Ausstellung „Sehen lernen – Auf Spurensuche im Oberschloss“
Die multimediale Ausstellung gibt Einblicke in rund 900 Jahre Burg- und Schlossgeschichte auf dem Oberschloss Kranichfeld und nimmt mit auf Spurensuche im Denkmal.
Die Ausstellung im Innen- und Außenbereich der Anlage beleuchtet die Schlossgeschichte mit all ihren Facetten von der Errichtung als mittelalterliche Burg bis in die jüngste Vergangenheit. Auch die Verwendung des Schlosses als Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in der Zeit des Nationalsozialismus und der Erhalt der Anlage durch bürgerschaftliches Engagement in der späten DDR-Zeit werden thematisiert.
Dauerausstellung mit Außenrundgang
Schwerpunkt der Ausstellung ist der Palas. In mehreren Räumen werden Besucherinnen und Besucher durch die Geschichte der Anlage geleitet – von der epochenübergreifenden Baugeschichte in Mittelalter und Früher Neuzeit über den Schlossbrand 1934, die anschließende Nutzung als Außenlager des KZ Buchenwald bis zur Rettung der Anlage durch Ehrenamtliche in den späten DDR-Jahren. Immer wieder wird dabei der Blick auf die noch am Gebäude ablesbaren Spuren der Zeit gelenkt.
Im Außenbereich wird der Rundgang durch Info-Tafeln und Hinweise weitergeführt. Ein Multimediaguide bietet zudem interaktive Elemente und weitere Vertiefungsebenen mit Videos und Interviews. Eine Kinderrallye hält auch die Kleinen auf Trab und führt spielerisch durch die Anlage.
Multimediaguide
Ergänzend zur Ausstellung führt ein Multimedia-Guide über die Außenanlage und gibt mit Bildern, Filmen und Spielen weitere Möglichkeiten zur Entdeckung der Burg- und Schlossgeschichte. Vertiefungsebenen geben innerhalb der Ausstellung weitergehende Informationen.
Die Multimediaguide-App ist abrufbar unter guide.thueringerschloesser.de, funktioniert wie eine Website und muss nicht heruntergeladen werden. Die kostenfreie App einschließlich der praktischen Besuchsinformationen ist in deutscher und englischer Sprache verfügbar.
Umgeben malerischen Bergen und Wäldern im Weimarer Land, weithin sichtbar – liegt das Oberschloss Kranichfeld. Es thront auf einem Bergsporn über der Zwei-Burgen-Stadt Kranichfeld. Auf den ersten Blick sieht das Renaissanceschloss vollkommen intakt aus. Doch von der Hauptburg haben sich nur die Außenmauern erhalten. Das Innere wurde 1934 bei einem Brand zerstört. Der Ausstellungsrundgang führt Besucher von der Vorburg u.a. zum Palas, den „Dicken Turm“, der Kapelle und den Keller. Eine Kuriosität des Schlosses ist der sogenannte „Leckarsch“ an einem Erker.
Ausstellung zur Geschichte des Oberschlosses
Auf dem Oberschloss Kranichfeld hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) eine neue Dauerausstellung eröffnet. Die multimediale Ausstellung gibt Einblicke in rund 900 Jahre Burg- und Schlossgeschichte, deren Spuren bis heute am Denkmal ablesbar sind und den Schwerpunkt der Ausstellung bilden. Die Ausstellung im Innen- und Außenbereich der Anlage beleuchtet die Schlossgeschichte mit all ihren Facetten von der Errichtung als mittelalterliche Burg bis in die jüngste Vergangenheit.
