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Ansprache von Dr. Doris Fischer anlässlich der Saisoneröffnung am 11. Mai 2019

 

Ansprache von Direktorin Dr. Doris Fischer anlässlich der Saisoneröffnung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten am 11. Mai 2019 auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt, Foto: STSG, C. Beyer

Sehr geehrte Frau stellvertretende Ministerpräsidentin,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

seien sie uns herzlich willkommen zur diesjährigen Saisoneröffnung auf der Heidecksburg in Rudolstadt, dem Stiftungssitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

In diesem Jahr ist die Saisoneröffnung mit einem besonderen Anlass verbunden, nämlich dem 25-jährigen Bestehen unserer Stiftung. Daher findet die Veranstaltung nicht wie üblich am Europatag statt, sondern an einem Wochenende, an einem Samstag, und das Programm beinhaltet neben der Verleihung des Christian-August-Vulpius-Preises auch einen Festvortrag und vor allen Dingen heute Nachmittag den Tag der offenen Tür hier oben auf der Heidecksburg, zu dem wir sie ganz herzlich einladen.

Dieser Tag der offenen Tür ist ein Kooperationsprojekt mit unseren Partnern auf der Heidecksburg und zwar dem Staatsarchiv, dem Landesmuseum, der Kunstwerkstatt und auch dem Gastronomen. Und gestatten sie mir an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Zuvorderst danke ich den Musikern, die uns heute schon so schwungvoll in Festlaune versetzt haben, dem Trio Klangart, das uns auch im Weiteren durch das Programm begleiten wird. Ich danke auch den Kolleginnen und Kollegen vom Staatsarchiv, dem Landesmuseum, der Kunstwerkstatt und natürlich den Kolleginnen und Kollegen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die das gesamte Programm vorbereitet haben, auch den Tag der offenen Tür konzipiert haben und heute Nachmittag und während des Vormittags hier engagiert zur Seite stehen. Also herzlichen Dank ihnen allen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten wurde 1994 per Gesetz gegründet. Die ihr übertragenen Objekte sind die für die Landesgeschichte bedeutsamsten, und zwar sind das alle ernestinischen Residenzen, die Schwarzburger Residenzen, die Leuchttürme der ehemals hessischen und preußischen Gebiete, zum Beispiel Schmalkalden, auch die Henneberger Residenzen, zum Beispiel die Bertholdsburg in Schleusingen, aber auch die Sommerresidenz der Reußen in Greiz. Es sind also alle ehemals regierenden Häuser mit ihren Hauptresidenzen, zum Teil auch Neben- und Jagdresidenzen vertreten. Ergänzt wird diese Objektauswahl durch die landesgeschichtlich bedeutsamen Anlagen der Landgrafen- und der Klosterzeit. Sie sehen also schon allein an dieser Auswahl der Objekte, welche Bedeutung man dieser Schlösserstiftung beigemessen hat. Es sollte natürlich die einzige Schlösserverwaltung Thüringens sein, und man hat sie daher auch mit einem maßgeblichen und weitreichenden Auftrag ausgestattet und zwar vergleichbar dem Auftrag der übrigen deutschen Schlösserverwaltungen. Der Auftrag lautet, dieses besondere kulturelle Erbe zu verwalten, zu erhalten, instand zu setzen, natürlich auch nutzbar zu machen und in der Gesamtheit zu erforschen und der Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sollte also eine entscheidende kulturpolitische Aufgabe für den Freistaat Thüringen übernehmen und identitätsstiftend wirken.

Nach 25 Jahren ist natürlich der richtige Zeitpunkt zu sehen, wie die Stiftung diesem an sie gestellten Anspruch gerecht geworden ist. Und da, meine sehr verehrten Damen und Herren, können wir mit Fug und Recht behaupten, dass sie trotz schwieriger Rahmenbedingungen diesen Auftrag bestens erfüllt und die Aufgaben sehr erfolgreich erledigt hat. Dies ist natürlich insbesondere verbunden mit dem Namen meines Vorgängers, Herrn Professor Paulus, der mit Tat, mit Engagement und vor allen Dingen mit seinem kreativen Geist maßgeblich dazu beigetragen hat. Es ist also gelungen, eine leistungsstarke Schlösserverwaltung aufzubauen, die weit mehr ist als nur eine Bau- und Liegenschaftsverwaltung. Es ist gelungen, ein zentrales Kompetenzzentrum in Sachen Thüringer Schlösser mit allen notwendigen Expertisen aufzubauen. Dahinter stehen natürlich immer Menschen, die Kolleginnen und Kollegen, die hier mit großem Engagement tätig sind. Und diese Kompetenz, die dadurch hier entstanden ist, ist nicht nur innerhalb des Landes geschätzt, sondern vor allem auch im Reigen der deutschen Schlösserverwaltungen. Darüber hinaus ist es gelungen, Vertrauen zu schaffen, Vertrauen im Umgang mit unseren Partnern, den Nutzern, wie Fördervereinen, Museen und dergleichen. Es ist gelungen, die Interessen der unterschiedlichen Nutzer auf unseren Liegenschaften auszutarieren und im Sinne einer weitreichenden Entwicklung unserer Objekte auszugleichen, aber natürlich auch zu fördern. Es ist gelungen, Netzwerke innerhalb Thüringens und darüber hinaus zu weben und vor allen Dingen ist es natürlich gelungen, zahlreiche und umfassende bauliche Sicherungen, Instandsetzungen durchzuführen und denkmalgerechte Nutzungen zu ermöglichen. Insgesamt wurden etwa 230 Millionen Euro innerhalb der letzten 25 Jahre verbaut. Man kann also ohne rot zu werden sagen, dass die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ein Erfolgsmodell ist.

