Wappen 38 | Grafschaft Gleichen

Grafschaft Gleichen

© Alexander Kühn

Grafschaft Gleichen

© Forschungsbibliothek Gotha

Der Wappenstein

Wie in der Vorlage der Forschungsbibliothek Gotha dargestellt, zeigt der Wappenschild in blau einen goldgekrönten steigenden silbernen „gelöwten Leoparden“. Im Gegensatz zu dem immer im Profil dargestellten heraldischen „Löwen“ schaut der „Leopard“ als Wappentier den Betrachter an. Die Vorlage und der Wappenstein sind somit heraldisch unrichtig. Aus der goldenen Krone auf dem eigentlich metallgrauen Helm wächst ein silberner gelöwter Leopard mit einer goldenen Krone, die mit drei blau-silbern-blauen Straußenfedern besteckt ist. Die Helmdecken sind ebenfalls blau-silbern. Die nicht ganz korrekte Farbfassung stammt vom VEB Denkmalpflege Erfurt, der den stark beschädigten Stein in den 1980er Jahren restaurierte.

Nach der Burg benannt

Die Grafen von Gleichen sind im ausgehenden 11. Jahrhundert erstmals als Grafen von Tonna (heute Gräfentonna) nachweisbar. In Diensten der Erzbischöfe von Mainz erlangten sie 1120 die „Vogtei über Erfurt“ und umfangreichen Besitz im Eichsfeld. Um 1130 erhielten sie die Burg Gleichen als Mainzer Lehen und nannten sich seit 1162 nach dieser Burg. 1342 erwarben sie die hersfeldische Vogtei Ohrdruf. Wie auch andere Grafen und Herren in Thüringen stellten sich die Grafen von Gleichen Mitte des 14. Jahrhunderts mit ihrem Eigenbesitz unter die Oberlehnsherrschaft der Wettiner, konnten sich aber ihre Unabhängigkeit bewahren. Mit Graf Hans Ludwig von Gleichen starb das Geschlecht 1631 ab. Infolge eines 1621 zwischen den Grafen von Gleichen und Grafen von Hohenlohe-Neuenstein und Hohenlohe-Langenburg geschlossenen Erbvertrags fiel die thüringische Obergrafschaft Gleichen mit Ohrdruf 1631 an die Hohenloher Hauptlinie Neuenstein. Die Landeshoheit behielten die Ernestiner als Oberlehnsherren, ab 1657 übernahm diese ausschließlich Ernst I. der Fromme von Sachsen-Gotha.

Schloss und Stadt Remda schenkten die Grafen von Gleichen der Universität Jena, die damit an die Ernestiner im Herzogtum Sachsen-Altenburg kam. Nieder-Kranichfeld und Blankenhain kamen an die Grafen von Mörsberg. Die Burg Gleichen mit dem Amt Wandersleben fiel als erledigtes Lehen zurück an das Erzbistum Mainz und wurde 1639 an die Grafen von Hatzfeld verlehnt. Die Untergrafschaft Gleichen wie auch die Herrschaft Ehrenstein kamen an das Haus Schwarzburg. Die Herrschaft Tonna erbten die Schenken von Tautenburg. 1640 übernahmen die Grafen von Waldeck-Pyrmont das Gebiet, bis es Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg 1677 erwarb. Von den drei Hauptresidenzen der Grafen von Gleichen ist das „Alte gräfliche Schloss“, auch Kettenburg genannt, in Gräfentonna als vierflügelige Anlage mit einer hauptsächlichen Bausubstanz des frühen 16. Jahrhunderts erhalten geblieben. Auch das Schloss Ehrenstein in Ohrdruf ist ein zwischen 1540 und 1570 errichtetes vierflügeliges Renaissanceschloss. Die namensgebende Burgruine Gleichen bei Wandersleben birgt umfangreich erhaltene Bausubstanz aus der Zeit ab 1130 bis zum Bau des Herrenhauses 1588, als man der Höhenburg noch einen Schlosscharakter verlieh. Seit 1655 ist sie eine Ruine. Die Burg Gleichen als eine der Drei Gleichen gehört zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und kann in der warmen Jahreszeit besichtigt werden.

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