Alle waren sie hier – die Herren des Hauses Reuß, die Grafen von Schwarzburg, genauso wie die Wettiner. All jene Adelsgeschlechter, die in der frühen Neuzeit eine entscheidende Rolle in der Geschichte Thüringens spielten, haben das Oberschloss Kranichfeld einmal besessen. Den Namen „Oberschloss“ trägt die Anlage deshalb, um sie vom später errichteten, tiefer gelegenen Unterschloss zu unterscheiden. In den 1560er Jahren wurde das Schloss zum Schauplatz eines „Nachbarschaftsstreits“. Damals teilten sich zwei Linien der Reußen die Anlage. Im östlichen Teil residierte der „ältere Herr“, im westlichen der „jüngere Herr“. Zum Streit kam es, nachdem der „ältere Herr“ einen neuen Trakt (heute Teil der Ruine) hatte errichten lassen. Woraufhin sich der Jüngere beschwerte, der Bau habe ihm das Licht genommen. Über das Dach könne man nun gar bequem in die „besten Stuben“ steigen und die Gespräche belauschen. Zudem sei ein Seitenfenster zu einem Gewölbe verbaut, „darinne die heimlichsten Sachen verwehrt liegen“.
In dieser Phase erhielt das Schloss sein heutiges, noch weitgehend erhaltenes Aussehen. Architekturhistorisch zeigt der Bau die Entwicklung von einer Burg hin zum Schloss. Der Großteil des Mauerwerks geht noch auf das 12. Jahrhundert zurück. Aus dieser Epoche stammen die Kapelle und der Palas, die im heutigen Ausstellungsbereich liegen. Der sogenannte „Dicke Turm“ geht ebenfalls auf das 12. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1999 startete die „Aktion 101 Stufen“. Mithilfe der Spendenaktion konnte später im mächtigen Bergfried eine Treppenanlage installiert werden, 2011 bekam der Turm eine Kuppel und eine begehbare Aussichtplattform. Heute kann man vom Turm den Ausblick über das Ilmtal genießen.
An einem Erker an der Südwestecke der Anlage befindet sich die besondere Kuriosität des Schlosses – der sogenannte „Leckarsch“. Die steinerne Figur streckt dem Betrachter das entblößte Hinterteil entgegen, hinzu kommt die Umschrift „Leck mich im Mars“. Dem kommt die Figur wörtlich nach, sie leckt ihr eignes Geschlechtsteil. Was heute kurios oder obszön wirkt, war im 16. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches. Nachdem die Reußen das Schloss 1577 verpfänden mussten, wechselte Kranichfeld mehrmals die Besitzer. Unter den Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt wurde vor allem die Vorburg ausgebaut.
Wechselvolle Geschichte
1934 brannte die Anlage schließlich komplett aus. Kurz darauf erwarb die von Heinrich Himmler gegründete „Gesellschaft zur Förderung und Pflege deutscher Kulturdenkmale e.V.“ die Ruine. Man plante, dort eine SS-Führerschule einzurichten. Für den Wiederaufbau des Schlosses zog man Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Buchenwald heran. Ab 1981 nahmen sich engagierte Bürger der Anlage an und gründeten einen Förderverein. Neben einer Ausstellung und Informationstafeln im Gelände zur Geschichte der Anlage hat sich das Oberschloss zu einer festen Größe im kulturellen Leben der Stadt und der Region entwickelt.
Wir, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG), wollen unsere wertvollen historischen Kulturgüter und Denkmäler nicht nur erhalten, sondern sie auch auf zeitgemäße Weise unseren Gästen näherbringen. Dank der Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur können wir seit 2022 unter dem Projekt-Titel „SchlösserWelt Digital&Original“ die Digitalisierung und Vermittlung vorantreiben. Bis Ende 2025 stehen dafür rund 3,97 Millionen Euro zur Verfügung.
Wir freuen uns darauf, unseren Gästen noch mehr spannende Einblicke in unsere historischen Anlagen und ihre Geschichte zu ermöglichen! Hier finden Sie eine Auswahl unserer aktuellen Teilprojekte:
Schloss und Park Altenstein
Am Schloss und Park Altenstein eröffneten wir im April 2022 ein neues Besucherzentrum. In dem modern gestalteten Innenraum können sich unsere Gäste umfangreich über die Anlage und ihre Umgebung informieren und beraten lassen. Für alle, die eine kleine Verschnaufpause brauchen, haben wir außerdem einladende Sitzgelegenheiten mit Blick auf den Park eingerichtet. Dank unseres Kooperationspartners, der Tourist Information Bad Liebenstein, erhalten Sie hier auch Tipps für Ausflüge in die Region.
