Vor 40 Jahren, so vermerkte es Johann Wolfgang von Goethe 1817 in seinem Tagebuch, habe er „zu Wagen, Pferd und Fuß Thüringen kreuz und quer durchwandert“ und sei doch niemals zuvor in Paulinzella gewesen. Dabei war die Klosterruine im Rottenbachtal schon zu Goethes Zeiten ein lohnendes Ziel. Immerhin gehört Kloster Paulinzella zu den bedeutendsten romanischen Sakralbauten Mitteldeutschlands. Die Klosterkirche stammt aus dem 12. Jahrhundert ist aber nur noch als Ruine erhalten. Das frühere Amtshaus sowie das Jagdschloss der Grafen von Schwarzburg beherbergen ein Museum zur Kloster- und Forstgeschichte.
Auf einen Blick
Adresse
Museum zur Kloster-, Forst- und Jagdgeschichte im Jagdschloss Amtshaus
Paulinzella 3
07426 Königsee
T: 036739 – 3 11 43 E-Mail Website
Öffnungszeiten
Museum mit Ausstellung
„544 Jahre – erlebtes Holz“ März bis Oktober
Mi – So 10 – 17 Uhr
Tickets nur im Jagdschloss erhältlich
letzter Einlass 16:30 Uhr
Park, Kräutergarten
Außengelände ganzjährig frei zugänglich
Geheimnisvolle Klostergründerin
Paulina war ihr Name und eine sächsische Adelige soll sie gewesen sein. Ansonsten ist über die Klostergründerin nicht allzu viel bekannt. Was man noch weiß, ist, dass sie als Witwe etwa 1102 mit mehreren Frauen in den Thüringer Wald zog, dort als Einsiedlerin lebte und wenig später das Doppelkloster Marienzelle gründete. Der männliche Teil des Konvents wurde mit Benediktinermönchen aus dem Kloster Hirsau besetzt, im weiblichen Teil lebte unter anderem die Adelige. 1106 bekam Paulina die päpstliche Genehmigung zur Klostergründung. Noch zu Paulinas Lebzeiten wurde mit dem Bau der Klosterkirche begonnen. Deren Fertigstellung erlebte sie jedoch nicht mehr, sie starb bereits 1107. Einige Jahre später sollten ihre Gebeine in der Klosterkirche beigesetzt werden. Ab diesem Zeitpunkt verdrängte der Name „Paulinzella“ den ursprünglichen Klosternamen Marienzelle. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Anlage schließlich nur noch als Mönchskloster betrieben.
In der Tradition der Hirsauer Schule
In ihrer Architektur folgte die einst imposante Klosterkirche den Vorgaben der Hirsauer Schule. So wurde die dreischiffige Säulenbasilika ohne Krypta errichtet, dafür aber mit einem „chorus maior“ für die Mönche mit den höheren Weihen und einem „chorus minor“ für die Laienbrüder. Von dem Gotteshaus ist heute zwar nur eine Ruine geblieben, diese ist aber nicht minder beeindruckend. Bemerkenswert ist insbesondere die Säulenreihe im früheren Langhaus mit den charakteristischen Würfelkapitellen. Nach einem Blitzeinschlag im Jahr 1600 brannte das Kloster komplett aus, die Kirche blieb als Ruine zurück, wurde teilweise eingerissen und sollte 1718 schließlich komplett niedergelegt werden. Soweit kam es glücklicherweise aber nicht. Stattdessen begann man sich Ende des 18. Jahrhunderts – im Zuge der aufkommenden Romantik – wieder für das mittelalterliche Baudenkmal zu interessieren. „Sie ist wahrlich schön und die schönste christliche Ruine von Architektur, die mir je vorgekommen ist. (…) Es fehlt einem (…) wirklich etwas Wesentliches, wenn man sie nicht gesehen hat“, schrieb Wilhelm von Humboldt im September 1810, nachdem er Kloster Paulinzella besucht hatte.
Vom Kloster zum Jagdschloss
Nach der Reformation wurde das Kloster aufgehoben und gelangte in den Besitz der Grafen von Schwarzburg. Diese wandelten die Anlage in eine Domäne um, richteten ein große Amtshaus ein und bauten eines der alten Klostergebäude in ein Jagdschloss um. Der zweigeschossige Renaissancebau ist das jüngste Gebäude auf dem früheren Klostergelände und zeichnet sich durch die zwei großen Zwerchhäuser mit Schweifgiebeln aus. Das älteste heute noch erhaltene Gebäude ist hingegen der sogenannte Zinsboden. Seine Ursprünge gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. In der Domänenzeit diente das Gebäude als Speicher für die namensgebenden Zinsabgaben. Im Jagdschloss finden Besucher heute ein Museum zur Kloster-, Jagd- und Forstgeschichte und im Amtshaus zum Thema „544 Jahre – erlebtes Holz“. Die Klosteranlage selbst ist das ganze Jahr über zu besichtigen. Zudem entsteht ein Lapidarium, in dem unter anderem Säulenfragmente und weitere originale Bauplastiken zu sehen sein werden.
