Gartenarchitekturen und freistehende Felsformationen
Ein Landschaftspark der besonderen Art prägt die Umgebung von Schloss Altenstein in Bad Liebenstein. Am westlichen Ausläufer des Thüringer Waldes auf halber Höhe zum Rennsteig gelegen, bietet der außerordentlich weitläufige Bergpark weite Aussichten ins Werratal und bis in die Rhön. Die Wege folgen dem bergigen Gelände, sie führen durch naturnahe Waldareale und vorbei an schroffen Felsformationen. Immer wieder begegnen Inszenierungen mit kleinen Architekturen wie das Chinesische Häuschen, der Blumenkorbfelsen, die Ritterkapelle oder die Teufelsbrücke. Sie gehen auf die Zeit um 1800 zurück, als die Anlage nach der damals modernen Idee eines sentimentalen Landschaftsparks konzipiert wurde. Später gab der berühmte Gartenkünstler Hermann Fürst von Pückler-Muskau Anregungen für die Umgestaltung.
Auf einen Blick
Baumaßnahmen
Aufgrund von Baumaßnahmen ist das Schloss bis Ende 2026 nicht zu besichtigen. Der Park ist frei zugänglich.
Adressen
Besucherzentrum
Altenstein 8
36448 Bad Liebenstein
Park/Garten Landschaftspark ist ganzjährig frei zugänglich
Schlosspark Altenstein
Der Landschaftspark Altenstein ist durch die kunstvolle Verschmelzung der gartenkünstlerischen Gestaltung mit den landschaftsprägenden Felsformationen charakterisiert. Um 1800 umgab Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen seine Sommerresidenz mit zahlreichen den Idealvorstellungen der Gartenkunst Ende des 18. Jahrhunderts folgenden sentimental-romantischen Landschaftsszenen, z. B. der Teufelsbrücke, der Sennhütte, dem Chinesischen Häuschen u. der Chinesischen Rotunde. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren mit Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Carl Eduard Petzold und Peter Joseph Lenné drei der bekanntesten deutschen Gartenkünstler auf dem Altenstein tätig und ergänzten den Park durch gezielte Pflanzungen und ein System von Sichtachsen. Die endgültige Gestaltung des Parks geht auf Georg II. ab 1866 zurück. Mit dem Umbau des Schlosses 1888-90 erfolgte die intensive gärtnerische Gestaltung der Schlossterrassen und des Innenparks mit Blumenbeeten und exotischen Gehölzen. Das große Teppichbeet wird jährlich nach historischen Vorbildern bepflanzt und gehört zu den Attraktionen im Schlosspark.
Blumenkorbfelsen
Der Blumenkorbfelsen entstand in den Jahren 1802/03. Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen ließ das Ensemble zu Ehren seiner verstorbenen Mutter Charlotte Amalie errichten. Dazu nutzte er eine 18 Meter hohe Felsnadel, deren Spitze eine kleine begehbare Plattform mit großem steinernem Blumenkorb erhielt. Am Fuß des Felsens entstand unter einer grottenartigen Wölbung die Greifenbank mit einer Büste Charlotte Amalies auf der Rückenlehne. Etwa zeitgleich wurden im Park auch andere Kleinarchitekturen errichtet, etwa die Ritterkapelle, das Chinesische Häuschen und die Teufelsbrücke.
Vorbild für die Altensteiner Greifenbank waren antike Bänke in Pompeji, um 1800 ein beliebtes Reiseziel europäischer Adeliger. So wurden halbrunde Steinbänke mit Greifen an den Wangen zu beliebten Ausstattungsstücken in Landschaftsgärten nördlich der Alpen. Herzog Georg I. nutzte das Motiv im antiken Sinn als Erinnerungsort.
Als Material für Blumenkorb und Greifenbank kam Sandstein zum Einsatz.
Wenige Kilometer von Thüringens ältestem Kurort Bad Liebenstein entfernt befindet sich das Schloss Altenstein. Erbaut im Stil der Neorenaissance, diente es einst den Herzögen von Sachsen-Meiningen als Sommerresidenz. Umgeben ist das Schloss von einem malerischen Landschaftspark mit Chinesischem Häuschen, kunstvollen Teppichbeeten und Aussichtspunkten ins Werratal. An der Gestaltung des Parks war kein geringerer als Fürst Hermann von Pückler-Muskau beteiligt. Seit 2017 beherbergt das Schloss eine Gedenkstätte für Johannes Brahms, der mehrmals dort zu Besuch war.
