In der ehemaligen Klosterkirche St. Peter und Paul in Erfurt zeigt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten die Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“
Auf einen Blick
Einrichtungen
Klosterkirche St. Peter und Paul Tickets im Besucherzentrum gegenüber (Petersberg 3)
03 61/66 40 17 0
Barrierefreiheit
Die Ausstellung ist barrierefrei zugänglich. Eingang: Längsseite der Kirche zur Defensionskaserne
Die Präsentation im Erdgeschoss ist komplett ebenerdig.
Öffnungszeiten
Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ Saison von April bis Oktober
01. April bis 01. November 2026
Di – So, 10 – 18 Uhr
(letzter Einlass 17.30 Uhr)
Eintrittspreise
Erwachsene 8 €
Ermäßigt 4 €
Feierabendticket (ab 17 Uhr) 4 €
Familienticket ab 16 €
Kombiticket:
Peterskirche & Kommandantenhaus 12 €
Gruppenticket (ab 10 Pers.), pro Pers. 5 €
Gartenkunst und Klosterkultur
Die Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ präsentiert Werke der Gartenkunst Thüringens vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Auch das frühere Kloster St. Peter und Paul selbst wird in der Ausstellung thematisiert.
Am Beispiel der Gartenanlagen des früheren Klosters St. Peter und Paul, von dem heute nur noch die Klosterkirche steht, wird die mittelalterliche Gartenkultur behandelt. Die Außenanlagen des Klosters umfassten den Garten im Kreuzgang, Obst-, Gemüse-, Kräuter- und Weingärten sowie den Friedhof. Während im Mittelalter die Klöster bei der Förderung und Verbreitung der Gartenkultur führend waren, übernahmen die Fürstenhöfe seit der frühen Neuzeit diese Rolle. An den historischen Gärten und Parks in der Obhut der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ist diese Entwicklung ablesbar. Im Gegensatz zu den mittelalterlichen Gärten sind die Park- und Gartenanlagen der Renaissance, des Barock und die Landschaftsgärten in ihrem Bestand erhalten und in ihrer Vielfalt und Schönheit erlebbar. Die Ausstellung vermittelt Einblicke in ihre Entstehungsgeschichte, Gestaltungsweise und in das Wirken der Gartendenkmalpflege, das die Voraussetzung zum Erhalt dieser wertvollen Kulturgüter bildet.
Elf Gartenparadiese stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Die Gartenkultur besaß einen hohen Stellenwert. Die ausgewählten Beispiele repräsentieren die Gartenkunst in Thüringen von der Renaissance, etwas im Schlossgarten von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden über barocke Gestaltungen, beispielsweise in der Orangerie von Schloss Friedenstein, im Orangerieparterre von Schloss Schwarzburg oder im Schlosspark Molsdorf. In letzterem lässt sich auch der Übergang zu Landschaftsgärten und -parks ablesen. Solche Parkanlagen sind in beeindruckender Weise im Herzoglichen Park Gotha, im Fürstlich Greizer Park und dem größten Thüringens, dem Schlosspark Altenstein in Bad Liebenstein erhalten geblieben. Sie gehörten zum höfischen Erbe der Residenzkultur. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts wuchs das Interesse an Gartenkunst und Botanik auch bei den Bürgern. Der Garten am Kirms-Krackow-Haus veranschaulicht diese Entwicklung. Hier entstand ab 1750 ein privates Paradies mit reichem Blumenschmuck und vielfältigen Obstsorten.
Weiteres Angebot: Petersberg Experience
Zeitreise ins Jahr 1181: Erleben Sie den Petersberg und das Peterskloster in Virtual Reality mit einer 3-D-Brille! Bei diesem rund 90-minütigen Rundgang über den Petersberg erhalten Sie nicht nur die Möglichkeit, virtuell in die Geschichte einzutauchen und die Atmosphäre des Mittelalters hautnah zu erleben – Sie werden ein Teil von ihr!
Unsere Guides führen Sie zunächst in das mittelalterliche Skriptorium in der Defensionskaserne und machen Sie mit den 360°-Zeitreisebrillen vertraut. Anschließend lernen Sie unseren virtuellen Klosterbruder Kuno kennen, der Sie ebenfalls auf der faszinierenden Reise ins Jahr 1181 begleitet und an weiteren neun Stationen spannende Einblicke aus dem klösterlichen Alltag an historischen Originalschauplätzen gewährt. Spazieren Sie auf mittelalterlichen Wegen und erleben Sie die Klosterkirche St. Peter und Paul in ihrer vollen Pracht.
