Ein besonderes Geburtstagsgeschenk für den Herzog

Japanische Bronzegefäße im Teppichbeet Schlosspark Altenstein in Bad Liebenstein

2026 konnte die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zwei Kunstwerke erwerben, die in einer wichtigen Gestaltungsphase von Schloss und Park Altenstein zur Ausstattung des Innenparks im unmittelbaren Schlossumfeld gehörten – zwei Bronzegefäße japanischer Herkunft, datierbar in die Mitte des 19. Jahrhunderts und der Tokugawa-Dynastie zuzuordnen. Die Vasen stehen seitdem wieder an ihrem nachweisbaren Platz am Rand des Teppichbeets vor dem Schloss.

Ursprünglich handelte es sich um ein Geburtstagsgeschenk. Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen erhielt die beiden Bronzegüsse zu seinem 65. Geburtstag am 2. April 1891. Seine dritte Frau Helene Freifrau von Heldburg und sein Sohn Prinz Ernst erwarben die beiden Stücke aus dem Münchner Kunsthandel.

Georg II. ließ die Bronzen zunächst auf der Terrasse vor dem Schloss aufstellen, wo sie die beiden halbrund aus der Fassade hervortretenden Bow Windows betonten. Später fanden sie nach seiner Anweisung in zwei Ecken des bereits damals hochgerühmten Teppichbeets ihren Platz. Nach seinem Tod 1914 flankierten sie das Eingangsportal zum Schloss.

Schloss Altenstein mit Vasen im Teppichbeet, Postkarte um 1910

1937 erwarb der Kurbadunternehmer und Heilbrunnenbetreiber Dr. Fritz Lauterbach (Link zur Biografie), der wesentlich zum Erfolg Bad Liebensteins als Kurbad beitrug, die beiden Vasen aus dem Besitz von Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen anlässlich einer Versteigerung von Schloss-Inventar. Der ebenfalls vereinbarte Kauf des Schlosses selbst wurde durch die Nationalsozialisten annulliert. Durch den davon nicht betroffenen Kauf der Vasen wurden die kulturhistorisch wertvollen und für die Gartenanlage am Schloss wichtigen Stücke für die Nachwelt gerettet und in der Familie bewahrt. Der Arzt und Mitbetreiber der Kurparkklinik Dr. Lauterbach Fritz Lauterbach, Sohn des Käufers, ermittelte vor einigen Jahren gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Dr. Bertram Lucke (Leipzig) die japanische Provenienz der Vasen, ließ sie fachgerecht restaurieren und bot sie der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zum Erwerb für Schloss Altenstein an. Auf diese Weise konnten die Kunstwerke wieder an ihren historisch belegten Standort im Teppichbeet zurückkehren.

Vaste im Teppichbeet von Schloss Altenstein, Foto um 1900

Die Gefäße sind jeweils etwa 1,50 Meter hoch und rund 150 Kilo schwer. Es wird vermutet, dass es sich ursprünglich um Weihrauchgefäße handelte. Die zum Teil dünnwandigen Stücke mit äußerst aufwendigen, teils vollplastischen Reliefs sind im Wachsausschmelzverfahren in Bronze gegossen. Nicht nur stilistisch führt die Spur ins Japan des mittleren 19. Jahrhunderts. Die oberen Randringe ziert mehrfach das Wappen der Tokugawa, die von 1603 bis 1868 in Japan regierten: drei Malvenblätter, mit den Spitzen in einem Kreis zulaufend.