Das Gebäude der Klosterkirche St. Peter und Paul

Erfurter Stadtkrone

Hoch über der Landeshauptstadt Erfurt liegt die ehemalige Klosterkirche St. Peter und Paul, bekannt als Peterskirche. Der Bau entstand im 12. Jahrhundert unter dem Einfluss der Hirsauer Reformbewegung als monumentale Kirche des gleichnamigen Benediktinerklosters, das eine herausragende politische, wirtschaftliche und kulturelle Stellung unter den Thüringer Klöstern einnahm. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Petersberg zur Festung ausgebaut. Das Kloster existierte inmitten der Wehranlagen noch bis zur Auflösung 1803.

Beim preußischen Beschuss der von den Franzosen besetzten Zitadelle während der Befreiungskriege 1813 erlitt das Kloster gravierende Treffer. Die beschädigte Kirche wurde danach bis auf Höhe der Seitenschiffwände abgebrochen, die umliegenden Klostergebäude wurden abgetragen. 1820/21 ließ die preußische Militärverwaltung den verbliebenen Torso zum Proviantmagazin umbauen. Hölzerne Balkendecken wurden eingezogen, Fensteröffnungen verändert und der Bau mit einem durchgehenden Satteldach versehen. Seit 1994 gehört die Peterskirche zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die sie schrittweise saniert. Trotz erheblicher Eingriffe im 19. Jahrhundert ist die Peterskirche noch heute das größte romanische Bauwerk Thüringens und gehört zu den bedeutendsten Bauzeugnissen der Hirsauer Reformbewegung.

Die Peterskirche während der Sanierung

Romanische Klosterkirche

Erzbischof Siegfried I. von Mainz gründete 1060 auf dem Petersberg anstelle eines Kanonikerstifts ein Benediktinerkloster, das sich knapp 30 Jahre später der vom Kloster Hirsau ausgehenden mönchischen Reformbewegung anschloss. Bereits 1103 veranlasste der damalige Abt einen Neubau von Klosterkirche und Klausur, der aber nicht weit gedieh. Der heutige Bau wurde nach jüngsten Erkenntnissen zwischen 1127 und 1183 nach einem neuen Plan errichtet, orientiert am Vorbild St. Peter und Paul in Hirsau. Es entstand eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querhaus und Querhausapsiden, geradem Chorabschluss, jeweils einem Turmpaar im Osten und Westen sowie einer dreischiffigen Vorkirche. Nördlich schlossen sich Kreuzgang und Klausurgebäude an.

Die äußere Gestaltung zeichnet sich durch eine für die Hirsauer Reform typische Schlichtheit aus, die handwerklich jedoch umso sorgfältiger ausgeführt ist. Akkurat gehauene Sandsteine, exakt gearbeitete Profile und feine Zierelemente wie Klötzchen- und Rollenfries entsprechend den Hirsauer Gepflogenheiten zeugen von einmaliger architektonischer Qualität. Vieles davon hat sich bis heute erhalten. Die Südfassade gliedern Säulen und Lisenen.

Fassadenschmuck

Im Tympanon über dem Südportal sind Reste einer Bemalung erkennbar – Maria mit Kind, begleitet von Engeln. Neben dem Portal befindet sich ein Kreuzigungsrelief aus der Zeit um 1370. Eine Inschrift an der Südwand erinnert an die Pesttoten von 1382. An der Südseite des ehemaligen Südostturms ist die gotische Ritzzeichnung eines sogenannten Schmerzensmanns erkennbar. Zwei Sonnenuhren zieren die Südwand des Querhauses. Eine weitere Sonnenuhr befindet sich an der Ostfassade.

Innenraum

Der Innenraum wurde 1820/21 stark verändert. Mit dem Umbau zum Proviantmagazin ging die ehemals lichte Raumwirkung des früheren Sakralbaus gänzlich verloren. Die hölzernen Zwischendecken führten zum Teil zu tiefen Eingriffen in die Substanz. Dennoch hat sich viel vom bauzeitlichen Schmuck erhalten, darunter die prägnanten Langhauspfeiler mit eingestellten Säulen und Würfelkapitellen. Seit der jüngst erfolgten Teilöffnung der Holzdecke im mittleren Kirchenschiff ist der romanische Raumeindruck im Ansatz wieder erfahrbar.

Wandmalereien

Im Erdgeschoss des Kircheninneren haben sich Reste der mittelalterlichen Gesamtausmalung in Form von Rötelzeichnungen erhalten. Eindrucksvoll sind eine großformatige Kreuzigungsszene im nördlichen Ostturm sowie zwei monumentale Apostelfiguren im Bereich des ehemaligen Südwestturms. Sie sind stilistisch dem sogenannten Zackenstil aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts zuzuordnen. Die Darstellung eines siebenarmigen Leuchters im südlichen Querhaus, ein frühes Sinnbild der christlichen Kirche, ist ebenfalls in dieser Zeit entstanden. Ferner befindet sich im südwestlichen Turm eine etwas jüngere Heiligendarstellung.