Das Highlight der Tour: Erleben Sie hautnah den dramatischen Kniefall von Heinrich dem Löwen vor Kaiser Barbarossa – ein Schlüsselmoment der Geschichte – der in unserer VR-Tour lebendig wird. Ein Kooperationsprojekt der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.
Sie wurde zerstört, zweckentfremdet und ihrer Würde beraubt – die Klosterkirche St. Peter und Paul. Nach der Säkularisation wandelten sie preußische Truppen 1820 in ein Proviantlager um. In jüngster Zeit erhielt das ehemalige Gotteshaus etwas von seiner einstigen Würde zurück, indem die Lagerböden teilweise entfernt wurden. Erbaut wurde die Kirche vor rund 900 Jahren auf der damals höchsten Erhebung innerhalb der Erfurter Stadtmauern, dem Petersberg. Die Pfeilerbasilika des einstigen Benediktinerklosters folgte dem Vorbild der Hirsauer Schule. Im Inneren haben sich einige der ältesten Wandmalereien in Thüringen erhalten.
Gärten in der Klosterkirche
Wo einst Mönche wandelten, hat die Thüringer Gartenkunst Einzug gehalten. Die Ausstellung "Paradiesgärten - Gartenparadiese" bietet einen Streifzug durch die historischen Parks und Gärten der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Auch Einblicke in das Peterskloster selbst und die klösterliche Gartenkultur bietet die stimmungsvolle Schau.
Ein „das innerste Gefühl erschütternder Anblick“. So beschrieb es Constantin Beyer in seiner 1821 erschienen Stadtchronik. Was den Schreiber so aus der Fassung brachte, war die ausgebrannte Klosterkirche St. Peter und Paul. Ende 1813, inmitten der Befreiungskriege, war sie zwischen die Fronten geraten. Französische Truppen hatten sich in der Zitadelle auf dem Petersberg verschanzt. Die Festungsanlage war rund 150 Jahre zuvor errichtet worden und schloss das Kloster komplett ein. Eine verhängnisvolle Lage, wie sich zeigen sollte. Denn die Preußen eröffneten das Feuer. Sie konnten die Franzosen schlussendlich zwar vertreiben, fügten der Kirche aber schwere Schäden zu. Ein Wiederaufbau kam für die neuen Landesherren nicht in Frage, stattdessen machten sie aus dem Gotteshaus ab 1820 ein Proviantlager für das preußische Militär. Dazu wurden die Reste der Türme abgebrochen, der Obergaden mit den Fenstern abgetragen, drei Lagerebenen eingezogen und ein Satteldach aufgesetzt.
Auf den Spuren zwischen Hirsau und Barbarossa
Um das Jahr 1060 war das Benediktinerkloster vom Mainzer Erzbischof gegründet worden. Ab 1127 folgte der Neubau der Klosterkirche nach Hirsauer Vorbild. Dieser monastischen Reformbewegung folgend wurde die Kirche als flach gedeckte Pfeilerbasilika errichtet – mit einer abgetrennten Laienkirche, einem „chorus minor“ für die Ordensbrüder mit niederen Weihen und einem separaten Bereich für die Patres, die Priestermönche. Der Hirsauer Tradition entsprechend verzichtete man auf eine Krypta. Mit einer Länge von 75 Metern gilt die Klosterkirche als erster Großbau der Hirsauer Schule auf thüringischem Boden. Das Peterskloster nahm im Früh- und Hochmittelalter eine führende Rolle unter den Thüringer Klöstern ein. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts fanden dort mehrere Synoden sowie Reichs- und Hoftage der deutschen Kaiser und Könige statt. Im Jahr 1181 kam es hier auch zum Showdown zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen. Der aufständische Herzog musste sich auf dem Hoftag in Erfurt dem staufischen Kaiser unterwerfen.
Versteckte Kostbarkeiten
Trotz ihrer Zerstörung und Zweckentfremdung ist die Kirche noch immer ein bemerkenswertes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. So besteht das Mauerwerk aus ungewöhnlich großformatigen Quadern, die zum Teil eine Länge von zwei Metern erreichen. An der südlichen Außenwand des Querhauses ist zudem eine Ritzzeichnung erhalten. Sie entstand wohl um das 1360 und zeigt einen sogenannten Schmerzensmann. Unter den Farbschichten der Frühen Neuzeit haben im Kircheninneren Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts überdauert, darunter eine Kreuzigungsszene sowie zwei überlebensgroße Heiligenfiguren. Indizien lassen darauf schließen, dass es sich um die Apostel Andreas und Johannes handelt. Die Darstellungen zählen zu den ältesten erhaltenen Wandmalereien in Thüringen.