Verwaltung
Schlossverwaltung Schloss Heidecksburg | Schloss Schwarzburg | Kloster Paulinzella Schloßbezirk 1 07407 Rudolstadt T: 0 36 72 – 44 72 10 Website
Herrliche Ausblicke in das Saaletal bietet das über dem Städtchen Rudolstadt thronende Schloss Heidecksburg, von 1571 bis 1918 Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Der heutigen Schlossanlage mit zwei östlich vorgelagerten Terrassen gingen eine Burganlage und ein dreiflügeliges Renaissanceschloss voraus. Die St. Andreaskirche östlich des Schlossbergs war Residenzkirche und Grablege der Schwarzburg-Rudolstädter.
Nachdem ein Brand 1735 den Nord- und Westflügel des Schlosses weitgehend zerstört hatte, wurde unter Fürst Friedrich Anton zunächst mit der Neuerrichtung des Westflügels nach Plänen von Johann Christoph Knöffel begonnen. Die Innenausstattung entwarf Gottfried Heinrich Krohne. Besonderer Blickfang ist der 44 Meter hohe Schlossturm über dem Haupttreppenhaus. Heute beherbergt Schloss Heidecksburg das Thüringer Landesmuseum, das Landesarchivs Thüringen – Staatsarchiv Rudolstadt und ist zudem Hauptsitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.
Zwischen Weimar und Rudolstadt, oberhalb der kleinen Gemeinde Ehrenstein, erhebt sich die eindrucksvolle gleichnamige Burgruine. Einst residierten auf dem Berg die Grafen von Schwarzburg. Nach diversen Besitzerwechseln wurde die Burg Ende des 17. Jahrhunderts aufgegeben. Bemerkenswert sind die kompakte Bauform der Anlage sowie die abgerundeten Ecken. Schon von weitem kann man den 25 Meter hohen, viereckigen Bergfried erblicken.
Mit königlichen Ehren
Als „hus zcu dem erinstein“ – so wird die Burg Ehrenstein in ihrer ältesten Nennung aus dem Jahr 1346 bezeichnet. Die Burg gehörte damals den Grafen von Schwarzburg, erbaut wurde sie vermutlich von Günther XXI. (1301–1349). Dieser ging in die Geschichtsbücher ein, als er sich als Kandidat der Wittelsbacher für die Nachfolge Ludwigs des Bayern aufstellen ließ.
Am 30. Januar 1349 wurde Günther in der Reichsstadt Frankfurt tatsächlich zum deutschen König gewählt. Damit wurde er zum Gegenspieler Karls IV., dessen Wahl von den Wittelsbachern nicht anerkannt worden war. Am Ende konnte Karl IV. den Machtkampf für sich entscheiden. Diplomatisches Geschick, militärische Überlegenheit und eine tödliche Erkrankung führten schlussendlich zu Günthers Verzicht auf die Krone.
Obwohl sie Gegner waren, veranlasste Karl, dass der Verstorbene im Frankfurter Dom beigesetzt wird, mit allen königlichen Ehren.
Die Burg mit den runden Ecken
Als Bauherr hat Günther vermutlich nicht nur auf dem Ehrenstein seine Handschrift hinterlassen, sondern unter anderem wohl auch auf der Burg Liebenstein im Ilmkreis. Die beiden Anlagen entstanden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sie zeichnen sich durch ihre Schlichtheit in der Form sowie durch ihre Reduktion auf die wesentlichen Funktionsaspekte aus. Auffällig sind die kompakte Bauform sowie die abgerundeten Ecken, für die eigens Steine zugehauen wurden.
Die runden Ecken waren aber wohl weniger der Wehrhaftigkeit geschuldet, als vielmehr der Optik. Der älteste Teil der Burg Ehrenstein ist der Kernbereich. Er erhebt sich auf dem höchsten Punkt des Bergsporns und setzt sich aus einem Turm sowie dem dreigeschossigen, fast 30 Meter langen Wohnbau zusammen.
Dem Kernbereich gegenüber steht der Bergfried. Mit einer Höhe von etwa 25 Metern ist der markant viereckige Turm schon von weither sichtbar. Umgeben ist die Anlage von einem zwölf Meter breiten Halsgraben. Dieser künstlich angelegte Graben sollte die Burg vor Angreifern schützen.
Der Kreis schließt sich
Über mehrere Jahrhunderte befand sich der Ehrenstein im Besitz der Familie von Schwarzburg. Auf sie folgten die Grafen von Gleichen, die die Burg aber aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht dauerhaft halten konnten. Es folgten weitere Besitzerwechsel, bevor die Anlage 1610 schließlich wieder an die Schwarzburger ging. Damit schloss sich zwar der Kreis, doch die Burg befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits in einem desolaten Zustand.
Zeitweise wurde sie noch als Sitz für den Amtmann genutzt, doch der Niedergang konnte nicht aufgehalten werden, und so wurde die Anlage Ende des 17. Jahrhunderts schließlich aufgegeben und der Dachstuhl abgenommen. Damit war die Burg Ehrenstein offiziell zur Ruine geworden.