Inmitten des nationalen Geoparks Thüringen Inselsberg, nicht weit von Gotha und Erfurt entfernt, erheben sie sich – die „Drei Gleichen“. Das Burgenensemble ist weit über die Thüringer Grenzen hinaus bekannt. Über malerische Wanderwege lassen sich die Mühlburg, die Veste Wachsenburg und die Burg Gleichen erkunden. Letztere stammt aus dem 11. Jahrhundert und diente den Grafen von Gleichen als namensgeber Stammsitz. Ein romanischer Wohnbau, das Herrenhaus sowie der Bergfried haben sich erhalten. Im Wehrturm befindet sich eine Ausstellung zu Burggeschichte und Naturraum des Drei-Gleichen-Gebietes.
Auf einen Blick
Adresse
Burggelände und Burgmuseum Gleichen Außenstelle des Naturkundemuseums Erfurt
Thomas-Müntzer-Straße 4
99869 Drei Gleichen Website
Öffnungszeiten
Burggelände und Burgmuseum Gleichen Außenstelle des Naturkundemuseums Erfurt
April bis Oktober Mo – So 10 – 18 Uhr
letzter Einlass 17:30 Uhr
Burggelände und Museum November bis März geschlossen
Der „zwiebeweibte“ Graf
In manchen Geschichten heißt er Ernst, in anderen dagegen Ludwig. So oder so, ein Graf von Gleichen soll er gewesen sein. Im Gefolge des Kaisers machte er sich auf ins Heilige Land, um dieses für die Christenheit zurückzuerobern. Doch der Graf geriet in Gefangenschaft. Dort, so erzählt die Sage, verliebte sich die Tochter des Sultans in den Fremden. Sie verhalf ihm zur Flucht und brannte mit ihm nach Thüringen durch – wo allerdings schon die Ehefrau des Grafen wartete.
Für den Papst soll das kein Hinderungsgrund gewesen sein und so erteilte er der ungewöhnlichen Dreierbeziehung seinen Segen. Die Geschichte vom „zwiebeweibten“ Grafen mag märchenhaft klingen, doch sie trägt einen Funken Wahrheit in sich. Denn eine Grabplatte im Erfurter Dom zeigt genau jenen Grafen – flankiert von zwei Frauen. Goethe inspirierte diese Geschichte zu seinem Schauspiel „Stella“.
Stammsitz der Grafen von Gleichen
Die Burg Gleichen erlangte durch die Sage vom „zwiebeweibten“ Grafen bis heute Berühmtheit. Um das Jahr 1089 wurde die Anlage erstmals urkundlich erwähnt. Etliche Male sollte die Burg den Besitzer wechseln, ehe sie 1139 an die Grafen von Tonna gegeben wurde, die mit einem Neubau begannen. Für sie war die Burg Gleichen nicht einfach nur ein Herrschaftssitz, sie sollte für das Adelsgeschlecht namensgebend werden. So wurden aus den Grafen von Tonna bereits nach wenigen Jahren die Grafen von Gleichen.
Diese standen im Dienst des Erzbischofs von Mainz und fungierten als Vögte der Stadt Erfurt. Ursprünglich stand die Burg Gleichen auf einem steilen Bergkegel.
Diese wurde jedoch künstlich abgeflacht und erweitert, um so Platz für die 105 x 60 Meter umfassende Burganlage zu schaffen. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage in der Nähe der mittelalterlichen Handelsstraße „via regia“ wurde die Burg immer wieder angegriffen und belagert. Während einer Fehde wurde sie zerstört, im Jahr 1231 bei einem Großbrand vermutlich schwer beschädigt. Die Grafen bauten die Burg jedoch immer wieder auf, modernisierten und erweiterten sie. So zeichnet sich die Ringburg heute vor allem durch das Nebeneinander von Bauten aus verschiedenen Zeiten aus, vornehmlich aus dem 12. und 16. Jahrhundert. Dazu zählen der dreigeschossige romanische Wohnbau, Teile der Ringmauer, der annähernd quadratisch Bergfried, das Torgewölbe mit Kapelle, der Kanzleibau sowie das Herrenhaus.
