Zimmergarten – Gartenzimmer: die Epoche des Biedermeier (1815–1848) bildete die Anfänge des grünen Wohnens. Mit dem vielzitierten Rückzug ins Häusliche eroberten Pflanzen die Herzen und Räume des Bürgertums. In Weimar zählte das Ehepaar Franz Kirms und Caroline Krackow zu den engagiertesten Blumisten (Pflanzenliebhabern).
Die Sonderausstellung zeigt, wie Pflanzen zu Statussymbolen, Bildungsobjekten und stillen Mitbewohnern wurden. Historische Exponate, Illustrationen und originale Pflanzgefäße erzählen von dieser neuen Wohnkultur und botanischer Neugier. Erfahren Sie, welche Pflanzen besonders beliebt waren und wie man sie pflegte, präsentierte und deutete. Ein Blick in die grüne Wohn- und Gartenkultur, die bis heute nachwirkt und inspiriert.
Sonderausstellung im Kirms-Krackow-Haus Weimar
3. April bis 1. November 2026 | Eintritt frei
Ein Beitrag der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zur touristischen Saisonkampagne in Thüringen 2026 „Wir bringen dich zum Rasen“
Kirms-Krackow-Haus Weimar, Salon mit zahlreichen Zimmerpflanzen um 1860, Abbildung: Klassik Stiftung Weimar, Bestand Museen
Das Anwesen des Kirms-Krackow-Hauses entwickelte sich aus mehreren Grundstücken. Das Vorder- und das Hinterhaus, verbunden durch schmale Seitenflügel mit Laubengängen, umschließen einen reizvollen Innenhof. Von dort aus gelangt man in den liebevoll gepflegten Hausgarten mit barockem Gartenpavillon. Die Museumsräume befinden sich im Vorderhaus. Im ersten Obergschoss ist eine historische Bürgerwohnung eingerichtet, im Erdgeschoss werden Wechselausstellungen gezeigt.
Wohnkultur der Goethezeit
Mit seiner über 400-jährigen Baugeschichte zählt das Kirms-Krackow-Haus zu den ältesten erhaltenen Bürgerhäusern Weimars. Der Gebäudekomplex gibt einen illustren Einblick in die Entwicklung vom Ackerbürgerhof des 16. Jahrhunderts bis zum Bürgerhaus in der Zeit der Klassik. Besondere Prägung erlangte das Anwesen zudem im 18. und 19. Jahrhundert als Wohnsitz der herzoglichen Beamtenfamilie Kirms, die eine prominente Stellung im gesellschaftlichen Leben Weimars einnahm und mit zahlreichen Kunst- und Geistesgrößen verkehrte.
Im Vorderhaus befindet sich ein kleines Museum, das anhand der teils original erhaltenen, teils rekonstruierten Raumausstattung die Wohnkultur des gehobenen Bürgertums zu Goethes Zeiten präsentiert.
Ausstellungen
Dauerausstellung
Im ersten Obergeschoss des Vorderhauses ist eine Wohnung im Stil des Biedermeier eingerichtet. Ausstattung, Möblierung und Gebrauchsgegenstände geben Einblicke in die Wohnkultur eines bürgerlichen Haushalts im Umfeld des Weimarer Hofs. Zahlreiche Bilder zeigen Hausbewohner und Personen, die mit ihnen in freundschaftlicher Verbindung standen, darunter Johann Wolfgang von Goethe, Franz Liszt und Mitglieder des Herzogshauses.
Zu sehen sind unter anderem Schreibmöbel, eine Salon-Sitzgruppe und eine Küchenausstattung des frühen 19. Jahrhunderts. Porzellan- und Silbergeschirr im Salonschrank demonstrieren den Repräsentationsanspruch des gehobenen Bürgertums.
Sonderausstellungen
Neben der Dauerausstellung zur Wohnkultur widmen sich kleine Sonderausstellungen wechselnden Themen, die etwa mit der Geschichte des Hauses zu tun haben. In diesem Jahr:
Führungen
Hinter den Kulissen - Hofrat Kirms und das Weimarer Hoftheater
immer sonntags 11 Uhr
Geschichtsgenuss pur: kenntnisreich und unterhaltsam geführter Haus-, Hof- und Gartenrundgang durch das geschichtsträchtige Ensemble. Besonderheit: inkl. Besichtigung der ansonsten nicht öffentlich zugänglichen Räume und spannenden Bezügen zum Weimarer Theaterleben der Goethezeit. Ticket: 5,50 € (an der Museumskasse)
Bin dann mal im Garten…Kostüm(ent)führung in die Zeit um 1820
immer freitags 16 Uhr
Gartenlust pur: kostümierter Garten- und Hausrundgang durch ein Weimarer Kleinod der biedermeierlichen Wohn- und Gartenkultur. Besonderheit: Geschichte unterhaltsam in eine szenische Führung verpackt mit Bezügen zur Garten- und Zimmerpflanzenkultur um 1820. Ticket: 5,50 € (an der Museumskasse)
Tipp: Tickets für öffentliche Führungen sowie Buchungen von Gruppenführungen (auch außerhalb der Museumszeiten) über das Café Lieblingsgarten, die Tourist Information Weimar oder die Museumsverwaltung.