Vermittlungsprojekt Oberschloss Kranichfeld
Im Oberschloss Kranichfeld entstehen unter dem Titel Sehen lernen – Auf Spurensuche im Oberschloss Vermittlungsangebote in den Innen- und Außenbereichen der verzweigten Anlage. Die Gäste werden Spuren vom 12. Jahrhundert bis in die Gegenwart entdecken, die das heutige Erscheinungsbild der Anlage prägen. Denn obwohl das Renaissanceschloss auf den ersten Blick vollkommen intakt aussieht, haben sich nach einem Großbrand 1934 teilweise nur die Außenmauern erhalten.
Vermittlungsprojekt Kloster St. Wigbert in Göllingen
Im ehemaligen Kloster St. Wigbert in Göllingen werden den Gästen unter dem Titel Sehen lernen – Zwischen Kloster und Konserve die vielfältigen Bauphasen und die wechselhafte Geschichte der Anlage erläutert. Neben der Vermittlung der Außenbereiche, die vom Bild des romanischen Klosterturms über frühneuzeitliche Wirtschaftsgebäude bis hin zur DDR-Konservenfabrik geprägt sind, entsteht eine neue Dauerausstellung. Hier werden die Umbrüche und die Initiativen zum Erhalt der knapp 1200-jährigen Anlage erklärt und machen ihr heutiges Aussehen nachvollziehbar.
Viele Menschen verbinden eine Vielzahl an Erinnerungen und Erlebnissen mit unseren geschichtsträchtigen Liegenschaften. Die Oral-History-Forschungsstelle der Universität Erfurt hilft uns dabei, diese Geschichten und Biografien in Interviews zu sammeln und für die Zukunft zu bewahren. Aktuell stehen bei uns die Erinnerungen rund um Kranichfeld, Göllingen und Wilhemsthal im Fokus.
Außerschulischer Lernort Schloss Schwarzburg
Für Schloss Schwarzburg wird gegenwärtig ein außerschulischer Lernort konzipiert, der bereits jetzt auf Nachfrage besucht werden kann. Im Fokus stehen dabei die Bau-, Nutzungs- und Dynastiegeschichte, die bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen.
Von besonderem Interesse ist die Zeit nach 1918, in die die Abdankung des letzten Fürstenpaares und – in Sichtweite zum Schloss – die Unterzeichnung der Weimarer Verfassung sowie der nicht abgeschlossene Umbau der Schlossanlage zum Reichsgästehaus durch die Nationalsozialisten fallen. In der Auseinandersetzung mit dem historischen Ort und mit dem Schloss als „gebauter Quelle“ können sich Schülerinnen und Schüler u.a. Themen zur Demokratie- und Diktaturgeschichte widmen.
Schwarzburg: Schloss Schwarzburg / Internationale Bauausstellung Thüringen IBA / Foto: Thomas Müller
In den Jahren 2019 bis 2021 konnten im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA) zwei Räume wieder nutzbar gemacht werden, in denen die Spuren der Zeit bewusst sichtbar geblieben sind. Sie unterstreichen das bauhistorische Denkmal Schloss Schwarzburg als besondere kulturhistorische Quelle für forschendes und partizipatives Lernen zusätzlich.
Sollten Sie Interesse an weiterführenden Informationen und themenspezifischen Angeboten haben, kontaktieren Sie uns gerne unter: lernort@thueringeschloesser.de
Schauen Sie regelmäßig auf dieser Webseite und auf unseren Social-Media-Kanälen vorbei, um mehr über die Projektfortschritte und unsere neuen Vermittlungsformate zu erfahren!