Besonders hervorzuheben sind der von Reinecken umgestaltete Blumengarten und Pleasureground, das weiterentwickelte Pinetum mit seltenen Gehölzen und der Parksee mit seinen Inseln und geschwungenen Ufern.
Auf einen Blick
Adresse
Sommerpalais Greiz
mit Staatl. Bücher- und Kupferstich-Sammlung
Fürstlich Greizer Park
07973 Greiz
Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung mit Satiricum April–September: Di – So 10 – 17 Uhr
Oktober–März: Di – So 10 – 16 Uhr
Oster- und Pfingstmontag geöffnet
24./25./31.12. und 1.1. geschlossen
Park/Garten
bis Einbruch der Dunkelheit
Beispiel spätklassizistischer Gartenkunst
Anstelle eines Vorgängerbaues initiierte er hier den bis 1769 errichteten Neubau des Sommerpalais. Die aufwändige Ausstattung dauerte bis 1778 an. Bis 1783 kam die Neugestaltung des Gartensaals hinzu. Nordöstlich des Palais wurde ein erster landschaftlich gestalteter Gartenbereich angelegt, dessen Besonderheit das einzigartige Pinetum ist – eine Sammlung einheimischer wie exotischer Nadelgehölze. Nachdem ein Hochwasser den Lustgarten zerstört hatte, begann man mit der Anlage eines Landschaftsparks rund um das Sommerpalais. Im 19. Jahrhundert wurde die wirtschaftlich aufstrebende Stadt an die Eisenbahn angeschlossen. Deren zunächst geplanter Trassenverlauf hätte das Areal empfindlich gestört und stieß darum auf die konsequente Ablehnung des Reußischen Hauses. Man fand Kompromisse. Die ausgehandelte Neuplanung des Streckenverlaufs ermöglichte nicht nur die für ein Refugium wünschenswerte Ruhe, sondern spülte auch einiges Kautionsgeld in die fürstliche Schatulle. Dies nutzte Heinrich XXII. Reuß, um den renommierten Pückler-Schüler und zeitweiligen Weimarer Hofgärtner Carl Eduard Petzold mit der Planung des heute rund 45 Hektar großen Greizer Landschaftsparks zu beauftragen.
Greiz, Luftaufnahme, Ornamentbeet
Für die Umsetzung seiner Entwürfe empfahl Petzold mit Erfolg den ihm aus Muskau gut bekannten Gärtner Rudolph Reinecken. Zu sagen, dass die Gesamtanlage dessen Handschrift trägt, stellt nicht Petzolds Grundideen in den Schatten. Wohl aber hat Reinecken über die fünf Jahrzehnte seines Wirkens in Greiz manches von Petzold Entworfene in Frage gestellt, sich da und dort Abweichungen gestattet und sogar vollkommen Neues hinzugefügt. Höhepunkte der Parkanlage, die als ein in Thüringen unvergleichbares Beispiel spätklassischer landschaftlicher Gartenkunst geschätzt wird, sind neben dem bereits erwähnten Pinetum der etwa acht Hektar große Binsenteich in der Mitte des Parks, die Lindenallee und die Rotunde. Das „Weiße Kreuz“, nach dem frühen Tod der Fürstin Sophie, Gemahlin Heinrich XX. Reuß älterer Linie errichtet, schließt ebenso eine wunderbare Sichtachse ab wie der an eine Fürstenhochzeit erinnernde rundum offene Gasparinentempel. Der Pleasureground und der Blumengarten am Sommerpalais sind im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts reich mit Schmuckbeeten und Kübelpflanzen ausgestattet.
Landschaftspark am Elsterufer
1873 lieferte der europaweit gefragte Gartenkünstler Carl Eduard Petzold, ein Schüler Pücklers, einen Entwurfsplan mit bedeutsamen Korrekturen, um die Idee des Landschaftsparks noch konsequenter zum Tragen zu bringen. Prägend ist der Kontrast zwischen aufwendig gepflegten Arealen um das Schloss und naturnahen Wiesen mit malerischen Baumgruppen in größerer Entfernung. Für die Umsetzung sorgte jahrzehntelang Hofgärtner Rudolph Reinecken, auf dessen Ideen der feingliedrige Blumengarten und die Schmuckbeete im Pleasureground zurückgehen. In den großen Parks des 19. Jahrhunderts spielt Weiträumigkeit eine wichtige Rolle, sie gehen in die Landschaft über.
Fast ohne Erhebungen geht es im Fürstlich Greizer Park zu – er nimmt die weite Talaue zu Füßen des Felsens mit dem Oberen Schloss Greiz ein, dem Stammsitz der älteren Linie des Hauses Reuß. Dort entstand nahe dem Elsterufer im 18. Jahrhundert ein Lustschloss, das Sommerpalais. Vor ihm breitete sich ein regelmäßiger barocker Garten mit Orangeriekübeln aus, bis 1799 ein Hochwasser kam. Die Zerstörung des Gartens brachte einen völligen Neubeginn. In den nun entstehenden Landschaftspark bezog man die großen angrenzenden Auenwiesen ein. Aus einem Fischteich wurde ein unregelmäßig geformter Parksee, gezielte Pflanzungen und geschwungene Wege sorgten für abwechslungsreiche Ansichten.