Einen Steinwurf von der Herderkirche entfernt öffnet sich hinter einer schlichten Fassade ein lichter Innenhof, an den sich einer der reizvollsten Stadtgärten Weimars anschließt. Das Ensemble gehörte in der Goethezeit zu den bedeutenden Treffpunkten der Weimarer Gesellschaft. Die Brüder Franz und Carl Kirms standen in herzoglichen Diensten und pflegten rege Beziehungen zum Hof und zu Künstlern, Wissenschaftlern und Stadtbürgern. Schon im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde das Haus als privater Erinnerungsort an diese Glanzzeit kaum verändert. Der umfangreiche Originalbestand sorgt für eine einzigartige Atmosphäre. Seit 1917 Museum, ist das Kirms-Krackow-Haus heute beliebter Geheimtipp für Flaneure und Kulturgenießer sowie begehrter Veranstaltungsort.
Wohnkultur erleben
Eine Wohnetage des in hohem Maß authentisch erhaltenen Anwesens ist als Museum zugänglich. Eine vollständige Wohnungseinrichtung macht die Wohnkultur des frühen 19. Jahrhunderts erlebbar. Wechselausstellungen widmen sich der Alltagskultur im bürgerlichen Umfeld des Weimarer Hofs.
Es ist eines der ältesten Häuser Weimars, war ab 1701 das Zuhause der Familie Kirms und ein wichtiger Treffpunkt für Künstler, Musiker und Gelehrte. Berühmte Persönlichkeiten wie Franz Liszt, Johann Nepomuk Hummel oder Hans Christian Andersen waren regelmäßig an der Jakobstraße zu Gast. Wer das Kirms-Krackow-Haus heute besucht, taucht ein in die Wohnkultur des gehobenen Bürgertums der Goethezeit – und darf obendrein einen intimen Blick in das Familienleben der Kirms werfen. Ein Kleinod mitten in der Weimarer Altstadt ist zudem der bürgerliche Blumengarten.
Blumisten
Besucher des Krims-Krackow-Hauses sollten unbedingt einen Blick in den Hausgarten werfen. Der Blumenliebhaber Franz Kirms zog dort seltene Apfel-, Mandel- und Maulbeerbäume heran, Rosen sowie seltene Pflanzen aus aller Welt. Unter seiner Hand bekam der Garten seine Gestaltung im Biedermeierstil, der maßgeblich für die heutige Gestalt ist – und erreichte damit seinen gestalterischen Höhepunkt.
Der Garten war Mitte des 18. Jahrhunderts erweitert und mit einem spätbarocken Pavillon ausgestattet worden. Die Entwürfe für den ursprünglich mit Dachterrasse errichteten Bau stammen vermutlich aus dem Umfeld der herzoglichen Baumeister Johann Adolph Richter und Gottfried Heinrich Krohne. Seinen gestalterischen Höhepunkt mit biedermeierlichen Blumenbeeten, Spalierobst und vielen botanischen Raritäten erreichte der Garten unter Franz Kirms (1750-1826), der dem Verein der Weimarer „Blumisten“ (Pflanzenliebhaber) angehörte.
Treffpunkt der Weimarer Gesellschaft im Umkreis des Hofes
Der Weimarer Hof war im Hinblick auf die Gartenkunst seit dem 18. Jahrhundert stets auf der Höhe der Zeit. Auch die in seinem Umfeld ansässigen Bürger entfalteten zum Teil großen gärtnerischen Ehrgeiz. Zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen gehört der Garten am Kirms-Krackow-Haus in Weimar. In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte die Familie Kirms das Anwesen so weit vergrößert, dass auf dem Grundstück ein Garten Platz fand. Im barocken Gartenpavillon konnten Feste gefeiert und empfindliche Pflanzen untergestellt werden. Zur Goethezeit avancierte das Kirms-Krackow-Haus zu einem wichtigen Treffpunkt der Weimarer Gesellschaft im Umkreis des Hofes. Man beschäftigte sich mit Literatur, Kunst und Musik – und mit Pflanzen. Hofrat Franz Kirms gehörte zu den weit über die Stadtgrenzen hinaus vernetzten Blumisten, die sich in Zeitschriften und persönlichen Gesprächen über ihre Erfolge in der Blumenzucht austauschten. Der liebevoll gepflegte Biedermeiergarten zeigt, wie anspruchsvolle bürgerliche Haushalte die Notwendigkeit des Obst- und Gemüseanbaus mit ästhetischen und repräsentativen Ambitionen verbanden.