavillons im Schlosspark Molsdorf schreiten sichtbar voran. Jüngst angelaufen ist auch die umfangreiche Baustelleneinrichtung für die Dachsanierung am Westflügel von Schloss Heidecksburg in Rudolstadt. Hier hat der Aufbau des bis zu 70 Meter hohen Gerüstes begonnen.
2026 kommen weitere Baustellen hinzu, so soll am Prinzessinnenbau der Wasserburg Kapellendorf die Sanierung von Dach und Fassaden beginnen, auf Schloss Bertholdsburg in Schleusingen startet die Sanierung von Innenräumen im Süd- und Westflügel und auf Schloss Wilhelmsburg die Dachsanierung am Südflügel. Große Schwerpunkte sind Schloss Sondershausen mit der statisch-konstruktiven Sicherung an den Alten Flügeln samt Turm und der Sanierung des Jägerhauses sowie Schloss Heidecksburg in Rudolstadt mit der Sanierung von Marstall und Säulensälen mit gestaffelten Projektstarts bis Anfang 2027.
Christian Tischner, Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, hebt die Bedeutung des Programms hervor: „Das Sonderinvestitionsprogramm steht für mehr als Bauen und Sanieren – es ist auch eine Investition in Bildung und kulturelle Teilhabe. Kulturelles Erbe stiftet Identität und macht Wissen lebendig. Dass wir diese Chancen sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum stärken können, verdanken wir der gemeinsamen Kraftanstrengung von Bund und Land. Auch in Zeiten knapper Kassen bleibt der Erhalt unseres kulturellen Erbes dauerhaft eine zentrale Aufgabe.“
Dr. Doris Fischer, Direktorin der STSG, betont die weitreichenden Effekte der Förderung: „Wir bauen in großem Umfang. Das macht wirklich Freude – nicht nur uns, sondern sichtbar auch denen, die auf der Baustelle die Arbeit verrichten. Unsere Sanierungsprojekte fordern die Handwerker, geben aber auch etwas zurück. Alte Handwerkskunst ist gefragt, das bietet besondere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Denkmalförderung bedeutet auch Wirtschaftsförderung vor allem in den traditionsreichen Gewerken, das macht das SIP I zunehmend sichtbar. Die Umsetzung der Projekte wäre aber auch ohne die enge Partnerschaft mit Zuwendungsgebern, Nutzern und prüfenden Behörden nicht möglich. Ihnen allen sind wir für die hervorragende Zusammenarbeit sehr dankbar.“
Architektin Carola Niklas, SIP-I-Referatsleiterin der STSG, blickt auf das laufende Jahr zurück: „Auch 2025 sind wir wieder gut vorangekommen und konnten im Programm bereits rund 650 Aufträge an 350 Firmen vergeben. Die Handwerker bringen die versierten Fertigkeiten mit, die wir brauchen, um unsere Ziele im komplexen historischen Bestand zu erreichen von der Turmhauben- und Fachwerksanierung mit alten Techniken bis zur Felssicherung oder passgenauen Steinmetzarbeit. Das ist neben einer perfekten Planung und Koordination eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen. Alle Firmen sind sehr motiviert und die Gewerke arbeiten Hand in Hand.“
Schloss Schwarzburg im SIP I
Auf Schloss Schwarzburg wird im SIP I das Hauptgebäude durch den Einbau eines Aufzugs barrierearm erschlossen. Mit dem Einbau eines neuen Servicebereichs mit Sanitäranlagen entsteht dringend benötigte Infrastruktur. Im Sommer 2026 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Rund 2 Millionen Euro werden im Rahmen des SIP I auf Schloss Schwarzburg investiert.
Während der neue Aufzug bereits eingebaut ist und im Außenbereich eine Kläranlage eingebaut wurde, laufen die Arbeiten im Erdgeschoss des Hauptgebäudes derzeit auf Hochtouren. Im Rahmen des Innenausbaus wurden im neuen Servicebereich bereits Fenster eingebaut und Zwischenwände und eine neue Decke montiert. Beim Innenausbau kommt im Sinne der im Schloss-Hauptgebäude prägenden Spurenlese auch Recyclingmaterial zum Einsatz.
