Weitere Restaurierungsetappe an Kloster Paulinzella

Erstellt am 19. November 2020 

Am Kloster Paulinzella ist wieder ein wichtiger Schritt zur Restaurierung der bedeutenden romanischen Kirchenruine geschafft. 2020 stand das nördliche Querhaus im Mittelpunkt. Die Gerüste sind dort schon abgebaut, an den Sockeln und der Apsis finden noch abschließende Arbeiten statt.

Wichtigstes Ziel der Restaurierungsarbeiten ist der wirksame Schutz der Mauerkronen. Sie sind seit dem Verlust des Daches vor 400 Jahren Wind und Wetter ausgesetzt und deshalb besonders gefährdet. Die einige Jahrzehnte alten Bleiabdeckungen waren marode und mussten abgenommen werden. Anschließend konnte das zum Teil bereits erheblich angegriffene Mauerwerk stabilisiert und wie zuvor mit Schieferplatten gesichert werden. Eine neue hinterlüftete Bleiabdeckung sorgt für Witterungsschutz.

Darüber hinaus wurden sämtliche Oberflächen des romanischen Mauerwerks restauriert. An Giebeln und Rissen waren auch statische Sicherungen nötig. In der Vergangenheit verwendete Zementmörtel mussten aus den Fugen entfernt werden. Zement ist auf die Dauer nicht mit dem Sandstein und den historischen Mörteln verträglich. Er ist eine Hauptursache der vielfältigen Schäden. Für die Neuverfugung mischten die Restauratoren einen speziellen Mörtel an, der genau zum Stein passt. Dafür verkneteten Sie vor Ort Kalk und verschiedene Zuschlagstoffe, die für gute bauphysikalische Eigenschaften und eine passende Optik sorgen. Besondere Aufmerksamkeit forderte die am Querhaus erhaltene Apsis, deren Kuppel ebenfalls neu verfugt und sorgfältig gegen Regenwasser geschützt werden musste. Außerdem reinigten die Fachleute alle Steinflächen und ergänzten fehlende Teile.

Wie in solchen Fällen üblich, wurde die Ruine baubegleitend von Bauforschern untersucht. Sie stießen im aktuellen Abschnitt auf manche Überraschung. So hatte sich in einer Maueröffnung noch der Rest eines Holzes aus dem frühen 12. Jahrhundert erhalten – beim Bau der Kirche hatte man auf solche in die Wand gesteckten Hölzer die Gerüstbretter gelegt. Und im Mauerwerk der Apsis kam ein gut erhaltenes Schmuckkapitell zum Vorschein, das dort nachträglich als Lückenbüßer eingemauert worden war.

2017 musste die Kirchenruine abgesperrt werden, weil Gefahr von den Mauerkronen ausging. Im gleichen Jahr begannen die Restaurierungsmaßnahmen – zunächst am Turm, seit 2019 an den Querhäusern. Bislang investierte die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten rund 1,5 Millionen Euro in die Maßnahmen. In den nächsten Jahren soll es am Langhaus und an der Vorkirche weitergehen.

Die Kirchenruine Paulinzella gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Romanik in Thüringen. Sie entstand im 12. Jahrhundert unter Leitung von Baumeistern aus dem Reformkloster Hirsau im Schwarzwald. Das mit dieser „Hirsauer Schule“ verbundene hohe Niveau zeigt sich am exakten Quadermauerwerk und dem Bauschmuck, beispielsweise dem Portal und den Schmuckfriesen. Bei einem Brand um 1600 ging das Dach verloren und der Verfall setzte ein. Seit der Goethezeit wird das Bauwerk als romantische Ruine geschätzt und gepflegt. Trotz derzeitiger Absperrungen ist die Kirche gut einsehbar, das übrige Klostergelände ist frei zugänglich. Für ein reiches Angebot besonders in der warmen Jahreszeit sorgen das Museum im Jagdschloss, der Thüringen-Forst im Amtshaus sowie der nördlich der Ruine gelegene Kräutergarten.

 

Abbildung:

– Klosterkirche Paulinzella, restauriertes Nordquerhaus mit Restarbeiten an Sockeln und Apsis, Foto: pons asini, Jens Linke

Stiftung
Thüringer Schlösser und Gärten

Dr. Franz Nagel
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F: 0 36 72 – 44 71 29

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