An den Ufern der Weißen Elster findet sich die „Perle des Vogtlands“. Vor allem die Ältere Linie der Grafen von Reuß hinterließ ihre Spuren, 1778 wurden sie in den Fürstenstand erhoben. Ihr frühklassizistisches Sommerpalais bildet mit dem weitläufigen Landschaftsgarten ein einmaliges Gesamtkunstwerk. Die Giebelinschrift „maison de belle retraite“ verrät das Palais als fürstlichen Rückzugsort. Heute beherbergt es die Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz mit dem „Satiricum“.
Die Reußen - eine Dynastie mit drei Linien
Als Stammvater des Hauses Reuß gilt Erkenbert I. (um 1090–1163/1169), Herr von Weida. Dessen Nachkommen fungierten als Vögte des Reiches. Von Kaiser Heinrich VI. (1050–1106) waren sie mit dem Vogtland belehnt worden – und um den Kaiser zu ehren, nannten sie von da an ihre männlichen Nachkommen Heinrich. Irgendwann schienen die „Heinrichinger“ aber selbst etwas den Überblick zu verlieren und so beschloss der Familienkonvent im Jahr 1664, dass der Namen durch Ziffern genauer zu bezeichnen sei. Dabei zählten die beiden Hauptlinien jeweils für sich selbst und genauso die Nebenlinien. Eine der herausragenden Persönlichkeiten im Geschlecht der Reußen ist Heinrich XI., Fürst Reuß Älterer Linie. Er liebte die Wissenschaften und Kunst, gründete eine Hofbibliothek, begeisterte sich für Gartenkunst und ließ in Greiz das Sommerpalais errichten. 1778 wurde er in den Reichsfürstenstand erhoben.
Klassizismus vom Feinsten
Nachdem die Untergreizer Linie des Hauses Reuß ausgestorben war, fielen deren Besitztümer an die Grafschaft Reuß-Obergreiz und damit an Heinrich XI. Ältere Linie. Dieser ließ im Lustgarten in der Elsteraue, unterhalb des Schlossbergs, ein Sommerpalais errichten. Es sollte das repräsentative architektonische Symbol der nun wiedervereinigten Herrschaft sein. Heute zählt das Sommerpalais zu den frühesten klassizistischen Bauten Mitteldeutschlands. An der Stelle des Palais hatte zuvor ein Vorgängerbau gestanden, dessen einzelne Funktionen mit Orangerie, Repräsentationsräumen und Wohnräumen aufgegriffen wurden. Nach 14 Jahren fanden die Arbeiten mit der Vollendung des Gartensaals im Erdgeschoss ihr Ende. Durch seine imposanten Proportionen und seine vornehme klassizistische Stuckausstattung gehört der Raum zu den anspruchsvollsten Raumkunstwerken Thüringens. Heute beherbergt das Sommerpalais die Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz mit mehr als etwa 1.000 Druckgrafiken, mehreren tausend historischen Landkarten sowie Karikaturen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die zeitgenössischen Karikaturensammlung „SATIRICUM“ wurde 1975 als nationale Karikaturensammlung der DDR und eigenständige Abteilung des Museums eingerichtet. Planmäßig wurden künstlerisch anspruchsvolle Arbeiten von Karikaturisten und Pressezeichnern der DDR erworben. Heute stellt die Spezialsammlung mit ca. 10000 Blatt einen hervorragenden satirischen Bilderfundus zur DDR-Zeitgeschichte dar.
Fürstlich Greizer Park
Mit dem Bau des Sommerpalais wurde auch der Garten umgestaltet – unter anderem entstand das Pinetum, eine einzigartige Sammlung heimischer und exotischer Nadelgehölze. Die 1873 geplante Eisenbahntrasse hätte den Park zerstört, aber die Familie Reuß protestierte. Man verhandelt und die Trasse wurde verlegt. 1799 zerstörte ein Hochwasser den Lustgarten, der zwischen 1827 und 1830 umgestaltet und erweitert wurde. Engagiert wurde der Muskauer Gartendirektor Carl Eduard Petzold. Nach dessen Ideen sollte der Park neu gestaltet werden. Die konkrete Umsetzung übernahm Rudolph Reinecken, der zwar viele Ideen Petzolds verwirklichte, aber bei der Wegeführung oder der Baum- und Strauchbepflanzung eigene Akzente setzte. Heute gilt die Anlage als unvergleichbares Beispiel spätklassizistischer Gartenkunst. Höhepunkte sind neben dem Pinetum der etwa acht Hektar große Binsenteich, die Lindenallee sowie die Rotunde. Der nach einem Hochwasser 2013 wieder hergestellte Pleasureground und der Blumengarten sind im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts ausgestattet, mit reichen Schmuckbeeten und Kübelpflanzen. Zudem bietet der Garten herrliche Aussichten, beispielsweise hinüber zum Weißen Kreuz.