Schloss Schwarzburg war die Stammburg der Grafen und Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. In den 1940er Jahren begann unter den Nationalsozialisten ein Umbau zum Reichsgästehaus. 1942 blieb das Schloss als Bauruine zurück. Seit 2021 sind erste Bereiche des Hauptgebäudes wieder zugänglich.
Das SIP I in Zahlen
Im Rahmen des SIP I werden rund 40.000 Quadratmeter Geschossfläche in 13 Kulturdenkmalen saniert. Die Dachsanierungen summieren sich auf knapp 12.000 Quadratmeter. Außerdem kommen 5.500 Quadratmeter Natursteinmauerwerk in die Kur. Rund 200 Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen sind als beauftragte Planer und Forscher mit den dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen befasst, die in 23 Einzelprojekte aufgeteilt sind. Koordiniert werden die Maßnahmen von Projektteams innerhalb der STSG. Oftmals handelt es sich dabei um die erste Gesamtbetrachtung der Baudenkmale im Hinblick auf Statik und Konstruktion seit ihrer Errichtung. Durch die SIP-Einzelprojekte werden vielerorts die Nutzungsbedingungen für Schlossmuseen, Musikschulen, Archive und andere Institutionen verbessert.
Nachhaltigkeit im SIP I
Eine wichtige Rolle bei der Planung und der Ausführung der Maßnahmen im SIP I spielt der Aspekt der Nachhaltigkeit. Zwar ist denkmalpflegerisches Handeln schon per se nachhaltig, nicht zuletzt durch den häufigen Einsatz naturnaher Materialien und traditioneller Handwerkstechniken. Aber auch im Hinblick auf Energie gibt es Handlungsmöglichkeiten. Notwendige Haustechnik wird strikt auf Energieeffizienz geprüft, vielfach wird wohl der Umstieg auf alternative Heiztechnologien mit den Maßnahmen verbunden sein. In denkmalverträglichen Einzelfällen wird auch die Einsatzmöglichkeit von Solartechnik untersucht.
Bauarbeiten 2025 im SIP I auf einen Blick
Baustellen 2025
• Schloss Altenstein
• Burg Ranis: Vorburg
• Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden: Stütz- und Umfassungsmauern
• Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden: Südflügel mit Schlosskirche
• Burg Weißensee: Ringmauer
• Schloss Bertholdsburg in Schleusingen: Schlossbrücke mit Umfeld (Schlossbrücke bereits fertig saniert)
• Schloss Molsdorf: Pavillon mit Umfeld
• Schloss Schwarzburg
• Renaissanceschloss Dornburg
• Schloss Heidecksburg Rudolstadt: Sanierung Dach Westflügel, Turm und Brandschutzmaßnahmen im Westflügel
Bereits abgeschlossen
• Schloss Sondershausen: Fenstersanierung Westflügel
• Schloss Sondershausen: Medienerschließung und Zisterne
• Burg Weißensee: Turmhaube
• Burgruine Bad Liebenstein (Ruinensicherung)
• Burgruine Ehrenstein (Ruinensicherung)
2026 startende Bauarbeiten
• Wasserburg Kapellendorf: Prinzessinnenbau
• Schloss Bertholdsburg Schleusingen: Sanierung von Innenräumen im Süd- und Westflügel
• Schloss Heidecksburg Rudolstadt: Marstall und Säulensäle (Baustart Ende 2026/Anfang 2027)
• Schloss Sondershausen: Jägerhaus und Sicherungsmaßnahmen Alte Flügel und Turm (Baustart Ende 2026/Anfang 2027)
Abbildung:
– Sanierungsarbeiten im Sonderinvestitionsprogramm I (hier Schloss Bertholdsburg), Foto STSG, Thomas Müller