Schlossanlage
Sein heutiges Aussehen verdankt Schloss Altenstein Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826–1914). Politisch gesehen, spielte sein Herzogtum eine eher untergeordnete Rolle im Reigen der europäischen Großmächte. Trotzdem erlangte das kleine Sachsen-Meiningen europaweite Berühmtheit, denn sein kunstsinniger Regent sollte als „Theaterherzog“ in die Geschichte eingehen. Georg II. führte Regie, entwarf Kostüme und Bühnenbilder, schrieb Abhandlungen über das Regietheater und verhalf der Meininger Hofkapelle zu neuem Ruhm. Innerhalb von zwei Jahren ließ er das Schloss auf dem Altenstein grundlegend umgestalten, was seinem Hofbaumeister einiges Kopfzerbrechen bereitete. Denn der Herzog, dessen Kunstverständnis vom Historismus geprägt wurde, hatte klare Vorstellungen und strenge Vorgaben. Es entstand ein Bau im Stil englischer Herrenhäuser – mit geschweiften Knickgiebeln, gebogenen Fenstern, halbrunden Erkern, zahlreichen Schornsteinen und Obelisk-Aufsätzen. Im Sommer diente der Altenstein der herzoglichen Familie oft als Wohnsitz und entwickelte sich zu einem Ort der Muse. Der Herzog lud Intellektuelle, Künstler und Musiker dorthin ein. Darunter den Komponisten Johannes Brahms, der mehrmals auf dem Altenstein zu Besuch war. An Clara Schumann schrieb er im November 1894: „Ich wünschte (…), Du mögest hier an meinem Fenster sitzen, auf meinen Balkon hinausgehen können und dann hinaus in den herrlichen Park und Wald. Die schönsten Fasane, Hirsche und Rehe dutzendweis spazieren mit.“
Brahms-Gedenkstätte und Snuff-Bottles
Schloss Altenstein gehört heute zu den wenigen Orten, die noch einen direkten Bezug zu Brahms' Leben aufweisen. Daher werden in der Brahms-Gedenkstätte unter anderem kostbare Autografen, Erstdrucke und Originalbilder ausgestellt. Nachdem ein Brand im Jahr 1982 die baugebundene historische Innenausstattung des Altensteins zerstörte, ist die Eröffnung der Gedenkstätte ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur vollständigen Wiederherstellung des Schlosses.
Altenstein, Schloss Altenstein, Chinesisches Kabinett, Snuf Bottles, 1. OGAltenstein, Schloss Altenstein, Chinesisches Kabinett, Snuf Bottles, 1. OGUntertitel Galerie
Der Park: Ein „Edelstein“ der Landschaftsarchitektur
Die Anfänge des heute weitläufigen Parks gehen auf Georg I. von Sachsen-Meiningen zurück (1771–1803). Der Herzog machte Altenstein, zu seiner Sommerresidenz und begann mit dem Aufbau eines Landschaftsgartens. Damit legte er den Grundstein für eine der größten historischen Parkanlagen Thüringens. 1853 schrieb der Landeskundler Georg Brückner vom „Edelstein der Thüringer Waldnatur“. Kein Wunder, berühmte Landschaftsarchitekten wie Fürst Hermann von Pückler-Muskau und Peter Joseph Lenné hatten wichtige Ideen zur Gestaltung der Parkanlage beigesteuert. Pückler-Muskau war bei seinen Besuchen über die „wundervolle Lage, üppige Grasflächen, (…) jäh abstürzende Felsen mit Terrassengärten“ begeistert, dennoch kam er nicht umhin „Rat über die Parkanlage“ zu geben – und so wurden unter anderem große Sichtachsen angelegt, die den Blick ins Werratal freigeben. Der weitläufige Park lockt zudem mit Aussichtpunkten und Parkarchitekturen wie dem Morgenplateau, der Ritterkapelle oder dem Chinesischen Häuschen. Rund um das Schloss finden sich das Altensteiner Teppichbeet und das Knotenbeet.