Die Stiftung hat in Thüringen maßgeblich identitätsstiftende Wirkung entfaltet und einen wesentlichen Beitrag zur touristischen Strahlkraft Thüringens und zum Profil als Kulturland geleistet. Selbstverständlich ist noch sehr viel zu tun, und die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten muss weiterentwickelt werden. Dazu gehört neben einer besseren personellen und finanziellen Ausstattung auch der Abbau des nach wie vor vorhandenen Investitionsstaus in unseren Liegenschaften. Wir haben ihren Zustand im letzten Jahr einer näheren Betrachtung unterzogen und festgestellt, dass wir etwa ein Investitionsvolumen von 400 Millionen Euro benötigen.

Daher blicken wir natürlich mit großer Hoffnung auf den Beschluss des Bundestages, für die notleidenden Schlösser, Gärten und Burgen in Mitteldeutschland 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen zu wollen. Dafür gebührt dem Bundestag ein herzliches Dankeschön. Ein herzliches Dankeschön geht aber auch an Sie, Frau Finanzministerin Taubert. Ihnen ist es gelungen, die Kofinanzierung von 100 Millionen Euro sicherzustellen, und es wird sicherlich kein leichtes Unterfangen gewesen sein, diese doch sehr große Summe im Landeshaushalt der nächsten Jahre darzustellen. Also herzlichen Dank, und dafür gebührt Ihnen auch ein Applaus.

Aber dieses ist keines der sonst üblichen Sonderinvestitions- und Sonderförderprogramme des Bundes mit einer direkten Förderung von Objekten oder Projekten, wie wir das beispielsweise in Gotha oder auch im Lindenau-Museum haben. Nein, dieses Mal ist es verknüpft mit der Forderung nach strukturellen Veränderungen. Dies ist natürlich verfassungsrechtlich ganz interessant, wenn Haushaltspolitiker des Bundes in dieser Art in die Kulturhoheit der Länder eingreifen und Kulturpolitik in den Ländern machen.

Es besteht also die Forderung nach der Gründung einer länderübergreifenden neuen Mitteldeutschen Schlösserstiftung. Sachsen-Anhalt und Thüringen sollen, so muss man es sagen, zwangsverheiratet werden, und das, obwohl sie historisch nahezu keine Bezüge haben und zudem von Grenze zu Grenze eine 400 Kilometer große Distanz besteht. Das ist ein großer Gegensatz zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die ja immer als „Blaupause“ bezeichnet wird. Dort hat man zwei Schlösserverwaltungen, die von Ost und West, zusammengeführt. Beide haben vorher und nachher dasselbe kulturelle Erbe der Hohenzollern weiter verwaltet und entwickelt.

In diese jetzt neu zu gründende Schlösserverwaltung müssen zudem auch Liegenschaften eingebracht werden. Und damit dieser sehr hohe Preis etwas versüßt wird, wird ein Betriebskostenzuschuss des Bundes in Aussicht gestellt.

Wie das Modell aussehen soll, entnehmen wir dem Presseartikel in der Thüringer Allgemeinen vom 13. April 2019. Das Modell ist bisher zwischen den Ländern Sachsen-Anhalt und Thüringen abgestimmt, aber noch nicht abschließend mit dem Bund. Aber selbst zwischen den Ländern könnte es kaum unterschiedlicher sein. Sachsen-Anhalt bringt seine gesamte Kulturstiftung, das heißt alle Liegenschaften, das gesamt Personal, die zentrale Organisation und alle Kompetenzen ein. Ganz anders Thüringen. Hier will man neben den Zustiftungen Meiningen, Altenburg und Reinhardsbrunn die großen und teuren Museumsbetriebe inklusive der Sammlungen und des Personals einbringen, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass die derzeitigen Träger, Kommunen oder Stiftungen, zustimmen. Zudem sollen aus unserem Bestand sechs Liegenschaften als Vermögen in die neu zu gründende Stiftung eingebracht werden. Dazu soll in der nächsten Stiftungsratssitzung Ende Mai der Weg geebnet werden. Welche Liegenschaften sind das? Neben Paulinzella und der Veste Heldburg ist es die Residenz der Ernestiner in Gotha, und es sind die drei Schwarzburger Residenzen Heidecksburg, Schwarzburg und Sondershausen. Man will also, diese Liegenschaften von der zentralen und kompetenten Schlösserverwaltung trennen, so, als würde man die Sammlungen der Museen von ihren Kustoden trennen wollen.

