Klosterkirche
St. Peter und Paul

Die Peterskirche in Erfurt

Sie wurde zerstört, zweckentfremdet und ihrer Würde beraubt – die Klosterkirche St. Peter und Paul. Nach der Säkularisation wandelten sie preußische Truppen 1820 in ein Proviantlager um. In jüngster Zeit erhielt das ehemalige Gotteshaus etwas von seiner einstigen Würde zurück, indem die Lagerböden teilweise entfernt wurden. Erbaut wurde die Kirche vor rund 900 Jahren auf der damals höchsten Erhebung innerhalb der Erfurter Stadtmauern, dem Petersberg. Die Pfeilerbasilika des einstigen Benediktinerklosters folgte dem Vorbild der Hirsauer Schule. Im Inneren haben sich einige der ältesten Wandmalereien in Thüringen erhalten.

Auf einen Blick

Adresse

Petersberg 14
99084 Erfurt

Ausstellung
„Paradiesgärten – Gartenparadiese“
Website

Besucherzentrum
Website

 

Öffnungszeiten

Tickets und Informationen zu Gästeführungen im Besucherzentrum gegenüber.

Öffnungszeitraum
1. April 2026 bis 1. November 2026

Öffnungszeiten
Di – So 10 – 18 Uhr (letzter Einlass 17.30 Uhr)

Gärten in der Klosterkirche

Wo einst Mönche wandelten, hat die Thüringer Gartenkunst Einzug gehalten. Die Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ bietet einen Streifzug durch die historischen Parks und Gärten der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Auch Einblicke in das Peterskloster selbst und die klösterliche Gartenkultur bietet die stimmungsvolle Schau.

Kloster zwischen den Fronten

Ein „das innerste Gefühl erschütternder Anblick“. So beschrieb es Constantin Beyer in seiner 1821 erschienen Stadtchronik. Was den Schreiber so aus der Fassung brachte, war die ausgebrannte Klosterkirche St. Peter und Paul. Ende 1813, inmitten der Befreiungskriege, war sie zwischen die Fronten geraten. Französische Truppen hatten sich in der Zitadelle auf dem Petersberg verschanzt. Die Festungsanlage war rund 150 Jahre zuvor errichtet worden und schloss das Kloster komplett ein. Eine verhängnisvolle Lage, wie sich zeigen sollte. Denn die Preußen eröffneten das Feuer. Sie konnten die Franzosen schlussendlich zwar vertreiben, fügten der Kirche aber schwere Schäden zu. Ein Wiederaufbau kam für die neuen Landesherren nicht in Frage, stattdessen machten sie aus dem Gotteshaus ab 1820 ein Proviantlager für das preußische Militär. Dazu wurden die Reste der Türme abgebrochen, der Obergaden mit den Fenstern abgetragen, drei Lagerebenen eingezogen und ein Satteldach aufgesetzt.

Auf den Spuren zwischen Hirsau und Barbarossa

Um das Jahr 1060 war das Benediktinerkloster vom Mainzer Erzbischof gegründet worden. Ab 1127 folgte der Neubau der Klosterkirche nach Hirsauer Vorbild. Dieser monastischen Reformbewegung folgend wurde die Kirche als flach gedeckte Pfeilerbasilika errichtet – mit einer abgetrennten Laienkirche, einem „chorus minor“ für die Ordensbrüder mit niederen Weihen und einem separaten Bereich für die Patres, die Priestermönche. Der Hirsauer Tradition entsprechend verzichtete man auf eine Krypta. Mit einer Länge von 75 Metern gilt die Klosterkirche als erster Großbau der Hirsauer Schule auf thüringischem Boden. Das Peterskloster nahm im Früh- und Hochmittelalter eine führende Rolle unter den Thüringer Klöstern ein. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts fanden dort mehrere Synoden sowie Reichs- und Hoftage der deutschen Kaiser und Könige statt. Im Jahr 1181 kam es hier auch zum Showdown zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen. Der aufständische Herzog musste sich auf dem Hoftag in Erfurt dem staufischen Kaiser unterwerfen.

Versteckte Kostbarkeiten

Trotz ihrer Zerstörung und Zweckentfremdung ist die Kirche noch immer ein bemerkenswertes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. So besteht das Mauerwerk aus ungewöhnlich großformatigen Quadern, die zum Teil eine Länge von zwei Metern erreichen. An der südlichen Außenwand des Querhauses ist zudem eine Ritzzeichnung erhalten. Sie entstand wohl um das 1360 und zeigt einen sogenannten Schmerzensmann. Unter den Farbschichten der Frühen Neuzeit haben im Kircheninneren Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts überdauert, darunter eine Kreuzigungsszene sowie zwei überlebensgroße Heiligenfiguren. Indizien lassen darauf schließen, dass es sich um die Apostel Andreas und Johannes handelt. Die Darstellungen zählen zu den ältesten erhaltenen Wandmalereien in Thüringen.

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