Schloss Mildenfurth in der Nähe von Weida ist eine Kuriosität unter den Thüringer Baudenkmälern. Ursprünglich wurde es im Jahr 1193 von Heinrich II. Vogt von Weida als Prämonstratenserkloster gegründet. Doch im 16. Jahrhundert wurde die dreischiffige Basilika des Klosters in ein Renaissanceschloss verwandelt. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Kunstspeicher mit Werken des bekannten Bildhauers Volkmar Kühn. Wer aus Richtung Wünschendorf kommt, kann auf seinem Weg Richtung Schloss zudem eine historische Holzbrücke überqueren.
Beginn als Kloster
Dass es sich beim heutigen Schloss Mildenfurth einstmals um eine romanische Klosterkirche handelte, lässt sich nur noch an einigen wenigen Resten erkennen. Gegründet wurde das Kloster im Jahr 1193 durch Heinrich II. Vogt von Weida und dessen Frau Berta. Mildenfurth sollte ihnen als Hauskloster und Grablege dienen, nebenbei war es eines der wenigen Prämonstratenserklöster in Thüringen. Die ersten Mönche stammten aus dem Magdeburger Mutterkloster Unser Lieben Frauen. Das Konvent entwickelte sich zu einem geistlich-kulturellen Zentrum der Region. Durch Flößerei, Silberbergbau und Landwirtschaft gewann es wirtschaftlichen Einfluss und Reichtum.
Die dreischiffige Basilika wurde vermutlich zwischen 1200 und 1230 über einem kreuzförmigen Grundriss errichtet. Ihre Architektur spiegelte den Übergang von der Romanik zur Gotik wider. Die Bauplastik der spätromanischen Kirche stand in Beziehung zu den rheinischen Bauhütten, die unter anderem auch auf der Wartburg oder in Naumburg tätig waren. Nachdem die Vögte von Weida im 15. Jahrhundert zusehend an Einfluss verloren und obendrein in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, mussten sie ihre Stammherrschaft samt dem Kloster Mildenfurth an die Wettiner abtreten. 1529 wurde das Konvent aufgegeben und wenig später an Matthes von Wallenrod verkauft. Dieser ließ die Klosterkirche daraufhin in ein Renaissanceschloss umbauen.
Umbau zum Schloss
Matthes von Wallenrod kann entweder als Zerstörer der alten Klosterkirche gesehen werden, oder als Bauherr von etwas ganz Neuem. Wallenrod stand in kursächsischen Diensten, war Berater von Kurfürst Johann Friedrich I. dem Großmütigen (1503–1554) und Hauptmann der Veste Coburg – und so weist auch sein Schloss bauliche Bezüge nach Sachsen auf. Der neue Schlossherr ließ den westlichen Teil des Mittelschiffs und alle Seitenschiffe abtragen. Das Kirchenportal wurde teilweise abgebrochenen, das frühere Westportal zum Schlosstor umfunktioniert. Es entstand ein von Türmen markierter Zentralbau, dessen vier Flügel um die einstige Vierung der Klosterkirche angeordnet sind. Das Schloss wurde zudem von einer sechs Meter hohen Mauer umgeben, mit Schlüsselscharten, Wehrgang und runden Ecktürmen. Dass sich die Reste des mittelalterlichen Klosters mit dem Renaissanceschloss perfekt zusammenfügen, macht den besonderen Reiz von Mildenfurth aus.
Plastiken von Volkmar Kühn
Kloster und Schloss Mildenfurth bilden heute ein Ensemble mit dem benachbarten Künstlerhaus. 1968 ließ sich der Künstler Volkmar Kühn in einem früheren Wirtschaftsgebäude neben der zum Schloss umgebauten Klosterkirche nieder. Auf den Freiflächen und im Kellergewölbe des Schlosses präsentierte Kühn rund 30 Jahre lang seine plastischen Arbeiten aus gebranntem Ton und Bronze. Seit 2022 ist ein wichtiger Teil seines Werks im östlich gelegenen Kunstspeicher, einer ehemaligen Landwirtschaftshalle, versammelt, zusammen mit Werken von Marita Kühn-Leihbecher. Vor dem Westportal nimmt Kühns Bronzeplastik „Mildenfurther Kreuzmensch“ Bezug auf die sakralen Ursprünge des Areals.
Künstlerhaus: Am Kloster Mildenfurth 3 | 07570 Wünschendorf/Elster | T: 03 66 03 – 8 82 76