Wappen 31 | Grafschaft Reinstein (Regenstein)

Grafschaft Reinstein (Regenstein)

© Alexander Kühn

Grafschaft Reinstein (Regenstein)

© Forschungsbibliothek Gotha

Der Wappenstein

Das Wappenschild der Herren von Bieberstein führt eine rote gebogene Hirschstange auf goldenem Grund. Die Helmzier zeigt eine gerade rote Hirschstange. Das ähnliche Wappenschild der Grafen von Regenstein führt eine rote gebogene Hirschstange auf silbernem Grund. Die Vorlage aus der Forschungsbibliothek Gotha hingegen zeigt eine rote gebogene Hirschstange auf schwarzem Grund, der damasziert dargestellt ist. Das verstößt jedoch gegen die heraldischen Regeln, bei der niemals Farbe auf Farbe dargestellt werden darf.

Bereits 1650 verwechselt

Dieses Wappen wurde bei den Entwürfen für die Wappensteine des Schlosshofs um 1650 mit einem ähnlichen, auch eine Hirschstange im Schild führenden, verwechselt. Das niedersächsische Geschlecht der Grafen von Reinstein oder Regenstein mit ihrer Stammburg bei Blankenburg in Sachsen-Anhalt ist ab 1162 nachweisbar. Die Grafschaft war ein Lehen des Bistums Halberstadt. Die Burgruine Regenstein ist eine teilweise in den Felsen gehauene Anlage auf einem hohen Sandsteinmassiv im nördlichen Harzvorland. Im 15. Jahrhundert verlegten die Grafen ihren Wohnsitz in das Schloss zu Blankenburg, die Burganlage verfiel. Mit dem Aussterben der Grafen von Regenstein im Jahre 1599 ging das Herrschaftsgebiet als erledigtes Lehen an die welfischen Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, die als protestantische Administratoren über das Bistum Halberstadt herrschten. Teile der Grafschaft bildeten das spätere Fürstentum Blankenburg. Die Burgruine selbst ging 1671 an Preußen, das sie sofort zu einer Festung ausbauen ließ. Im Siebenjährigen Krieg wurde die Anlage 1758 durch die Preußen selbst geschleift. Heute ist die in landschaftlich exponierter Lage befindliche Burg- und Festungsruine ein vielbesuchtes Ausflugsziel.

Doch weder Burg noch Grafschaft befanden sich jemals im Besitz der Wettiner. Vielmehr geht das Wappen auf die Herren von Bieberstein mit ihrer Stammburg zwischen Nossen und Freiberg im heutigen Freistaat Sachsen zurück. Die Burg Bieberstein als Herrschaftsmittelpunkt des gleichnamigen edelfreien, reichsministerialen Geschlechts wird bereits 1218 erstmalig genannt. Nicht zu verwechseln sind die Herren von Bieberstein mit den Marschällen von Bieberstein und den Rogalla von Bieberstein. Die Herren von Bieberstein waren insbesondere in der Lausitz, in Böhmen und in Schlesien begütert. Ein Familienzweig ererbte um 1360 einige Herrschaften mit den Städten Storkow, Beeskow und Sorau. 1477 erwarben die Wettiner unter Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht diese Herrschaftsgebiete wiederverkäuflich und nahmen dafür das Wappen derer von Bieberstein in ihre Provinzwappen auf. Anfang des 16. Jahrhunderts von den Biebersteinern zurückerworben, gehören Storkow und Beeskow heute zum Bundesland Brandenburg, Sorau (Żary) zu Polen.

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