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Projekt Schwarzburg – Kulturerbe als Erlebnisraum

 
2012-11-28

Architekturwettbewerb Schloss Schwarzburg -
Ausstellung vom 4.12.2012 bis 5.1.2013 in der Bibliothek der Bauhaus-Uni Weimar


Schloss Schwarzburg könnte künftig ein überregional bedeutender Ausstellungs- und Veranstaltungsort werden, der die Spuren seiner Geschichte zeigt und dabei lebendig und vielfältig genutzt wird. Dies ist das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs, den die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ausgelobt hat.

An diesem Wettbewerb haben sich neun überregional renommierte Architekturbüros beteiligt. Für die drei besten Beiträge hat die Jury Preise vergeben. Als Sieger ging das Büro Tectum Hille Kobelt Architekten (Weimar) aus dem Wettbewerb hervor. Zweiter wurde das Büro Gildehaus. Reich Architekten (Weimar), den dritten Preis erhielt das Büro Rittmannsperger und Partner (Erfurt).

Nachdem die Ausstellung mit allen Beiträgen von September bis Oktober in Schwarzburg gezeigt wurde, ist sie nun vom 4. Dezember 2012 bis 5. Januar 2013 in der Bibliothek der Bauhaus Universität Weimar zu sehen.

Im Rahmen des Wettbewerbs hatte die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten Architekten um baulich-konzeptionelle Vorschläge zum Umgang mit der Anlage von Schloss Schwarzburg gebeten. Im Vordergrund stand dabei das Hauptgebäude, das die Nationalsozialisten in den 1940er-Jahren durch Umbauarbeiten zu einem geplanten Reichsgästehaus zerstört hatten. Im Rahmen des Ideenwettbewerbs sollten die Konzeptionen für das gesamte Burgenensemble einschließlich des museal genutzten Kaisersaalgebäudes und des 2010 sanierten Zeughauses entwickelt werden.

Die prämierten Arbeiten zeichnen die Auseinandersetzung und der sensible, zurückhaltende Umgang mit der historischen Substanz aus. Dabei soll die Anlage nicht zum vorgeblich intakten barocken Schlossensemble rekonstruiert werden, sondern nach den vorgegebenen Maßstäben des erhaltenen barocken Bestandes in einer Weise baulich ergänzt werden, die sowohl dem Anspruch der barocken Schlossanlage gerecht wird als auch die späteren Eingriffe als informative Spuren der Geschichte zum Erlebnis werden lässt. Erhaltene historische Raumfassungen und prägende Gestaltungselemente sollen konserviert und restauriert werden, doch auch die Eingriffe des brutalen nationalsozialistischen Umbaus sollen im historischen Kontext dargestellt werden, um die gesamte Anlage als Dokument geschichtlicher Entwicklung und doch als ästhetisches Erlebnis zu präsentieren. Authentische Geschichte wird damit zur spannungsvollen Attraktion, das Kulturerbe zum Erlebnisraum.

Die drei Preisträger haben es verstanden, Wege aufzuzeigen, die wesentliche Spuren der Geschichte visualisieren und dennoch zu angemessenen baulichen Lösungen finden, die im Rahmen eines Nutzungskonzeptes umsetzbar sind. Die Alleinstellungsmerkmale des Standortes Schwarzburg und die Attraktion der sprechenden Geschichte des Schlosses wurden geschickt herausgearbeitet und in Nutzungsvorschläge überführt, die als Basis einer Gesamtkonzeption dienen.

Der Siegerentwurf steht unter dem Motto „Kontinuität und Hinzufügung“. Er stellt das Denkmal und die Spuren seiner Geschichte in den Mittelpunkt, ergänzt um eine Dauerausstellung zur Geschichte des Schlosses und zur Rolle Schwarzburgs in der deutschen Verfassungsgeschichte. Darüber hinaus greift der Beitrag die historische Funktion des Schlosses als fürstlicher Stammsitz auf und entwickelt daraus die Idee, einen Teil des Gebäudes als Künstlerresidenz zu nutzen. Im Bereich des Kastellangebäudes zwischen Zeughaus und Schloss ist ein Restaurant mit großzügiger Freiterrasse angedacht. Von hier böte sich eine eindrucksvolle Aussicht in den Thüringer Wald. In die Überlegungen wird darüber hinaus die Erschließungssituation der Schlossanlage einbezogen. Die Jury zeigte sich beeindruckt von der Idee, „die Auseinandersetzung mit Geschichte zu einem Gegenwartsereignis zu machen“. Das Konzept biete die Chance, „sowohl traditionelle Besucher als auch völlig neue Zielgruppen“ anzusprechen.

Der zweitplatzierte Beitrag „Schloss Schwarzburg ans Licht führen – ein Vexierspiel“ stellt ebenfalls einen behutsamen Umgang mit dem Schloss in den Vordergrund. Der Entwurf sieht eine spannende räumliche Verknüpfung zwischen dem Hauptgebäude und dem Kirchflügel vor. Befunde, wie die baulichen Bruchstücke des Kirchflügels, werden erhalten. Die Wunden des Ortes werden gezeigt und als Bestandteil der Geschichte akzeptiert.  In besonderem Maß geht der Entwurf auf die Schädigung des Hauptgebäudes ein und macht den erhaltenen Bestand zum Ausstellungsort, der auf eingefügten Ebenen begangen werden kann. Als neues Wahrzeichen soll im Rahmen eines Kunstwettbewerbs eine Turmhaube geschaffen werden.

Den Verlust des Kirchflügels möchte auch das drittplatzierte Konzept „Licht und Schatten in der deutschen Geschichte“ mit einem Neubau ausgleichen. Er soll Tagungsräume aufnehmen. Darüber hinaus wird vorgeschlagen, den Ahnensaal und das zugehörige Treppenhaus im Schloss als Beispiel für die historische Raumgestaltung wiederherzustellen. Die gesamte Schlossanlage soll durch einen zusätzlichen Rundweg neu erschlossen werden, der über moderne Einbauten auch das Hauptgebäude durchquert.

Ausstellung Ideenwettbewerb für Schloss Schwarzburg

Vom 4.12.2012-5.1.2013

Bauhaus Universität Weimar, Foyer, Steubenstraße 6

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9-21 Uhr, Samstag 10-16 Uhr, Sonntag und 24.12.2012 bis 1.1.2013 geschlossen

 
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