In Thüringen plant man also, wenn man dieses Modell so umsetzt, den Aufbau einer zweiten Schlösserverwaltung, die aber derzeit noch ohne zentrale Struktur und Personal ist. Und selbst wenn man sich der baulichen Expertise unserer Stiftung für die neue Stiftung versichern würde, durch welche Konstruktion auch immer, dann hätte man ein Zahnrad eines funktionierenden Uhrwerks herausgenommen, könnte es in der neuen Stiftung aber nicht in ein Uhrwerk einsetzen, und hier in unserem Uhrwerk würde es fehlen, so dass auch dieses nicht mehr laufen könnte.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Herausnahme dieser großen Residenzschlösser würde die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ins Herz treffen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sie dadurch im Grundsatz ausgehöhlt würde und dass dies auch ganz und gar dem Gründungsgedanken entgegenstünde. Wir können auch keine Stärkung für unsere Stiftung darin erkennen, auch beim besten Willen nicht, und wir könnten sie auch dann nicht erkennen, wenn man uns andere notleidende kommunale Liegenschaften zustiften würde. Die Residenzschlösser könnten sie mit Nichten ersetzen. Wir lesen in dem Zeitungsartikel auch, dass die Thüringer Schlösserstiftung entlastet werden soll. Aber wovon würde sie entlastet? Sie würde von ihrer Kernaufgabe entlastet – und diese Kernaufgabe ist der Grund, weshalb sie überhaupt gegründet wurde, und diese Kernaufgabe hat sie auch nachweislich mit Bravur erfüllt. Eine Weiterentwicklung unserer Stiftung können wir auch nicht darin sehen, dass wir die Liegenschaften wirtschaftlich betreiben sollen, dass wir sozusagen die Aufgaben eines Liegenschaftsmanagements übernehmen sollten. Dazu ist weder der Stiftungsbestand geeignet, noch haben wir dafür die richtige Kompetenz. Das, meine sehr verehrten Damen und Herren, können andere weit besser leisten als wir. Auch die uns zukünftig zugedachten zentralen Aufgaben, nämlich den Freistaat als Schlösserland profilieren auch die Schatzkammer weiter entwickeln zu sollen, würde vor dem Hintergrund, dass die entsprechenden Residenzschlösser gar nicht mehr in unserem Bestand wären, nicht wirklich Sinn machen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Bundesförderung ist eine große Chance für Mitteldeutschland, und sie ist auch wirklich absolut notwendig. Man sollte also versuchen, sie in jedem Fall zu ergreifen. Doch muss es ein sinnvolles und nachhaltiges Konzept sein, von dem wir überzeugt sind, dass es tatsächlich auch zum gewünschten Ergebnis führt. Das Beste wäre, die Haushaltspolitiker des Bundes würden von ihrer Forderung ablassen und würden direkt die Objekte und Projekte in den jeweiligen Bundesländern fördern. Oder aber man würde sich zumindest auf eine Förderstiftung verständigen können. Sollte es aber bei der jetzigen Forderung bleiben und eine neue Mitteldeutsche Schlösserstiftung gegründet werden müssen, dann, meine sehr verehrten Damen und Herren, müssen alle Kräfte gebündelt werden. Dann müssen Schlösser natürlich bei ihrer zugehörigen Fachverwaltung bleiben, genauso wie die Sammlungen bei ihren Kustoden. Eine Mitteldeutsche Schlösserstiftung ohne die Thüringer Schlösserstiftung zu denken, ist schlicht unmöglich und vor allen Dingen auch nicht sinnvoll. Nur wenn die Thüringer Schlösserstiftung federführend in dieser Mitteldeutschen Schlösserstiftung vertreten ist, haben wir den Garanten dafür, dass gemeinsam mit den Kollegen aus Sachsen-Anhalt wirklich eine neue Schlösserstiftung mit Erfolg aufgebaut werden kann. Und wir haben vor allen Dingen den Garant dafür, dass die kulturelle Identität des Freistaats auch innerhalb der neuen Mitteldeutschen Schlösserstiftung gewährleistet werden kann.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es geht nicht darum, tote Steine hierhin oder dorthin zu verlagern. Es geht ums Ganze. Es geht um die kulturelle Identität des Freistaats Thüringen und es geht alle Thüringerinnen und Thüringer etwas an. Möge sich also der Thüringer Landtag bald mit diesem grundlegenden kulturpolitischen Thema beschäftigen, noch bevor Festlegungen getroffen sind. Und möge er insbesondere zu einer klugen und verantwortungsvollen Entscheidung kommen, im besten Falle gemeinsam mit den Fachleuten erarbeitet, und möge er zu einer nachhaltigen und zukunftsweisenden Entscheidung kommen, die dem Wohle des kulturellen Erbes, der kulturellen Identität und der Weiterentwicklung des Freistaats Thüringen dient. Dann, meine sehr verehrten Damen und Herren, könnte auch dieses Modell ein Erfolgsmodell werden.