„Diese curieuse Antiquität“
Bis zum Jahr 1537 sollte die Burg ständige Residenz der Grafen von Gleichen bleiben. Erst dann verlegten diese ihren Herrschaftssitz ins nahe gelegene Ohrdruf. 1599 gaben sie die Anlage endgültig auf, ein Großteil der Ausstattung wurde in andere Bauten verbracht und Burg Gleichen diente lediglich noch als Amtssitz. In der Folgezeit wechselte sie noch mehrmals die Besitzer, dennoch begann der langsame Verfall. Der herzogliche Sekretär und Hofadvokat Johann Zacherias Gleichmann nannte die Burg im Jahr 1725 „diese curieuse Antiquität“. Der Bergfried wird teils museal genutzt und bietet eine Aussichtsplattform. Von dort haben Besucher einen herrlichen Blick auf die Nachbarburgen, mit denen die Burg Gleichen zusammen das einmalige Ensemble der „Drei Gleichen“ bilden.
In einer Senke der Gera südwestlich von Erfurt liegt Schloss Molsdorf. Hier gab es spätestens im 16. Jahrhundert eine der wenigen Wasserburgen Thüringens als Vorgängerbau des heutigen Schlosses. Der aus bürgerlichem Stand zum Reichsgrafen aufgestiegene Diplomat Gustav Adolf von Gotter (1692 – 1762) kaufte Schloss Molsdorf 1734 als repräsentativen Landsitz. Er ließ die alte Schlossanlage in einen rechteckigen Vierflügelbau mit repräsentativer Südfassade umbauen.
Abgesehen von geringen Umgestaltungen unter der Gräfin von Gneisenau Anfang des 20. Jahrhunderts blieb es nahezu unverändert erhalten. Der barocke Garten hingegen wurde von 1789 bis 1825 nach den Prinzipien des frühen Landschaftsgartens umgestaltet. Heute beherbergt Schloss Molsdorf das Schlossmuseum sowie den Nachlass des Thüringer Malers und Grafikers Otto Knöpfer (1911 – 1993) und eine umfangreiche Erotika- Sammlung.
Schloss Friedenstein ist eine der kunst- und kulturhistorisch bedeutendsten Schlossanlagen Thüringens. Nach Gründung des Herzogtums Sachsen-Gotha 1640 wurde es von 1643 bis 1656 unter Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha, genannt der Fromme, erbaut. Die weithin sichtbare schlichte Dreiflügelanlage von Schloss Friedenstein wurde immer wieder umgebaut und neu ausgestattet. Sie beherbergt Raumkunstwerke vom Barock bis zum Historismus.
Östlich, südlich und westlich des Schlosses erstreckt sich ein weitläufiger Park. Die beiden wichtigsten Bereiche der Anlage, der Orangeriegarten und der Englische Garten, gehen auf das 18. Jahrhundert zurück.
Im Schloss ist die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha mit dem Schlossmuseum, dem Museum der Natur, dem Historischen Museum und dem Ekhof-Theater untergebracht, hinzu kommt die Forschungsbibliothek Gotha.
Hör mal im Garten - Audioguide von Kindern für Kinder
Kinderaugen sehen anders – auch den Herzoglichen Park Gotha. Nun kann man sich den Garten aus ihrer Perspektive erklären lassen. Im Projekt „Hör mal im Garten“ erstellt eine Schülergruppe der Arnoldischule Gotha einen Audioguide für Kinder. Förderer und Projektpartner der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sind die Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Thüringer Landesmedienanstalt. Der Audioguide vermittelt die großen und kleinen Pflanzen, die Geschichten und Besonderheiten des Herzoglichen Parks und der Herzoglichen Orangerie kindgerecht.
Mit Unterstützung der Kooperationspartner planten die Schüler den Produktionsprozess und setzten ihn um. Von der Themenauswahl und der Textproduktion über die Anlage des Konzepts bis hin zur Aufnahme der Tonspuren und Geräusche waren die Schüler tonangebend und verantwortlich.
Das Projekt »Hör mal« ist eine Kooperation zwischen Thüringer Museen, Schulen, der Sparkassen- Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM). In vielen Orten Thüringens produzieren Kinder und Jugendliche in einem Museum ihrer Stadt Audioguides für Kinder. Dabei sollen im Unterricht erlernte Themen vertieft und das erworbene Wissen bei den Schülern gefestigt werden.
Der Lernort Schule wird erweitert und das Museum als Ort der Wissensvermittlung etabliert. Die Bindung der Schüler an ihren Heimatort wird durch dieses Projekt intensiviert.