Unterhalb der Parkanlage befindet sich die 1799 bei Straßenbauarbeiten entdeckte Altensteiner Höhle. Hier ließ Herzog Georg I. 1800 einen unterirdischen Landschaftspark einrichten. Dieser Park ist seit Dezember 2023 im Rahmen von Führungen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
Nordöstlich vom Kurort Bad Liebenstein erhebt sich die gleichnamige Burgruine. Bereits vor 400 Jahre wusste der Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg die heilende Wirkung des Liebensteiner Wasser zu schätzen und besuchte den Ort daher immer wieder. Heute zählt Bad Liebenstein zu den ältesten Kurorten Thüringens. Bereits 1360 waren die Herren von Stein mit der gleichnmaigen Burg belehnt worden. Heute erhebt sich die Burgruine malerisch über das hügelige Umland. In direkter Nachbarschaft befindet sich zudem das Schloss Altenstein mit seinem weitläufigen Landschaftspark.
Der Herzog kommt zur Kur
Schon vor mehr als 400 Jahren sagte man dem „Sauerbrunnen“ unterhalb der Burg Liebenstein eine „geheimnisvolle“ Wirkung nach. 1610 ging der Universalgelehrte Andreas Libavius diesem „Geheimnis“ auf den Grund und verfasste im Auftrag des Herzogs Johann Casimir von Sachsen-Coburg (1564–1633) eine Brunnenschrift mit dem Titel „Tractatus Medicus Physicus und Historia Deß fürtrefflichen Casimirianischen Sawer Brunnen unter Libenstein nicht fern von Schmalkalden gelegen“. Der Herzog wusste die heilende Wirkung des Wassers sehr zu schätzen. Insgesamt zehn Jahre verbrachte er in dem heutigen Kurort. Während seiner Aufenthalte residierte der Herzog mit seinem Hofstaat standesgemäß auf der Burg Liebenstein. Diese war dafür eigens vom Burgherren Hermann von Stein aufwendig ausgebaut und umgestaltet worden. Der ehemalige Burghof etwa wurde um ein weiteres Geschoss auf drei Stockwerke erhöht und die gesamte Burg vereinheitlicht. Die Fenster bekamen eine weitgehend einheitliche Form und wurden regelmäßig übereinander angeordnet. Noch heute spiegelt die Ruine den damaligen Zustand des 16. und 17. Jahrhunderts wieder. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) gab es für die Burg jedoch keine Verwendung mehr. Als dann auch noch der letzte männliche Nachkomme der Herren von Stein starb, fiel die Anlage an Herzog I. von Sachsen-Gotha. Im Jahr 1676 verließen schließlich die letzten Bewohner den Liebenstein – und so begann die Burg nach und nach zu verfallen.
Der "weise Regent" übernimmt die Burg
Erst um 1800 ging es mit der Burg Liebenstein wieder aufwärts. Damals nahm sich Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen (1761–1803) ihrer an. Unter Zeitgenossen war Georg I. als „weiser Regent, wohlwollender Fürst und Vater des Volkes“ bekannt, als „tätiger Menschenfreund, ein Verehrer des Verdienstes, ein Gönner der Gelehrten und Künstler und ein Mann von edlem hohen Charakter“. Der so Gepriesene leitete erste Maßnahmen zur Erhaltung der Burg ein. So ließ er unter anderem die Brücke zum Eingang reparieren und die Mauerkronen sichern.
Das "feste Haus Liebenstein"
Was der Besucher heute entdeckt, ist nur ein Teil der einstmals weitläufigeren Burg. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1360. Damals war die fränkische Familie von Stein vom Landgrafen zu Thüringen mit „dem festen Haus Liebenstein“ belehnt worden. Der Kernbereich der Burg setzt sich aus dem ehemaligen Wohnturm und dem später überbauten Burghof zusammen. Teilweise haben sich die ehemaligen Zwingermauern erhalten. Die Anlage selbst erhebt sich auf einem 460 Meter hohen Berg über der Stadt Bad Liebenstein. Auf dem Weg dorthin durchqueren Besucher auch jenes Waldstück, in dem Martin Luther einst „entführt“ und zu seiner eigenen Sicherheit auf die Wartburg gebracht wurde.