Auf dem Oberschloss Kranichfeld hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) eine neue Burgbrücke über dem Graben am Torhaus einbauen lassen. Die Brückenteile wurden in der Werkstatt vorgefertigt und mit einem Kran eingehoben. Die bisherige Holzbrücke von 2003 war marode und musste rückgebaut werden. Mit der neuen Brücke zwischen Vorburg und Kernburg wird auch eine wichtige bauliche Voraussetzung für das neue Burgerlebnis ab Sommer 2025 geschaffen. Dann wird eine neue Dauerausstellung eröffnet. Bis dahin bleibt die die Kernburg geschlossen. Für die Erneuerung der Burgbrücke wendet die STSG rund 120.000 Euro auf.
Die neue Brücke folgt dem Vorbild der Burgbrücke aus dem Jahr 1906. Damals hatte der auf Burgenhistorismus spezialisierte Architekt und Burgenforscher Bodo Ebhardt das Torhaus der Kernburg neu errichtet, wozu auch die Brücke gehörte. Sie war zweigeteilt, der größere Teil war aus Holz und feststehend, der kleinere Teil war wie eine Zugbrücke mit Kette versehen. „Das Vorbild von 1906 mit den modernen Anforderungen an eine Brücke, den heutigen Richtlinien und Vorschriften auf einen Nenner zu bringen, gehörte zu den Herausforderungen bei diesem Projekt“, erklärt Baureferentin Carolin Schart von der STSG.
Zwei sieben Meter lange Holzträger geben der neuen Holzbrückenkonstruktion ihren Halt. Der kleinere, an das Torhaus anschließende Zugbrückenteil wird in Stahl mit Schutzgittern und Stahlketten nachgebildet, bleibt aber feststehend. „An sich sieht die Brücke recht unspektakulär aus, aber der Teufel steckt im Detail. Wir haben vor allem die Zugbrücke so filigran wie möglich gestaltet, durften dabei aber natürlich auch die Tragfähigkeit nicht aus den Augen verlieren.“ erklärt Schart. Nach dem Einheben folgen noch kleinere Arbeiten.

Mit der Brückenerneuerung sind die Baumaßnahmen an der Kernburg für die neue Dauerausstellung und deren Erreichbarkeit abgeschlossen. Der Staffelstab wird an die Gestalter und Möbelbauer übergeben, die in den kommenden Monaten dort die neue Ausstellung einrichten.
Das Oberschloss Kranichfeld besitzt eine wechselvolle Geschichte. Noch heute ist Bausubstanz aus dem 12. Jahrhundert zu finden, im 16. Jahrhundert folgte der Umbau zum Renaissanceschloss. Im 20. Jahrhundert entstand unter Bodo Ebhardt an der Kernburg das Torhaus mit geschwungenen Giebeln, Schießscharten und Zugbrücke, das dem Schloss wieder den Anschein einer mittelalterlichen Burg verleihen sollte. 1934 brannte das Oberschloss zur Ruine aus. In der Folge sollte hier unter den Nationalsozialisten eine SS-Führerschule eingerichtet werden, für die Bauarbeiten wurden Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Buchenwald eingesetzt.
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Abbildung:
– Einheben der neuen Burgbrücke auf dem Oberschloss Kranichfeld, Foto: STSG, Carolin Schart
– Handwerker der Firma BR Ingenieurbau aus Elxleben beim Einbau der Burgbrücke am Oberschloss Kranichfeld, Foto: STSG, Anke Pennekamp




